Wo die Lilien blühen (englischer Originaltitel Where the Lilies Bloom) ist ein Jugendroman des US-amerikanischen Schriftsteller-Ehepaars Vera und Bill Cleaver, der im Jahr 1969 beim Verlag Lippincott mit Illustrationen von Jim Spanfeller veröffentlicht wurde. Die deutsche Erstausgabe in einer Übersetzung von Rolf Inhauser erschien 1973 beim Sauerländer-Verlag.

Inhalt Die 14-jährige Mary Call verspricht ihrem sterbenskranken Vater Roy Luther, dass sie nach seinem Tod jedes Mitleid und jegliche Hilfe von Nachbarn verschmähen und sich um die beiden jüngeren Geschwister Ima Dean und Romey sowie ihre ältere, aber geistig zurückgebliebene Schwester Devola kümmern und alles daran setzen werde, die übriggebliebene Familie zusammen zu halten. Außerdem solle sie tunlichst verhindern, dass der wohlhabende Nachbar Kiser Pease, dem das Grundstück in den Appalachen und das schäbige Haus der Luthers gehört, Devola heiratet. Die Mutter der ärmlichen Familie ist schon vier Jahre zuvor verstorben, sodass die vier Waisenkinder nach dem tatsächlich bald darauf erfolgten Tod von Roy auf sich alleine gestellt sind.

Mary Call und Romey verscharren den Leichnam ihres Vaters, so wie er es gewünscht hat, auf dem Berg Old Joshua. Aus Furcht davor, in Waisenhäuser zu kommen und getrennt zu werden, behaupten die Kinder gegenüber den Bewohnern ihres Dorfes, ihr Vater sei bettlägerig und schlafe die meiste Zeit. Unter der Anleitung von Mary Call beginnen die vier Geschwister, auf den nahegelegenen Bergen und Wäldern wildwachsende Heilkräuter, Wurzeln und Pollen zu sammeln und diese an den Ladenbesitzer Mr. Connell zu verkaufen. Mit dem dabei erhaltenen Geld können sich die Kinder mehr recht als schlecht ihren Lebensunterhalt leisten. Als Kiser Pease an schwerem Fieber erkrankt und fast daran stirbt, ringt ihm Mary Call als Gegenleistung für die Krankenpflege ein Schriftstück ab, in dem Kiser den Luthers ihr Haus und etwas Land abtritt.

Langsam aber sicher neigt sich der Sommer dem Ende zu und die Temperaturen fallen. Als der erste Schnee fällt, stürzt ein Teil des Dachs ein und die raue Natur und der Winter verlangen den Kindern alles ab. Mary Calls zäher und mutiger Kampf um den Erhalt der Familie scheint vergebens zu sein und in ihrer verzweifelten Lage bietet das völlig entkräftete Mädchen Kiser Pease an, ihn zu heiraten. Doch dieser erweist sich als gar nicht so gemein und rücksichtslos, wie ihn Roy und Mary Call stets gesehen haben. Auch Devola entpuppt sich als weniger zurückgeblieben und hilflos als angenommen: Entgegen dem Verbot ihrer jüngeren Schwester setzt sie ihren schon lange gehegten Wunsch in die Tat um und heiratet Kiser Pease. Letztlich stellt sich für Mary Call heraus, dass die Annahme von fremder Hilfe einen nicht unweigerlich erniedrigen oder gar zum dauerhaften Almosenempfänger machen muss.

Anmerkungen Die Autoren wurden durch eine Großmutter und ihren Enkelsohn zu dem Roman inspiriert, als sie die beiden in der Nähe von Boone beim Sammeln von Pollen und Blättern beobachteten und mit der Frau und dem Jungen ins Gespräch kamen.

Rezeption Clare Rhoden schreibt in ihrer Buchrezension: „Wo die Lilien blühen spielt wohl in den 1950er/1960er Jahren und plädiert für mehr Aufgeschlossenheit. Einige Leser mag Mary Calls andächtiges Vertrauen auf die göttliche Vorsehung irritieren, aber ihr unbändiger, wacher Geist verleiht dem vielschichtigen Roman eine weitere interessante Facette.“ Inga Kromann-Kelly schreibt in ihrer Analyse des Romans: „Die Glaubwürdigkeit der Geschichte liegt […] in der eindringlichen Charakterisierung von Mary Call. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit im Umgang mit Tod, Armut und einer unerbittlichen Umgebung machen das Buch zu mehr als einem realistischen „Problemroman“. Ein Kritiker verglich sie mit Mattie Ross aus Charles Portis’ True Grit (1968) und deutete damit an, dass der Mut der Pioniere nicht mit ihnen verschwunden sei. Doch auch die anderen Luthers entwickeln sich weiter. Romey wird zunehmend selbstbewusster, oft als Reaktion auf die fordernde, ungeduldige Mary Call. Devola, äußerlich liebenswürdig und nachgiebig, behauptet still ihre Unabhängigkeit; sie will Kiser Pease heiraten und findet Wege, mit ihm zusammen zu sein. Auch wenn die Lösung der Probleme der Familie etwas platt erscheinen mag, ist sie im Kontext der Kulisse, der Geschichte und der Figuren völlig glaubwürdig und einprägsam.“

Auszeichnungen Wo die Lilien blühen wurde als American Library Association Notable Book ausgezeichnet, war für die New York Times ein Outstanding Children's Book of the Year, wurde vom School Library Journal zum ‚Best of the Best‘ Children's Book auserkoren und war für den National Book Award for Children's Literature nominiert.

Referenzen Wo die Lilien blühen ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 12+ Jahre enthalten.

Ausgaben

Adaptionen 1974 wurde Wo die Lilien Blühen unter der Regie von William A. Graham verfilmt. Harry Dean Stanton spielt darin Kiser Pease.

Weblinks

Einzelnachweise

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