Adolf („Dolfi“) Aussenberg (* 1. Juli 1914 in Prag; † Januar 1945) war ein jüdischer tschechoslowakischer Künstler und Opfer des Holocaust.

Leben und Werk Aussenberg kam aus einer wohlsituierten bürgerlichen jüdischen Familie. Sein Vater war der Unternehmer und spätere bedeutende Filmproduzent Julius Außenberg, seine Mutter Hilda, geb. Fuehrling. Seine Geschwister waren Elli, später Aussenberg McCarthy (1918–2006), Erich und Walter Aussenberg.

Aussenberg studierte an der Technischen Hochschule in Prag und arbeitete dann in Prag beim Film. Im Rahmen der systematischen Deportation der Prager Juden wurde er am 12. Februar 1942 in das Ghetto Theresienstadt verbracht. Wie mehrere weitere dorthin verschleppte Künstler kam er zur Arbeit in den Zeichnersaal des technischen Büros.

In der Geschichtsschreibung hat sich für diese unfreiwillige Künstlergruppe die Bezeichnung Künstlerkolonie in Theresienstadt eingebürgert. Wie einigen anderen seiner Leidensgenossen, u. a. Bedrich Fritta, Leo Haas und Otto Ungar, gelang es Aussenberg, illegal und unter Lebensgefahr, Aquarell- und Tuschzeichnungen anzufertigen, die entgegen der Nazi-Propaganda ein realistisches Bild der Lebensverhältnisse im Ghetto vermitteln. Davon befinden sich einige im Jüdischen Museum Berlin und Jüdischen Museum Prag. Er arbeitete bei deren kulturellen Veranstaltungen im Ghetto mit der Regisseurin Irena Dodalová zusammen.

Aussenberg wohnte im Ghetto auf dem Dachboden der Magdeburger Kaserne. Er litt an einem schweren Herzleiden und musste häufig in das Krankenrevier des Ghettos. Am 12. Oktober 1944 wurde er in das KZ Auschwitz verschleppt. Auf dem Transport in das KZ Sachsenhausen wurde er im Januar 1945 letztmalig im KZ Lieberose nachgewiesen. Er kam danach ums Leben. Die Umstände und der Ort seines Ablebens sind nicht bekannt.

Zeichnungen Aussenbergs im Jüdischen Museum Berlin mini|Personengruppe in einem Schlafsaal Personengruppe in einem Schlafsaal (Federzeichnung, laviert, 24,8 × 34,8 cm) Betten im Freien (Federzeichnung, laviert, 24,9 × 35,7 cm) Frauen in einem Schlafraum (Federzeichnung, laviert, 24,6 × 34,7 cm) Personen in einem Schlafraum (Federzeichnung, laviert, 31,4 × 21,2 cm)

Postume Ausstellung

1993 bis 1994: Gouda, Verzetsmuseum / Niederländisches Widerstandmuseum (54 Zeichnungen Aussenbergs)

Literatur

Ab Caransa: Adolf Aussenberg. Kunstenaar in Theresienstadt. Tuindorp, Haarlem, 1993; ISBN 978-9-07362-905-9 Aussenberg, Dolfi. In: Rudolf M. Wlaschek: Biographia Judaica Bohemiae. Band 1. Forschungsstelle Ostmitteleuropa, Dortmund 1995, ISBN 3-923293-47-X, S. 10. Künstlerkolonie in Theresienstadt. In: Christoph Wilhelmi: Künstlergruppen im östlichen und südlichen Europa seit 1900. Dr. Ernst Hauswedell & Co, 1996, S. 238 Daniela Uher: Zwischen Leben und Tod. Eine Künstlerkolonie in Theresienstadt. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, 1999, S. 93–104Zwischen Leben und Tod: eine Künstlerkolonie in Theresienstadt. Überlegungen zu einer Erweiterung des Begriffes "Künstlerkolonie"

Weblinks

Aussenberg, Adolf 1. Juli 1914 Prag – Januar 1945 an einem unbekannten Ort - Ghetto Theresienstadt, ein Nachschlagewerk Adolf Aussenberg | Database of victims | Holocaust Adolf Aussenberg (1914 - 1944) - Genealogy Porträtfoto und Werke von Adolf Aussenberg in der Sammlung des Jüdischen Museums in Prag

Einzelnachweise

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