Quintus Remmius Palaemon († vor 76 n. Chr.) war ein römischer Grammatiker aus Vicetia; er lebte in der Zeit der Kaiser Tiberius und Claudius in Rom.
Leben Geboren als Sklave einer Frau, zunächst Weber von Beruf, begleitete er den Sohn seiner Herrin in die Schule und erlernte so die Wissenschaften; später wurde er freigelassenSueton, De grammaticis et rhetoribus 23. – möglicherweise eine von Feinden erfundene Schmähung. In Rom unterrichtete er mit großem Erfolg. Trotz seines berüchtigten Lebenswandels – er galt als von allen Lastern durchsetzt, weshalb Tiberius und Claudius öffentlich davor warnten, Söhne zu ihm zu schicken – hielt er den ersten Platz unter den Grammatikers inne (principem locum inter grammaticos tenuit).
Seine Persönlichkeit erscheint nach Sueton, ergänzt durch Plinius,Plinius, Naturalis historia 14,50f. in üblem Licht: hochmütig, eitel, verhasst, maßlos in Luxus und vor allem in der Begierde nach Frauen. Er prahlte, die Wissenschaften seien mit ihm geboren und würden mit ihm sterben. Dennoch faszinierte er durch sein außergewöhnliches Gedächtnis und die Leichtigkeit seiner Rede. Zu seinen Schülern gehörten der Dichter Aulus Persius FlaccusVita Persii 4. und der Rhetor Quintilian.Scholion zu Iuvenal 6,452.
Finanziell äußerst erfolgreich, verdiente er aus seiner Schule jährlich 400.000 Sesterzen und fast ebenso viel aus seinem Vermögen, das er mit größter Sorgfalt verwaltete. Er betrieb Werkstätten, in denen Handelskleider hergestellt wurden und erzielte reiche Erträge aus seinen Weinbergen. Ein Landgut bei Nomentum, etwa zehn Meilen von Rom entfernt, kaufte er für 600.000 Sesterzen (etwa 20 Jahre vor der Abfassung der Naturalis Historia des älteren Plinius). Die Pflege übertrug er Acilius Sthenelus, einem hochkompetenten Fachmann für ländliche Angelegenheiten – während er selbst den Landwirt nachahmte, und brachte so den Weinberg innerhalb von acht Jahren zu dem Punkt, dass die Weinlese für 400.000 Sesterzen verkauft wurde. Im zehnten Jahr kaufte Seneca dieses Gut zu einem vierfachen Preis.Plinius, Naturalis historia 14,49–51. Die von Seneca erworbene Villa erwähnt auch Columella.Columella, De re rustica 3,3,3.
Werk und wissenschaftliche Bedeutung Neben improvisierten Gedichten in ungewöhnlichen Metrenvgl. Sueton; Martial, Epigrammata 2,86,11; Adolf Kießling, Philologische Untersuchungen, Band 2, Seite 65. – von denen nichts erhalten ist – verfasste Palaemon eine Ars grammatica,Iuvenal 6,452 mit Scholion. die als erste römische Schulgrammatik gilt. Sie orientierte sich eng an der Technē des Dionysios Thrax. Das Werk selbst ist verloren, doch Spuren finden sich bei Quintilian,Quintilian, Institutio oratoria 1,4ff., besonders 1,4,20. bei späteren Grammatikern wie Charisius, Diomedes, Consentius und Priscian. Charisius überliefert einige größere Fragmente. Rekonstruktionsversuche blieben bisher unbefriedigend. Möglicherweise behandelte Palaemon in einem Anhang auch Metrik und Poetik – doch dies bleibt Vermutung. Charakteristisch für seine Methode: er mied theoretische Spekulationen, beschränkte Zitate auf Schulaustoren und erhob Vergil erstmals zum poeta schlechthin.Adolf Schöll, Rheinisches Museum für Philologie, Band 34, Seite 631; Friedrich Leo, Plautinische Forschungen. Zur Kritik und Geschichte der Komödie, Seite 28.
Literatur
Prosopographia Imperii Romani (PIR) ² (1999) R 49.
Einzelnachweise
Kategorie:Antiker Grammatiker Kategorie:Literatur der Antike Kategorie:Römer Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 1. Jahrhundert Kategorie:Mann