Die Sozialistische Fördergesellschaft der Freunde, Förderer und ehemaligen Mitglieder des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SFG) wurde am 8. Oktober 1961 gegründet und ein Jahr später in den Sozialistischen Bund umgewandelt.
In Berlin versammelten sich am 8. Februar 1961 auf Einladung des Kreuzberger Bezirksstadtrats Erwin Beck, des Präsidenten des Berliner Sozialgerichts Comm sowie der FU-Professoren Gert von Eynern, Ossip K. Flechtheim, Hans-Joachim Lieber und Otto Stammer Unterstützer des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Bei den Eingeladenen handelte es sich überwiegend um SPD-Mitglieder, die mit der durch den SPD-Parteivorstand am 19. Juli 1960 verfügten Einstellung der finanziellen Unterstützung des SDS nicht einverstanden waren. Der neu zu bildende Förderkreis sollte so locker wie möglich organisiert sein, um möglichst viele Spender für die Bewältigung der finanziellen Schwierigkeiten des SDS zu gewinnen. Beraten wurde bei dem Treffen bereits ein vorläufiger Satzungsentwurf für eine „Sozialistischen Förderer-Gesellschaft der Freunde und ehemaligen Mitglieder des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes e.V.“.Universitätsarchiv FU Berlin, SDS-BV, Schumann 1960-61, Gruppen B - K.
Materialien DKs 1961 und 1962.
Am 14. April 1961 hatte zunächst der SPD-Unterbezirk Düsseldorf beschlossen, dass eine Mitgliedschaft im SDS mit der Mitgliedschaft in der SPD unvereinbar sei. Im Mai 1961 verbreiteten mehrere linke SPD-Mitglieder, Professoren und Gewerkschaftsfunktionäre einen Spendenaufruf für den SDS und kündigten die Gründung ein Fördergesellschaft für den SDS an. Der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer kritisierte am 5. Oktober 1961 die geplante Gründung der Förderergesellschaft und drohte den beteiligten SPD-Mitgliedern Parteiausschlüsse an. Die Gründung der Sozialistischen Förderergesellschaft des SDS erfolgte dennoch am 8. Oktober 1961 nach der XVI. Delegiertenkonferenz des SDS in Frankfurt am Main. Bis dahin hatten sich bereits 260 Förderer, überwiegend linke und liberale Professoren, sympathisierende Journalisten und Gewerkschaftsfunktionäre, der SFG angeschlossen. Auf der Frankfurter Gründungsversammlung der SFG sprachen die Professoren Wolfgang Abendroth (Marburg) und Ossip K. Flechtheim (Berlin) sowie der Gewerkschaftsfunktionär Fritz Lamm (Stuttgart). Der SPD-Parteivorstand reagierte acht Tage später und beschloss am 16. Oktober 1961 auf Antrag Herbert Wehners bei zwei Enthaltungen die Zugehörigkeit zum SDS sowie zur Sozialistischen Förderergesellschaft als unvereinbar mit der SPD-Mitgliedschaft. Der Beschluss wurde erst am 9. November 1961 veröffentlicht, da mehrere Mitglieder des SPD-Parteivorstandes noch Gespräche mit betroffenen Professoren führen wollten, um sie von der Unterstützung des SDS abzubringen. Auf den Beschluss des SPD-Parteivorstandes folgten zahlreiche Parteiausschlüsse und Austritte von langjährigen SPD-Mitgliedern die der SFG oder dem SDS angehörten. Die Abspaltung des SDS und der SFG von der SPD wird als Geburtsstunde der Neuen Linken in der Bundesrepublik Deutschland bewertet.
Nur ein Jahr nach seiner Gründung benannte sich die SFG im Oktober 1962 vor allem auf Betreiben Wolfgang Abendroths in Sozialistischer Bund um. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt 360 Mitglieder. Etliche SDS-Förderer schlossen sich dem Sozialistischen Bund nicht an, da sie ihn für eine perspektivlose linke Sekte hielten.
Einzelnachweise
Kategorie:Vereinsgründung 1961