Nerone ist eine Oper in drei Akten und vier Bildern von Pietro Mascagni, basierend auf einem Libretto von Giovanni Targioni-Tozzetti.
Die Uraufführung fand am 16. Januar 1935 im Teatro alla Scala in Mailand statt. Stilistisch wird die Oper dem Verismus zugeordnet, wobei die Oper kompositorisch eine Nummernoper ist. Die literarische Vorlage der Oper ist das gleichnamige Bühnenstück von Pietro Cossa. Es enthält Musik und Textpassagen eines früheren unrealisierten Sujets namens Vistilia, welches auf einer in der Zeit des Tiberius handelnden Novelle von Rocco de Zerbi basiert. Mascagni hatte dabei die ihm seit über 40 Jahren bekannte Vorlage immer wieder zurückgestellt, um nicht in Konkurrenz zum gleichnamigen, unvollendetem und über viele Jahre verzögertem Opernprojekt des Komponisten Arrigo Boito zu treten.
Entstehung Eine neue Oper über Nero Durch den Erfolg seiner vorletzten Oper Pinotta in San Remo im Jahr 1932 beeinflusst, fasste Pietro Mascagni den Entschluss, eine weitere Oper zu schreiben. Im Juli 1933 traf er sich mit dem Dichter Arturo Rossato, so das kurz darauf das Thema der Oper gefunden war. Es handelte sich um das Bühnenstück Nerone des Dichters Pietro Cossa aus dem Jahre 1872. Dieses Projekt hatte Mascagni zuvor bereits 1891 aufgegriffen, es aber dann zurückgestellt, um nicht in Konkurrenz zu Arrigo Boitos gleichnamiger und unvollendeter Oper Nerone zu treten.David Stivender: Pietro Mascagni. An autobiography compiled, edited and translated from original sources. 1. Auflage. PRO/AM Music Resources Inc., Kahn & Averill, White Plains, N. Y., London 1988, ISBN 0-912483-06-7, S. 242
Libretto Mascagni begann im Dezember 1932 seine Arbeit an Nerone. Dabei verwendete er weite Teile seines früheren unveröffentlichten Sujets Vistila, um seine schwindende Fähigkeit, neue musikalische Ideen zu entwickeln, auszugleichen. Vistila verwendet die gleichnamige Novelle von Rocco de Zerbi, die in der Zeit des Tiberius handelt. Rosseto half Mascagni, indem er lange Passagen des Textes von Vistilia zu einem ersten Libretto verarbeitete. Mittlerweile kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Mascagni und Rosseto, so dass es im Mai 1932 zur Beendigung der Zusammenarbeit kam. Mascagni übergab das Schreiben des Librettos an seinen langjährigen Weggefährten Targioni-Tozzetti. Dieser änderte weite Passagen von Rossetto und fügte einen erheblichen Teil von neuem Text hinzu. In einem Interview von 1934 betonte Mascagni, dass Rossini bei der Erstellung des Librettos keine Rolle gespielt hätte. Die aktuelle Forschung belegt aber, das Nerone zu weiten Teilen bereits in Text und Musik vollendet war, bevor Targioni-Torzetti die Arbeit aufnahm.
Vollendung, Uraufführung Mascagni vollendete die Oper am 26. September 1934. Der im gesamten Werk von Mascagni einmalige Vorgang, an das Ende der Oper den Satz „Dio sia benedetto“ (deutsch: ‚Gott sei gepriesen‘) zu schreiben, lässt den Schluss zu, dass sich Mascagni sehr wohl über das Ende einer schöpferischen Karriere bewusst war.
Die Uraufführung fand am 16. Januar 1935 unter der Leitung des Komponisten im Teatro alla Scala in Mailand statt. Regie führte Mario Frigerio. Die Bühnenbilder stammten von Edoardo Marchioro und Camillo Parravicini. Es sangen Aureliano Pertile (Nerone), Lina Bruna Rasa (Atte), Margherita Carosio (Egloge), Apollo Granforte (Menècrate), Giuseppe Nessi (Icèlo), Gino Del Signore (Faònte), Ettore Parmeggiani (Nevio), Giuseppe Noto (Petronio), Franco Zaccarini (Eulogio), Duilio Baronti (Clivio Rufo), Aristide Baracchi (Vinìcio), Fabio Ronchi (Epafrodìto), Tancredi Pasero (Babilio), Luciano Donaggio (Mucrone) und Nello Palai (Hirte)..
Der Komponist wurde vom Publikum gefeiert, doch die jüngeren Musiker und die meisten Kritiker seiner Zeit betrachteten das gesamte Projekt mit Verachtung. Der Publikumserfolg war jedoch unbestreitbar, und die aufwendige Produktion, die Mascagni selbst finanziert hatte, schloss mit einem Gewinn ab.
Bis 2004 wurde die Oper 47-mal an zehn Aufführungsorten in Italien und Europa gespielt.Fulvio Venturi: Pietro Mascagni, Biografia e cronolgia artistica. Hrsg.: Fondazione per il Teatro della Citta di Livorno „Carlo Goldini“. Circolo Musicale Amici dell’Opera „Galliano Masini“, Livorno 2005, EAN: 9788886705226, S. 341 ff.
Handlung Erster Akt In einer Taverne in der Subura sinniert Mucro, ein alter Gladiator, der nun als Wirt arbeitet, besorgt über den Vorbeizug eines schrecklichen Kometen, der seiner Meinung nach eine Hungersnot ankündigt, über die Zukunft und sucht die Antwort im Würfelspiel. Zwei weitere Gäste gesellen sich zu ihm: der Pantomime Naevio und der alte Gladiator Petronio. Sie diskutieren über die Zeit des Niedergangs, die das kaiserliche Rom durchmacht. In dieser Atmosphäre der Unsicherheit und Besorgnis, die von düsterer Musik untermalt wird, keimt ein Hoffnungsschimmer auf, als Naevio das Christentum erwähnt, jene Religion, die in der Stille und Dunkelheit der Katakomben viele Anhänger gewinnt. Egloge stürmt in die Taverne, verfolgt von zwei Männern, die sich kurz darauf zur allgemeinen Überraschung als Menecrate und Nerone selbst zu erkennen geben. Nerone zeigt Gnade gegenüber den Anwesenden, die des Verrats angeklagt sind, da sie von seiner Anwesenheit eingeschüchtert sind. Nur Naevio prophezeit Nerone aufgrund seiner Ausschweifungen und Ungerechtigkeiten ein trauriges Ende, doch der Kaiser glaubt ihm nicht und befiehlt Menekrate, das Mädchen, das er begehrt, in den Palast zu bringen. In der Taverne begegnet Nerone Atte, einer Freigelassenen, in deren Liebe er seine Sorgen ertränken möchte. Doch sie erinnert ihn („Già i germani oppressi“) an die Probleme, die seine brüchige Macht plagen. Unterdessen kehrt Menekrate mit einer Gruppe Prätorianer zurück, die Nerone in seinen Palast begleiten und gemeinsam mit dem Volk einen Lobgesang auf den Kaiser anstimmen, der mit triumphierenden Fanfaren endet, die in deutlichem Gegensatz zu den Zuständen stehen, in die Nerone geraten ist.
Zweiter Akt Begleitet von Streichern rezitiert Nerone eine Passage aus Sophokles’ König Ödipus, als er von Menekrate unterbrochen wird, der Nerone um das Vorlassen des alten Astrologen Babilio oder das junge griechische Mädchen bittet. Nerone wendet sich dem Ersteren zu und setzt sogleich den Gesang der Passage aus König Ödipus fort, die er zuvor unterbrochen hatte. Babilio, der nun vor dem Kaiser steht, prophezeit in orakelhaftem Ton seinen bevorstehenden Tod, der eine Stunde nach seinem eigenen eintreten werde. Nachdem Nerone Babilio in Schutzhaft nehmen lässt, bittet er darum, die griechische Tänzerin zu sich zu bringen, die von den scharfen Klängen der Holzbläser in einer Offenbarung der Schönheit angekündigt wird. Die musikalischen Charakterisierungen der beiden Figuren stehen dabei in starkem Kontrast: Nerone, dessen Qual in fragmentarischer Schrift zum Ausdruck kommt, steht Egloge gegenüber, deren Gelassenheit nicht einmal den Tod fürchtet. Egloges Lied „Danzo notte e dì“, bringt ihre Lebensphilosophie zum Ausdruck, die ganz auf das Streben nach der flüchtigen Freude am Tanz ausgerichtet ist. Das Lied stellt einen starken Kontrast zum düsteren Beginn des zweiten Akts dar. Gerührt von Egloges Worten und ihrer Schönheit, preist Nerone die Frau („Egloge, o tutta bella“) in leidenschaftlicher Lyrik, die das gesamte Duett prägt, in dem die beiden ihre Liebe entdecken. Höhepunkt des Liedes ist das gemeinsam gesungene Wort „Amore“ am Ende. Unmittelbar darauf erscheinen griechische Tänzerinnen und bieten einen melodisch-phärischen Chorgesang („O brilla margine dell’Ellade“) dar, während Egloge ihrem Traum von Leidenschaft freien Lauf lässt. Das Mädchen wird jäh von Acte geweckt, der sie warnt, dass selbst die Blumen in Nerones Haus zum Todesboten werden („Non danzar sull’orlo dell’abbisso“). Die Furchtsamkeit des Augenblicks wird durch ein unruhig spielendes Orchester betont. Egloge scheint Actes Warnungen nicht zu beherzigen, der sie in einem dramatischen Appell („Io posso per forza d’incanti“) eindringlich bittet, das Haus zu verlassen. Nerone trifft ein und übergibt die schöne Egloge Faonte, damit dieser sie in seine Gemächer bringen kann. Gleichzeitig treffen, von Menecrate angekündigt, Vinicio, der Präfekt des Prätoriums, und Clivio Rufo, der Senatspräsident, ein. Ein prunkvoller Chor von Prätorianern und Senatoren begrüßt Nerone, der jedoch die schlechte Nachricht erhält, dass das in Spanien stationierte Heer Galba zum Kaiser ausgerufen hat. Der Akt endet mit Egloges süßem und sinnlichem Gesang, untermalt von einem Violinsolo.
Dritter Akt Eine aufwändige und harmonische Musik leitet den dritten Akt ein. Die Szene zeigt Nerones Palast, in dem eine Orgie stattfindet, musikalisch untermalt von den Beiträgen verschiedener Figuren und des Chors, die alle Egloges Schönheit und Kunst preisen. Nerone improvisiert ein Lied an Venus („Quando, al soave anelito di primavera“) und spricht die von ihm geliebte Egloge in leidenschaftlicher Form an („Tu soffri, o mio tesoro“). Während der Orgie vergiftet die eifersüchtige Acte Egloge. Diese stirbt, wiederholt aber zuvor das himmlische Thema, das ihre Rolle von Anfang an geprägt hat, und den Kaiser in tiefe Verzweiflung stürzt. Nerone hat nicht einmal Zeit zu weinen, denn Phaon überbringt ihm die Nachricht, dass sich das Volk gegen ihn erhebt und Galba zum künftigen Kaiser ausruft. Nerone, der auch vom mittlerweile geflohenem Menekrate verraten wurde, betrachtet den leblosen Körper der Egloge („Du schläfst derweil“). Die Einzige, die Nerone treu geblieben ist, ist Acte. Sie will Nerone retten, weil er Opfer seiner verwirrten Gedanken ist. Diese nehmen Gestalt in dem vergifteten Becher an, durch den Nerone an jenen Becher erinnert wird, den er einst Britannicus anbot. In diesem dramatischen Duett denkt Acte über die unerwiderte Liebe zu Nerone nach („Perché m’innamorai d’un uomo tanto crudele“). Doch das Unglück ist für Nerone noch nicht vorbei. Nachdem er von Phaon vom Tod Bablios erfahren hat, der, wie die Prophezeiung besagte, eine Stunde vor seinem eigenen eintreten sollte, plant er gemeinsam mit Acte seine Flucht. Es folgt ein orchestrales Zwischenspiel, das Nerones Leben musikalisch nachzeichnet.
Dabei liefert die klangmächtige orchestrale Musik des Zwischenspiels zwischen der ersten und zweiten Szene das Bild des Feuersturmes, von dem Rom heimgesucht wird, sowie das turbulente Leben des Kaisers. Diese Szenen spielen in Phaons Vorstadthaus, wo Nerone bei Acte vorübergehend Zuflucht findet. Müde, aufgewühlt und von Todesahnungen geplagt, verspottet Nerone das Gedicht von Horaz, wonach der Gerechte weder das Volk noch den Tod fürchte, und schläft ein, während Actes Liebe zum Kaiser in ihrer Seele neu entfacht wird („Nè tu possa mai svegliarti“). Der Albtraum von Galbas vermeintlicher Ankunft weckt Nerone, dessen Geist nun völlig dem Wahnsinn verfallen ist und den Geistern seiner Opfer ausgeliefert ist. Nunmehr vollends wahnsinnig, bittet Nerone Acte, Selbstmord zu begehen, um ihm Mut zu machen, und lässt sich anschließend von Phaon töten.
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