mini|Anfang der Polonaise-Fantaisie Die Polonaise-Fantaisie in As-Dur, op. 61, ist eine Komposition für Klavier von Frédéric Chopin. Sie ist seiner Schülerin Mme. Anne Veyret gewidmet und wurde 1846 geschrieben und veröffentlicht. Sie trägt die Tempobezeichnung Allegro maestoso (majestätisch schnell).

Nur dem Namen nach eine Polonaise, ähnelt der Stil dieses Stücks mit seiner zarten und sanften Traurigkeit eher der Ausdrucksfreiheit von Balladen. Die unmittelbare Nähe zu Chopins Bruch mit George Sand kommt darin zum Ausdruck.

Aufgrund seiner komplexen Harmonik und Form fand dieses Werk nur langsam Anklang bei Musikern. Arthur Hedley war einer der ersten Kritiker, der das Werk positiv würdigte. 1947 schrieb er, es wirke „auf die Vorstellungskraft des Hörers mit einer Suggestionskraft, die nur von der F-Moll-Fantaisie Op. 49 oder der vierten Ballade erreicht wird“, obwohl Swjatoslaw Richter, Artur Rubinstein, Leff Pouishnoff, Claudio Arrau und Vladimir Horowitz es Jahrzehnte zuvor in ihre Programme aufgenommen hatten.

Das Metrum, ein Großteil des Rhythmus und einige melodische Elemente sind eng mit der Polonaise verknüpft, doch die Fantaisie ist das maßgebliche formale Paradigma, und Chopin soll das Stück zunächst nur als Fantaisie bezeichnet haben. Parallelen zur Fantaisie in F-Moll sind die Gesamttonalität des Werks, As-Dur, die Tonart des langsameren Mittelteils, H-Dur, und das Motiv der absteigenden Quarte. mini|Polonaise-Fantaisie As-Dur, op. 61, Interpret: Giorgi Latso

Jeffrey Kallberg hat die Polonaise-Fantasie als einen Wandel in Chopins Stil von der „späten“ bis zur „letzten“ Periode bezeichnet. Es wird vermutet, dass die formalen Mehrdeutigkeiten des Stücks (insbesondere die unkonventionellen und musikalisch irreführenden Übergänge in und aus dem lyrischen Mittelteil) die wichtigsten Merkmale dieses „letzten Stils“ sind, der nur dieses und ein weiteres Stück umfasst – die F-Moll-Mazurka (op. 68, Nr. 4), Chopins letzte Komposition.

Die Polonaise-Fantasie ist eines der am schwierigsten zu interpretierenden Werke, da sie ein besonderes musikalisches Feingefühl erfordert, um die richtige Atmosphäre zu erkennen und die prägnantesten Momente zu beherrschen und sie von denen der Ausgelassenheit zu unterscheiden.

Das Stück spielt eine zentrale Rolle in Sándor Márais Roman Die Glut. Dort spielt der Jungoffizier Konrád und die Mutter seines Freundes Henrik eine vierhändige Version von Chopins „Polonaise fantaisie“ bei einem spontanen Familienkonzert.

Beim XIX. Internationalen Chopin-Wettbewerb des Jahres 2025 wurde erstmals neben den beiden Klavierkonzerten die Polonaise-Fantaisie als Pflichtwerk im Finale eingeführt. Laut Artur Szklener, Direktor des Fryderyk-Chopin-Instituts, bilden die Klavierkonzerte zwar einen virtuosen und großartigen Abschluss, entstanden jedoch früh in Chopins Karriere und bieten in einer entscheidenden Phase des Wettbewerbs nur einen eingeschränkten Einblick in seinen Kompositionsstil. Er beschrieb die Polonaise-Fantaisie als Gegenpol zur brillanten Ausdrucksweise der Klavierkonzerte und charakterisierte sie als eines von Chopins letzten Werken mit quasi-improvisatorischen, traumhaften und ätherischen Qualitäten, mit harmonisch mehrdeutigen Passagen in fast impressionistischer Farbgebung, verschwommenem Polonaise-Rhythmus und einer umgekehrten formalen Struktur, in der das Hauptthema eher Ziel als Ausgangspunkt der Komposition ist. Szklener erklärte, die Gegenüberstellung ermögliche es den Finalisten, eine umfassendere Palette pianistischer Mittel zu präsentieren und ermögliche es den Juroren, ihre Reife zu beurteilen, während die Form der Polonaise-Fantaisie eine zusammenhängende künstlerische Erzählung ermögliche, in der sie den Weg für eines der Klavierkonzerte ebne und auf die Tradition des improvisierten Präludiums verweise.

Diskographie Maurizio Pollini Chopin Polonaises Deutsche Grammophon 1975Polonaise-Fantaisie de Frédéric Chopin dans les oreilles de la Tribune. Martha Argerich Piano Sonata n°3, Scherzos, Mazurkas, Polonaise Fantaisie Deutsche Grammophon 1967 Vladimir Horowitz Horowitz plays Chopin RCA, 1966

Weblinks Polonaise-Fantasie – Partitur Hans Peter Reutter: 1. Teil des Blogbeitrages // Teil 2

Einzelnachweise

Kategorie:Werk von Frédéric Chopin