mini|Schwedische Bevölkerungspyramide (Stand 2021) mini|Historische Bevölkerungsentwicklung Der Artikel Demografie Schwedens beschäftigt sich mit der Bevölkerungsentwicklung und anderen demografischen Indikatoren von Schweden. Schweden hat rund 10,6 Millionen Einwohner (Stand Ende 2024) und ist damit der bevölkerungsreichste der nordischen Staaten. Aufgrund seiner großen Landesfläche (450.000 km²) ist die Bevölkerungsdichte jedoch sehr gering und liegt bei nur etwa 25 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist stark urbanisiert: Etwa 89 % der Einwohner leben in städtischen Siedlungen, vor allem im Süden des Landes und in den Metropolregionen Stockholm, Göteborg und Malmö. Schweden weist eine hohe Lebenserwartung (ca. 83 Jahre im Durchschnitt) auf und rangiert damit weltweit in der Spitzengruppe. Gleichzeitig zeichnet sich die Altersstruktur durch eine zunehmende Alterung aus: Der Anteil älterer Menschen (65 Jahre und älter) liegt bei rund einem Fünftel und wächst beständig. Die Geburtenrate ist seit Jahren rückläufig und unterschreitet das Bestanderhaltungsniveau deutlich (ca. 1,4 Kinder pro Frau 2024). Das natürliche Bevölkerungswachstum ist dementsprechend gering und die Zuwanderung ist heute der wichtigste Treiber des Bevölkerungsanstiegs. Dadurch hat sich die einst ethnisch homogene Bevölkerung Schwedens in den letzten Jahrzehnten spürbar diversifiziert. Der Migrantenanteil in Schweden von 20,3 % (2023) liegt international inzwischen im oberen Bereich.
Demografische Geschichte
Frühgeschichte und Mittelalter Konkrete Bevölkerungszahlen für die Frühgeschichte Schwedens sind mangels Aufzeichnungen nur näherungsweise zu ermitteln. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass das Gebiet des heutigen Schweden nach der letzten Eiszeit vor 10.000 bis 8000 Jahren allmählich besiedelt wurde. Bis zum Hochmittelalter entwickelte sich eine relativ dünn besiedelte Agrargesellschaft. Schätzungen zufolge lebten um das Jahr 1000 n. Chr. im Königreich Schweden etwa 400.000 Menschen. Größere Städte entstanden erst spät; der überwiegende Teil der Bevölkerung lebte auf dem Land in kleinen Siedlungen. Um 1300, vor dem Ausbruch der Pest, wurde die Bevölkerung auf ca. eine halbe Million Menschen geschätzt. Einen tiefen Einschnitt brachte der Schwarze Tod (Digerdöden), der 1350 auch Schweden erreichte. In Schweden starb im Gefolge der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts vermutlich ein Drittel bis die Hälfte der Einwohner (ca. 200.000 Menschen), wonach es Jahrhunderte dauerte, bis das Vorpest-Niveau wieder erreicht wurde. Die spätmittelalterliche Bevölkerungserholung wurde durch weitere Rückschläge gebremst, etwa lokale Hungersnöte und Seuchen sowie kriegerische Konflikte. So stagnierte die Bevölkerungszahl während des 15. Jahrhunderts auf relativ niedrigem Niveau.
Im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit war Schweden Teil der Kalmarer Union (1397–1523) und erlebte interne Unruhen wie das Stockholmer Blutbad 1520. Demografisch führten die politischen Wirren zwar zu regionalen Bevölkerungsverlusten (etwa durch Kriegsopfer), doch insgesamt blieb die Einwohnerzahl im 15. und 16. Jahrhundert relativ stabil. Gegen 1500 wird die Einwohnerzahl des heutigen Schweden (ohne Finnland) auf einige hunderttausend Menschen geschätzt. Mit der Lösung aus der Kalmarer Union und der Etablierung des souveränen schwedischen Reiches unter Gustav Vasa (1523) begann eine Phase allmählichen demografischen Wachstums. Zu dieser Zeit setzte auch eine systematischere Erfassung der Bevölkerung ein, zunächst durch Kirchenbücher. Ab 1686 führten die Pfarrgemeinden detaillierte Aufzeichnungen (Geburten, Sterbefälle, Eheschließungen), was die Grundlage der schwedischen Bevölkerungsstatistik bildete. Die langfristige Bevölkerungsentwicklung Schwedens gehört damit zu den am besten dokumentierten weltweit.
Frühe Neuzeit Im 17. Jahrhundert stieg die Bevölkerungszahl Schwedens trotz mehrerer verheerender Kriege tendenziell an. Schweden wurde zu einer europäischen Großmacht (Sturmaktzeit) und beherrschte zeitweise weite Gebiete im Ostseeraum, einschließlich Finnland, Estland und Livland. Diese Expansion ging einher mit militärischen Verlusten: Insbesondere der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und andere Konflikte forderten von dem relativ kleinen Land enorme personelle Ressourcen. Viele junge Männer dienten in der Armee und kehrten nicht zurück, was regional spürbare demografische Lücken hinterließ. Dennoch wuchs die Gesamtbevölkerung über das Jahrhundert langsam, auch begünstigt durch Phasen relativen Friedens und Fortschritte in der Landwirtschaft. Während des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) erlebte das Land zwischen 1710 und 1713 einen schweren Ausbruch der Beulenpest, an der allein in Stockholm ein Drittel der Bevölkerung starb. Zusammen mit den hohen Verlusten des Großen Nordischen Krieges (Schweden verlor gegen Russland und seine Verbündeten) führte dies zu einem Bevölkerungsrückgang im frühen 18. Jahrhundert. Nach 1721, dem Friedensschluss, umfasste das verkleinerte Schweden im Wesentlichen die heutigen Grenzen (Finnland ging 1809 verloren).
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stabilisierte sich die demografische Lage wieder. Diese Epoche war relativ friedlich (Schweden vermied größere Konflikte) und wurde im Innern von agrarischer Reformpolitik geprägt. Verbesserte Ernährungslage und Seuchenbekämpfung förderten das demografische Wachstum. 1749 führte Schweden als erstes Land weltweit eine zentrale Bevölkerungsstatistik (Tabellverket) ein, die auf den Kirchenbüchern beruhte. Dadurch liegen für die folgende Zeit genaue Zahlen vor. Um 1750 zählte Schweden (ohne Finnland) etwa 1,8 Millionen Einwohner. Bis 1800 wuchs die Bevölkerung des Gesamtreichs auf circa 3 Millionen an (Finnland hatte zu diesem Zeitpunkt eine Bevölkerung von ca. 800.000).Population structure Statistics Finland Dabei kam es auch zu Rückschlägen: In den frühen 1770er Jahren etwa führten Missernten zu Hungersnöten, und 1773 lässt sich ein deutlicher Bevölkerungsrückgang erkennen, insgesamt war der Trend jedoch positiv und das 18. Jahrhundert eine Phase merklichen Wachstums. Nachdem Schweden 1809 im Krieg gegen Russland Finnland verloren hatte, verblieb dem Königreich eine Bevölkerung von knapp 2,5 Millionen (Stand 1815).
19. Jahrhundert mini|Schwedische Familie mit fünf Kindern (1898) Im 19. Jahrhundert durchlief Schweden den Übergang von der vorindustriellen zur industriellen Bevölkerungsentwicklung. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu Beginn (nach den Napoleonischen Kriegen) stieg die Einwohnerzahl rasch an. Um 1815 lebten im heutigen Schweden rund 2,5 Millionen Menschen; bis 1850 erhöhte sich die Bevölkerung auf etwa 3,5 Millionen und erreichte trotz erheblicher Emigration 1900 bereits die Marke von fünf Millionen. Verbesserungen in Landwirtschaft und Ernährung (z. B. durch Einführung der Kartoffel und den Strukturwandel der Landwirtschaft) sowie Fortschritte im Gesundheitswesen (wie die Pockenimpfung ab 1801) reduzierten die Sterblichkeit deutlich. Gleichzeitig blieb die Fertilität bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hoch. Schweden war damals noch ein agrarisch geprägtes Land: 1850 lebten rund 90 % der Bevölkerung von der Landwirtschaft und auf dem Land und 1900 waren es weiterhin 75 Prozent. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte dann allmählich ein demografischer Übergang ein: Mit steigender Bildung, Urbanisierung und beginnender Industrialisierung sank die Geburtenrate. Schon um 1880 zeichnete sich ein Rückgang der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau ab, der sich bis 1900 fortsetzte.
Parallel hierzu führte die Landflucht und die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Kleinbauern zu einer Massenemigration. Zwischen Mitte des 19. Jahrhunderts und den 1920er Jahren wanderten etwa 1,5 Millionen Schweden ins Ausland aus, hauptsächlich in die Vereinigten Staaten. Dieser „Auswanderungsstrom“ kulminierte in den 1880er Jahren, als jährlich Zehntausende Schweden ihre Heimat verließen. Zwar bremste die Abwanderung das Bevölkerungswachstum (im Jahr 1887 z. B. schrumpfte die Bevölkerung Schwedens leicht), dennoch wurde dieser Effekt durch die hohe natürliche Vermehrung mehr als ausgeglichen. Ein Teil der Landbevölkerung zog es auch in die wachsenden Städte (Stockholm, Göteborg, Malmö).
20. Jahrhundert Der demografische Verlauf im 20. Jahrhundert war geprägt von weiteren Phasen des Übergangs und deutlichen Schwankungen der Geburtenrate. Schweden nahm an keinem der beiden Weltkriege aktiv teil, blieb jedoch von indirekten Folgen nicht ganz verschont (etwa Grippepandemie 1918). Insgesamt setzte sich das Bevölkerungswachstum fort: Die Einwohnerzahl stieg von 5,1 Millionen (1900) auf ca. 6 Millionen um 1930. In den ersten Jahrzehnten kam das Wachstum hauptsächlich durch sinkende Sterblichkeit zustande – die Lebenserwartung stieg kontinuierlich an – während die Geburtenrate stark zurückging. In den 1930er Jahren erreichte die Fertilität in Schweden einen historischen Tiefstand: 1935 lag die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bei nur etwa 1,7 Kindern pro Frau, womit Schweden als eines der ersten Gesellschaften unter das Erhaltungsniveau fiel. Dieses Absinken der Geburtenraten löste damals große Debatten und eine „Krise in der Bevölkerungsfrage“ nach dem gleichnamigen Werk von Alva und Gunnar Myrdal von 1934 aus. Politische Gegenmaßnahmen, etwa familienpolitische Reformen und der Ausbau der Sozialleistungen, folgten im Rahmen einer Politik, die generell die Geschlechtergleichstellung förderte. Schweden verabschiedete in dieser Zeit auch eines der ersten staatlichen Eugenikprogramme zur Reduzierung „minderwertiger Bevölkerungselemente“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es, ähnlich wie in vielen westlichen Ländern, zu einem Babyboom. In Schweden stieg die Geburtenrate ab Ende der 1940er Jahre deutlich an und erreichte in den 1960er Jahren kurzzeitig Werte um 2,5 Kinder pro Frau. Dieser Nachkriegs-Babyboom zeigte sich insbesondere in hohen Geburtenjahrgängen der 1940er (den sogenannten fyrtiotalisterna) und nochmals Mitte der 1960er Jahre. Entsprechend beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum: Zwischen 1945 und 1970 wuchs die Einwohnerzahl von knapp 7 Millionen auf über 8 Millionen. Schweden entwickelte sich in dieser Zeit auch zum modernen Wohlfahrtsstaat mit umfangreichem Gesundheitssystem, was die Sterblichkeit weiter senkte (die Lebenserwartung erreichte Ende der 1960er Jahre über 74 Jahre bei Männern und 75 Jahre bei Frauen, weltweit führende Werte). Ab den 1970er Jahren erlebte die Geburtenrate in Schweden den charakteristischen Pillenknick und sank bis in die 1980er Jahre unter das Bestandsniveau.
Eine Besonderheit der demografischen Entwicklung Schwedens sind die ausgeprägten Fertilitätsschwankungen im späten 20. Jahrhundert. Nach einem Tiefststand von ca. 1,6 Kindern pro Frau Anfang der 1980er kam es bis 1990 zu einem starken Anstieg der Geburtenrate – 1990 erreichte Schweden mit rund 2,1 wieder annähernd das Ersatzniveau. In den 1990er Jahren sank die Fertilität jedoch erneut abrupt auf etwa 1,5 im Jahr 1999. Zum Jahrhundertende lag sie somit deutlich unter dem Wert von 2,1, der für eine konstante Bevölkerungsgröße erforderlich wäre. Trotz dieser Schwankungen stieg die Bevölkerungszahl weiter an, allerdings zunehmend dank Wanderungsgewinnen und der Transformation in ein Einwanderungsland: So wuchs die Gesamtbevölkerung weiter auf ca. 8,9 Millionen Menschen im Jahr 2000.
Jüngere Entwicklung