Der Begriff blutdruckabhängige Verlaufsdaten beschreibt physiologische Messgrößen, die durch den Blutdruck beeinflusst werden oder diesen beeinflussen. Damit sind diese Daten eine spezielle Unterkategorie aller Vitaldaten, die am menschlichen Körper erfasst werden können.

Dazu zählen insbesondere:

zeitaufgelöste Druckkurvenverläufe Amplitude und Flankensteilheit von Pulsdruckwellen zeitliche Variabilität der Systolen und Diastolen die Pulswellenlaufzeit (engl. Pulse Transit Time, PTT) Veränderungen in elektrischen Potenzialen (z. B. im EKG) optische Signale in Lichtfrequenz, Reflexion, Wellenlänge und Intensität Herzfrequenzvariabilität

Diese Parameter können über verschiedene Sensoren (z. B. Photoplethysmographie, EKG, Drucksensorik) erfasst und in ihrer Dynamik analysiert werden. Zumeist werden diese Daten erfasst um den Blutdruck indirekt zu bestimmen mit dem Ziel eine kontinuierliche und belastungsfreie Bestimmung über längere Zeiträume zu ermöglichen.

Kalibration und Blutdruckschätzung

Blutdruckabhängige Verlaufsdaten stellen zunächst keine Blutdruckwerte dar. Die gemessenen Signale hängen von den individuellen anatomischen und physiologischen Eigenschaften der untersuchten Person sowie von den jeweiligen Messbedingungen ab. Daher kann aus den Verlaufsdaten ohne zusätzliche Informationen im Allgemeinen kein absoluter Blutdruckwert bestimmt werden.

Zur Bestimmung systolischer und diastolischer Blutdruckwerte werden viele Verfahren daher zunächst kalibriert. Hierzu werden blutdruckabhängige Verlaufsdaten zeitgleich mit den Referenzblutdruckwerten erfasst. Aus diesen Messungen werden die Modellparameter eines mathematischen Modells bestimmt, das den individuellen Zusammenhang zwischen den Verlaufsdaten und dem Blutdruck beschreibt. Ziel der Kalibration ist nicht die Anpassung des Sensors, sondern die Bestimmung der individuellen Modellparameter, mit denen blutdruckabhängige Verlaufsdaten in Blutdruckwerte überführt werden.

Die Modellparameter dienen einerseits der Zuordnung der Verlaufsdaten zum individuellen Blutdruckniveau und andererseits der Beschreibung, wie Änderungen der Verlaufsdaten mit Änderungen des Blutdrucks zusammenhängen. Anzahl, Bedeutung und mathematische Form dieser Parameter hängen vom jeweiligen Modell und dem verwendeten Verfahren ab. Je nach Verfahren können diese Parameter vollständig aus den individuellen Kalibrationsmessungen bestimmt oder teilweise aus populationsbasierten Modellen übernommen werden.

Klinische Untersuchungen einzelner cuffloser Blutdruckmessgeräte zeigten, dass trotz Kalibration systematische Messabweichungen auftreten können und die Genauigkeit derzeit je nach Verfahren für medizinische Anwendungen eingeschränkt sein kann.

Nach Abschluss der Kalibration erfolgt die Blutdruckschätzung auf Grundlage der fortlaufend erfassten Verlaufsdaten und der dabei kalibrierten Modellparameter. Je nach Verfahren kann eine erneute Kalibration erforderlich werden, wenn sich der Zusammenhang zwischen den Verlaufsdaten und dem Blutdruck verändert.

Literatur

Kategorie:Physiologische Größe Kategorie:Klinisches Untersuchungsverfahren