Die Huschspinnen (Micrommata) bilden mit sieben Arten eine zahlenmäßig sehr kleine Gattung innerhalb der Familie der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae), die wiederum der Ordnung der Webspinnen angehört. Die Gattung ist ausschließlich in der Alten Welt verbreitet, dabei ist die Grüne Huschspinne (Micrommata) auch die einzige flächendeckend in Europa einschließlich dem deutschsprachigen Raum natürlich vorkommende Riesenkrabbenspinne. Bei den Arten der Gattung handelt es sich um kleine bis mittelgroße Spinnen mit grünlicher oder bräunlicher Färbung. Huschspinnen sind thermophil (wärmeliebend) und halten sich bevorzugt in bodennaher Vegetation auf, wo sie aufgrund ihrer Färbung gut getarnt sind. Sie sind im Gegensatz zu vielen anderen Riesenkrabbenspinnen tagaktiv. Innerhalb der Gattung ist vor allem die Biologie der Grünen Huschspinnen gut erforscht.

Merkmale mini|Männchen der Ligurischen Huschspine (M. ligurina) Mit einer Körperlänge von 8,2 bis zu 17,7 bei den Weibchen und eine von 5,1 bis zu 9,8 bei den Männchen sind Huschspinnen kleine bis mittelgroße Vertreter der Echten Webspinnen (Araneomorphae). Ihr Habitus (Erscheinungsbild) weicht stark von dem anderer Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) ab. Die Färbung der Huschspinnen variiert je nach Art und Geschlecht von leuchtend grün bis zu braun. Bei manchen Arten, darunter die Grüne Huschspinne (M. virescens), ist ein Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) deutlich ausgeprägt, bei anderen weniger.

Körperbau mini|Frontale Detailaufnahme eines Weibchens der Grünen Huschspinne (M. virescens) Das Prosoma (Vorderkörper) ist länger als breit und die Fovea (An die Muskeln des Saugmagen ansetzende Einkerbung) deutlich ausgeprägt. Sie ist von länglicher Form und befindet sich in der posterioren (hinteren) Hälfte des Peltidiums bzw. des Carapax, des Rückenschildes des Prosomas. der kephale (am Kopf gelegene) Bereich ist bei männlichen Huschspinnen 0,5 und bei weiblichen Huschspinnen 0,65 mal so breit wie das Prosoma. Die Radiärstreifen sind vor allem bei in Ethanol konservierten Exemplaren deutlich erkennbar. Lateral (seitlich) betrachtet ist das Prosoma samt Carapax dorsal (oben) bis zum Bereich der Fovea gerade begrenzt und fällt ab da steil und annähernd geradlinig bis zum posterioren (hinten) Rand des Carapax ab. Huschspinnen haben wie die meisten Spinnen acht Augen, die je zu viert in einer anterioren (vorderen) und einer posterioren Reihe angegliedert sind und wie bei Riesenkrabbenspinnen üblich eine gute Sehfähigkeit ermöglichen. Dabei ist die anteriore Reihe kleiner und rekurv (nach hinten gebogen), während die größere posteriore Reihe prokurv (nach vorne gebogen) ist. Die anterior medianen (mittleren) Augen fallen am kleinsten und die anterior lateralen am größten Aus. Alle Augen sind von weißen Setae (chitinisierten Haaren) umgeben, die bei konservierten Exemplaren leicht abgerieben werden können. Die Anordnung dieser Augen ist für tagaktive Spinnen, wodurch sich die Beschaffenheit der Augen stark von denen der anderen mehrheitlich nachtaktiven Riesenkrabbenspinnen unterschieden werden können. Das Sternum (Brustschild des Prosomas) ist etwas länger als breit und das Labium (sklerotisierte Platte zwischen den Maxillae und vor dem Sternum) ist breiter als lang, während die Maxillae (umgewandelte Coxen, bzw. Hüftglieder der Pedipalpen) wie das Sternum länger als breit sind. Die Cheliceren (Kieferklauen) haben je zwei promarginale (vorne seitliche) und drei bis fünf, in seltenen Fällen bis zu sieben retromarginale (hinten seitliche) Leitsetae, die basal (an der Basis) befindlich sind.

Die Beine der Huschspinnen sind im Vergleich zu denen anderer Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) mehr pro- (rechtläufig) als laterigrad (seitwärts) ausgerichtet. Die Beinformel (absteigende Längenformel der Beinpaare) lautet 2-4-1-3 oder 4-2-1-3. Die Tarsen (Fußglieder) aller vier und die Metatarsen (Fersenglieder) des ersten bis dritten Beinpaares sind spärlich mit Scopulae (Bedeckungen aus Haftsetae) bedeckt, wobei der proximale (zur Spitze gelegene) Bereich der Metatarsen von diesen frei ist und auch im distalen (zur Körpermitte gelegenen) Bereich der Metatarsen des vierten Beinpaares nur sehr spärlich ausgeprägt sind. Dafür haben diese Metatarsen ventral (unten) einen distalen Fleck und einer doppelten Reihe kräftigerer Setae. An den Beinen befinden sich trilobate (dreilappige) Membranen mit medianem Haken und gleichermaßen stark ausgeprägten lateralen Auswüchsen. An den Tarsalklauen befinden sich 16 bis 20 kammartig angeordnete Sekundärzähne, wobei der Primärzahn bei den männlichen Huschspinnen nur geringfügig, bei den weiblichen jedoch deutlich länger als die Sekundärzähne sind. Außerdem haben weibliche Huschspinnen an den Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) je etwa neun gerade Zähne und zusätzlich einen deutlich längeren Primärzahn. Das Opisthosoma (Hinterleib) der Huschspinnen deutlich länger als breit. Außerdem ist das Ende leicht zugespitzt.

Genitalmorphologische Merkmale mini|links|Detailansicht eines Männchens der Grünen Huschspinne (M. virescens) mit erkennbaren Bulbi Bei den männlichen Huschspinnen sind die Tibien (Schienen) der Pedipalpen stets kürzer als das jeweilige Cymbiums (erstes und vorderstes Sklerit, bzw. Hartteil) eines einzelnen Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) der entsprechenden Extremität und besitzen je eine einfache, spitze, distal entspringende retrolaterale (hinten seitliche) Apophyse (Fortsatz). Das Cymbium selber zeichnet sich durch das Vorhandensein von Stacheln aus, die pro- (vorne seitlich) und retrolateral des Alveolus (Grube des Cymbiums) ausgebildet und bei den überwiegenden Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) reduziert sind. Auch der Alveolus ist verglichen mit dem anderer Riesenkrabbenspinnen klein und relativ medial im Cymbium positioniert. Das Subtegulum (vorgesetzter Bestandteil des Tegulums) ist als breiter Ring ausgebildet und allgemein gut erkennbar. Es liegt retrolateral am Tegulum (zweites und mittleres Sklerit des Bulbus) und erscheint ventral betrachtet in prolaterale Lage konvergent. Das Tegulum selber hat eine gedrehte Gestalt und besitzt einen breiten proximalen (zur Körpermitte gelegenen) Abschnitt, der den breiten Fundus (Teil eines Hohlorgans, der der Öffnung des Organs gegenüberliegt oder am weitesten von ihr entfernt ist) des Spermophoren (Samenschlauchs) trägt. Außerdem besitzt ein Tegulum einen sich verjüngenden distalen Abschnitt mit einem ventralen Feld aus Dentikeln (zahnartigen Gebilden), das in einem flachen, spitzen Fortsatz endet. Ein Konduktor (den Embolus führender und stützender Fortsatz) fehlt bei den Huschspinnen. Der klauenförmige Embolus (drittes und letztes Sklerit des Bulbus) ist mit dem Tegulum über einen membranösen Teil verbunden und enthält einen plattenartiges Gebilde mit einem weiteren Feld aus Dentikeln.

mini|Epigyne der Ligurischen Huschspine (M. ligurina) Das Feld der Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) ist nur schwach sklerotisiert (verhärtet) und nicht immer deutlich sichtbar. Allgemein ist es von runder Form und weist keine anterioren Bänderungen auf. Die Sensillen (Setae für die Wahrnehmung) liegen weiter vom Epigynalfeld entfernt als bei anderen Riesenkrabbenspinnen. Das mediane Septum (Trennwand) ist stark sklerotisiert und weist bei den meisten Huschspinnen radiale, bei wenigen andere wenige transversale Furchen auf. An das Septum schließen sich posterior zwei Taschen der Epigyne an, diese sind bestens in posterior betrachtet, manchmal auch anterior betrachtet, erkennbar. Die Kopulationsöffnungen sind schlitzförmig und lateral vom Septum positioniert. Das innere Befruchtungssystem beginnt mit einem membranösen Teil und verläuft von lateraler nach anteromedialer (vorne mittiger) Richtung, ehe es dort in eine dorsale Tasche mündet. Diese Tasche wiederum geht in einen schmaleren, sklerotisierten Abschnitt mit medianen Windungen über, an dessen Seiten sich jeweils ein Drüsenfortsatz befindet. Die Befruchtungskanäle verlaufen von posteromedialer Richtung zuerst in anterior, dann lateroventrale (unten seitliche) bis zu den Kopulationskanälen und enden in einem Halbkreis zum posterioren Rand.

Verbreitung und Lebensweise mini|Weibchen der Ligurischen Huschspine (M. ligurina) in der Vegetation, gefunden nahe der toskanischen Stadt Livorno Die Gattung der Huschspinnen ist in der Alten Welt verbreitet, den Verbreitungsschwerpunkt bildet dabei Europa. Einige weitere Arten kommen noch in Asien (vor allem in Vorder- und Zentralasien) und einige wenige auch in anderen Teilen Afrikas südlich von Nordafrika und der Paläarktis vor. Das größte Verbreitungsgebiet innerhalb der Gattung hat die Grüne Huschspinne (M. virescens), die als einziger Vertreter der Huschspinnen auch in Mitteleuropa vorkommt. Ferner ist diese Art die einzige in Mitteleuropa natürlich vorkommende Riesenkrabbenspinne (Sparassidae sp.), da andere Arten der Familie entweder nur eingeschleppt werden, dabei jedoch keine Populationen aufbauen können. Ansonsten kommt nur die nicht näher mit den Huschspinnen verwandte sowie ursprünglich in Asien heimische und mittlerweile weltweit eingeschleppte Warmhaus-Riesenkrabbenspinne (Heteropoda venatoria) noch in Mitteleuropa vor und kann dort auch Populationen aufbauen, dabei jedoch nur in menschlichen Gebäuden.

Huschspinnen sind tagaktiv und leben vor allem auf Sträuchern und krautigen Pflanzen. Dabei sind sie thermophil (wärmeliebend) und halten sich gerne auf sonnigen Plätzen auf. Somit unterscheiden sich Huschspinnen den meisten anderen Riesenkrabbenspinnen, die eine nachtaktive Biologie ausführen. Dafür leben Huschspinnen wie alle anderen Spinnen auch räuberisch und legen außerdem wie alle Riesenkrabbenspinnen kein Spinnennetz für den Beuteerwerb an. Die für die Familie atypische Ausrichtung der Beine dürfte eine Anpassung an das Aufhalten der Spinnen auf Blättern sein. Der Lebenszyklus ist innerhalb der Gattung vor allem bei der Grünen Huschspinne gut erforscht.

Systematik Die Systematik der 1804 von Pierre André Latreille erstbeschriebenen Huschspinnen erfuhr mehrfach Änderungen. Der Gattungsname Micrommata setzt sich aus den altgriechischen Adjektiven mikros (μικρός) für „klein“ und ommata (ὄμματα) für „Augen“ zusammen. Die Typusart der Gattung ist die Grüne Huschspinne (M. virescens).

Arten Die Gattung der Huschspinnen umfasst 7 Arten. Diese und ihre geographischen Verbreitungen sind: M. aljibica , 2004 – Spanien M. biggi , 2023 – Türkei, Armenien, Irak, Iran, Turkmenistan M. darlingi , 1901 – Simbabwe M. diesenhoff , 2023 – Sierra Leone Hübsche Huschspinne (M. formosa) , 1878 – Mittelmeerraum bis Zentralasien Ligurische Huschspinne (M. ligurina) (, 1845) – Mittelmeerraum bis Zentralasien Grüne Huschspinne (M. virescens) (, 1757) – Europa, Türkei, Kaukasus, Russland (Europa bis zum Fernen Osten), Zentralasien, Korea, Japan

Transferierte Arten 7 Arten galten einst als zu den Huschspinnen zugehörig, wurden jedoch mittlerweile transferiert. Die Arten sind oder waren: M. carolinensis , 1845 = Pisaurina mira M. hainanensis & , 2000 = Olios hainanensis M. longipes & , 1895 = Pseudomicrommata longipes M. marmorata , 1845 = Pisaurina marmorata M. nanningensis & , 1988 = Olios nanningensis M. serrata , 1845 = Pisaurina serrata M. undata , 1845 = Pisaurina undata

Synonymisierte Arten 8 einstige Arten einschließlich einzelner Unterarten, die zuletzt zu den Huschspinnen zählten, wurden mit anderen Arten der Gattung synonymisiert und verloren somit ihren Artstatus. Diese Arten waren: M. aragonensis , 2004 – 2023 von Jäger mit der Grünen Huschspinne (M. virescens) synonymisiert. M. fulva , 1868 – 1932 von Simon mit der Grünen Huschspinne synonymisiert. M. ophthalmica , 1880 – 1989 von Levy mit der Hübschen Huschspinne (M. formosa) synonymisiert. M. pilosa , 1870 – 1874 von Simon mit der Ligurischen Huschspinne (M. ligurina) synonymisiert.