350px Der französische Autor, Theologe, Sänger, Organist und Dramaturg Arnoul Gréban hat 1451 an der Kathedrale Notre-Dame de Paris vier verschiedene Ämter inne: er ist Organist der Kathedrale, Leiter des Knabenchores, Latein-/Grammatiklehrer und Verwalter der Einkünfte und Ausgaben der zehn bis zwölf Chorknaben. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1451.
Ereignisse Heiliges Römisches Reich Fürstbistum Basel Conrat der Lautenmacher, wie er in den Basler Steuerakten genannt wird, zählt 1446 „in Basel zur wohlhabenden Schicht, also zu den Bürgern mit einem Vermögen von mindestens 200 Gulden“. Er ist Mitglied der Kaufmannsgilde und muss „1451 300 Gulden Steuern an die Stadt entrichten“. Er betreibt „offenbar eine Art Heimarbeit“, entwirft Lautenmodelle und lässt „diese von Heimarbeitern anfertigen, denen er vor der endgültigen Bezahlung bei Lieferung einen Vorschuss“ zahlt.
Grafschaft Hennegau Der Komponist Jacobus de Clibano ist von 1449 bis 1451 als Kanoniker an der Basilika St. Vincent in Soignies tätig. Der franko-flämischer Komponist Johannes Regis unterrichtet spätestens ab 1451 als magister puerorum (Chormeister der Knaben) an der Kollegiatkirche Saint-Vincent in Soignies in der Nähe von Cambrai.
Herzogtum Bayern-München Der deutsche Komponist, Organist und Lautenist Conrad Paumann, der spätestens im Jahr 1446 Organist der Kirche St. Sebald in Nürnberg wurde und – entgegen allen Zusicherungen – im Jahr 1450 die Stadt verlassen und sich an den Hof der Herzöge von Oberbayern nach München begeben hat, um in deren Diensten zu wirken, verliert im Jahr 1451 seine Bürgerrechte in Nürnberg und wird auf Vermittlung von Herzogin Anna von seinen dortigen Pflichten entbunden. In den folgenden 20 Jahren macht er als virtuoser Orgelspieler und als gesuchter Orgelsachverständiger zahlreiche Reisen in die Städte des Deutschen Reichs und trifft dort auf ein begeistertes, teilweise internationales Publikum. So kommt er 1451 nach Augsburg und 1452 nach Wien.
Herzogtum Brabant und Fürstbistum Lüttich Der Sänger und Komponist Constans Breuwe de Languebroek hat „von 1451 bis 1468/1469 eine Pfründe in der Kollegiatkirche von St. Servaas in Maastricht“.
Hochstift Cambrai Der franko-flämische Komponist, Sänger und Musiktheoretiker Guillaume Dufay, der noch vor der Absetzung von Papst Eugen IV. durch das Konzil von Basel am 25. Juni 1439 den Hof in Savoyen verlassen hatte, ist von Dezember 1439 bis März 1450 in Cambrai tätig. Er begibt sich 1450 – bezahlt vom savoyischen Hof – auf eine Italienreise, bei der er nachweislich vom 26. Mai bis zum 1. Juni 1450 in Turin in der Osteria del Cappello wohnt. Wahrscheinlich „zur Einweihung des Donatello-Altars in der Basilica di Sant’Antonio in Padua am 13. Juni 1450 komponiert er die Missa S Antonii de Padua“ und es ist denkbar, dass er „selbst zusammen mit neun Klerikern aus Burgund zur Aufführung nach Padua“ reist. Am 15. Dezember 1450 ist er wieder zurück in Cambrai. Seine Verbindung zum Haus Savoyen besteht von 1450 bis mindestens 1456. Nach der Italienreise kommt es zu der brieflichen Bitte Herzog Ludwigs an Dufay, wieder als Kapellmeister am savoyischen Hof zu wirken. Archivarisch belegt ist solch eine Tätigkeit nicht, jedoch gibt es Belege für eine Reise nach Genf (Bischofssitz zu Savoyen gehörig).
Kurfürstenhut Sachsen Der Gelehrte Nicolaus Gerstmann, der am 6. Januar 1427 an der Universität Leipzig den Grad eines Magister artium erlangt hat, „wird im Winter 1451 Dekan der Artistenfakultät ... Musikgeschichtliche Bedeutung hat Gerstmann allein deshalb, weil mit seinem Namen der älteste Nachweis eines im Rahmen der septem artes liberales und auf der Grundlage der Musica speculativa des Johannes de Muris das Fach Musik repräsentierenden Universitätslehrers“ an der Leipziger Universität verbunden ist.
Herzogtum Burgund Der wahrscheinlich aus Rouen stammende Sänger Guillaume Ruby ist zwischen 1415 und 1451 als Sänger und Schreiber Mitglied der burgundischen Hofkapelle. Gilles Binchois erwähnt ihn 1431 zusammen mit anderen burgundischen Sängern in seiner Motette Nove cantum melodie.
Burgundische Niederlande Der franko-flämische Komponist Johannes Brassart, der im Jahr 1442 an der Liebfrauenkirche in Tongern zum Domherrn ernannt wurde und bereits wenige Monate später eine Absenz-Erlaubnis erhielt,Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Personenteil Band 3, Bärenreiter Verlag Kassel und Basel 2000, ISBN 3-7618-1112-8. wird 1444 Sänger an der Kollegiatkirche Notre-Dame in derselben Stadt und wirkt dort nachweislich bis Juni 1451. Der niederländische Orgelbauer Adriaan Pieterszoon, der in den Jahren 1449 bis 1450 die Orgel in der Kathedrale von Antwerpen erweitert hat, kehrt noch im Jahr 1450 oder 1451 nach Delft zurück und baut hier für die „Bruderschaft vom Kreuz“ eine neue Orgel in der Nieuwe Kerk.
Italienische Staaten Herzogtum Ferrara Der französische Sänger und Komponist Benoit wirkt von „1448 bis 1450 ... in der Kapelle von Leonello d’Este in Ferrara“. Von Dezember 1447 bis Februar 1448 und von Januar 1451 bis Oktober 1455 ist er außerdem Mitglied der päpstlichen Kapelle.
Kirchenstaat Der italienische Komponist und Musiktheoretiker Ugolino de Orvieto, der vom 25. August 1431 bis 1448 als Erzpriester der Kathedrale von Ferrara tätig war und in dieser Funktion eine wichtige Rolle beim Ausbau der Chorschule gespielt hatte, ist von 1448 bis 1451 als Vikar des Kardinals Pietro Barbo im Bistum Cervia tätig. Er wird am 16. Dezember 1449 „zum päpstlichen Sekretär ernannt, ein Amt, das er bis zu seinem Tod“ innehat.
Königreich England Der englische Geistliche und Musiker Henry Abyndon, der ab 1445 „eine Pension von Humphrey, Herzog von Gloucester erhalten hat“ und möglicherweise „um diese Zeit auch Musiker in Humphreys Kapelle“ war, ist von 1447 bis 1451 oder 1453 als clerk am Eton College tätig. Der Komponist John Dunstable wirkt im Königreich England bis zu seinem Tod im Jahr 1453. Der Musiktheoretiker und Komponist Johannes Hothby ist „möglicherweise identisch mit dem Oxforder Konventualen John Otteby, der am 18. Dez. 1451 zum Subdiakon geweiht“ wird. Der englische Komponist N. Sturgeon, der durchgängig von 1413 bis 1452 Mitglied der Royal Household Chapel ist, hat während dieser Zeit „verschiedene Ämter als Schatzmeister und Verwalter“ bekleidet. In den Archiven von Windsor sind zwischen 1441 und 1451 Zahlungen an ihn verzeichnet. Der walisische Adliger und Staatsmann Gruffudd ap Nicolas richtet um 1451 in Carmarthen ein aufwändiges Eisteddfod aus, in der Barden seine angebliche Herkunft von Urien, einem mythischen frühmittelalterlichen König besingen, weshalb seine Nachfahren, die Familie Rhys, zeitweise auch den Beinamen FitzUrien führen.
Königreich Frankreich Der Komponist Petrus de Domarto, der 1449 „als Sänger an der Onze-Lieve-Vrouwekatedraal von Antwerpen“ tätig oder möglicherweise mit Pierre Maillart dict Petrus identisch ist, „einem Freund Dufays, der seit 1432 in Brüssel und von 1440 bis 1449 in Brügge tätig“ war, wird in einem aus Cambrai stammenden Dokument „von 1451 als damals in Tournai tätiger „bonus musicus“guter Musiker erwähnt“. Der französische Autor, Theologe, Sänger, Organist und Dramaturg Arnoul Gréban wird am 17. Juli 1450 als Organist der Kathedrale Notre-Dame de Paris erwähnt und ist zu diesem Zeitpunkt bereits Magister. „Am 19. Oktober desselben Jahres“ wird „er auch Magister cantus puerorumLeiter des Knabenchores und kurz darauf Magister grammatrice,Latein- und Grammatiklehrer womit er ausnahmsweise alle drei Ämter gleichzeitig“ innehat. Am 24. September 1451 übernimmt er auch die „Verwaltung der Einkünfte und Ausgaben der zehn bis zwölf Chorknaben“. Er hält „damit vier verschiedene Ämter gleichzeitig, die sonst üblicherweise von drei oder vier verschiedenen Personen ausgeübt“ werden – „ein in der Geschichte des Chors und der Musik an Notre-Dame einzigartiger Umstand.“ Der franko-flämische Komponist und Sänger Guillaume Le Rouge ist in den Jahren 1450 bis 1465 aktiv. Mit der größeren Wahrscheinlichkeit ist er der Sänger in der Kapelle von Herzog Charles d’Orléans zwischen 1451 und 1465, der die Musiker, Minnesänger und Dichter unterstützt, indem er für ihre Gedichte und Rondeaux Melodien komponiert.Die_Musik_in_Geschichte_und_Gegenwart (MGG). Personenteil Band 10. Bärenreiter, Kassel und Basel 2006, ISBN 3-7618-1136-5. Der flämische Komponist, Sänger und Kleriker Johannes Ockeghem, der vom 24. Juni 1443 bis zum 23. Juni 1444 als erwachsener Sänger an der Marienkirche Antwerpen unter Johannes Pullois tätig und danach in Moulins in die Dienste von Charles I. de Bourbon, Herzog von Bourbon, getreten war, ist wahrscheinlich ab 1. Oktober 1451 Sänger an der Hofkapelle des französischen Königs Karl VII.
Krone von Aragón Die Hofkapelle von König Alfons V. von Aragon in Neapel zählt 1444 14 Mitglieder, 1451 und 1455 sind es 21 oder 22 Mitglieder sowie ein oder zwei Organisten. Unter ihnen ragt der Komponist Pietro Oriola hervor, „einer von mehreren Spaniern, deren Anwesenheit in der königlichen Kapelle ... dieser offenbar einen ausgeprägt spanischen Charakter“ verleiht. Der Musiker und Komponist Giacomo Borbo ist seit 1444 Lehrer der Chorknaben am aragonesischen Hof in Neapel. Dies geht aus „der ältesten überlieferten Personalliste der Kapelle des Königs Alfons V. von Aragon ... vom 26. Okt. 1444“ hervor. Im Jahr 1450 ist er vermutlich für kurze Zeit Kapellmeister am Hofe und übt 1451 wieder seine bisherige Funktion als Chormeister aus.
Geboren Geburtsdatum gesichert 14. Januar: Franchinus Gaffurius, italienischer Kapellmeister, Komponist und Musiktheoretiker der Renaissance († 1522)
Genaues Geburtsdatum unbekannt Mattheus Herbenus, Humanist, Poet und Priester († 1538)
Geboren um 1451 Walter Lambe, englischer Komponist († 1504)
Gestorben Todesdatum gesichert 16. Juni oder 16. September: Hans I. Glockengießer, deutscher Glockengießer und Keßler (* 1398)
Siehe auch
Quellen Grove Dictionary of Music and Musicians Die Musik in Geschichte und Gegenwart
Einzelnachweise