Die Amerikanische Lutherische Kirche (, kurz ALC) war eine lutherische Kirche in den Vereinigten Staaten und in Kanada. Sie war vor allem im oberen Mittleren Westen vertreten, hatte aber Gemeinden in fast allen Bundesstaaten. Der Sitz der Kirchenleitung war in Minneapolis, Minnesota. Sie ging 1988 in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika auf.

Geschichte mini|Die Norwegian Lutheran Memorial Church in Minneapolis Im 19. Jahrhundert organisierten die lutherischen Immigranten nach Nordamerika ihre Gemeinden hauptsächlich in – meist anhand sprachlicher Grenzen getrennten – kleinräumigen Synoden. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu einer Reihe von Zusammenschlüssen dieser vorher oft nur lose verbundenen Gemeindeverbände zu hierarchisch organisierten Kirchen. Diese orientierten sich häufig immer noch an der nationalen Herkunft ihrer Gemeinden, kooperierten aber in stärkerem Maße miteinander, sodass große Unionsbestrebungen entstanden.

Die ALC organisierte sich am 22. April 1960 aus einer Fusion der gleichnamigen, hauptsächlich deutsch geprägten Vorgängerkirche mit der norwegischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und der dänischen Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche hervor und war damit eine der ersten großen lutherischen Kirchen in den USA, die nationale Grenzen verschiedener Immigrantengruppen überwand. Im folgenden Jahr trat sie dem National Lutheran Council, dem Lutherischen Weltbund und dem Ökumenischen Rat der Kirchen bei, denen jeweils schon ihre Vorgängerkirchen angehört hatten.

1963 schloss sich die kleinere Lutheran Free Church mit ihren fast 90.000 Gemeindegliedern fast vollständig der ALC an. 1967 wurde der Kanada-Distrikt der ALC autonom, er ging später in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada auf. Die ALC war damit eine ausschließlich US-amerikanische Kirche geworden.

Die ALC fusionierte wiederum zum 1. Januar 1988 mit der Lutherischen Kirche in Amerika (LCA) und der kleineren Vereinigung Evangelisch-Lutherischer Kirchen zur heutigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika, die die mitgliederstärkste lutherische Denomination in den Vereinigten Staaten darstellt.

Positionen Die ALC bekannte sich zu den grundlegenden Bekenntnissen des Apostolicums, Nicäno-Konstantinopolitanums und Athanasianums. Weiterhin zählte sie als lutherische Kirche die Confessio Augustana und den Kleinen Katechismus zu ihren Bekenntnisschriften. Hinsichtlich des Bibelverständnisses hielt die ALC an der Unfehlbarkeit der Bibel fest. Dem ökumenischen Dialog, der Mitarbeit von Laien und der Vielfalt liturgischer Formen stand sie aufgeschlossen gegenüber. Die ALC galt als pietistischer und damit etwas konservativer und weniger liturgisch geprägt als ihr Pendant in der LCA.

Der Rassentrennung stand die ALC ablehnend gegenüber, sie unterstützte die Bürgerrechtsbewegung und sprach sich in mehreren Resolutionen gegen Rassismus aus. Ebenso positionierte sie sich umfassend zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit und des Umweltschutzes. Scheidung und Wiederheirat erlaubte die ALC, Homosexualität sah sie als krankhaft an, stellte jedoch Seelsorgebedarfe fest. Abtreibungen hielt die ALC nur bei Gefahr für Leben, Leib oder Seele der Mutter für gerechtfertigt.

Die ALC befürwortete – ebenso wie die LCA – ab 1970 die Frauenordination und ordinierte im Dezember desselben Jahres mit Barbara Andrews die zweite lutherische Pastorin in Amerika.

Organisation und Struktur mini|Die Distrikte der ALC 1986 Die ALC hatte eine synodale Kirchenverfassung. Höchstes Entscheidungsgremium war die alle zwei Jahre tagende Generalversammlung (general convention), die etwa zur Hälfte aus Laien bestand. Sie wählte auch die Amtsträger der Kirche, darunter den Kirchenpräsidenten, der ab 1980 den Titel eines Bischofs trug. Die geistliche Leitung oblag einem church council aus Geistlichen und Laien, die Führung der finanziellen Geschäfte nahm ein Kuratorium (board of trustees) wahr.

Unterhalb der nationalen Ebene war die ALC in 19 geographische Distrikten unterteilt, die sich meist an den Grenzen der Bundesstaaten orientierten. Der Kanada-Distrikt wurde 1966 autonom, der Südost-Distrikt 1981 neu geschaffen. Den Distrikten stand jeweils ein Geistlicher als Präsident beziehungsweise Bischof vor.

Bei ihrer Gründung 1960 hatte die ALC 2.306.708 getaufte Gemeindeglieder in 4.941 Gemeinden. Trotz der Aufnahme der Lutheran Free Church wuchs die ALC kaum, sodass sie kurz vor der Fusion zur ELCA 1987 mit 2.315.726 Gemeindegliedern in 4.974 Gemeinden sehr ähnliche Zahlen vorweisen konnte.

Leitende Geistliche der ALC 1960–1970: Fredrik Schiotz 1970–1973: Kent Knutson 1973–1986: David Preus

Bildungseinrichtungen Die ALC unterhielt eine Reihe von Universitäten und Hochschulen.

Augustana College, Sioux Falls, South Dakota Camrose College, Camrose, Alberta (bis 1966) Augsburg College, Minneapolis, Minnesota California Lutheran College, Thousand Oaks, Kalifornien Capital University, Columbus, Ohio Concordia College, Moorhead, Minnesota Dana College, Blair, Nebraska Luther College, Decorah, Iowa Luther College, Regina, Saskatchewan (bis 1966) Pacific Lutheran University, Tacoma, Washington St. Olaf College, Northfield, Minnesota Texas Lutheran College, Seguin, Texas Waldorf College, Forest City, Iowa Wartburg College, Waverly, Iowa

Zur Ausbildung der Geistlichen der ALC dienten drei Theologische Seminare.

Evangelical Lutheran Theological Seminary, Columbus, Ohio Luther Seminary, Saint Paul, Minnesota Wartburg Seminary, Dubuque, Iowa

Mit dem Augsburg Publishing House unterhielt die ALC einen eigenen Verlag mit Sitz in Minneapolis. Als Kirchenzeitung gab die ALC über ihr gesamtes Bestehen hinweg den Lutheran Standard heraus. Explizit an die Geistlichen der Kirche richtete sich dagegen der monatlich erscheinende Commentator.

Literatur

Einzelnachweise

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