In Bolloré Communications sind die Medien-Aktivitäten der Bolloré Gruppe organisiert. Nach dem Verkauf der Transport-Aktivitäten ist dies die größte Abteilung der Gruppe. Zunächst firmierte der Geschäftszweig als Bolloré Media, nach der Erweiterung um Werbung, Video-Spiele u. a. wurde er in Bolloré Communications umbenannt.

Geschichte Im Jahr 2000 begann Vincent Bolloré mit dem Einstieg seiner Gruppe in die Medienindustrie. Er kaufte das Pariser Kino Mac Mahon. 2001 übernahm er, zusammen mit Euromédia, die Firma SFP (La Société Française de Production). Zu diesem Zeitpunkt besaß er 23,6 % von Euromédia, die er bis 2011 auf 40,57 % ausbaute. Euromédia betreibt Fernsehstudios, in denen bekannte französische Serien wie Star Academy und Les Guignols de l’info produziert wurden. 2006 gründete er Direct Soir, die erste kostenlose Tageszeitung in Frankreich, die in 14 Großstädten vertrieben wurde.

Im Jahr 2004 kaufte er sich mit 20 % in Havas ein, eine der größten französischen Werbeagenturen. 2005 gründete er Direct 8, einen französischen Fernsehsender, der erste, der eine Lizenz für die Übertragung über DVB-T hatte. 2005 wurde er Präsident des Aufsichtsrats von Havas. 2010 ersetzte Direct Star den Konkurrenten Virgin 17 und Bolloré traf eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit mit RMC (Radio Monte Carlo) in der Sportberichterstattung. Direct Soir wurde in weiteren Städten vertrieben. 2017 übernahm er den Fernsehsender i-Télé, einen der erfolgreichsten französischen Nachrichten-TV-Sender, benannte ihn in CNews um und richtete die Redaktionslinie neu aus. 2020 hielt Bolloré 27 % des Kapitals von Vivendi. Yannick Bolloré, Sohn von Vincent Bolloré, wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats. 2021 übernahm Vivendi die Pressegruppe Prisma Media, die Géo, Voici, Ça m’intéresse und Capital herausgab. Er übernahm 49 % des Verlags Lagardère, der die Titel Le Journal du Dimanche und Paris Match herausgibt und den Radiosender Europe 1 betreibt.

Da Bolloré nach der Übernahme von Verlagen und Sendern diese reorganisierte und rationalisierte, was zum Ausscheiden fast der gesamten alten Belegschaft führte, gab es immer wieder Protestaktionen gegen ihn, auch eine Untersuchungskommission des französischen Senats hat sich mit ihm befasst. Durch seine guten politischen Kontakte konnte er Konsequenzen vermeiden.

Am 14. April 2022 gab Bolloré ein Übernahmeangebot (OPA – offre publique d'achat) für die Firma Groupe Lagardère ab. Ziel war die Fusion der Gesellschaften Vivendi und Lagardère. Vivendi bot 25,5 € pro Aktie, etwas mehr als der Kurs an der Börse von ca. 24 €. Hintergrund: 2003 folgte Arnaud Lagardère seinem Vater Jean-Luc an der Spitze der gleichnamigen Firma. Durch einige Fehlinvestitionen erhöhte er die Schulden der Firma beträchtlich und er musste neue Geldgeber finden. Vivendi und die Familie Bolloré wurden Teilhaber und vergrößerten ihre Anteile weiter bis auf 45 %. Ende 2022 startete die Europäische Kommission ein Verfahren, um zu prüfen, ob der Zusammenschluss von Vivendi und Lagardère die Konkurrenz auf dem französischen Presse- und Medienmarkt beeinträchtigt. Im April gab die Kommission ihre Zustimmung zur Übernahme von Lagardère unter der Voraussetzung, dass Vivendi den Verlag Editis und einige Zeitschriften abgibt. Im November 2023 gab Vivendi bekannt, dass es Lagardère komplett übernommen hat. Vivendi hält mehr als 60 % der Aktien und mehr als 50 % der Stimmrechte. Der Verlag Editis wurde an International Media Invest von Daniel Křetínský abgegeben. Die neue Gruppe wuchs von 38.000 auf 66.000 Mitarbeiter, der Umsatz stieg um 72 % auf 16,5 Mrd. Euro (Basis 2022). Yannick Bolloré trat in den Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft ein.

Im September 2025 wurde bekannt, dass Bolloré die Tageszeitung Le Parisien übernehmen will, die Belegschaft trat darauf in den Streik.

Im Oktober 2025 setzte Bolloré eine neue Geschäftsführung für Prisma Media ein, die betroffenen Redaktionen protestierten in einer Versammlung der Belegschaft. Sie befürchten Arbeitsplatzabbau und stärkere politische Einflussnahme der Direktion. Ende 2025 teilte Prisma Media mit, dass bis zu 240 Mitarbeiter entlassen werden sollen, dies entspricht einem Drittel der Gesamtbelegschaft. Ein Grund war die sinkende Auflage, so sank die Auflage der Wirtschaftszeitung Capital von 104.000 im Jahr 2021 auf 69.000 im Jahr 2025.

Im Oktober 2025 war CNews mit 4 % Marktanteil der erfolgreichste News-Sender, vor BFMTV mit 3,2 % und France Info mit 1,1 %.

Zum Einfluss von Vincent Bolloré auf Presse und Rundfunk und den zugehörigen Diskussionen siehe Einfluss von Vincent Bolloré auf seine Medien.

Organisation Communications besteht aus zwei Unterabteilungen: Vivendi und Universal Music Group. Bolloré hält Minderheitsbeteiligungen an diesen Unternehmen.

Vivendi Zu Vivendi gehört der Pay-TV-Sender Canal+ sowie die Louis Hachette Group, die selbst aus Groupe Lagardère und Prisma Media besteht, die im Verlags- und Medienwesen, im Medien-Vertrieb und im Sportrechtehandel tätig ist. Gameloft produziert Video-Spiele. Havas gehört zu den führenden Werbeagenturen. Ende 2024 wurde Vivendi aufgeteilt in die oben angeführten Gesellschaften, an denen Bolloré Beteiligungen von ca. 30 % hält. Vivendi selbst besteht weiter und verwaltet Rechte im Medien- und Unterhaltungsbereich. Gameloft gehört ebenfalls weiterhin zu Vivendi.

Universal Music Group Zu Universal Music Group (UMG) gehören Musikverlage wie EMI Group und Polydor, Blue Note Records, Decca Records, Deutsche Grammophon und The Verve Music Group und die Studios Capitol Studios und Abbey Road Studios. Sie verwaltet die Musikrechte und ist im Musik Merchandising tätig.

Finanzzahlen Bolloré SE als Europäische Gesellschaft ist nicht im Handelsregister aufgeführt, von einigen Mantelfirmen mit einigen wenigen Angestellten abgesehen. Die hier angegebenen Zahlen beruhen auf Angaben von Bolloré selbst, Stand 2024.

Bolloré hält Minderheitsbeteiligungen an Vivendi (19,9 %) und UMG (18,5 %). Daher werden diese Beteiligungen nicht vollständig in der Bilanz ausgewiesen, angegeben wird als EBITA 203 Mio. € für 2024, Vivendi und UMG sind anteilig enthalten. Diese Beteiligungen werden nach der Equity-Methode bewertet.

Insgesamt hat die Gruppe 2024 einen Umsatz von 3.130 Mio. €. Für die einzelnen Aktivitäten von Bolloré Communications werden die folgenden Gesamtumsätze ausgewiesen: UMG 11.834 Mio. €, Canal+ 6.449 Mio. €, Hachette 9.235 Mio. €, Havas 2.736 Mio. €, Vivendi 297 Mio. €. Der Umsatz der Gruppe ist geringer als der Umsatz der einzelnen Teile, Minderheitsbeteiligungen (s. o.) sind nicht bilanziert.

Weblinks

Website Bolloré

Einzelnachweise

Kategorie:Medien (Frankreich)