Die Bey Dağları sind eine ausgedehnte Gebirgslandschaft im West-Taurus westlich von Antalya (Türkei).

Regionale Einordnung mini|Blick über die Göl Ovası bei Elmalı auf die verschneiten steilen Flanken der Bey Dağları. links|mini|Blick über den Golf von Antalya (Antalya Körfezi) auf die Kulisse der östlichen Bey Dağları (Tahtalı Dağları) bei Sonnenuntergang im Oktober 2025 Die Bey Dağları umspannen einen mehrgliedrigen ausgedehnten Gebirgskomplex in Südwest-Anatolien (Türkei) in etwa zwischen den Koordinaten 36°07'50,25"N-29°41'01,74"O (Ulu Burun, Kaş) im Südwesten, 36°12'33,13"N-30°24'15,96O (Yardımcı Burnu/Chelidon, Kumluca) im Südosten, 37°17'49,52"N-30°20'50,17"O (Garipce/Korkuteli) im Nordwesten, 37°18'19,41"N-30°28'40,15"O (Kızılkaya/Bucak) im Norden, 37°08'28,24"N-30°35'10,2258"O (Kovanlık/Döşemealtı) im Nordosten, 36°35'29,29"N-30°35'32,84"O (Koca Burun/Kemer) im Osten und 36°30'41,46"N-29°40'08,28"O (Gömbe/Kaş) im Westen. Seine Teile erstrecken sich nordwestlich bis südwestlich des Golfs von Antalya (Antalya Körfezi) als Teil des Westtaurus (Lykischer Taurus) auf der Teke-Halbinsel (Teke Yarımadası) in der Provinz Antalya zwischen der Küste des Golfs von Antalya im Osten und Kaş im Südwesten sowie Elmalı und Bozova (Korkuteli) im Westen bzw. Nordwesten und der Travertin-Ebene von Antalya im Nordosten. Sie bilden die markantesten Ausläufer des Westlichen Taurusgebirges. Die Bey Dağları ("Herrenberge", auch Beydağları oder Bey Dağı) sind nicht zu verwechseln mit anderen ähnlich bezeichneten türkischen Bergen oder Gebirgen, wie dem Beydağı (2543 m) südlich von Malatya, dem Bey Dağı (3080 m) bei Kayseri, dem Bey Dağı (2659 m) bei Zara (Provinz Sivas), dem Bey Dağı (1521 m) bei Bayat (Provinz Afyonkarahisar), dem Bey Dağı (1164 m) bei Eşme (Provinz Uşak) oder dem Bey Dağı (1583 m) bei Sultanhisar (Provinz Aydın).

Erforschungsgeschichte Genauere wissenschaftliche Untersuchungen zu den Bey Dağları setzten zwar bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert durch den österreichischen Geologen Emil Tietze (1885) und den deutschen Geographen Alfred Philippson ein, danach blieb das Gebiet allerdings zunächst weitgehend unbeachtet. Außer Berichten über die Vorkommen von Chrom- und Manganerzen bei Fethiye sowie Rapporten über Erdgas- und Asphalt-Lagerstätten lag bis Mitte der 1950er Jahre nur eine geologische Übersichtsaufnahme der Kartenblätter Elmalı und Kaş ohne Erläuterungsbericht vor. Erst im Sommer 1953 und 1954 hatte der Geologe Hans J. Colin vom Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen Gelegenheit, im Auftrage des Maden Tetkik ve Arama Enstitüsü (MTA, Institut für Lagerstättenforschung) in Ankara den Raum zwischen Fethiye, Antalya, Kaş und Finike geologisch zu kartieren. Dabei konnten verschiedene Fazies-Entwicklungen detailliert geklärt und größere Überschiebungen registriert werden, was eine genauere Unterscheidung tektonischer Einheiten ermöglichte, wonach das Gebiet offenbar aufgrund tektonisch vorgezeichneter Gitteranlagen im Jungtertiär und Pleistozän durch große Bruchstörungen zerstückelt wurde.

Seit 1964 veröffentlichte eine Gruppe französischer Geologen regelmäßig Studien ihrer geologischen Kartierungen der Seenregion im Norden, von Kumluca und Finike im Süden sowie der Gebiete des Alakır Çayı, der Bey Dağları und von Korkuteli im Westen im Maßstab 1:25.000. Seit den 1970er Jahren wurden allgemeine geologische Untersuchungen und Berichte vom türkischen Feldgeologen Necdet Özgül für das Maden Tetkik ve Arama Enstitüsü (MTAMTA: Maden Tetkik ve Arama (Mineralienforschung und -exploration)) begonnen, die den sedimentologischen Charakter und die Tektonik der Region und der Umgebung betrafen. Zudem erfolgten erdölgeologische Studien, zu denen als wichtigste die Werke von Mehmet Altunsoy, Ismail Hakki Demirel et al. und Orhan Özçelik et al. gehörten. Während der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts beschäftigte sich der türkische Geograph Serhat Zaman von der Uludağ Universität Bursa in einem größeren Forschungsprojekt mit dem Transhumanz-, Siedlungs- und Yaylawesen in den Regionen der Bey Dağları, und fast gleichzeitig folgten organisch-geochemisch-sedimentologische Forschungen zum Miozän des Lykischen Beckens zur Bestimmung von Menge, Art und Reifung organischer Substanz in Schichten der Bey Dağları. Jüngste detaillierte morphologisch-tektonische Ergebnisse aus Untersuchungen zu den Karstlandschaften der Bey Dağları lieferten 2023 diverse Erdwissenschaftler um Mehmet Furkan Şener von der İzmir Bakırçay Universität.

Erdgeschichtliche Hintergründe Hinsichtlich der erdgeschichtlichen Entwicklung des Großraumes der Bey Dağları, deren erkennbare und damit nachvollziehbare „Überlieferung“ erst mit der alpidischen Orogenese begann, spielen verschiedene tektonische Einheiten eine besondere Rolle: Zum einen das sogenannte Bey-Dağları-Autochthon sowie das Lykische Becken und zum anderen die allochthonen Lykischen Decken bzw. Antalya-Decken.

Das Bey-Dağları-Autochthon, ein Kraton mit jüngerer Sediment-Bedeckung, das sich etwa 150 km lang in nordöstlicher Richtung von Kaş an der türkischen Südwestküste bis nach Isparta im Landesinneren erstreckt, stellt einen Abschnitt eines mesozoischen Tethys-Terran (geologische Plattform, Schild) dar, auf dem sich von der Trias bis zum frühen Miozän Karbonatsedimente akkumulierten. Dieser Krustenblock bildet in den Gebirgen des Taurus im Südwesten der Türkei eine zentrale, relativ autochthone Karbonat-Plattform und stellt heute die Grundmasse der Bey Dağları, die von zwei allochthonen Einheiten, den lykischen Decken im Westen und den Antalya-Decken im Osten, überschoben wurde.

Die Lykischen Decken bestehen aus einer Sediment-Einheit von Ophiolithen, Zusammenballung vulkanischer Ablagerungen und sedimentären Überschiebungsschichten aus dem Karbon-Perm bis zur späten Kreidezeit, einer tektonischen Deckenmasse, die sich im späten Neogen nach Südosten bewegte und das Lykische Becken überlagerte.

Das Lykische Becken ist ein auf dem Autochthon der Bey Dağları als Reaktion auf die bruchlose Verbiegung (Flexur) der lithosphärischen Platte tektonisch entstandenes Beckensystem. Es ist der südöstliche Teil eines großen geologischen Vorland-Beckenkomplexes, der sich während des Neogens (Tertiär, hauptsächlich im Miozän) unter dem Gewicht der sich nach Südosten vorschiebenden Masse der Lykischen Decke bildete, die während einer Konvergenz (gegeneinander gerichtete Bewegung zweier Platten; konvergierende Plattengrenzen) mit der Afrikanischen Platte auf die Eurasische Platte aufgeschoben wurde. In dieser tektonischen Senke wurden vom Aquitanium bis zum Burdigalisch-Langhium Sedimente aus Karbonaten (Algenkalk), Konglomeraten, Sandsteinen, Schiefer und Kalksteinen abgelagert, die unter flachmarinen Bedingungen entstanden, und von einer dicken Abfolge von nicht konformen Mergeln und Turbiditen (Ablagerungen von Suspensionsströmungen) überlagert wurden, die aus den lykischen Decken stammten.

Die Entstehung der Antalya-Decken ist das Ergebnis tektonischer Abschiebungs-Vorgänge während der alpinen Orogenese (Paläogen/Alttertiär) und tiefer Verwerfungen (Rifting), was zu einer Ansammlung von tektonischen Gesteinsschuppen (Verwerfungen, Überschiebungen) führte. Aufgrund der Überschiebungsrichtung hauptsächlich aus NW verlaufen die Faltenachsen von NNO nach SSW. Die Antalya-Decken stellen eine allochthone Einheit von hauptsächlich aus mesozoischen (zwischen Kreidezeit und Paläozän) Sedimenten und Ophiolithen dar, die sich von den lykischen Decken deutlich in Struktur, Lithologie und Zeitpunkt der Einlagerung unterscheiden. Sie umfassen eine Vielzahl von Gesteinen, darunter mesozoische pelagische Sedimente (Radiolarien-führende Kalke und Cherts/Hornstein), sandige und tonige Kalksteine sowie Basalte und Serpentinite. Die Anordnung der Sedimente ist partiell sehr komplex, da Überschiebungsbewegungen bisweilen ihre Lage verändert und Überschiebungen zwischen den Schichten gebildet haben, die teilweise so gravierend waren, dass permische Kalksteine und Dolomite an die Oberfläche kamen und die Trias überlagerten.

Die ältesten Gesteine des Westtaurus stammen wahrscheinlich aus dem Oberkarbon und bilden zusammen mit Kalken und Quarziten aus dem Perm einen Schichtkomplex, der möglicherweise aus dem Menderes-Massiv stammte, sich allerdings weitestgehend auf den nordwestlichen Teil der Teke-Halbinsel bzw. des Westtaurus beschränken, also eher außerhalb der Bey Dağları anzutreffen sind. Während des älteren Mesozoikums (Trias und Jura) kamen wahrscheinlich mächtige Massenkalke zur Ablagerung, die auch eher die westlich gelegenen Partien (Nordkette des Elmalı-Akdağ, Bergland von Fethiye) betraf als die Bey Dağları im Osten. Während des Mesozoikums war diese autochthone Einheit der Bey-Dağları Teil eines größeren Krustenfragments des afrikanischen Paläo-Plattenrandes, das man auch im Osten in den Tauriden (Taurus) und Zagriden (Zagros) und im Westen in den Helleniden (Gebirgsketten Westgriechenlands), Dinariden und Apenninen wiederfindet. Diese Bey Dağları-Karbonatplattform war eine der vielen mesozoischen Tethys-Karbonat-Plattformen, die durch die Überflutung von Krustenblöcken (Terranen) entstanden waren, die sich während der Mittel- und Obertrias (nach der Riftbildung im Oberperm und Untertrias) vom Nordrand Gondwanas im gesamten südlichen Teil des östlichen Mittelmeerraums aus dem Gürtel intraozeanischer Plattformen abgelöst hatten, der sich während des Obercenomans vom westlichen Mittelmeer bis zur östlichen Neotethys erstreckte. Dabei durchlief das Bey Dağları-Terran als isolierte Karbonat-Plattform das gesamte typische geodynamische Spektrum des sogenannten „Wilson-Zyklus“: Riftbildung, Drift, Transtension, Transpression und Kollision von Kontinentalblöcken. mini|Karataş-Vulkan in den Tahtalı Dağları unweit der Küste bei Kuzdere (Kemer, Antalya) links|mini|Vulkanische Brekzie am Karataş-Vulkan bei Kuzdere (Kemer, Provinz Antalya, Türkei) In der unteren bis mittleren Kreide setzte ein submariner, basischer Vulkanismus ein, der jeweils von charakteristischen Gesteinen (Schiefer-Hornsteine, Plattenkalke) begleitet war, wobei zusätzlich auch rein kalkige Fazies vorkommen (Küstenkette/Tahtalı Dağları, Bey Dağları, Gebiet von Kasaba). Gleichzeitige Breccien in den Kreidekalken weisen auf eine erste tektonische Unruhe während des Alb(ium)-Cenoman (Wende Unter-Oberkreide) hin, in deren Gefolge wohl die basischen Extrusiva (Ergussgesteine) aufstiegen. Während der Oberkreide, einer Zeit intensiver tektonischer Bewegungen im Gebiet des östlichen Mittelmeers, war das Bey Dağları-Autochthon diversen tektonischen Regimen ausgesetzt. Man geht davon aus, dass die tektonischen Aktivitäten der Oberkreide auch für das Absenken von Karbonat-Krustenblöcken, für die Öffnung kleiner ozeanischer Becken und für die Kollision verschiedener tektonischer Einheiten verantwortlich waren. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die Abfolgen der Oberkreide durch Brüche in der Ablagerung und bedeutende Fazies-Variationen sowohl in neritischen als auch pelagischen Karbonaten gekennzeichnet sind.

Geologisch-morphologische Einordnung und Landschaftsbeschreibung