Yahya Amqassim (; * 1972) ist ein saudi-arabischer Schriftsteller und Kulturbeamter, der vor allem durch seinen Roman Sāq al-ghurāb (al-harba) (‚Die Krähenklaue (Die Flucht)‘) bekannt wurde. Neben seiner literarischen Arbeit bekleidete Amqassim Regierungsfunktionen; 2020 wurde er zum Rechtsberater (Rang 12) im saudischen Bildungsministerium befördert. 2023 folgte die Beförderung in Rang 13 sowie die Bestellung zum kommissarischen Kulturattaché an der Botschaft des Königreichs Saudi-Arabien in Tunis.

Leben Amqassim wurde 1972 geboren. Er stammt aus dem Tal al-Husseini in Südwest-Saudi-Arabien (Provinz Jazan). Nach einem Jurastudium an der König-Saud-Universität, das er 1997 mit dem Bachelor abschloss, arbeitete er zunächst journalistisch und literarisch. Er war kultureller Redakteur bei der Zeitung Al-Hayat in Riad und beschrieb diese Phase später als prägend für seine literarische Entwicklung. Seine erste Buchveröffentlichung war der Erzählband al-Machsch (2000). Frühe Texte veröffentlichte er teils unter dem Namen Yahya Sab‘i, bevor er sich für die Autorenform Amqassim entschied. Beruflich war er anschließend mehrere Jahre im diplomatischen Dienst tätig und arbeitete als Kulturmitarbeiter an den saudischen Botschaften in Paris und Beirut, bevor er in das Bildungsministerium wechselte. 2020 wurde er zum Rechtsberater im Ministerium (Rang 12) ernannt, 2023 zum Rang 13 befördert und als kommissarischer Kulturattaché in Tunis eingesetzt; zudem schrieb er Kolumnen in saudischen Tageszeitungen wie Okaz, Al-Hayat und Al-Sharq.

Wirken Amqassim veröffentlichte 2008 seinen Roman Sāq al-ghurāb (al-harba) (‚Die Krähenklaue (Die Flucht)‘), dessen Handlung um das Tal al-Husseini angesiedelt ist und der traditionsgebundene Dorfgemeinschaften in Konfrontation mit einer von außen heranrückenden staatlichen Ordnung zeigt. Der Roman wurde in der arabischen Literaturkritik breit und wohlwollend rezipiert und im März 2019 auf Französisch als La Patte du Corbeau (La Fuite) erschienen; französischsprachige Medien hoben die epische Anlage und die Auseinandersetzung mit sozialgeschichtlichen Umbrüchen hervor. Der arabische Text verbindet Hocharabisch und Dialekt im Text.

Im Jahr 2017 legte Amqassim mit Radschul asch-Schitā’ (‚Der Wintermann‘) einen zweiten Roman vor, in dem Erfahrungen aus dem Pariser Kulturalltag, Fragen von Erinnerung und Entfremdung sowie eine selbstreflexive Erzählerstimme im Zentrum stehen; Kritiken betonten die formale Experimentierfreude und die Verknüpfung persönlicher und historischer Blickwinkel.

Überdies tritt Amqassim regelmäßig in literarischen Foren auf, etwa bei der 6. Arabischen Roman-Konferenz in Kairo 2015, wo er über „Roman und kulturelle Besonderheit“ sprach. 2016 war er neben dem libanesischen Fotografen Ziad Antar einer der Kuratoren des Projektes Dschibāl Dschanūb Gharbī as-Saʿūdiyya – Ma baʿd as-sūra (‚Berge im Südwesten Saudi-Arabiens – Jenseits des Bildes‘), das seine Prosa mit fotografischen Arbeiten in Dialog setzte. 2019 wirkte er bei Veranstaltungen der 50. Kairoer Internationalen Buchmesse mit und sprach dort über seine Romane sowie über neue Erzählpfade in der saudi-arabischen Literatur.

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