mini|Purrington & Russell’s Original Panorama of a Whaling Voyage Round (Rolle 4 – Detail) mini|Anzeige zur Präsentation des Panoramagemäldes in Boston, 1849 mini|Purrington & Russell’s Original Panorama of a Whaling Voyage Round (Rolle 4 – Detail) Das 1848 geschaffene Panoramagemälde Purrington & Russell’s Original Panorama of a Whaling Voyage Round the World – Three Miles of Canvass ist in seiner noch erhaltenen Form rund 389 Meter (1275 Fuß) lang. Es gilt als das längste erhaltene Gemälde Nordamerikas. Es wurde in der Hochphase des amerikanischen Walfangs von den Malern Benjamin Russell und Caleb Purrington angefertigt. Das Panorama befindet sich im New Bedford Whaling Museum in New Bedford, Massachusetts (USA), das es 1918 erwarb. Das Werk stellt eine Walfangreise des 19. Jahrhunderts dar. Es beginnt in New Bedford (Massachusetts), dem damaligen Zentrum der US-amerikanischen Walfangindustrie, und führt über den Südatlantik einmal um die Welt. Das Werk besteht aus vier Leinwandrollen. Die letzte Hälfte der vierten Rolle, welche Neuseeland und Fidschi zeigt, gilt seit über einem Jahrhundert als verschollen.

Entstehung und Inhalt Benjamin Russell, selbst ehemaliger Walfänger, und Caleb Purrington kombinierten bei ihrer Darstellung des Walfangs dokumentarische Genauigkeit mit erzählerischen Elementen. Zu sehen sind unter anderem das Harpunieren, das Cutting In (das Zerteilen des Wals zur Gewinnung von Tran und Walknochen) sowie das Auskochen des Blubbers bei Nacht. Darüber hinaus enthält das Panorama topografische und nautische Details wie die Kirchtürme von New Bedford, die stürmische Passage um Kap Hoorn und Notsignale auf See. Es enthält auch zeitgenössische Bezüge, etwa die Havarie des Walfangschiffes Essex (1820), die Herman Melville zu Moby-Dick inspirierte, sowie den Vulkanausbruch des Pico do Fogo auf den Kapverden (1847).

Medium und Präsentation Das Panorama gehört zur Gattung der sogenannten Moving Panoramas, die im 19. Jahrhundert ein sehr beliebtes Massenmedium waren. Diese überlangen, aufgerollten Gemälde wurden in Theatern, Sälen oder auch Wirtshäusern vorgeführt, indem man sie von einer Spule auf eine andere abrollte. Eine begleitende Erzählung, Musik und Lichteffekte ergänzten die Vorführung. Solche Panoramen dienten der visuellen Unterhaltung und Information. Von den ursprünglich Tausenden Exemplaren sind heute nur noch 21 erhalten. Purrington und Russells Panorama war in vier auf Spulen montierte Segmente unterteilt, die bei öffentlichen Aufführungen langsam abgewickelt wurden. Dies wurde von Erzählungen sowie Licht- und Toneffekten begleitet, um den Eindruck einer authentischen Seereise zu erwecken.

Erwerb und Restaurierung Das New Bedford Whaling Museum erwarb das Panorama im Jahr 1918. Nach Jahrzehnten im Depot wurde es in den 1960er Jahren teilweise auf der Weltausstellung in New York und in der Smithsonian Institution gezeigt. Danach verschwand es erneut aus der Öffentlichkeit. Eine umfassende Restaurierung begann in den 2010er Jahren. Das rund 400.000 US-Dollar teure Projekt wurde teilweise vom New Bedford Whaling National Historical Park finanziert und im Jahr 2017 abgeschlossen. Das aus 13 aneinandergenähten Leinwandstücken bestehende, etwa 2,6 Meter hohe Gemälde aus bemaltem Baumwollstoff befand sich zu Beginn der Restaurierung in einem schlechten Zustand. Die Restauratoren fixierten die Pigmente mit einer Gelatine-Lösung, reparierten Risse und nähten die Leinwandstücke wieder zusammen.

Ausstellung und Rezeption Im Sommer 2018 wurde das vollständig restaurierte Panorama erstmals seit rund 80 Jahren wieder in seiner Gesamtheit gezeigt. Die Präsentation erfolgte in Form von vier stationären Wandinstallationen in einer historischen Fabrikhalle in New Bedford. Die Besucher konnten entlang der gesamten Länge des Bildes spazieren. Parallel dazu wurde eine digitale Version erstellt, die bis 2021 als Moving Panorama im Museum gezeigt wurde. Das Werk gilt heute als bedeutendes Zeugnis amerikanischer Volkskunst sowie als kulturhistorisch wertvolles Beispiel für die Medientechnik des 19. Jahrhunderts. Fachleute wie die Designhistorikerin Molly Briggs von der University of Illinois bezeichnen das Panorama als frühe Form der virtuellen Realität jener Zeit.

Technische Daten und Darstellung Der noch erhaltene Teil des Gemäldes ist rund 1.275 Fuß (ca. 389 Meter) lang und etwa 8,5 Fuß (ca. 2,6 Meter) hoch. Es zeigt die Walfangfahrt eines typischen Walfängerschiffs der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Reise startet am rechten Ende der ersten Rolle in der Stadt New Bedford (Massachusetts), führt durch den Atlantik, um das Kap Hoorn herum und weiter in den Pazifik zu weiteren exotischen Stationen. Dargestellt werden sowohl reale als auch fiktive Szenen, darunter Hafenanläufe, Walfanghandlungen sowie Naturereignisse wie Vulkanausbrüche und typische Landschaften der Azoren, der Kapverden, Brasiliens, Tahitis und Hawaiis. Zu sehen sind Hafenanlagen, Walfang- und Handelsflotten, Stadtansichten, Leuchttürme, verschiedene Schiffsarten sowie bedeutende historische Bezüge, beispielsweise die Rekrutierung von Soldaten, der Sklavenhandel, Entdeckungsreisen und kulturelle Verflechtungen in portugiesisch-kolonialen sowie britischen Kontexten. Die vier Rollen gliedern das Panorama in thematische Abschnitte, die jeweils geografische Stationen und maritime Aktivitäten abbilden.

Rolle 1: New Bedford und Buzzards Bay Der erste Abschnitt des Panoramas zeigt New Bedford im Jahr 1846 als blühendes Zentrum des Walfangs und der Industrie. Fabriken, Handelshäuser, Kirchen und Schiffe prägen das Stadtbild, während im Hafen reges Treiben herrscht. Der zweite Abschnitt führt über den Atlantik, wo Szenen von Stürmen, Dampfschiffen und Walfang zu sehen sind, bevor die Azoren erreicht werden. Sie werden als wichtige Zwischenstation der Walfangrouten dargestellt. Die präzisen Architektur- und Landschaftsdarstellungen verleihen dem Panorama einen dokumentarischen Charakter und betonen den Übergang von der maritimen Tradition zur aufkommenden Ära der Industrie- und Dampfschifffahrt.

Der Blick richtet sich nach Westen über den Acushnet River auf das Viertel Acushnet Heights in New Bedford, Massachusetts. Im Vordergrund liegt das Haus von Mrs. Charlotte Pope auf Pope’s Island. Dahinter befindet sich das Pearl Street Railway Depot. Über der viel befahrenen New Bedford–Fairhaven-Brücke erheben sich die Wamsutta Mills, eine Baumwollspinnerei, und mehrere Fabrikschornsteine, darunter der der 1846 von Samuel Rodman Jr. erbauten New Bedford Steam Mill Company und der der Acushnet Iron Foundry. Die Stadtansicht zeigt die Mansions der Walfangkaufleute entlang der County Street, den City Common sowie zahlreiche Kirchen mit markanten Türmen. Zu sehen sind unter anderem die First Baptist Church, die North Congregational Church, die North Christian Church und die Second Christian Church. Im Geschäftsviertel befindet sich zudem das aus Granit errichtete U.S. Custom House. Im Hafen liegen Walfangschiffe, Handelsschiffe und kleinere Boote, an denen Waren gelöscht, Reparaturen durchgeführt oder die für neue Reisen ausgerüstet werden. Zu den weiteren markanten Gebäuden zählen das Gerichtsgebäude, die Seamen’s Bethel, die Unitarian Church an der Union Street und das Grinnell-Haus auf der Anhöhe im Süden der Stadt. Die südlichen Stadtteile sind geprägt von Wohnhäusern, Fabriken – darunter Leonard’s Sperm Oil Refinery – und Salzgewinnungsanlagen, deren Windmühlen im Panorama zu sehen sind. Auf Palmer’s Island steht ein Gebäude, das in den 1860er Jahren als Hotel diente. Am äußersten Ende von Clark’s Point befindet sich der aus dem Jahr 1818 stammende Leuchtturm, der die Hafeneinfahrt markiert. Im Vordergrund ist der Dampfer Massachusetts zu sehen, der früher als Fähre nach Martha’s Vineyard und Nantucket diente und hier das Walfangschiff Niger in den Hafen schleppt. Weiter draußen auf der Buzzards Bay markieren das im Jahr 1828 erbaute Dumpling Rocks Lighthouse und ein Lotsenschoner den Eingang zur Bucht. Während das Walfangschiff India einläuft, erscheint im Hintergrund die chinesische Dschunke Keying, die sich 1847 auf der Reise von New York nach London befand.

Sturm im Nordatlantik Ein Walfangschiff überquert den Atlantik und gerät im Golfstrom in einen Sturm. An den seitlich hängenden Walfangbooten sind die Walfänger zu erkennen, während Handelsschiffe keine tragen. Nach dem Sturm ist der britische Raddampfer Sirius zu sehen, der 1838 als erstes Schiff den Atlantik vollständig mit Dampfkraft überquerte – ein Hinweis auf den technischen Fortschritt jener Zeit. Im Anschluss wird Pottwalfang bei den Azoren im Morgengrauen gezeigt.

Die Azoren Etwa 2.300 Meilen östlich von New Bedford sind die Azoren mit den dramatisch dargestellten Inseln Pico und Faial zu sehen. Im Kanal zwischen beiden liegt die Walfangbark Charles W. Morgan, während eine britische Handelsfregatte unter Segeln steht. Im Hafen von Horta auf Faial liegt die Marengo aus New Bedford mit der Hausflagge von Jonathan Bourne vor Anker. Zu sehen sind der Uhrturm (Torre do Relógio), die Pfarrkirche Matriz, das Franziskanerkloster, die Kirche Angústias, die Conceição-Kirche sowie die Forts Santa Cruz und São Sebastião. Eine weitere Szene zeigt Pottwalfang vor der Insel São Miguel, wo Boote einen Pottwal ansteuern.

Rolle 2: Kap Verde, Brasilien und Rio de Janeiro Die zweite Rolle des Panoramas führt von den Kapverden über den Atlantik nach Rio de Janeiro. Sie verbindet Szenen des Walfangs, des Handels und des Koloniallebens mit präzisen geografischen und ethnografischen Details. Auf den Kapverden sind die Naturgewalten, der Vulkan Fogo, der Sklavenhandel, die Anwerbung von Matrosen und die reichen Walfanggründe dargestellt. Der Abschnitt in Rio de Janeiro zeigt die pulsierende Hafenstadt als koloniales Machtzentrum mit Architektur, Handel, gesellschaftlichem Leben und Anzeichen der Sklavenwirtschaft – ein Schnittpunkt zwischen europäischer, afrikanischer und amerikanischer Welt.

Kapverden (Fogo, São Nicolau, Santiago, Brava)

Zu Beginn der zweiten Rolle zeigt das Panorama eine amerikanische Ostindien-Handelsfregatte, die den Atlantik überquert. Etwa 1500 Meilen südlich der Azoren segelt eine Handelsbrigg an der Insel São Nicolau der Kapverden vorbei und wird von Delfinen und anderen Meeressäugern begleitet. Der gezeigte Seeweg zwischen São Nicolau und Sal war die übliche Route für aus nördlicher Richtung kommende Schiffe. Vorbei an der Insel Sal mit dem markanten Kap Lyon’s Head und der kleinen Insel Bird Island erreichten die Schiffe die größere Insel Santiago mit ihrem wichtigen Hafen Porto Praya (auch Praia). Dort befand sich seit etwa 1818 ein amerikanisches Konsulat, da der Hafen ein bedeutender Stützpunkt des transatlantischen Handels war. Vor der nahegelegenen Stadt Cidade Velha, einem ehemaligen Zentrum des Sklavenhandels, liegen amerikanische Walfangschiffe und ein portugiesischer Handelsschoner unter dem Schutz einer Küstenfestung vor Anker. In den umliegenden Gewässern sind Buckelwale und Finnwale zu sehen. Erstere sind das Ziel der amerikanischen Walfänger, Letztere sind zu schnell, um mit Booten gefangen zu werden. Ein dramatisches Motiv zeigt den Ausbruch des Vulkans Fogo im Jahr 1847 – ein Ereignis, das den Künstlern vermutlich durch Berichte anderer Seeleute bekannt war.

Während Regen oder Asche fällt, laufen die Boote einer Walfangbark im Hafen von Brava ein, um neue Besatzungsmitglieder zu rekrutieren. Brava war einer der wichtigsten Orte für die Anwerbung von Matrosen, darunter viele Kapverdianer. Diese als Boating off recruits bezeichnete Praxis war typisch für den Walfangbetrieb. Die Szene spielt vermutlich bei Fajã de Água an der Nordwestküste der Insel.