Burkhart Seidemann (* 1944 in Weimar; † 6. April 2016 in Berlin) war ein deutscher Pantomime, Theaterregisseur und Autor. Er prägte die Theaterszene in der DDR maßgeblich durch seine Arbeit im einzigen professionellen Pantomimeensemble Ostdeutschlands.
Leben und Werk Burkhart Seidemann wurde in Weimar in eine ehemals adelige Familie geborenPeter Waschinsky: Abschied von Burkhart Seidemann. In: Die Deutsche Bühne, 2016.. Nach dem Abitur in Eisenach absolvierte er eine Lehre als Kunstschmied bei Günther LauferBiografische Notizen im Theaterarchiv Berlin.. Anschließend studierte er Theologie in Jena, wo er seine Leidenschaft für die Pantomime entdeckte. Sein Lehrer war Harald Seime.Interview mit Burkhart Seidemann, Theater der Zeit, 1985.
Nach einem kurzen Praktikum als Landpfarrer zog Seidemann 1972 nach Ost-Berlin und schloss sich der Pantomimegruppe um Volkmar Otte an. Diese wurde 1974 vom DDR-Kulturministerium als „Pantomime-Ensemble des Deutschen Theaters“ professionalisiert.DDR-Kulturministerium, Verlautbarung zur Ensemblegründung, 1974. Seidemann avancierte bald zum Mitautor, später zum künstlerischen Leiter und dominierenden Regisseur des Ensembles. Das Ensemble setzte sich bewusst von der Ästhetik Marcel Marceaus ab und entwickelte komplexe Szenarien im Ensemblespiel.Jens Groß: Mimik und Macht – Theaterformen in der DDR. Henschel Verlag, 1999. Zu den bekanntesten Inszenierungen zählen Dr. Fausts Höllenfahrt, Orpheus und Hans Wurst.
Trotz großer Beliebtheit in der DDR und Anerkennung durch die Presse blieb dem Ensemble internationale Anerkennung verwehrt, da Auslandsreisen aus politischen Gründen untersagt wurden.DDR-Reisekontrollarchiv, Eintrag zum Pantomime-Ensemble, 1982. Nach der Abwicklung des Ensembles im Zuge der Kulturpolitik nach der Wiedervereinigung von 1990 gründete Seidemann 1991 das Hackesche Hoftheater in Berlin. Dieses Theater wurde unter seiner Leitung zu einem kulturellen Brennpunkt in den Hackeschen Höfen und verband mimisches Theater mit jüdischer MusiktraditionHackesches Hoftheater, Archivmaterial 1997–2006.. Seidemann setzte sich intensiv mit Klezmer-Musik auseinander und integrierte sie in seine Inszenierungen, wodurch er wesentlich zur Wiederbelebung jüdischer Kultur im Berliner Theaterleben beitrug.Berliner Zeitung, „Klezmer und Körperkunst“, 2002. Besonders hervorzuheben sind seine Produktionen wie Reineke Fuchs und Der Dybbuk, die jiddische Erzähltradition mit gestischem Theater verbanden.Programmheft Hackesches Hoftheater, Spielzeit 2003/2004. Das Theater musste 2006 mangels Subventionen schließenBerliner Senatsverwaltung für Kultur, Förderbericht 2006., doch Seidemanns Einfluss auf die kulturelle Nutzung der Hackeschen blieb erhalten.
Persönliches Burkhart Seidemann lebte seit 1973 mit dem Puppenspieler Peter Waschinsky zusammenWaschinsky, P.: Persönliche Erinnerungen. In: Theater heute, Mai 2016.. Die beiden heirateten am 5. April 2016, einen Tag vor Seidemanns Tod an Lungenkrebs.Berliner Morgenpost, Nachruf vom 7. April 2016.
Nachwirkung Seidemanns Arbeit gilt als bedeutender Beitrag zur Theaterlandschaft der DDR und zur Entwicklung des mimischen Theaters in Deutschland. Er zeigte Engagement für alternative Theaterformen, jüdische Kultur und die Wiederbelebung der Hackeschen Höfe als Spielstätte.Deutsches Theatermuseum München, Ausstellungskatalog „Gesten der Freiheit“, 2018.
Einzelnachweise
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