St. Franziskus von Assisi (vor 1945 umgangssprachlich auch Kirche zu Polsnitz bei Freiburg, bzw. Polsnitz-Zirlauer Kirche; ; historisch Kirche Beata Mariae Virginis) ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Ciernie (deutsch Zirlau bei Freiburg), einem Stadtteil von Świebodzice (Freiburg in Schlesien), im Powiat Świdnicki (Kreis Schweidnitz) der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Kirchenpatron ist Franz von Assisi. Die kleine Dorfkirche gilt als älteste genutzte des Freiburger Landes. Vom früheren Stellenwert zeugen bis heute von der Ausstattung ein gotisches Sakramentshaus, ein gotisches Triptychon, ein mittelalterlicher Freskenzyklus und die Spuren eines Lettner, der in ländlichen Kirchen Schlesiens fast einzigartig ist. Auf Grund der Verlegung des Pfarrsitzes nach Freiburg sowie der Rekatholisierung von 1653 und darauf folgenden Mangel an Gemeindemitgliedern verlor die Kirche an Bedeutung. Seit dem 5. März 1960 steht die Kirche unter der Aktennummer A/5213/630 in der Liste der staatlichen Kulturdenkmäler. Am 3. Mai 1972 wurde die Pfarrei neu gegründet. Sie gehört zum Dekanat Świebodzice (Freiburg) im Bistum Świdnica (Schweidnitz).
Lage Die Kirche im nördlichen Teil von Świebodzice (Freiburg in Schlesien), unweit der Straße nach Strzegom (Striegau) behielt ihren Standort über Jahrhunderte hinweg unverändert. Im Mittelalter lag die Kirche, vor den Toren Freiburgs, an einer wichtigen Handelsroute. In der Nähe befand sich eine bedeutende Furt über den Fluss Pełcznica (Polsnitz, auch Freiburger Wasser). Das Fresko des Heiligen Christophorus im Innenraum könnte damit in Zusammenhang stehen. Reisende nutzten die Kirche für ein Gebet an ihren Schutzpatron. Obwohl die Kirche heute zu Ciernie (Zirlau) gehört, schrieb man das Gotteshaus in der Vergangenheit dem südwestlich von Freiburg gelegenen und an Cierne anschließenden Dorf Pełcznica (Polsnitz) zu. Möglicherweise weil der Pfarrsitz im Mittelalter verlegt wurde, oder sich die Ortsgrenzen änderten. Beide Dörfer wuchsen im Laufe der Jahrhunderte in enger Nachbarschaft von Freiburg überflügelt, zusammen und bilden heute deren Stadtteile. Auch Kerber verortete Ende des 19. Jahrhunderts die Zirlauer Kirche noch nach Polsnitz:
Geschichte Vorgeschichte mini|Infotafel an der Kirchenruine St. Anna Die von Slawen gegründeten Dörfer Zirlau und Polsnitz dürften bereits vor der Entstehung von Freiburg existiert haben. Unter der alten Kastellanei Ztrigoni, erscheint Zirlau 1163 neben Stanowitz, Tschechen und Lüssen, als Zehntenpflichtige der vom Breslauer Bischof Walther neu geweihten Peterskirche. Im Hochmittelalter erlangte Polsnitz als Mutterpfarrei des Freiburger Landes an Bedeutung. Im Zuge der Ostkolonisation gründeten deutsche Siedler neue Orte, z. B. Kunzendorf und Fröhlichsdorf deren kirchliches Zentrum Polsnitz wurde. Laut Lutsch diente zunächst die später untergegangene Kirche St. Anna im Oberdorf von Polsnitz als Pfarrkirche und die heutige Kirche St. Franziskus in Zirlau als Begräbniskirche, ehe sie zur Pfarrkirche erhoben wurde. Welche Kirche ein höheres Alter aufweist, lässt sich anhand der Quellen nicht eindeutig klären. Heute geht man davon aus, dass die Kirche St. Franziskus im Mittelalter eine höhere Stellung hatte und sich die historischen Berichte ausnahmslos auf diese Kirche beziehen.Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice – Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART – Wałbrzych, S. 13 Die häufig nur als Kapelle bezeichnete Kirche St. Anna blieb mit Ausnahme des Presbyteriums unvollendet, das Langhaus bestand vielleicht nur aus Holz.Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice - Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART - Wałbrzych, S. 12 Am 30. August 1228 ist eine erneute Zuwendung Herzog Heinrich I. an die Kirche von Polsnitz belegt, da die bisherigen Stiftungen unzureichend waren. Der damalige Grundherr von Zirlau, Graf Inbranus, war Mitstifter der Zirlauer Kirche, der dazu zwei freie Huben Acker stiftete. Dabei war der Ort bereits zum Deutschen Recht ausgesetzt. Auf Grund der reichhaltigen Schenkungen und Privilegien halten manche Historiker die Urkunde für eine Fälschung des Mittelalters.Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice - Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART - Wałbrzych, S. 10 Eingepfarrt wurden u. a. Kunzendorf mit einer vielleicht schon vorhandenen gotischen Tochterkirche und alle noch anzulegenden Dörfern im Umkreis von einer Meile:
Erweiterungen, Reformation, Rekatholisierung mini|hochkant|Turm und Langhaus mini|hochkant|Seitenansicht mini|hochkant|Vermauertes Spitzbogenportal Der Vorgängerbau war vermutlich eine kleine, spätromanische Kirche aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice - Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART - Wałbrzych, S. 10 Vielleicht wurde das Gotteshaus beim Tatareneinfall von 1241 zerstört und zur Erinnerung die Kirchturmkuppel in Form einer Tatarenmütze gestaltet. Laut Lutsch bestand die Kirche Anfang des 14. Jahrhunderts gesichert in kleineren Abmessungen. Als heute ältester Teil gilt der vor 1352 datierte Chor. Der Erweiterungsbau fällt in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts. Im 15. Jahrhundert erfolgte der Umbau im gotischen Stil. Dabei erhielten die Fenster gotisches Maßwerk sowie Kirche und Friedhof eine Einfriedung. Lutsch datierte die Erweiterung des Langhauses und Erhöhung des niederen Chores erst in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die mehrfach in der Kirche dargestellten Szenen aus dem Leben der hl. Jungfrau Maria könnten auf eine frühere Marienkirche schließen. Zwischen 1524 und 1528 fand in Freiburg die Reformation Einzug. Auch in den Kirchen von Polsnitz und Kunzendorf wurde seither der evangelische Gottesdienst von einem Geistlichen aus Freiburg gehalten.P. Hechler: Kirchenkreis Striegau in Geschichte und Gegenwart - Festschrift zur General-Kirchenvisitation, Saarau, 1932 Wie sein Vater Anhänger der lutherischen Lehre, erließ der damalige Grund- und Patronatsherr Konrad III. von Hohberg für den evangelischen Gottesdienst in der Kirche von Freiburg, sowie den Tochterkirchen in Polsnitz und Kunzendorf am 2. Mai 1595 eine besondere Kirchenordnung. 1653 setzte man in Freiburg die Gegenreformation durch die Anwendung des Rechts „ius reformandi“ durch. Der Bericht der Übergabe der Kirche von Zirlau-Polsnitz lautet:
Jüngere Geschichte bis zur Gegenwart Nachdem in Schlesien alle von den Protestanten genutzten Kirchen den Katholiken zurückgegeben werden mussten, hielten sich die Freiburger zur Friedenskirche Schweidnitz. Nahezu alle Einwohner waren evangelisch, weshalb die rekatholisierten Kirchen größtenteils leer standen. Überlegungen die verlassene Kirche St. Anna in Ober-Polsnitz für den evangelischen Gottesdienst zu nutzten, scheiterten. Demnach steht die „St. Annakapelle in Zirlau-Polsnitz“ im Verzeichnis der schlesischen Kirchen, welche „den Evangelischen zur Nutzung nicht gegönnt wurde und lieber ohne Gemeinde, Ruine werden und bleiben muss“. Der Pfarrzwang verpflichtete die Protestanten zur Zahlung einer Stolgebühr an den katholischen Pfarrer ihres Wohnortes, der dafür auf die Seelsorge verzichtete. Im katholischen Kirchenbuch von Zirlau inkl. Polsnitz und Fröhlichsdorf wurden deshalb Taufen, Trauungen und Begräbnisse beider Konfessionen geführt, bis ca. 1758, als der Pfarrzwang in Schlesien auf die eigene Konfession beschränkt wurde. Über das schwere Unwetter von 1695 steht im Kirchenbuch von Zirlau folgendes:
Am 2. November 1741 erfolgte die Neugründung der evangelischen Kirchengemeinde Freiburg durch königlich-preußischen Beschluss. Damals hatte Freiburg 1359 evangelische und 42 katholische Einwohner. In den zum Kirchspiel gehörenden Dörfern lebten 1200 evangelische und 25 katholische Einwohner. Zunächst wurde das auf dem Ring stehende Rathaus als Bethaus genutzt, bis 1776 der Bau einer neuen Kirche erfolgte.P. Hechler: Kirchenkreis Striegau in Geschichte und Gegenwart - Festschrift zur General-Kirchenvisitation, Saarau, 1932 Mitte des 19. Jahrhunderts waren in die katholischen Parochie Freiburg gehörenden Majoratskirche von Polsnitz eingepfarrt: Fröhlichsdorf mit Zeisberg und Zirlau. Verbunden war Nieder-Kunzendorf mit eigener Teilkirche und Wiedmuth. Über das Patronatsrecht verfügte damals das Dominium. 1837 stürzte der Kirchturm ein. 1838 begann der Wiederaufbau im neuromanischen Stil. 1845 sind für Polsnitz belegt 1150 Einwohner, davon 75 Katholiken. Nach der Flucht und Vertreibung der angestammten deutschen Bevölkerung bildet die absolute Mehrheit wieder Katholiken. Die Kirche blieb in der Nachkriegszeit über Jahre unbenutzt. Am 3. Mai 1972 wurde die Pfarrei neu gegründet. Bis 2004 gehörte die Kirche zum Erzbistum Breslau.
Architektur mini|Grundriss Die Kirche besteht aus einem einschiffigen Langhaus mit hölzerner Flachdecke und einem Presbyterium mit zwei Jochen und Kreuzrippengewölbe. Das Baumaterial ist im Wesentlichen Bruch- und an den Ecken Quaderstein. Die Fenster sind zweiteilig mit Maßwerk. Südlich des Langhauses schließt eine Vorhalle mit hölzerner Flachdecke und nördlich des Presbyteriums eine Sakristei mit Tonnengewölbe an. Der Turm an der Westseite wurde im 19. Jahrhundert erneuert. Umschlossen ist die Kirche von einem alten Friedhof mit steinerner Umfassungsmauer.
Ausstattung mini|hochkant|Gotisches Presbyterium mit barocken Hochaltar Die Wände und Kreuzkappen des Presbyteriums waren laut Lutsch mit übertünchten Fresken verziert: An der Südseite zwei Wappen, eines mit drei Bolzen und eines mit drei Würfeln, sowie die Heiligen Hedwig von Andechs und Agnes von Rom. An der Ostwand: die Mariä Heimsuchung, Himmelfahrt und Verkündigung Mariens, des Weiteren das Abendmahl, Christus im Kerker, die Dornenkrönung, der Kreuzweg, Ecce homo und Mater Dolorosa. Die Fresken an der Nordwand stellen Szenen aus dem Leben Jesu dar, auf den Gewölbekappen Evangelisten-Zeichen und Engel, sowie im Langhaus die Bischöfe Nikolaus von Myra und Stanislaus von Krakau. Das imposante Fresko im Mittelteil des Langhauses den hl. Christophorus mit Fürstenhut und Jesuskind auf dem rechten Arm zeigt, nimmt fast die gesamte Wandhöhe ein und wurde 1966 zufällig bei einer Renovierung entdeckt und freigelegt. Datiert auf die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts, könnte Historiker zufolge der Maler aus dem Alpenraum stammen. Weitere nur teilweise freigelegte Fresken befinden sich in der südlichen Vorhalle, datiert auf das 16. Jahrhundert.Freiburger Denkmäler, Stadtverwaltung Swiebodzice – Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, BIMART – Wałbrzych, S. 12 mini|hochkant|Epitaph