mini|Marie Kaufmann-Wolf (um 1920) Marie Caroline Kaufmann-Wolf, auch Maria (geboren am 20. Januar 1877 in Alzey; gestorben am 1. März 1922 in Berlin) war eine deutsche Ärztin und Wissenschaftlerin jüdischer Herkunft. Sie leitete von 1920 bis 1922 die Universitätshautklinik der Charité-Universitätsmedizin Berlin. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit widmete sie sich als Dermatologin insbesondere den Infektionskrankheiten Syphilis und Mykosen.

Leben Marie Caroline Wolf stammte aus der Ehe von Auguste Wolf, geborene Kahnweiler, und Georg Wolf, Besitzer eines Häute- u. Lederhandels. Sie wuchs in einem bildungsoffenen Umfeld mit zwei älteren und einem jüngeren Bruder auf. Ihre Mutter verstarb, als Marie sechs Jahre alt war. Im Alter von 21 Jahren aber noch vor ihrem Abitur heiratete Marie Wolf 1898 den Nationalökonom Eugen Moses Kaufmann.

Marie Caroline war eine Kusine der jüdischen Ärztinnen Johanna Geissmar und Ella Wolf sowie des Rechtsanwalts Hermann Wolf, der 1938 in die USA emigriert war.

Beruflicher Werdegang mini|Marie Kaufmann-Wolf (vorne links) um 1900 Welche Art Schulbesuch Kaufmann-Wolf ermöglicht wurde, ist nicht bekannt, aber sie legte im Jahr 1904 im Alter von 27 Jahren an einem Mädchengymnasium in Karlsruhe ihre Abiturprüfungen ab. Daran schloss sich bis 1909 ein Frauenstudium im Fach Medizin an der Universität Heidelberg mit Zwischensemestern an der Universität München und Universität Halle an. Promoviert wurde sie im Jahr 1909 in Heidelberg, wofür sie an Houdanhühnern über Embryologische und anatomische Beiträge zur Hyperdactolie forschte. Ab 1912 arbeitete sie als Assistenzärztin am städtischen Krankenhaus bei Hermann Kerschensteiner in München-Schwabing. Im Anschluss arbeitete sie als Assistentin an der Anatomischen Anstalt in Heidelberg.

Arbeits- und Studienaufenthalte führten sie nach Berlin, Wien und Paris. Zwischen 1913 und 1917 sind Assistenztätigkeiten beim Dermatologen Raymond Sabouraud in Paris belegt. Ab 1920 arbeitete sie in Berlin unter dem Dermatologen Georg Arndt, der sie als Assistenzärztin aufnahm. 1922 wurde sie Leiterin der Universitätshautpoliklinik.

Kaufmann-Wolf engagierte sich darüber hinaus zu zentralen Themen ihrer Zeit und bekämpfte als Mitstreiterin von Katharina Scheren und Anna Pappritz beispielsweise unter ethischen Verantwortung beider Geschlechter eine Reglementierung der Prostitution.

Als sie 1922 starb, war sie 45 Jahre alt und stand kurz vor ihrer Habilitation. Dem Verein weiblicher Ärzte vermachte sie eine umfangreiche Fachbibliothek. Ihr Ehemann unterstützte die wissenschaftliche Tätigkeit von Ärztinnen mit Geldspenden.

Forschungsschwerpunkte Sowohl in der praktischen als auch der wissenschaftlichen Medizin genoss Kaufmann-Wolf einen guten Ruf. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit widmete sie sich insbesondere der Erforschung der Haut- und Geschlechtskrankheiten Syphilis und Mykosen. Ihr fachlicher Ruf als Wissenschaftlerin in der Dermatologie geht auf die Forschung zu Mykosen zurück. Bereits 1913 referierte sie auf dem XI. Kongress der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Wien über Pilzkrankheiten der Hände und Füße. Im Jahr 1914 entdeckte sie den Pilz-Erreger „Morbus Kaufmanii“, der nach ihr benannt wurde und in medizinische Lehrbücher aufgenommen wurde. Der Erreger tritt häufig bei Patienten mit Hautveränderungen an Hand und Fuß auf.

Darüber hinaus sind weitere wissenschaftliche Arbeiten von Kaufmann-Wolf im Bereich Embryologie, Anatomie und Pathologie bekannt.

Ehrenämter und Mitgliedschaften (Auswahl) 1919: Mitgründerin des Vereins weiblicher Ärzte, einem Vorläufer des Bundes Deutscher Ärztinnen Abolitionistische Föderation

Weblinks

Ärztinnen im Kaiserreich Marie Kaufmann-Wolf in der DSI – Stuttgarter Datenbank wissenschaftlicher Illustratoren

Einzelnachweise

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