mini|hochkant=1.2|Wichtigste Becken der Ostsee. Nr. auf der Karte ist das Bornholmbecken, das Arkonabecken, das Westliche und das Östliche Gotlandbecken.
mini|hochkant=1.2|Wichtige Ostseebecken als Modell im Akwarium Gdyńskie, dem Aquarium von Gdynia. Links vorne das Bornholmbecken.
Das Bornholmbecken (engl. Bornholm Basin) ist ein Tiefenbecken im südwestlichen Teil der Ostsee und spielt eine wichtige Rolle für den Wasseraustausch zwischen der Nordsee und den weiter östlich gelegenen Becken der Ostsee. Es befindet sich südöstlich der dänischen Insel Bornholm und weist eine maximale Tiefe von etwa 95 Metern auf.Wolfgang Krauss (2001): Baltic Sea Circulation. In: Encyclopedia of Ocean Sciences. 2. Aufl., Elsevier 2011. Bd. 1, S. 288–298.
Hydrographisch ist das Becken durch eine stabile zweischichtige Struktur geprägt. Die oberen 40–60 Meter werden von brackigem Ostseewasser mit einem Salzgehalt von etwa 7–8 Practical Salinity Units (PSU) dominiert, während in der Tiefe salzreicheres und sauerstoffhaltiges Wasser aus der Nordsee vorliegt, das durch die dänischen Meerengen (Kleiner Belt, Großer Belt, Öresund) und das Arkonabecken eingeströmt ist.Jüri Elken, Wolfgang Matthäus (2008): Kap. A.1.1, Baltic Sea Oceanography. In: The BACC Author Team (Hrsg.): Assessment of Climate Change for the Baltic Sea Basin. Berlin und Heidelberg 2008. ISBN 978-3-540-72785-9, S. 379–386. PDF Diese Schichtung wird durch eine ausgeprägte Halokline stabilisiert, die den vertikalen Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen stark einschränkt.
Das Bornholmbecken fungiert als wichtiges Übergangs- und Pufferbecken in der Kaskade der Ostseebecken. Es ist das erste der großen Tiefenbecken, das der salzreiche Tiefenstrom nach Passieren der flachen Darßer Schwelle erreicht. Von hier aus gelangt das salzhaltige Wasser primär über die Stolper Rinne weiter in das Gotlandbecken im Osten. Die Strömungsverhältnisse im Becken werden sowohl durch die dichtegetriebene (thermohaline) Zirkulation als auch durch windinduzierte, oft zyklonale Wirbel (gegen den Uhrzeigersinn gerichtet) bestimmt.
Eine überlebenswichtige Funktion für das Ökosystem der zentralen Ostsee kommt dem Bornholmbecken bei den seltenen, aber entscheidenden Salzwassereinbrüchen (Major Baltic Inflows) zu. Bei diesen Ereignissen strömen große Mengen sauerstoffreichen Nordseewassers in die Tiefe des Beckens. Das Bornholmbecken wirkt dabei oft als „Zwischenspeicher“, in dem sich das einströmende Wasser sammelt und vermischt, bevor es bei ausreichender Menge und Dichte über die Stolper Rinne in die zentralen Becken der Ostsee weiterfließt und dort das stagnierende, sauerstoffarme Tiefenwasser verdrängt.Wolfgang Matthäus, Herbert Franck (1992): Characteristics of major Baltic inflows - a statistical analysis. In: Continental Shelf Research, Band 12 (1992), Ausgabe 12, S. 1375–1400. DOI:10.1016/0278-4343(92)90060-W. In Phasen zwischen diesen großen Einströmungen kann es auch im Bornholmbecken zu Sauerstoffmangel in den bodennahen Schichten kommen.
Siehe auch
Ostsee Arkonabecken Gotlandbecken Stolper Rinne Bornholmkanal
Einzelnachweise
Kategorie:Ozeanografie Kategorie:Geographie (Ostsee)