Der Chrysler LeBaron der Modelljahre 1982 bis 1988Die zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen üblicherweise von Kalenderjahren ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen umgebaut werden, ein neues Modelljahr. ist ein Mittelklassefahrzeug des US-amerikanischen Automobilkonzerns Chrysler. Er bildet die zweite Generation der LeBaron-Reihe. Das Modell baut auf den preiswerteren Dodge Aries und Plymouth Reliant auf und ist die erste Variante der frontgetriebenen K-Car-Familie, die unter der Kernmarke Chrysler angeboten wurde. Der LeBaron dieser Generation gilt als zentrales Symbol für den Downsizing-Prozess, den der Chrysler-Konzern zu Beginn der 1980er-Jahre vollzog. Eine besondere Bedeutung hatte die offene Version des LeBaron, die bei ihrer Markteinführung das erste in Serie produzierte US-amerikanische Cabriolet seit sechs Jahren war. Parallel zu dieser LeBaron-Generation stand ab 1985 eine Schrägheckvariante mit gänzlich eigenständigem Design unter der Bezeichnung Chrysler LeBaron GTS im Programm.
Modellgeschichte mini|Technische Basis des LeBaron: Plymouth Reliant auf K-Car-Plattform Chrysler hatte die LeBaron-Reihe, deren Bezeichnung auf ein ehemaliges New Yorker Karosseriebauunternehmen Bezug nimmt, zum Modelljahr 1977 eingeführt. Der erste LeBaron war das bis dahin kürzeste Fahrzeug der Marke Chrysler, hatte aber eine überdurchschnittlich gute Ausstattung und sollte im Segment der luxuriösen Mittelklasseautos mit dem Cadillac Seville und den Lincoln Versailles konkurrieren. Die erste LeBaron-Generation mit Hinterradantrieb blieb bis 1981 im Programm; ab 1982 wurde das Auto mit geringen technischen Änderungen als New Yorker und später als Fifth Avenue weiterhin verkauft.
Unter dem Eindruck stark steigender Rohstoffpreise als Folge der Ölpreiskrisen und gesetzlich vorgegebener Verbrauchsobergrenzen entwickelten seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre alle US-amerikanischen Autohersteller kleinere und leichtere Fahrzeuge. Der finanziell stark angeschlagene Chrysler-KonzernCharles K. Hyde: Riding the Roller Coaster. A History of the Chrysler Corporation, Wayne State University Press, 2003, ISBN 978-0-8143-3781-3, S. 255 setzte diesen Downsizing-Prozess konsequenter um als seine Konkurrenten und verband ihn aus wirtschaftlichen Gründen mit einer umfassenden Plattformstrategie. 1980 führte er die K-Plattform mit Frontantrieb ein, die auf Autos mit weniger als fünf Metern Gesamtlänge ausgelegt war. Diese Grundkonstruktion, die im Wege eines Baukastensystems immer wieder variiert wurde, bildete bis 1990 die Basis nahezu aller Fahrzeuge des Chrysler-Konzerns. Die ersten K-Cars waren die Mittelklassemodelle Dodge Aries und Plymouth Reliant, die die bisherigen, deutlich größeren Dodge Aspen und Plymouth Volare mit Hinterradantrieb ersetzten. Zum Modelljahr 1982 zog die Kernmarke Chrysler mit einem Ableger des Aries bzw. Reliant nach. Weil der LeBaron geringfügig längere Überhänge vorn und hinten hatte und damit etwas länger als die Aries und Reliant waren, wurde der LeBaron inoffiziell auch Super-K genannt.George D. Levy: The 'Super' Ks, Autoweek, Jahrgang 31 (1981) Nr. 42, S. 10. Dieser erste K-Car-Chrysler erhielt die Bezeichnung LeBaron, die damit auf eine deutlich kleinere Fahrzeugklasse heruntergereicht wurde. Die zweite LeBaron-Generation war anfangs mit ganzen Bandbreite der gängigen Karosserieformen Coupé, Limousine und Kombi erhältlich; 1983 kam noch ein Cabriolet hinzu. Ein nahezu baugleiches Schwestermodell des LeBaron ist der Dodge 400, der als höherwertige Version des Dodge Aries verkauft wurde; er blieb nur bis 1983 im Programm.
Zum Modelljahr 1987 teilte Chrysler die LeBaron-Reihe auf: Während das LeBaron-Coupé und das Cabriolet neue Karosserien bekamen, behielten die viertürige Stufenhecklimousine und der Kombi behielten noch zwei weitere Jahre ihre bisherige Form bei.
1983 stellte Chrysler dem LeBaron zwei Versionen mit längerem Radstand, ansonsten aber gleicher Technik und teilweise austauschbaren Karosserieteilen zur Seite: Eine einfacher ausgestattete Variante kam als Chrysler E Class auf den Markt, blieb aber nur zwei Jahre im Programm;Die Marktposition des E-Class übernahm der Plymouth Caravelle, der ein Schwestermodell des zeitgleich angebotenen Dodge 600 war. die besser ausgestattete und optisch leicht verfremdete Ausführung, die als New Yorker bezeichnet wurde, war wie der viertürige LeBaron bis 1988 erhältlich.
Modellbeschreibung Der auf der K-Plattform basierende LeBaron der zweiten Generation ist wesentlich kleiner und leichter als sein hinterradgetriebener Vorgänger: Der Radstand ist 320 mm kürzer, die Außenlänge reduzierte sich um 660 mm. Zugleich sank das Gesamtgewicht um 400 kg.Roger Gloor: Alle Autos der 80er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03144-9, S. 139.
Karosserie und Innenraum
Der Chrysler LeBaron hat eine selbsttragende Karosserie aus Stahlblech, die in Abmessungen und grundlegenden Designmerkmalen mit der des Dodge Aries und Plymouth Reliant übereinstimmt.Gary Witzenburg: Driving the 1982 Chryslers. Popular Mechanic, Heft Oktober 1981, S. 90. Einige Blechteile wie Kotflügel, Türen und Dach dieser Modelle sind untereinander austauschbar; Gleiches gilt für die Verglasung. Stilistische Abweichungen gibt es vor allem an der Front- und Heckpartie. Die Frontmaske des LeBaron ist länger als die des Aries und des Reliant. Sie ist schräg gestellt und trägt anstelle der Einzel- rechteckige Doppelscheinwerfer. Die geneigte Kühlerverkleidung ist im markentypischen Wasserfall-Design gehalten. Das Dach ist serienmäßig mit Vinyl überzogen. Der Überzug schließt bei der viertürigen Limousine das kleine Seitenfenster der hinteren Türen ein, sodass der Eindruck einer breiten C-Säule entsteht. Beim zweitürigen Coupé gibt es ein stilisiertes Opera window.
Zum Modelljahr 1986 erhielt die LeBaron-Reihe ebenso wie der Dodge Aries und der Plymouth Reliant ein Facelift. Die Front- und Heckmasken wurden abgerundet, vorn wurden die Positionsleuchten in die Kotflügel eingebettet. Die Rückleuchten reichen in dieser Version seitlich in die Kotflügel hinein.
Der LeBaron wurde werksseitig mit einer vorderen Sitzbank ausgeliefert; in dieser Form war er nominell als sechssitziges Auto zugelassen. Auf Wunsch waren vorn zwei Einzelsitze erhältlich; in diesem Fall war der LeBaron ein Fünfsitzer.Gary Witzenburg: Driving the 1982 Chryslers, Popular Mechanic, Heft Oktober 1981, S. 174. Das Cabriolet war ausschließlich mit vorderen Einzelsitzen erhältlich.
Fahrwerk Das Fahrwerk des LeBaron ist K-Car-typisch und entspricht vollständig dem des Dodge Aries und Plymouth Reliant: Die vorderen Räder sind einzeln aufgehängt, und hinten ist eine Torsionskurbelachse eingebaut.AutoKatalog Nr. 28 (1984/85), S. 245. Vorn gibt es Scheiben-, hinten Trommelbremsen.
Antrieb und Kraftübertragung Der Chrysler LeBaron wird von Reihenvierzylinder-Ottomotoren angetrieben, die vorn quer eingebaut sind. Die Hubraumspanne reicht von 2,2 über 2,5 bis 2,6 Liter. Einige Varianten sind mit Turboaufladung ausgestattet. mini|2,2-Liter-Turbo-I-Motor von Chrysler Im gesamten Produktionszeitraum war ein Reihenvierzylindermotor mit 2213 cm³ (135 cui) Hubraum (Bohrung × Hub: 87,5 × 92 mm) und zwei Ventilen pro Zylinder, die von einer obenliegenden Nockenwelle gesteuert werden, die Basismotorisierung. Dieser Block, der einen Leichtmetallzylinderkopf hat, war 1980 bei den ersten K-Car-Varianten (Dodge Aries und Plymouth Reliant) erstmals erschienen und seitdem schrittweise weiterentwickelt worden. Anfänglich waren die Motoren mit Vergasern ausgestattet, die später durch eine Benzineinspritzung ersetzt wurden. In der Saugmotorversion standen Höchstleistungen zwischen 62 KW (85 PS) und 73 KW (100 PS) zur Verfügung. Daneben war ab 1984 eine intern Turbo I genannte aufgeladene Variante mit einem Garrett-Turbolader erhältlich, die auf eine Höchstleistung von 109 KW (148 PS) kam. Sie war beim Dodge Aries und beim Plymouth Reliant nicht erhältlich, sodass der LeBaron das einzige Modell aus der ersten K-Car-Generation war, das mit einem Turbomotor bestellt werden konnte.
Neben Chryslers 2,2-Liter-Motor war von 1982 bis 1985 alternativ ein 2555 cm³ (156 cui) großer Reihenvierzylindermotor von Mitsubishi (Baureihe 4G54) erhältlich. Die ausschließlich als Saugmotor eingesetzte Konstruktion mit zwei Ausgleichswellen hat eine obenliegende Nockenwelle und serienmäßig eine Benzineinspritzung. Die Höchstleistung, die je nach Modelljahr bei 68 KW (93 PS) und 75 KW (102 PS) lag, entsprach annähernd der des 2,2-Liter-Motors von Chrysler; das maximale Drehmoment war aber um etwa 30 Nm größer.
Als Ersatz für den Mitsubishi-Motor nahm Chrysler 1986 eine auf 2501 cm³ (152 cui) vergrößerte Version des eigenen Reihenvierzylinders (Bohrung × Hub: 87,5 × 104 mm) ins Programm auf, die ohne Turboaufladung 74 KW (101 PS) leistete. Eine aufgeladene Version dieses Motors war im LeBaron dieser Generation nicht erhältlich; sie stand erst bei der nächsten Generation ab 1989 im Programm.
Der 2,2-Liter-Motor war wahlweise mit einem Viergang-Schaltgetriebe oder mit einer Dreigangautomatik erhältlich, während die größeren Motoren serienmäßig mit dem Automatikgetriebe ausgeliefert wurden.
Übersicht über die Motorisierungen Hubraum cm³ 2213 2501 2555 cui 135 152 156 Leistung kW 62 70 71 72 73 104 209 74 68 70 73 75 SAE-PS (netto) 85 95 97 98 100 142 148 101 93 95 100 102 Modelljahr 1982 S – – – – – – – O – – – 1983 S O – – – – – – – O – – 1984 – – S – O O – – – – O O 1985 – – – – S – O – – – – O 1986 – – – S – – O O – – – – 1987 – – – S – – O O – – – – 1988 – – – S – – O O – – – – S= Serienausstattung, O= Sonderausstattung gegen Aufpreis
Town & Country mini|Chrysler Town & Country (1982) In der gesamten Produktionszeit dieser Modellreihe war eine fünftürige Kombiversion unter der traditionellen Chrysler-Bezeichnung Town & Country erhältlich. Insofern wich die Modellpalette des LeBaron von der des Schwestermodells Dodge 400 ab, zu der kein Kombi gehörte.
Die Wagenflanken der Town & Countrys sind ab Werk mit Holzimitatfolie beklebt, verbunden mit Kunststoffapplikationen in Holzoptik. Sie nehmen damit stilistisch auf die Woodie-Kombis der 1940er-Jahre Bezug. Technisch entspricht der Town & Country den Kombiversionen des Dodge Aries und Plymouth Reliant; wie sie, hat auch der Town & Country eine im Vergleich zu den Stufenheckmodellen verstärkte Aufhängung, die eine erhöhte Zuladung ermöglicht. Anders als in den zwei- und viertürigen Versionen des LeBaron, war beim Kombi ab 1984 der 2,6- bzw. ab 1986 der 2,5-Liter-Vierzylinder die Standardmotorisierung. Wahlweise war in den letzten Jahren auch beim Kombi die Turbo-I-Variante des 2,2-Liter-Motors erhältlich.
Der Town & Country war bis zum Chrysler 300 Touring von 2004 der letzte herkömmliche Kombi, der unter der Marke Chrysler verkauft wurde. Ab 1990 wurde der Name Town & Country für eine Version besonders hochwertig ausgestattete Version des Minivans Voyager verwendet.
LeBaron Convertible mini|LeBaron Convertible (1986) mini|Chrysler Town & Country Convertible (1986)