Die thailändische Staatsangehörigkeit bestimmt die Zugehörigkeit einer Person zum Staatsverband Thailands mit den zugehörigen Rechten und Pflichten. Als Nachweisinstrument gilt der Personalausweis.

Historisches

Das Reich der Chakri-Dynastie war bis 1932 absolutistische Despotie, in der es zumindest bis 1892 bzw. 1912, selbst an den geringsten Schutzmechanismen, die der europäische Feudalismus in seiner absolutistischen Ausprägung vor 1789 bot, für Untertanen fehlte.Wittfogel, K. A.; Orientalische Despotie: Eine vergleichende Untersuchung totaler Macht; Köln 1962.Unter dem orientalischen Despotismus, war – wie Hegel beobachtete – ein einziger Mensch frei und alle anderen Sklaven. vgl. Hegel; Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, Erster Teil. Die orientalische Welt Im dünnbesiedelten Südostasien, war die Kontrolle über (fronpflichtige) Menschen und deren Arbeitskraft wichtiger als die über Ländereien. Unterjochung war die ratio essendi der Reiche.Beemer, Bryce; Southeast Asian Slavery and Slave Gathering Warfare as a Vector For Cultural Transmission: The Case of Burma and Thailand; 2009, S. 481 Ein erster Effekt des britischen Handelsvertrags 1826Abgeschlossen von Henry Burney (เฮนรี เบอร์นี) 1792–1845. Erweitert durch ein neues Abkommen 1856 durch Zusicherung fixer Zollsätze, Verbot von weiteren Monopolen, Exterritorialität und Meistbegünstigung („Bowring-Vertrag“) war die massenhafte Lieferung moderner Musketen, die den Truppen Rama III. einen Völkermord an den Untertanen der laotischen Fürstentümer Vientiane und Champasssak 1827/8 ermöglichten. Die überlebende Bevölkerung wurde über den Mekong in den Isan und die Hauptstadt verschleppt. Allgemeine Sitte war es von jeher, die Kriegsgefangenen bei öffentlichen Bauten zu verwerten.Hinter dem Wat Ratchaburana befand sich jahrzehntelang ein Viertel laotischer Handwerker, versklavte Nachfahren der aus Laos 1828 Verschleppten. Nachfahren solcher Sklaven zahlten noch 1895 eine Kopfsteuer von 18–20 Baht (Fournereau, Lucien; Le Siam ancien; I: 1895, S. 99. Annales du Musée Guimet.)

Etwa ein Viertel der Bevölkerung waren (Schuld-)sklaven.พระไอยการทาษ „Gesetz über die Sklaven“ in den extrem grausamen Drei-Siegel-Gesetzen („Kotmai Tra Sam Duang“), verkündet 1805. Die Einführung von Familiennamen auch für das gemeine Volk wurde von Rama VI. 1913 verfügt zu einer Zeit als die letzten Reste der Sklaverei abgeschafft wurden.

Der bangkoker Herrschaftsanspruch über die nördlichen und östlichen Randgebiete blieb schwach.Thongchai Winichakul; The Others Within: Travel and Ethno-Spatial Differentiation of Siamese Subjects: 1885–1910; in: Turton, A.; Civility and Savagery: Social Identity in Tai States; Richmond, Surrey 2000 (Curzon) Vor Bau der Eisenbahn nach Chiang Mai dauerte eine Reise in der Trockenzeit dorthin 3–4 Monate. Auch der Isan war nur auf zwei Paßstraßen, von denen lediglich eine für Ochsengespanne passierbar war, erreichbar.

Mit Frankreich, der Kolonialmacht in Indochina schloss man drei Verträge: 1893,3. Oktober. 1904,11. Feb. 1904. 1907.23. März.

Einbürgerungsgesetz 1911 Erstmals festgelegt wurde absolutes ius soli für im Reich geborene Kinder von Ausländern, gleich ob sich diese legal oder unerlaubt dort aufhielten. Ziel der Regierung war ein Bevölkerungszuwachs, so daß die Aufgabe der so erworbenen Staatsangehörigkeit genehmigungspflichtig war. Man dachte hier an die zahlreichen Chinesenkinder, deren Staatsangehörigkeitsgesetz 1909 auf dem Prinzip „einmal Chinese, immer Chinese“ basierte.

Einbürgerungen waren möglich für Volljährige, die fünf Jahre im Lande gelebt hatten. Nachfahren ehemaliger Thais oder solche, die ihre Staatsangehörigkeit wieder aufnehmen wollten, mußten keine Wartezeit einhalten.Mit verschiedenen Kolonialmächten hatte man deren exterritoriale Rechte im Bezug auf ihre Bürger geregelt und die Registrierung von Thais als deren Bürger geregelt: u. a. mit Großbritannien am 29. Dez. 1899, Frankreich 1904 in §§ 9, 10 (ergänzt 1924, § 27), mit Dänemark 24. Mai 1905, § 1, ebenfalls ergänzt durch Freundschaftsvertrag 1925, § 24.

Gemäß damaliger internationaler Praxis galt „Familieneinheit“ d. h. Ehefrauen und minderjährige, unverheiratete Kinder wurden automatisch mit eingebürgert.

Staatsangehörigkeitsgesetz 1913 Ein erstes Staatsangehörigkeitsgesetz trat am 10. April 1913 in Kraft. „Thailändische Staatsangehörigkeit“ als Begriff findet sich hier erstmals. Dabei wurden für die Untertanen keine ethnischen Unterscheidungen getroffen.

Die Staatsbürgerschaft erhielt man sowohl nach dem Abstammungsprinzip – wenn man einen siamesischen Vater hatte unabhängig vom Geburtsort. Bei Auslandsgeburt über die Mutter Siamesin, nur falls der Vater unbekannt war. Bei Inlandsgeburten galt uneingeschränktes ius soli. Einbürgerungen blieben möglich.

Eine Ausländerin, die einen Inländer heiratete wurde dadurch automatisch eingebürgert. Eine Siamesin, die einen Ausländer heiratete wurde dadurch ausgebürgert, sofern sie durch die Heirat automatisch die Staatsangehörigkeit ihres Mannes erhielt. Nach Eheende konnte sie ihre alte Staatsangehörigkeit wieder aufnehmen.

Die Aufgabe der Staatsangehörigkeit war auf Antrag möglich, sofern man eine andere erwarb.

Zuständig war der Außenminister, die Bekanntgabe der Ermessensentscheidung erfolgte im Staatsanzeiger.

Seit 1939 schrieb man vor, daß Eingebürgerte einen Thai-Namen annehmen müssen und ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben mußten.

Staatsangehörigkeitsgesetz 1952 Die wichtigste Änderung dieser nationalistischen Ära war, das Erwerb durch Geburt über ius soli nur noch dann erfolgte wenn die Mutter Thai war. 1956 wurde volle ius soli wieder hergestellt.

Abstammungsthais durften ihre Staatsangehörigkeit nicht mehr aufgeben. Der moderne kapitalistische Zentralstaat, war und ist totalitär im weiteren Sinne des Begriffs. Es hält das Individuum vom Mutterleib bis ins Grab hinein straff am Zügel. In jeder Minute seines Lebens ist der „Thai“ (wtl. „Freier,“ wie gerne betont wird) zu unbedingtem Gehorsam gegenüber den Vorstellungen i. S. v. loyaler „Thaiheit“ (kwambpenthai) und dem Dreiklang „Nation, buddhistischer Religion und König“ gehalten. Man sah (chinesische) kommunistische Schreckgespenster allüberall. Der Besitz einer zweiten Staatsangehörigkeit, sofern sie nicht ex lege über ausländisches Gesetz ab Geburt verliehen war, wurde nicht mehr toleriert.

Die Regeln für Einbürgerungen von im Ausland Geborenen und ihrer Kinder wurden strenger. Auch dies wurde schon 1956 gelockert, so daß nun wieder nach fünf Jahren Aufenthalt ein Einbürgerungsantrag möglich war. Bei „besonderen Verdiensten“ blieben kürzere Fristen möglich.

Stark ausgeweitet (nochmal 1960) wurde die Ausbürgerungspraxis aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ wenn die betroffenen Person nicht Thai ab Geburt war.

Frauen verloren bei Ausländerheirat bis 1965 weiterhin automatisch ihre Staatsbürgerschaft.

Staatsangehörigkeitsgesetz 1965 Die Verfassung von 2017 schreibt in § 39 erstmals fest, daß die Staatsangehörigkeit einer Person, die Thai ab Geburt ist nicht entzogen werden kann.Thailand hatte seit der Abschaffung der absoluten Monarchie 1932 bis 2016 21 Verfassungen. Die Zuständigkeit für alle Verfahren liegt beim Innenministerium.

Das Staatsangehörigkeitsgesetz 1965 bildet die gesetzliche Grundlage bis heute. Es gab vier größere Änderungen.

Das ius soli wurde zwei Mal eingeschränkt. 1972ประกาศของคณะปฏิวต ั ิ ฉบับที่ 337 ลงวั นที่ 13 ธั นวาคม 2515; in Kraft 14. Dez. 1972. wurden die Kinder von Ausländern ausgeschlossen wenn der Vater (oder die Mutter bei unbekanntem Vater) keine Daueraufenthaltserlaubnis hatten, d. h. 5 Jahre ansässig waren. 1992–2008 galten dann im Lande geborenen Personen, die nicht ab Geburt Bürger geworden war als illegal hier wohnende Ausländer.Ius soli für die zahlreichen Kinder von Flüchtlingen (sämtlich des Kommunismus verdächtig) war ausgeschlossen. Im Lauf der Jahre 1967–99 schuf man für sie achtzehn unterschiedliche Ausländerkategorien (auf ethnischer oder ideologischer Basis) mit verschiedenfarbigen Ausweispapieren. Sechs Kategorien wurden im Laufe der Jahre durch Kabinettsbeschlüsse regularisiert. Erst ab 2004 gab es wirkliche Bemühungen einer Assimilation. Weiterführend: Puangrat Patomsirirak; People who Fled Death Persecution to Thailand: Studying Management of Thai State; (Master of Law Thesis, Thammasat University 2014) Wer durch diese Regeln benachteiligt wurde, kann seit 2008 einen Antrag auf Verleihung der Staatsbürgerschaft stellen.

Das Gesetz über die standesamtliche Anmeldung von 1991, geändert 2019, regelt die Bedingungen für die Ausstellung eines Personalausweises, der Staatsangehörigkeitsnachweis ist. Die heute 13stellige Personenkennziffer läßt eindeutige Identifikation zu. Wer keinen solchen Ausweis hat gilt nicht als Thai, auch wenn er den gesetzlichen Anspruch hätte. Ein solcher „nicht anerkannter“ Thai wird, bereits seit 1979, amtlicherseits wie ein Ausländer oder Staatenloser behandelt.

Automatischer Erwerb Der Erwerb der durch Geburt erfolgt seit 1992 sofern das Kind einen thailändischen Elternteil hat [vorher nur eheliche Kinder eines thailändischen Vaters], egal wo die Geburt stattfand. Ist nur der Vater Thai so ist Legitimation, Anerkennung oder Gerichtsbeschluß aufgrund Vaterschaftstestes ggf. nötig. Sofern Geburt im Inland vor dem 26. Februar 1992 nachgewiesen werden kann gilt man seit 2008 als Thai ab Geburt, was tausende Flüchtlingskinder und Angehörige der Bergvölker profitieren läßt.

Seit 2020 sind auch Findelkinder erfaßt, sofern „Indizien auf eine in Thailand erfolgte Geburt hinweisen.“

Bei Inlandsgeburt werden auch alle Kinder ausländischer Eltern ab Geburt Bürger, sofern beide legal im Lande mit einer nicht nur vorübergehenden Aufenthaltserlaubnis leben.Hierdurch werden im Land geborenen Kinder der zahlreichen Schwarzarbeiter aus Laos und Kambodscha ausgeschlossen. Ausnahmen kann der Minister im freien Ermessen genehmigen. Lebt das so automatisch zum Thai gewordenen Kind fünf [vor 2012: zehn] Jahre im Heimatland eines Elternteils oder nutzt aktiv die dortige Staatsangehörigkeit, so ist Aberkennung durch den Minister möglich.

Jedes in Thailand geborene Kind hat [erst seit 2008] Anspruch auf eine Geburtsurkunde. Die Anmeldung ist aber nur komplett wenn sie auch im von der Gemeinde geführten Haushaltsbuch bescheinigt ist – hier gibt es für In- und Ausländer unterschiedliche.

Die Gesetzesänderung der Vorschriften über standesamtliche Register 2008 weitete den Anspruch der Staatsbürgerschaft auf uneheliche Kinder thailändischer Väter aus. Die Regelung gilt rückwirkend.Daß diese Bestimmung auf für Geburten vor 2008 gilt, klärte die Entscheidung des obersten Verwaltungsgerichts vom 7. März 2011 im Fall des Lert Michael Angdry Shuck.

Mehrstaatlichkeit Es gibt keine Bestimmungen, die doppelte Staatsbürgerschaft verbieten. Allerdings müssen Einbürgerungskandidaten weiterhin ihre alte Staatsbürgerschaft aufgeben.

Verlust oder Aufgabe Frauen, die durch Ausländerheirat die Staatsangehörigkeit des Mannes erlangen können, dürfen um Entlassung auf Antrag bitten.

Ein gebürtiger Thai, der aufgrund ausländischer Staatsangehörigkeit eines Elternteils einen Anspruch auf diese fremde hätte, kann innerhalb eines Jahres nach Erreichen der Volljährigkeit um die Entlassung bitten, wenn dies nötig ist, um die fremde Staatsbürgerschaft zu erwerben oder behalten zu dürfen. Hierauf besteht Rechtsanspruch.

Zwar stehen alle Entlassungen im Ermessen des Ministers, de facto treffen die lokalen Standesämter oder Konsulate die Entscheidung und veranlassen die Bekanntmachung im Staatsanzeiger.

Einbürgerung