(8373) Stephengould ist ein Asteroid in der Hecuba-Lücke, der äußeren Begrenzung des äußeren Hauptgürtels. Er wurde am 1. Januar 1992 von den US-amerikanischen Astronomen Carolyn Shoemaker und Eugene Shoemaker am Palomar-Observatorium in Kalifornien bei einer Helligkeit von 16,7 mag entdeckt.

Der Asteroid ist benannt nach dem US-amerikanischen Paläontologen, Geologen und Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould (1941–2002), der an der Harvard University lehrte. Bekannt wurde er vor allem durch seine langjährige Artikelreihe in der Zeitschrift Natural History, in der er seine Ansichten zur Evolution darlegte. 1972 entwickelte er gemeinsam mit Niles Eldredge die Idee des Punktualismus.

(8373) Stephengould befindet sich in einer 2:1-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter und bewegt sich in der Hecuba-Lücke zwischen den Asteroiden der Themis-Familie und den Mitgliedern der Cybele-Gruppe. Die Hecuba-Lücke liegt bei 3,27 AE Sonnenabstand und hat eine Breite von etwa 0,2 AE. Die Große Halbachse der Umlaufbahn des Asteroiden oskuliert mit einer Periode von etwa 450 Jahren zwischen 3,25 und 3,30 AE um einen Mittelwert von 3,277 AE. Viele Jahre lang glaubte man, die Hecuba-Lücke sei völlig frei von Asteroiden. Mitte des 20. Jahrhunderts war nur ein einziger Asteroid, (1362) Griqua, bekannt, der sich in der 2:1-Resonanz befand. Ab den 1970er Jahren begann die Anzahl der bekannten Asteroiden zu wachsen, als die Asteroiden (1921) Pala und (1922) Zulu entdeckt wurden. In den folgenden 20 Jahren stieg die Zahl weiter an, sie erreichte Anfang der 1990er Jahre einen bescheidenen Wert von etwa 10 Objekten und 2001 waren bereits über 50 bekannt.

Marsbahnkreuzer (8373) Stephengould bewegt sich auf einer Umlaufbahn mit hoher Exzentrizität, im sonnennächsten Punkt (Perihel) seiner Bahn befindet er sich im Bereich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Erde und gilt damit als Marsbahnkreuzer, während er sich in seinem Aphel weiter von der Sonne entfernt als das Perihel der Jupiterbahn.

Durch die Schrägstellung seiner Umlaufbahn gegen die Ekliptik kann er derzeit keinem der Planeten sehr nahe kommen. Der geringste Abstand zwischen den beiden Bahnen (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Asteroid und Jupiter liegt aktuell bei etwa 219 Mio. km (1,47 AE). Aufgrund der Bahnresonanz kommt der Asteroid dem Jupiter selbst in den 1000 Jahren um die aktuelle Epoche herum aber nicht näher als etwa 550 Mio. km (3,68 AE).

Für den Mars lag die MOID im März 2026 bei etwa 16,7 Mio. km (0,11 AE). Die letzten nahen Begegnung mit dem Mars ereigneten sich am 28. Februar 1974 bis auf einen Abstand von 36,1 Mio. km und am 22. November 2009 bis auf 33,0 Mio. km. Ähnlich nahe Begegnungen werden in den kommenden 500 Jahren nicht mehr stattfinden, der Bahnabstand verringert sich aber tendenziell immer weiter und erreicht etwa ab dem Jahr 3900 Werte um Null.

Wissenschaftliche Auswertung Eine Untersuchung von 2002 zu Asteroiden in einer 2:1-Resonanz mit Jupiter fand, dass die Umlaufbahn von (8373) Stephengould in hohem Maße instabil ist und nach numerischen Simulationen nur eine dynamische Lebensdauer von etwa 9,6 Mio. Jahren besitzt bis die Resonanz wieder aufgelöst wird. Mit einer angenommenen Albedo von 0,05 wurde der Durchmesser von (8373) Stephengould auf 10,5 km geschätzt.F. Roig, D. Nesvorný, S. Ferraz-Mello: Asteroids in the 2:1 resonance with Jupiter: dynamics and size distribution. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 335, Nr. 2, 2002, S. 417–431, doi:10.1046/j.1365-8711.2002.05635.x (PDF; 1,20 MB).

Eine neue Untersuchung von 2005 identifizierte etwa 100 weitere Asteroiden in der 2:1-Resonanz mit Jupiter. Neue numerische Simulationen erbrachten für (8373) Stephengould nun nur noch eine dynamische Lebensdauer von 7 Mio. Jahren in der Resonanz. Es wurde gezeigt, dass das Vorhandensein instabiler Asteroiden in der 2:1-Resonanz durch einen kontinuierlichen Strom an Asteroiden erklärt werden könnte, die durch den Jarkowski-Effekt in die Resonanzzone getrieben werden.M. Brož, D. Vokrouhlický, F. Roig, D. Nesvorný, W. F. Bottke, A. Morbidelli: Yarkovsky origin of the unstable asteroids in the 2/1 mean motion resonance with Jupiter. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 359, Nr. 4, 2005, S. 1437–1455, doi:10.1111/j.1365-2966.2005.08995.x (PDF; 590 kB).

Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden 2016 Werte für den mittleren Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich angegeben von 5,1 km bzw. 0,16, diese Angaben beinhalten aber hohe Unsicherheiten.C. R. Nugent, A. Mainzer, J. Bauer, R. M. Cutri, E. A. Kramer, T. Grav, J. Masiero, S. Sonnett, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year Two: Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astronomical Journal. Band 152, Nr. 3, 2016, S. 1–12, doi:10.3847/0004-6256/152/3/63 (PDF; 1,34 MB).

Eine spektroskopische Untersuchung von binären Asteroiden am 29. September 2015 mit der Infrared Telescope Facility (IRTF) am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaiʻi ergab für (8373) Stephengould eine taxonomische Klassifizierung als D-Typ.M. Pajuelo, M. Birlan, B. Carry, F. E. DeMeo, R. P. Binzel, J. Berthier: Spectral properties of binary asteroids. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 477, Nr. 4, 2018, S. 5590–5604, doi:10.1093/mnras/sty1013 (PDF; 5,75 MB).

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 9. bis 13. Januar 2004 am Palmer Divide Observatory in Colorado, als der Asteroid der Erde ungewöhnlich nahekam. Aus der aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 4,435 h bestimmt.B. D. Warner: Lightcurve analysis for numbered asteroids 301, 380, 2867, 8373, 25143, and 31368. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 31, Nr. 3, 2004, S. 67–70, (PDF; 90 kB).

Doppelasteroid Neue photometrische Beobachtungen vom 16. Januar bis 6. Februar 2010 durch eine internationale Beobachtergruppe führten zu der Erkenntnis, dass es sich bei (8373) Stephengould um ein Doppelasteroidensystem mit einer Umlaufperiode von 34,15 h handelt. Für die Rotationsperiode der Primärkomponente wurden 4,4345 h abgeleitet. Gegenseitige Verfinsterungen des Systems wurden vom 17. Januar bis 1. Februar beobachtet, woraus auf eine untere Grenze des mittleren Durchmesserverhältnisses von Sekundär- zu Primärkomponente von 0,27 geschlossen wurde. Eine erneute Analyse der Beobachtungen aus dem Jahr 2004 zeigt bereits ein Okkultationsereignis, das in der ursprünglichen Analyse offenbar übersehen wurde. Auf Aufnahmen mehrerer Nächte konnten keine Anzeichen für eine kometenhafte Aktivität dieses Asteroiden gefunden werden.

Der Begleiter von (8373) Stephengould trägt bisher keine Bezeichnung.

Siehe auch Liste der Asteroiden Liste der Monde von Asteroiden

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Hauptgürtelasteroid unter 50 km Durchmesser