Emil Hugi (* 26. August 1873 in Wahlern; † 10. September 1937 in Bern) war ein Schweizer Mineraloge, Petrograph und Hochschullehrer an der Universität Bern. Er gilt als bedeutender Vertreter und Förderer der mineralogischen Wissenschaft und der petrographischen Erforschung des Aarmassivs in der Schweiz.
Leben und Wirken Emil Hugi wurde als Sohn des Pfarrers in Wahlern geboren und verbrachte seine Jugend nach dem Umzug der Familie in Arch (Solothurn). Er entstammte einer Familie mit wissenschaftlicher Tradition, insbesondere dem Gletscherforscher Franz Joseph Hugi.W. Aeberhardt: Eine Grenchner Gelehrtenfamilie. In: Der Bund. Band 104, Nr. 572, 8. Dezember 1953, S. 6.
Nach dem Abschluss der Kantonsschule Solothurn begann Hugi im Wintersemester 1894/94 ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Bern.Matrikel der Universität Bern WS 1894/95, Matrikel der Universität Bern SS 1899 (PDF; 88 kB). 1898 bestand er das Patent-Examen für das höhere Lehramt und wurde Privatassistent von Armin Baltzer. Ein Auslandaufenthalt führte ihn im Wintersemester 1898/99 an die Universität in Freiburg im Breisgau, wo ihn die Vorlesungen von Gustav Steinmann anzogen. Nach seiner Rückkehr promovierte er im Sommer 1899 mit der geologisch-tektonischen Arbeit Die Klippenregion von Giswyl und absolvierte anschliessend Studien bei Ernst Weinschenk in München, um seine Kenntnisse in der Petrographie und Mikroskopie zu vertiefen. Dies legte den Grundstein für seine spätere Forschungsarbeit am Aarmassiv. 1905 habilitierte er sich mit Studien über die nördlichen Gneise des Aarmassivs und kurz hernach wurde die Venia Legendi auf Mineralogie und Petrographie erweitert, was den ersten Schritt in der Selbständigmachung dieses geologischen Zweitfaches an der Berner Universität bedeutete.
Hugi war wesentlich an der petrographischen Begleitung des Baus des Lötschbergtunnels beteiligt. 1910 wurde er ausserordentlicher Professor, 1914 übernahm er das Ordinariat für Mineralogie. Er setzte sich erfolgreich für die Trennung der Fachbereiche Mineralogie-Petrographie und Geologie ein, die an der Universität Bern künftig separate Lehrstühle bildeten. In den Jahren 1924/25 und 1933/34 war er Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät.
Neben der Erforschung des Aarmassivs widmete sich Hugi auch geologischen Fragestellungen zum Vulkanismus und war beratend bei geotechnischen Projekten in den Alpen tätig, unter anderem bei der Errichtung von Wasserstollen und Kraftwerken.
Von 1907 bis 1911 wirkte er beim Bau des Lötschbergtunnels mit, eines der zentralen Eisenbahntunnel der Schweiz. In den folgenden Jahren war er massgeblich am Bau mehrerer Kraftwerke beteiligt, darunter das Kraftwerk Amsteg (1920–1924), das Kraftwerk Barberine (1921–1924) sowie das Stausee-Projekt Andermatt und das Kraftwerk Ritom im Jahr 1921. Zwischen 1926 und 1931 engagierte er sich zudem im Kraftwerk Oberhasli, das die Grimsel-Innertkirchen-Stufen I und II umfasst.
Neben diesen praktischen Tätigkeiten führte Hugi auch geologische Feldarbeiten durch, so etwa die geologische Aufnahme der Lehmlager des bernischen Mittellandes und des Kantons Solothurn im Auftrag der Geotechnischen Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft von 1900 bis 1903. 1918 widmete er sich der Untersuchung schweizerischer Talk- und Asbestvorkommen.
Emil Hugi wird als ein vielseitiger Wissenschaftler und Ingenieur gewürdigt, dessen Arbeit sowohl die geologische Forschung als auch den technischen Fortschritt in der Schweiz im frühen 20. Jahrhundert nachhaltig prägte.
Im Frühjahr 1936 musste er aus gesundheitlichen Gründen seine Lehrtätigkeit einstellen und verstarb im September 1937 im Alter von 63 Jahren.
Ehrungen und Ämter Die geotechnische Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (SNG) wählte Hugi 1919 zum Vizepräsidenten; dieses Amt übte er bis zu seinem Tod aus. Für die Amtsperiode 1917–1922 wurde er zudem Sekretär des Zentralkomitees der SNG. Die Naturforschende Gesellschaft Solothurn ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Als Mitbegründer der Schweizerischen Mineralogisch-Petrographischen Gesellschaft übernahm er 1934 deren Präsidentschaft. Er war von Mai 1915 bis Mai 1916 Präsident der Bernischen Naturforschenden Gesellschaft, nachdem er zuvor ein Jahr als Vizepräsident amtiert hatte. Ein Dreivierteljahr vor seinem Tod am 10. September 1937 wurde er zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt. Der Senat der Universität Bern bot ihm 1932 das Rektorat an, das er aus gesundheitlichen Gründen ablehnte. Zweimal stand er der Philosophischen Fakultät II der Universität Bern als Dekan vor.
Bedeutung und Nachruf Hugi war bekannt für seine genaue und sorgfältige Arbeit sowie seine Hingabe für Lehre und Forschung. Er hinterliess ein bedeutendes wissenschaftliches Erbe in der Mineralogie und Petrographie der Schweizer Alpenregion. Sein Engagement für die Verknüpfung von Wissenschaft und Technik trug zur Weiterentwicklung der Geowissenschaften an der Universität Bern bei.
Schriften Ein Schriftenverzeichnis der wissenschaftlichen Arbeiten gliedert diese in Publikationen, Gutachten und Berichte sowie Manuskripte:Hans Hirschi, Paul Niggli: Emil Hugi. 1873–1937. In: Schweizerische Mineralogische und Petrographische Mitteilungen. 18. Jg., Nr. 1, 1938: Die Gesamtheit dieser Schriften bildet eine bedeutende Grundlage der geologisch-petrographischen Forschung und Dokumentation im Alpenraum sowie in angrenzenden Gebieten. Zu den zentralen Publikationen gehören Beiträge zur mineralogisch-petrographischen Begleitung grosser Tunnelprojekte wie des Lötschbergtunnels, in denen die geotechnischen und lithologischen Eigenschaften der durchfahrenen Gesteine akribisch dokumentiert wurden. Auch Gutachten und Berichte zu Wasserstollen und anderen alpinen Infrastrukturprojekten lieferten wichtige Hinweise für die Planung und Ausführung dieser Bauten, wobei die geologischen Randbedingungen und die Risiken tektonischer Störungen stets berücksichtigt wurden. Unveröffentlichte Manuskripte und Exkursionsaufzeichnungen belegen darüber hinaus eingehende Untersuchungen zum Vulkanismus in Italien, die während mehrerer wissenschaftlicher Reisen angefertigt wurden und zur Klärung petrogenetischer Fragestellungen beitrugen.Hans Hirschi, Paul Niggli: Emil Hugi. 1873–1937. In: Schweizerische Mineralogische und Petrographische Mitteilungen. 18. Jg., Nr. 1, 1938, S. 1–11. Petrographische Untersuchungen im Aarmassiv (u. a. 1915–1930) Studien zur regionalmetamorphischen Entwicklung der nördlichen Gneise des Aarmassivs Beiträge zur petrographischen Begleitung des Lötschbergtunnelbaus Untersuchungen zum Vulkanismus in Italien (während mehrerer Exkursionen) Geologische und geotechnische Berichte zu Wasserstollen in den Alpen Neue Beiträge zur Petrographie des mittleren und westlichen Aarmassivs. Manuskript. Habilitationsschrift. 1904/05. Die Klippenregion von Giswyl. In: Denkschriften der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. 36, 1900. Diss. phil. Univ. Bern.Obwohl Hugi die heutigen Erkenntnisse der Deckentheorie fehlten, legte er mit seiner Dissertation wichtige Grundlagen für die spätere umfassende Deutung der Alpengeologie. Die Arbeit ist bedeutsam wegen ihrer genauen Feldarbeit, Kartografie und dem Versuch, komplexe geologische Beziehungen trotz fehlender moderner Theorien zu klären, und sie trug damit wesentlich zur Neubewertung der alpinen Gebirgsbildung bei.
Literatur Zu Emil Hugi erschienen mehrere Jubiläumsartikel und Nachrufe in der Tageszeitung Der Bund und in wissenschaftlichen Zeitschriften.
Universität Bern, Institut für Geologie: Instandsetzung und Anpassung der Gebäude Baltzerstrasse 1 und 3. 2006 (PDF; 1,7 MB).Instandsetzung und Anpassung der Gebäude Baltzerstrasse 1 und 3. 2006 (PDF; 1,7 MB). Enthält unter anderem: S. 9: Die Wiedervereinigung der Erdwissenschaften an der Uni Bern; S. 11: Der Universitätsbau von Otto Rudolf Salvisberg in der Länggasse. Ulrich Im Hof: Hochschulgeschichte Berns 1528–1984: zur 150-Jahr-Feier der Universität. 1984. Richard Feller: Die Universitaet Bern, 1834–1958. 1935. Carl Dolezalek: Lötschbergtunnel. 1915. Gottlob Niethammer: Die Klippen von Giswyl am Brünig. In: Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie. 1907, S. 481–484.
Archive Bern: Staatsarchiv des Kantons Bern: Nachlass, Manuskripte, Briefkopien, Lötschbergtunnel, Quartalsberichte Baufortschritt, Porträt. Bern: Burgerbibliothek: Rede, Korrespondenz Zürich: Hochschularchiv der ETH:
Weblinks Élites suisses
Einzelnachweise
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