St. Petrus und Paulus ist eine Feldsteinkirche im Ortsteil Kermen der Stadt Zerbst/Anhalt. Historisch war sie eine Tochterkirche von Steckby, heute gehört sie zum Kirchenkreis Zerbst der Evangelischen Landeskirche Anhalts.
Geschichte Die Kirche wurde um 1200 errichtet. Auf einen Turm verzichtete man dabei zunächst.Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt II, S. 356. Anfang des 18. Jahrhunderts barockisierte man das Gotteshaus, wobei im Jahr 1717 ein Dachreiterturm aus Fachwerk errichtet wurde. Im Zweiten Weltkrieg diente der Kirchturm als Aussichtsposten des nahegelegenen Flugplatzes Zerbst. Während der Luftangriffe auf Zerbst wurde die Kirche schwer beschädigt, wobei auch der Kirchturm durch Artilleriebeschuss so schwer beschädigt wurde, dass er in der Folge abgerissen werden musste. Bis 1952 erfolgte die vereinfachte Wiederherstellung der Kirche. Der Kirchturm wurde dabei zunächst nicht rekonstruiert. 1974 entwidmete man die Kirche. In den 1990er Jahren wurde zunächst ein Notdach errichtet, das aber das Eindringen von Feuchtigkeit nicht verhindern konnte. Ab 2005 wurden die ersten notdürftigen Arbeiten an dem Gebäude durchgeführt. Im Rahmen der Sanierung konnte der Kirchturm 2024 wiederhergestellt werden. Am 29. Juni 2025 wurde die Kirche wieder geweiht.
Beschreibung St. Petrus und Paulus ist ein romanischer Feldsteinbau mit rechteckigem Grundriss und halbrunder Apsis. An der Nordseite befindet sich ein romanisches Portal, das Südportal ist mit der Jahreszahl 1717 versehen.Büttner Pfänner zu Thal: Anhalts Bau- und Kunst-Denkmäler nebst Wüstungen, S. 494. Beim Wiederaufbau wurden zwei Stützpfeiler aus Backstein im Westen aufgemauert und der Giebel aus demselben Material ersetzt. Beim Wiederaufbau des Turmes mussten diese statisch notwendigen Stützpfeiler instand gesetzt werden. Der Giebel mit dem Kirchturm in Fachwerkbauweise wurde anschließend nach alten Plänen wiedererrichtet.
Im Inneren befindet sich ein barocker Kanzelaltar aus dem Jahr 1711. Dieser ist in einem blauen, weißen und goldenen Farbton gehalten. Seine Mensaplatte stammt noch aus dem Mittelalter. Flankiert wird dieser von einer Figurengruppe, die die Heiligen Petrus und Johannes den Evangelisten darstellt. Oberhalb dieser Gruppe befinden sich Schnitzereien in Form von Akanthusblättern. Ebenfalls sind noch die westliche Patronatsempore, das Gestühl und der Predigerstuhl von der barocken Ausstattung erhalten. Bei der Restaurierung wurden die Fenster im Rahmen des Glaskunstprojektes „Lichtungen“ nach Entwurf von Günter Grohs neu gestaltet. Diese greifen die Farben des Altars auf und ersetzten die zuvor verwendeten Glasbausteine. Die Bronzeglocke der Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und trägt ein Pilgerzeichen. Ihr Durchmesser beträgt 80 cm. Eine zweite, aus dem 14. Jahrhundert stammende Glocke ist nicht erhalten, da sie zersprang. Sie hatte einen Durchmesser von 58 cm.
Die Kirche steht unter Denkmalschutz und ist als Baudenkmal mit der Erfassungsnummer 094 41332 im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt eingetragen.
Literatur Franz Büttner Pfänner zu Thal: Anhalts Bau- und Kunst-Denkmäler nebst Wüstungen. Richard Kahle Verlag, Dessau 1894.
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