mini|Zweiwege-Rüsch-Ballonkatheter im geblockten Zustand, links Blockerspritze (2025) Rüsch ist ein Markenname für Medizinprodukte zum Einsatz in Urologie, Anästhesie und Atemwegstherapie. Die ursprünglich deutsche Firma wurde 1885 gegründet und galt als Pionierunternehmen der Katheter-Industrie. Zuletzt hieß die Herstellerfirma Willy Rüsch AG, die 1989 der US-amerikanische Konzern Teleflex übernahm, der damit seine Medizintechniksparte aufbaute.
Geschichte Gegründet wurde das Unternehmen 1885 von August Rüsch (* 5. Juni 1859 in Ettenheim; † 28. April 1936 in Immenstaad am Bodensee). August Rüsch gilt als Begründer der deutschen Katheter-Industrie. Er absolvierte zunächst eine Lehre in einem Karlsruher SanitätsgeschäftWolfgang Trogus: Zur Erinnerung an August Rüsch. In: Immenstaader Heimatblätter, Heft 8, 1984, S. 7–17, hier S. 7. und war dann „langjähriger Leiter eines der ersten deutschen chirurgischen Intrumentenetablissements“, ehe er in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Arzt Otto Zeller neuartige elastische Gewebebougies und -katheter entwickelte, die bisher aus England und Frankreich importierter Ware Konkurrenz bieten konnten. Die Chirurgie und Urologie verlangte nach elastischen Kathetern, die durch Sterilisierbarkeit weitgehende Verwendung finden können. Rüschs erfinderischer Beitrag bestand vor allem in der Entwicklung eines geeigneten Speziallacks für die damaligen Gewebeschläuche und in der aseptischen Spitze des Katheters. In Cannstatt begann Rüsch seine Produktion, die zunächst auch Isolierschläuche für seinen Freund Gottlieb Daimler herstellte, ohne die dessen berühmte „Motorkutschen“ nicht fahren konnten.Wolfgang Trogus: Zur Erinnerung an August Rüsch. In: Immenstaader Heimatblätter, Heft 8, 1984, S. 7–17, hier S. 10. Später hießen diese Kabelschutzrohre in der Elektroindustrie Rüsch-Bougie-Rohre.Wolfgang Trogus: Zur Erinnerung an August Rüsch. In: Immenstaader Heimatblätter, Heft 8, 1984, S. 7–17, hier S. 14.Vgl. auch: Stuttgarter NS-Kurier : Gauorgan der NSDAP : Stuttgarter neues Tagblatt - Deutsches Zeitungsportal. 30. Juni 1940, abgerufen am 4. Oktober 2025. In der frühen Automobilindustrie hießen sie Rüsch-Schlauch.
1886 erfolgte die Eintragung ins Handelsregister unter A. Rüsch, Fabrik gummielastischer Instrumente für die Chirurgie in Cannstatt. 1890 ließ er sich ein Warenzeichen mit dem lateinischen Leitspruch „Semper sursum“ (deutsch: immer aufwärts) eintragen.Nachweisung der im Deutschen Reiche gesetzlich geschützten Waarenzeichen herausgegeben im Auftrage des Reichsamtes des Innern. Ergänzungsband 1890. Stankiewicz, Berlin 1890, Gruppe VI.f, S. 27. (Google Books) 1901 erlosch die Firma A. Rüsch. Die Gesellschafter der neu gründeten Rüsch-Compagnie, Gesellschaft mit beschränkter Haftung – mit einem Stammkapital von 250.000 Mark – übernahmen von dem bisherigen Gesellschafter das komplette Firmengeschäft an der Bryestraße 6 in Cannstatt, wobei August Rüsch weiterhin Geschäftsführer blieb. 1907 zog die Fabrikation nach Rommelshausen, etwa 10 Kilometer östlich von Cannstatt.
Im Jahr 1919 erhielt der älteste Sohn des Firmengründers, Willy Rüsch (1890–1969), die Prokura der Firma A. Rüsch u. Cie., offene Handelsgesellschaft in Rommelshausen und war bis 1925 technische Leiter. Ab dem 1. Mai 1930 firmierte die Firma A. Rüsch u. Cie nach der Vereinigung mit der Katheterreform AG als Katheterreform – Willy Rüsch A.-G. Cannstatt. Der Gründer August Rüsch zog sich nach Immenstaad am Bodensee zurück,Wolfgang Trogus: Zur Erinnerung an August Rüsch. In: Immenstaader Heimatblätter, Heft 8, 1984, S. 7–17. trat aber in den Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft ein, während sein Sohn Willy Rüsch und Mitinhaber der Firma A. Rüsch u. Co., Rommelshausen und jetzige Vorstand der Katheterreform – Willy Rüsch AG als Direktor die Leitung der vereinigten Fabriken übernahm. Ab Dezember 1934 war Willy Rüsch Vorstand mit der Befugnis zur Alleinvertretung aller Produktionsstätten, die nun unter dem Namen Rüsch Aktiengesellschaft firmierten. Im September 1936 wurde die bisherige Firma Rüsch AG laut Beschluss der Generalversammlung in eine „Offene Handelsgesellschaft“ umgewandelt. Auch wurde im Jahr 1936 eine Werkfeuerwehr gegründet.Vom Chaos mit Löscheimern zur Pflichtfeuerwehr, Stuttgarter Nachrichten, Fellbach & Rems-Murr-Kreis vom 13. März 2013, S. 3 Zwangsarbeiter während der Zeit des Nationalsozialismus für ihren Betrieb hatte die Firma Rüsch in den Ziegelwerken beim Bahnhof Waiblingen untergebracht.Kögel fordert Gedenktafel für Zwangsarbeiter, Stuttgarter Nachrichten, Fellbach & Rems-Murr-Kreis vom 12. April 2012, S. 2Zwei Erinnerungsorte für die Zwangsarbeiter, Stuttgarter Nachrichten, Lokales Region vom 3. April 2018, S. 3
1933 beschäftigte das Unternehmen Willy Rüsch über 230 Mitarbeiter, um 1960 waren es rund 900 Personen in Rommelshausen, womit der Betrieb der größte Arbeitgeber im Ort war. In Anerkennung dessen erhielt Willy Rüsch 1955 zu seinem 65. Geburtstag das Ehrenbürgerrecht von Rommelshausen. Später wurde im Gewerbegebiet die Willy-Rüsch-Straße, dem Sitz der Firma, nach ihm benannt.
Die 1968 gegründete Sterilisationsabteilung der Firma wurde 2001 zur Rüsch Sterilisation Service GmbH und 2005 zur BBF Sterilisationsservice GmbH umfirmiert.1983 erreichte die Firma bei 800 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 75 Millionen DM. Bis zuletzt wurde die Willy Rüsch AG als Familienunternehmen in dritter Generation von den Enkeln des Firmengründers August Rüsch, Heinz Rüsch und Margarete Rüsch, geleitet.Wolfgang Trogus: Zur Erinnerung an August Rüsch. In: Immenstaader Heimatblätter, Heft 8, 1984, S. 7–17, hier S. 16.
1989 übernahm die US-amerikanischen Teleflex Incorporation, vertreten durch die Teleflex Medical Europe Ltd mit Hauptsitz in Irland, die Willy Rüsch AG. Auch der in New York unter Rusch, Incorporated firmierende US-amerikanische Rüsch-Firmenableger wurde 1989 von Teleflex übernommen. Der deutsche Werksstandort in Rommelshausen wurde vor 2017 aufgegeben und das verbliebene Firmeninventar 2023 versteigert.
Marke Rüsch Die Marke Rüsch für Medizinprodukte war seit 1890 in mehreren sich änderenden Versionen geschützt. Daneben gab es Produktnamen wie Rüschelit für einen speziellen Tubus.
Der Markenname Rüsch® für Medizinprodukte besteht weiterhin, ebenso der Produktname Rüschelit®. Nach der Firmenverschmelzung mit Teleflex von 1989 kam der Produktname RüschFlex® hinzu, der die alten und neuen Fimennamen verbindet. Der alte Rüsch-Firmenname lebt als Teleflex-Ableger in der Rüsch Austria Gesellschaft m.b.H. fort.
Das Renommee der Marke Rüsch beruht immer noch auf der Firmen-Vorgeschichte vor allem von August und Willy Rüsch und deren Bedeutung als Begründer der deutschen Katheterindustrie. Bekannt sind Rüsch-Medizinprodukte heute vor allem für elastische Kunststoffschläuche für Anästhesie, Urologie und Chirurgie, u. a. für Katheter, Endotrachealtuben, Laryngoskope, Intubationshilfen, Stents. Es bestehen zahlreiche von Teleflex übernommene Patente.Google Patents, abgerufen am 4. Oktober 2025 Hergestellt werden Rüsch-Medizinprodukte heute u. a. am Teleflex-Standort in Bad Liebenzell.
Literatur A. Rüsch & Cie. Rommelshausen bei Stuttgart. Fabrik elastischer Chirurgie-Instrumente und Weichgummiwaren. Katalog, Rommelshausen 1910. Willy Rüsch. Diese Festschrift wird anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Willy Rüsch AG herausgegeben und dokumentiert das Unternehmen und seine Produkte im Wandel der Zeit. Willy Rüsch, Kernen i. R. 1985. (d-nb.info) Wolfgang Trogus: Zur Erinnerung an August Rüsch. In: Immenstaader Heimatblätter, Heft 8, 1984, S. 7–17. (Inhaltsverzeichnis heimatverein-immenstaad.de, abgerufen am 4. Oktober 2025) K.-H. Altemeyer, Th. Fösel, E. Breucking, F. W. Ahnefeld: Narkosen im Kindesalter. Praktischer Leitfaden. Hrsg. Willy Rüsch AG. 2., überarbeitete Auflage, Kernen-Stuttgart 1989. (Titelblatt auf nat.museum-digital.de, abgerufen am 4. Oktober 2025) Johann Sebastian Pöll: The anaesthesist, 1890–1960. A historical comparative study between Britain and Germany. Ersamus Publishing, Rotterdam 2011 (Dissertation Universiteit van Amsterdam), S. 123, 186, 263; S. 252–254: Rüsch Weichgummiwaren – Interview with Heinz Rüsch (englisch). – (Digitalisat auf tmgn.nl, abgerufen am 12. Oktober 2025)
Weblinks
Website der Firma Willy Rüsch GmbH, im Internet Archive Rommelshausen, 6. April. 25 Jahre sind es, daß August Rüsch in Cannstatt die Fabrikation von elastischen Chirurgie-Instrumenten unternommen hat, Cannstatter Zeitung, 8. April 1910. Katheterreform – Willy Rüsch A.-G., gegründet 1885. In: Stuttgarter neues Tagblatt. Südwestdeutsche Handels- und Wirtschafts-Zeitung, 27. Februar 1930, S. 16. Katheterreform Willy Rüsch AG [Werbeanzeige]. In: NS-Kurier. Südwestdeutsche Tageszeitung für Politik, Wirtschaft, Kultur. Amtsblatt für Stadt und Amtsoberamt Stuttgart, 3. Juni 1933.
Einzelnachweise
Kategorie:Medizintechnikunternehmen (Deutschland) Kategorie:Hersteller von medizinischen Geräten Kategorie:Unternehmensgründung 1885