mini|hochkant=1.2|Mudhif mini|hochkant=1.2|Fassade eines Mudhif mini|hochkant=1.2|Innenraum eines Mudhif Der Begriff Mudhif () bezeichnet einen ausschließlich aus gebogenem Schilf errichteten und maximal ca. 50 m langen Gebäudetyp der Marsch-Araber (auch Ma'dan oder Ahwaris genannt) in den ländlichen Gebieten des von zahlreichen Wasserläufen durchzogenen Schatt al-Arab im Süden des heutigen Irak. Mudhifs werden von den örtlichen Dorfvorstehern (sheikhs) finanziert und dürfen nur mit deren Genehmigung benutzt werden. Seit dem Jahr 2023 gehören die traditionelle Handwerkskunst des Al-Mudhif-Baus zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit.Mudhif – UNESCO-Eintrag
Geschichte (über 7000 Jahre alt) Ein erhaltenes Steinrelief bezeugt, dass derartige Gebäude bereits vor ca. 5000 Jahren in sumerischer Zeit in den Sumpfgebieten Mesopotamiens errichtet wurden; sie gehören somit zu den ältesten „gewölbten“ Bauwerken der Menschheitsgeschichte. Eine ehemalige Nutzung dieser Gebäude als Versammlungsräume und/oder Gästehäuser ist wahrscheinlich. Seit islamischer Zeit ist die Eingangsfassade in Richtung Mekka ausgerichtet; Moscheen oder andere Gebetsräume gab es in den Dörfern nicht und so ist auch eine quasi-religiöse Nutzung (z. B. bei Beschneidungen oder Hochzeiten) möglich. Die meisten Mudhifs haben die Jahre der Trockenlegung der Sümpfe unter Saddam Hussein nicht überstanden und wurden nach 2003 unter Anwendung alter Techniken neugebaut.
Architektur Ein Mudhif besteht aus einer Grundkonstruktionen von mehreren, jeweils im Abstand von etwa 5 m angeordneten gebogenen und mit Seilen stabilisierten dicken Schilfbündeln. Die seitlichen und oberen Zwischenräume sind größtenteils durch aufgerollte Schilfmatten geschlossen. Die aufwändig gestalteten Stirnseiten der Gebäude sind durch senkrechte Schilfbündel, zwischen denen ein licht- und luftdurchlässiges geometrisches Flechtwerk angebracht ist, geschlossen; nicht selten überragen die oberen Teile der Schilfbündel die Dachwölbung. Der Boden war wohl ursprünglich mit Schilfstroh bedeckt; in späterer Zeit wurde er mit Matten und Teppichen ausgelegt. Einige neuzeitliche Mudhifs haben sogar elektrisches Licht und Deckenventilatoren.
Literatur G. Broadbent: The ecology of the Mudhif. In: Eco-Architecture II S. 15 (PDF; 0,6 MB)
Weblinks
Mudhif – Fotos + Infos Mudhif – Fotos (Getty Images) Mudhif – UNESCO-Video
Einzelnachweise
Kategorie:Lokale Bauform Kategorie:Irak