mini|250px|Knut und Emma (mit ihrem angelsächsischen Namen Ælfgifu), Darstellung im The New Minster Liber Vitae, New Minster (Winchester), 1031, Aufbewahrung in der British Library, MS Stowe 944 Emma von der Normandie (Ælfgifu in englischen Urkunden, * um 984; † 6. März 1052) war eine normannische Adelige, die als Ehefrau von König Æthelred und anschließend von Knut dem Großen zweimal Königin von England war.

Emma war die Tochter von Herzog Richard von der Normandie und dessen Ehefrau Gunnora. Durch ihre Verheiratung mit dem englischen König Æthelred war sie englische Königin von 1002 bis 1016 (nur unterbrochen von der kurzen Herrschaft des dänischen Königs Sven Gabelbart auf dem englischen Thron). Als Æthelred 1016 starb, eroberte Sven Gabelbarts Sohn Knut England und heiratete Æthelreds Witwe Emma. Während und nach Knuts Herrschaft war Emma eine aktive Figur in englischer Politik, auch während der Herrschaft ihrer Söhne Hardiknut und Eduard als Könige von England. Emma ist ferner die zentrale Figur im Encomium Emmae Reginae, einer von ihr in Auftrag gegebenen Schrift über englische Geschichte und Politik im 11. Jahrhundert. Emma starb 1052 und wurde in Winchester neben ihrem zweiten Ehemann Knut begraben.

Leben Familie Emma war eins von wenigstens sieben Kindern Richards I. von der Normandie und dessen zweiter Ehefrau Gunnora.Pauline Stafford schreibt von neun Kindern, während Harriet O’Brien sieben Kinder erwähnt. Ihr Geburtsdatum ist nicht überliefert, aber aufgrund ihrer Heiratsdaten und der Geburtsdaten ihrer Kinder muss Emma in den 980er Jahren geboren worden sein. Emma stammte väterlicherseits aus einer Familie, die ihre Herkunft mit Herzog Rollo, dem Begründer der heutigen Normandie, auf Wikinger zurückverfolgen konnte. Ihre Mutter Gunnora war außerdem dänischer Abstammung.Pauline Stafford: Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-Century England. Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-22738-5, S. 210–211.Harriet O’Brien: Queen Emma and the Vikings: The Woman who Shaped the Events of 1066. Bloomsbury, London 2006, ISBN 978-0-7475-7968-7, S. 14.

Emmas Bruder Richard II. verhandelte mit dem englischen König Æthelred II. über eine Heirat Æthelreds mit seiner Schwester. Für beide Parteien, die normannische Familie und den englischen König, hatte die Verbindung Vorteile: Richard war nach dem Tod seines Vaters erst kürzlich zum Herzog der Normandie aufgestiegen und suchte durch eine geschickte Heiratspolitik seine Stellung zu festigen. Der englische König Æthelred wollte mit einer Heiratsverbindung die Normandie als Bündnispartner gegen die Wikinger gewinnen, die seit Ende des 10. Jahrhunderts regelmäßig in England einfielen und bisher die Normandie als Basis zur Überwinterung und für den Handel mit ihrer Beute nutzten.Pauline Stafford: Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-Century England. Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-22738-5, S. 215–216.Isabella Strachan: Emma, the Twice-crowned Queen: England in the Viking Age. Peter Owen, London 2004, ISBN 978-0-7206-1221-9, S. 29–31.

Heirat und Ehe mit Æthelred Emma heiratete Æthelred 1002. Für Æthelred war dies die zweite Ehe; Historiker schätzen, dass er etwa zwanzig Jahre älter als die kaum erwachsene Emma war. Aus erster Ehe mit Ælfgifu, Tochter des Earl Thored von Northumbria, hatte Æthelred bereits mehrere Söhne. Als Teil der verhandelten Heiratsbedingungen erhielt Emma als Wittum von Æthelred Rutland, Teile von Winchester, einen Teil von Rockingham Forest in Northamptonshire und Exeter, eventuell auch noch Amesbury und Wantage. Umgekehrt brachte Emma Land in der Normandie als Mitgift in die Ehe ein. Auch wenn keine historischen Quellen dafür existieren, gehen Historiker davon aus, dass Emma auf Richards Wunsch als Königin in einer kirchlichen Zeremonie gekrönt, geweiht und gesalbt wurde, vermutlich in der Kathedrale von Canterbury. Mit der Heirat nahm Emma einen angelsächsischen Namen an, Ælfgifu.Pauline Stafford: Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-Century England. Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-22738-5, S. 217.Harriet O’Brien: Queen Emma and the Vikings: The Woman who Shaped the Events of 1066. Bloomsbury, London 2006, ISBN 978-0-7475-7968-7, S. 36.

Emma und Æthelred hatten zwei Söhne, Alfred Ætheling und den späteren König Eduard (III.) den Bekenner, sowie eine Tochter Godgifu. Die zweite Ehe Æthelreds mit Emma warf die Frage auf, ob ihre oder die Söhne aus Æthelreds erster Ehe später in der Thronfolge den Vorrang haben sollten. Auch wenn eine spätere Quelle behauptet, dass Æthelred seine erstgeborenen Söhne zugunsten von Emmas Söhnen aus der Thronfolge ausschließen wollte, deutet sonst nichts darauf hin.Pauline Stafford: Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-Century England. Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-22738-5, S. 221–222.

1012 (eventuell anlässlich der Geburt ihres Sohnes Alfred) erhielt Emma den Teil von Winchester, auf dem sie später ein Haus bauen sollte, das Anwesen namens Godbegot (‚gutes Geschäft‘), denn dieses Stück Land war von Steuern befreit. Emmas Haus lag nahe zur königlichen Residenz in der Stadt und zum New Minster.Harriet O’Brien: Queen Emma and the Vikings: The Woman who Shaped the Events of 1066. Bloomsbury, London 2006, ISBN 978-0-7475-7968-7, S. 75.

Auch während der Ehe von Emma und Æthelred gingen die Angriffe der dänischen Wikinger auf England weiter und kulminierten schließlich in der Eroberung Englands durch Sven Gabelbart 1013, der sich als englischer König ausrufen ließ. Emma und ihre Kinder suchten Zuflucht am Hof ihres Bruders in der Normandie, wohin ihnen später Æthelred folgte. Nach Sven Gabelbarts Tod 1014 kehrte die Familie nach England zurück, wo Æthelred bis zu seinem eigenen Tod 1016 weiter regierte.Pauline Stafford: Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-Century England. Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-22738-5, S. 3.

Ehe mit Knut dem Großen Nach Æthelreds Tod 1016 entbrannte zwischen Sven Gabelbarts Sohn Knut und Edmund Ironside, dem ältesten überlebenden Sohn von Æthelred aus erster Ehe, ein Kampf um die Vorherrschaft. Zunächst wurde England für kurze Zeit geteilt, doch nachdem Edmund gestorben war, übernahm Knut Ende des Jahres 1016 die Herrschaft über ganz England. Mit der Eroberung Englands gelang es Knut, ein anglo-skandinavisches Großreich zu schaffen, das England, Dänemark und später auch Norwegen umfasste. Emma befand sich während der Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in England sehr wahrscheinlich im belagerten London, während sie ihre Kinder Godgifu, Eduard und Alfred zu ihrem Schutz in die Normandie zu ihrem Bruder geschickt hatte.Pauline Stafford: Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-Century England. Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-22738-5, S. 225.

1017 heiratete Knut Emma, wohl auch um durch die Ehe mit Æthelreds Witwe seinen Anspruch auf den englischen Thron zu festigen.Pauline Stafford: Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-Century England. Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-22738-5, S. 226–227. In der von Emma beauftragten Schrift Encomium Emmae Reginae wird beschrieben, wie Knut nach einer passenden Braut für sich suchte und Botschaften und Geschenke an Emma in die Normandie schickte, die schließlich einwilligte, Knuts Ehefrau zu werden. Die Angelsächsische Chronik hingegen schreibt lediglich im Eintrag für das Jahr 1017, dass Knut befahl, Emma „als Königin für ihn zu holen“. Heutige Historiker halten es für unplausibel, dass Emma sich, wie im Encomium beschrieben, 1017 in der Normandie befand und dass Knut sie umwarb. Es ist vielmehr wahrscheinlicher, dass Emma sich in London befand, vermutlich als Gefangene, und gezwungen war, Knut zu heiraten. Vermutlich kam diese Entwicklung für sie auch nicht überraschend, denn im Europa des 11. Jahrhunderts war es durchaus üblich, dass Eroberer die Witwen ihrer Vorgänger heirateten.Harriet O’Brien: Queen Emma and the Vikings: The Woman who Shaped the Events of 1066. Bloomsbury, London 2006, ISBN 978-0-7475-7968-7, S. 101–102.

Für Knut war Emma die zweite Frau. Er war mit Ælfgifu von Northampton, einer Angehörigen einer angelsächsischen Adelsfamilie aus dem Norden Englands, bereits eine Verbindung eingegangen, wobei unklar ist, ob diese offiziell durch eine kirchliche Trauung legitimiert wurde. Aus der Verbindung stammten seine Söhne Sven und Harald. Es ist nicht klar, ob diese Verbindung endete, weil Knut Ælfgifu verstieß. Dagegen spricht, dass Ælfgifu weiterhin in England verblieb und später als Regentin für ihren Sohn Sven in Norwegen eingesetzt wurde.Harriet O’Brien: Queen Emma and the Vikings: The Woman who Shaped the Events of 1066. Bloomsbury, London 2006, ISBN 978-0-7475-7968-7, S. 106.

Aus der Verbindung zwischen Knut und Emma entstammte der spätere König Hardiknut sowie eine Tochter, Gunhild.Harriet O’Brien: Queen Emma and the Vikings: The Woman who Shaped the Events of 1066. Bloomsbury, London 2006, ISBN 978-0-7475-7968-7, S. 124. Heutige Historiker vermuten, dass Knut und Emma während Knuts Regierungszeit ein gutes Arbeitsverhältnis hatten, davon zeugen Urkunden Knuts, in denen Emma erwähnt wird oder als wichtige Zeugin direkt an zweiter Stelle in den Zeugenlisten auftaucht. Auf Emmas Anregung könnte auch die feierliche Verlegung der Gebeine von Bischof Ælfheah 1023 von London nach Canterbury zurückzuführen sein und damit die Ehrung des von Wikingern ermordeten Bischofs als Märtyrer und Heiliger. Bei kaum einer früheren Königin war die Dominanz am Königshof und die Anerkennung ihrer Rolle so groß wie bei Emma, schreiben heutige Historiker.Harriet O’Brien: Queen Emma and the Vikings: The Woman who Shaped the Events of 1066. Bloomsbury, London 2006, ISBN 978-0-7475-7968-7, S. 119.Pauline Stafford: Queen Emma and Queen Edith: Queenship and Women's Power in Eleventh-Century England. Blackwell, Oxford 2001, ISBN 0-631-22738-5, S. 231–232.

Während Knuts Herrschaftszeit tat sich Emma auch als Gönnerin und Förderer kirchlicher Einrichtungen hervor, so etwa für die Kirche Christ Church in Canterbury, der sie unter anderem in ihrem eigenen Namen ein kostbares Altartuch, einen goldenen Kelch und ein mit Gold verziertes, illustriertes Evangelienbuch schenkte. Die bekannteste Schenkung von Emma und Knut ist jedoch ein goldenes Kreuz für das New Minster in Winchester, was im Liber Vitae des New Minster schriftlich und bildlich festgehalten ist.Harriet O’Brien: Queen Emma and the Vikings: The Woman who Shaped the Events of 1066. Bloomsbury, London 2006, ISBN 978-0-7475-7968-7, S. 150–151.

Königswitwe Als Knut 1035 starb, begann ein erneuter Kampf um die Nachfolge. Zum Zeitpunkt von Knuts Tod befand sich nur einer seiner Söhne, Harald, ein Sohn Ælfgifus von Northampton, in England. Knut hatte noch zu Lebzeiten seinen Sohn Hardiknut zum Regenten von Dänemark ernannt und seinen Sohn Sven zusammen mit dessen Mutter Ælfgifu als Regenten nach Norwegen geschickt. Hardiknut war in Dänemark militärisch gebunden und blieb dort zunächst.