mini|Ulrich Roth (2025) Ulrich «Ueli» Konrad Roth (* 18. April 1935 in Aarau; † 11. April 2026 in Zürich) war ein Schweizer Architekt und Planer mit einem Abschluss in Architektur der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und einem Master of Architecture in Urban Design der Harvard University (Cambridge USA). Roth war einer der frühen Schweizer Stadt- und Raumplaner mit akademischer Ausbildung. Er lehrte in den 1960er bis in die frühen 1980er Jahre an verschiedenen amerikanischen Universitäten und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Auf diesem Fundament aufbauend, entstanden in seiner langen Wirkungszeit zahlreiche theoretische Schriften und Forschungsprojekte, die Roth in ein kohärentes raum- und stadtplanerisches Gesamtwerk zu überführen vermochte.

Leben Ueli Roth studierte von 1954 bis 1959 an der ETH Zürich Architektur, unter anderem bei Friedrich Hess, Walter Henne und William Dunkel. 1959 diplomierte er bei Alfred Roth. Auf dessen Empfehlung hin vertiefte Roth seine Interessen für Städtebau, Stadt- und Raumplanung an der Graduate School of Design an der Harvard University in Cambridge (1960/61). Dort belegte er den damals durch José Luis Sert neu eingeführten Masterstudiengang in Urban Design, wo Roth mit grundlegenden internationalen Diskursen zu Architektur, Landschaftsarchitektur, Städtebau und Stadtplanung in Kontakt kam.

In den folgenden Jahren blieb Roth in den USA. Er arbeitete in verschiedenen Büros und beschäftigte sich mit Fragen der räumlichen Gestaltung bei der Planung von Park- und Freeways, mit Stadterneuerungs- sowie Wohnbauprojekten und mit einem generellen Stadterneuerungsplan für Nashville Tennessee. 1963 zog Roth nach Berkeley und lehrte dort (berufen durch Charles Moore) als Assistenzprofessor für Städtebau an der University of California (1963–66).

1966 kehrte Roth in die Schweiz zurück und gründete in Zürich ein eigenes Büro. Im Jahr zuvor hatte er als Referent an der grössten in der Schweiz je durchgeführten internationalen Planertagung in Basel teilgenommen. Diese war durch die wenige Jahre zuvor gegründete Arbeitsgruppe Regio Basiliensis initiiert worden, eine pionierhafte Organisation für eine länderübergreifende Regionalplanung zwischen Jura, Schwarzwald und Vogesen am Oberrhein. Ab 1967 erarbeitete Roths Büro im Auftrag der Regio Basiliensis wegweisende Planungsgrundlagen zu Bevölkerung, Besiedlung, Infrastruktur, Energie, Verkehr, Luftfahrt und Lärm.

1970 wurde Roth zum ersten Leiter der internationalen Koordinationsstelle der Regio Basiliensis gewählt (1970–75) und blieb ihr nach 1975 als ständiger planungstechnischer und wissenschaftlicher Berater sowie als Umweltbeauftragter bis 1991 verbunden. Raumplanung, Umweltkoordination und Städtebau blieben über Jahre die zentralen Themen, welche Roth mit seinem Büro bearbeitete. Ausserdem wirkte er lange Zeit als Dozent an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (1967–82), wo er systematisierte Vorlesungen zu Städtebau, Stadtplanung, Siedlungsbau und (gemeinsam mit Lucius Burckhardt) zu städtischer Dichte etablierte. Roth war Mitglied beim Bund Schweizer Planer (BSP, heute Fachverband Schweizer Raumplanerinnen und Raumplaner), und er engagierte sich bis 2023 bei der Zürcher Studiengesellschaft für Bau- und Verkehrsfragen (ZBV), zeitweise als ihr Präsident.

Zu Beginn der Energiekrise der 1970er Jahre übernahmen Roth und der Physiker Theo Ginsburg im Auftrag der deutschen Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung ein Forschungsprojekt, das die Wechselwirkungen zwischen Energieversorgung und Siedlungsentwicklung untersuchte (1975–80). In der Folge wurde Roths Büro mit einer Reihe weiterer grosser Forschungsaufträge im Querschnittsbereich Energie, Raumordnung, Städtebau, Infrastruktur und Umwelt beauftragt. Parallel zu diesen Schwerpunktthemen entstanden in Roths Büro auch architektonische Projekte, so beispielsweise des Bahnhofs Stettbach (1982–90) im Rahmen des Ausbaus der S-Bahn Zürich.

Wirtschaftsstrukturelle Veränderungen führten in den 1980er Jahren zu neuen planerischen Herausforderungen. Zahlreiche vormals industriell genutzte Produktionsflächen an gut erschlossenen Lagen wurden frei, für deren Umnutzung mussten jedoch erst planungsrechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. 1988 übernahm Roth mitten in den heftig geführten Debatten um die Revision der Zürcher Bau- und Zonenordnung die Planung zur Umwandlung einer rund sechzig Hektaren umfassenden Industriezone nördlich des Bahnhofs Zürich Oerlikon in ein neues durchmischtes Stadtquartier (Planung «Zentrum Zürich Nord», 1988–2010, heute Neu-Oerlikon).

Gelingen konnte die Planung in diesem Fall dank einer von der städtischen BZO-Revision weitgehend unabhängigen Sondernutzungsplanung und dank einer für dieses Projekt entwickelten Systematik, welche Grundeigentumsveränderungen für Infrastrukturbauten wie Strassen, Plätze oder Pärke durch Interessenausgleich und Mehrwertabschöpfung anstelle von monetären Abgeltungen ermöglichte. Wegweisend war insbesondere die «kooperative Planung» mehrerer privater Grundeigentümer mit Stadt und Kanton Zürich sowie mit den SBB, ein Verfahren, das Roth für dieses Projekt entwickelte und das sich in der Folge in der Schweiz bei vergleichbaren Projekten als Standard durchsetzte. Ab 1989 folgten weitere Planungsaufträge zur Transformierung von Industriearealen in dichte städtische Quartiere mit gemischten Nutzungen, bei denen Roth die Planungsprozesse für die Grundeigentümer von Beginn weg steuern konnte und wesentlich prägte. Zu den bedeutendsten Mandaten zählen die Entwicklung des Stammareals der Asea Brown Boveri in Baden (Planung «Chance Baden Nord 2005», 1989–99) oder das Stadterneuerungsprojekt für das zentral beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke gelegene Industrieareal der ehemaligen Zahnradfabrik Maag («Maag Areal Plus», 1998–2013) mit dem damals höchsten Gebäude der Schweiz, dem Prime Tower.

Privates Ueli Roth war in erster Ehe mit der Amerikanerin Jane A. Working verheiratet (1962–68), in zweiter Ehe mit Marianne N. Fröhlich (1970–84). Seit 1991 war er bis zu seinem Tod im Jahr 2026 mit Bianca M. Pestalozzi verheiratet. Er war Vater von drei Töchtern (* 1964, * 1972, * 1974) und einem Sohn (* 1992).

Ausgewählte Projekte 1967–1991 Studien und Planungsgrundlagen zur Koordination der räumlichen Entwicklung der deutsch-französisch-schweizerischen Grenzregion Basel im Auftrag der Regio Basiliensis (1967–71), Leiter der internationalen Koordinationsstelle (1971–75) und Umweltberater der Regio Basiliensis (1975–91) 1968–1970 Leitung der Arbeitsgruppe der Generaldirektion der SBB für den Anschluss des Flughafens Basel-Mulhouse 1969–1971 Projektierung einer Terrassensiedlung in Balzers, Fürstentum Liechtenstein 1970, 1979, 1980 Wettbewerbsbeiträge für den Hauptbahnhof Zürich, gemeinsam mit Walter Schindler (1979: 2. Rang) 1971–1974 Zentrumsplanung Eschen (Liechtenstein) 1976–1977 Renovierung und Umbau des eigenen Wohnhauses «Bünishof» in Meilen 1982–1990 S-Bahn-Station Dübendorf-Stettbach 1986–1987 Projekt für ein Hotelresort in Palm Springs in Südkalifornien (nicht realisiert) 1988–2010 Stadtplanung «Zentrum Zürich Nord» (heute Quartier Neu-Oerlikon) 1989–1999 Stadtplanung «Baden Nord» 1989–1990 Bahnhof Oerlikon: Konzeptstudien für die mittel- und langfristige Entwicklung 1991 Planung «Felix und Regula» für die Schoeller-Areale Zürich-Hardturm 1993 Entwicklungsrichtplanung Mühlental der Georg Fischer AG in Schaffhausen 1996–1997 Stadtentwicklungsplanung Lenzburg 1998– 2009 Entwicklungsplanung BAG Turgi im Wasserschloss Reuss / Limmat / Aare 1998–2013 Stadtplanung «Maag Areal Plus» Zürich West 1999–2000 Stadtbahn Glattal, Querschnittsmandat Raumentwicklung, Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklungsszenarien 2013–2024 Arealentwicklung Papierfabrik Balsthal

Eigene Schriften Elemente der Zeitarchitektur, Photo-Studienreise eines jungen Architekten. In: Du. 20. Jg., Nr. 237, November 1960, S. 1–47. Louis Kahn und die Medical Towers in Philadelphia. In: Werk. 49. Jg., Nr. 1, 1962, S. 22–25. Amerikanischer Städtebau am Beispiel Philadelphias. In: Werk. 49. Jg. Nr. 5, 1962, S. 149–160. Nashville. Neuplanung einer amerikanischen Hauptstadt. In: Werk. 51. Jg., Nr. 4, 1964, S. 141–146. (e-periodca.ch) Amerikanische Architektur – heute. In: Du. 24. Jg., Nr. 280, Juni 1964, S. 16–41 (Fotografien). Das San Francisco Bay Area Rapid Transit System. In: Werk. 53. Jg., Nr. 5, 1966, S. 182–190. (e-periodica.ch) Planung und Städtebau, Elemente und Systematik der Orts-, Regional- und Landesplanung (Vorlesungsunterlagen). ETH Zürich, Architekturabteilung, 1967–72. Wurster Hall, College of Environmental Design, Berkeley, California USA. In: Werk. 54. Jg., Nr. 1, 1967, S. 1–23. (e-periodica.ch) Verflechtung und Entflechtung. In: Werk. Nr. 10, 1967, S. 653–658. (e-periodica.ch) Diverse Beiträge sowie sämtliche Fotografien und Illustrationen in: Du. 27. Jg., Nr. 320, Oktober 1967: Im Reich der gefiederten Schlange. Kunst und Städtebau im präkolumbianischen Mexiko und Guatemala. S. 758–759: Plattformen im Raum, S. 760–818: Texte und Pläne zu einzelnen Ruinenstätten, S. 834–837: Reisen in Zentralamerika. Das englische Gesetz über die Abgaben bei Liegenschafts-Wertvermehrung (“Betterment Levy”) und entsprechende schweizerische Gesetze und Verordnungen. In: Werk. 56. Jg., Nr. 4, 1969, S. 271–272. Gesichtsfeld in Bewegung. In: Werk. 56. Jg., Nr. 9, 1969, S. 598–604. Amerikanischen Bürgern wird vermehrte Einflussnahme auf Autobahnentscheide gewährt. In: Werk. 56. Jg., Nr. 9, 1969, S. 605–607. (e-periodica.ch) Landesplanerische Leitbilder der Schweiz. In: Schweizerische Bauzeitung. 89. Jg. Nr. 28, 1971, S. 712–719. (e-periodica.ch) Die internationale Koordination der Planung in der Regio Basiliensis. Entstehung, Ziele, Methoden. In: Werk. 59. Jg., Nr. 9, 1972, S. 497–506. Chronologie der Schweizerischen Landesplanung. In: Werk. 59. Jg., Nr. 10, 1972, S. 604–608. (e-periodica.ch) Zentrumsplanung Hergiswil NW. In: Werk. 60. Jg., Nr. 3, 1973, S. 341–342. (e-periodica.ch) Bewertung von Lösungsvarianten in Planung und Städtebau. In: Schweizerische Bauzeitung. 91. Jg., Nr. 42, 1973, S. 1029–1032. (e-periodica.ch) Siedlungsform, Energieversorgung und Umweltbelastung. In: Schweizerische Bauzeitung. 95. Jg., Nr. 49, 1977, S. 877–884. (e-periodica.ch) Energie und Siedlungsplanung. In: Bauen + Wohnen. 31. Jg., Nr. 7–8, 1977, S. 289–93. Chronik der schweizerischen Landesplanung. Beilage zu DISP. Dokumente und Informationen zur Schweizerischen Orts-, Regional- und Landesplanung. 56, 1980. Wechselwirkungen zwischen der Siedlungsstruktur und Wärmeversorgungssystemen. In: Schweizer Ingenieur und Architekt. 99. Jg., Nr. 44, 1981, S. 970–983. Rationelle Energieverwendung in der Quartier- und Bauplanung. Möglichkeiten zur Reduktion des Heizwärmebedarfs durch Massnahmen zur passiven Nutzung der Sonneneinstrahlung. In: Schweizer Ingenieur und Architekt. 100. Jg., Nr. 10, 1982, S. 139–152. Der Wärmeatlas III. In: Zeitschrift für Planen, Energie, Kommunalwesen und Umwelttechnik. 39. Jg., Nr. 3, 1982, S. 21–25. Der Zusammenhang von Energieversorgungskonzepten mit dem Bedarfsnachweis für zusätzlichen Strom. In: Schweizer Ingenieur und Architekt. 101. Jg., Nr. 33–34, 1983, S. 816–819. Station Stettbach: Architektur und Kunst an einem Bahnhof. In: Schweizer Ingenieur und Architekt. 108. Jg., Nr. 48, 1990, S. 1393–1395. (e-periodica.ch) S-Bahn-Station Zürich-Stettbach. In: Werk. 78. Jg., Nr. 3, 1991, S. 68. (e-periodica.ch) Von der autogerechten zur menschengerechten Stadt. In: Ferrum. 65. Jg., 1993, S. 42–49. Neu-Oerlikon. Ein modernes Planungsmärchen? 1988–2010. Zürich 2010. Wechselwirkung zwischen Energieversorgung und Besiedelung. Forschungen in den Siebzigerjahren. In: Collage. Zeitschrift des Fachverbands Schweizer Raumplanerinnen und Raumplaner. 4. Jg., 1996, S. 17–18.