Funde zweier Münztypen aus der Zeit um 600 belegen, dass in Basel, dem heutigen Hauptort des gleichnamigen Kantons Basel-Stadt, bereits in merowingischer Zeit eine erste, wohl äusserst sporadische Münzprägung einsetzte.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 52. Die nächste fassbare Prägeaktivität kann in die Herrschaftszeit des letzten karolingischen Königs des Ostfrankenreiches, Ludwig IV. (900–911), verortet werden.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 95. In den Jahren danach wurden unter dem burgundischen König Konrad III. (937–993) relativ kontinuierlich Münzen geprägt und auch König Heinrich II. (1002–1024) machte, nachdem er die Stadt Basel im Jahre 1006 eingenommen hatte, von seinem Münzrecht Gebrauch.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 95. Danach ging das Basler Münzrecht an das Fürstbistum Basel über: Unter Bischof Adalbero II. beginnt spätestens 1015 eine dichte Serie bischöflicher Prägungen, die bis zur Verpfändung des Münzrechtes 1373 an die Stadt andauerte.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 96. Mit einigen längeren Unterbrüchen nutzte die Stadt das ihr übertragene Recht bis 1803.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 94. Darüber hinaus wurde 1429 auf Geheiss des römisch-deutschen Königs Sigismund eine Reichsmünzstätte eröffnet, in welcher wohl bis 1509 Goldgulden geprägt wurden.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 94. Nach dem Scheitern der Helvetik 1803 ging das Münzrecht an die Kantone über, wobei Basel seine Münzproduktion aus ökonomischen Gründen ins Nieder-Schöntal bei Füllinsdorf sowie in die Berner Münzstätte auslagerte.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 98.

Münzherrschaften

König Mit der Eingliederung Basels in das fränkische Reich im 5. Jahrhundert kam den merowingischen bzw. später den karolingischen Herrschern bis zur Übernahme Basels durch Hochburgund in den Jahren 926/935 die Münzhoheit zu. Aus merowingischer Zeit sind zwei Münztypen bekannt, die wohl um 600 in Basel geschlagen wurden.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 52. Bei beiden Typen handelt es sich um kleine Goldmünzen, so genannte Tremisses.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 52. Über die Münzen, die unter dem letzten ostfränkischen Herrscher Ludwig IV. (900–911), den burgundischen Königen Konrad III. (937–993) und Rudolf III. (993–1032) sowie dem darauffolgenden römisch-deutschen König Heinrich II. (1002–1024) gefertigt wurden, ist wenig bekannt.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 90f. Dies hängt damit zusammen, dass Münzfunde aus dieser Zeit selten sind und dass die Münzen, die in diese Periode datieren, in ihrer Ausgestaltung unsorgfältig gearbeitet sind, wodurch eine eindeutige Zuordnung oft schwerfällt.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 90f. Im Jahre 1429 setzte unter König Sigismund (1410–1437) erneut eine königliche Prägetätigkeit ein.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 94. In der Reichsmünzstätte, die im Hinblick auf das geplante Konzil in Basel eingerichtet worden war, wurden bis 1509 Goldguldenprägungen vorgenommen.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 94. Ab 1512 ging die Münzstätte an die Stadt über, die weiterhin Goldmünzen prägte.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 94.

Fürstbistum Basel Das Basler Bistum, das bereits ab dem 4. bzw. 5. Jahrhundert belegt ist, gelangte unter König Heinrich II. zu weitreichenden Hoheitsrechten, durch die es dem Bischof unter anderem erlaubt war, Münzen zu prägen.Veronika Feller-Vest, Markus Ries: Basel (Diözese), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011402/2011-10-06/ (abgerufen am 5. November 2020). Bischof Adalbero II. (999–1025) machte wohl frühestens ab dem Jahre 1010 von diesem Recht Gebrauch. Im 12. Jahrhundert war der Basler Pfennig offenbar so stark verbreitet, dass ihn kleinere Herrschaften, darunter die Grafen von Frohburg, nachzuahmen versuchten.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 96. Die bischöfliche Prägetätigkeit hielt, abgesehen von einigen längeren Unterbrüchen ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, bis zur Verpfändung des Münzrechtes an die Stadt Basel im Jahre 1373 an.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 96. Spätere Münzprägungen des Bischofs wurden in andere Teile des Fürstbistums, namentlich nach Saint-Ursanne, Delsberg und Pruntrut, sowie in den Jahren 1786 und 1787 ausserhalb desselben bzw. nach Solothurn ausgelagert.François Noirjean, Jean-Paul Prongué (et al.): Basel (Fürstbistum), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008558/2019-08-12/ (abgerufen am 5. November 2020). / Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn, Bern 1972, S. 32. In der Münzstätte von Pruntrut dauerte die Prägetätigkeit noch bis in das späte 18. Jahrhundert an.

Stadt Im Jahre 1373 erwarb die Stadt Basel pfandweise das Münz- und Zollrecht sowie weitere einträgliche Rechte vom Bischof.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 92. In der Folgezeit versuchte die Stadt das stark beeinträchtigte Münzwesen neu zu ordnen und zu stabilisieren. Mit der Unterstützung der habsburgischen Herzöge und anderer Städte des Oberrheins trug Basel massgeblich dazu bei, dass sich bis 1403 der sogenannte «Rappenmünzbund» formierte.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 92f. Mithilfe der von dieser besonders stabilen Allianz beschlossenen Regeln konnte bis zur Auflösung des Rappenmünzbundes im Jahre 1564 regulierend auf das Münzwesen Einfluss genommen werden.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 93. Bis zur Übernahme der Münzhoheit durch die Helvetik im Jahre 1798 wurde, abgesehen von mehreren längeren Prägepausen, eine Vielzahl von Münzen geprägt; darunter beispielsweise Dicken, Batzen, Silbertaler, Rappen und silberne Reichsguldiner.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 97.

Helvetische Republik Als 1798 die Helvetische Republik ausgerufen wurde, ging das Münzrecht sämtlicher münzprägender Orte an den Einheitsstaat über.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 96. Basel gehörte nebst Bern und Solothurn zu den wenigen Akteuren, die während des Bestehens der Helvetik Münzen prägten.Friedrich Wielandt: Münz- und Geldgeschichte des Standes Luzern, Zürich 1969, S. 65. Die von 1800 bis 1803 mit dem Münzzeichen Basel geprägten Münzen wurden aber vermutlich im Nieder-Schöntal bei Füllinsdorf geprägt.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 84.

Kanton Nach dem Ende der Helvetik im Jahre 1803 fiel die Münzhoheit zurück an die Kantone.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 96. Infolgedessen liess Basel noch bis 1826 Kleinmünzen prägen, lagerte die Produktion derselben allerdings aus ökonomischen Gründen ins Nieder-Schöntal bei Füllinsdorf sowie in die Münzstätten Solothurn und – spätestens ab 1823 – Bern aus.Michael Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 98. / Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn, Bern 1972, S. 36.

Standorte der Münzstätte

Münzstätte am Kornmarkt Die «Münz» am Kornmarkt (heutiger Marktplatz) wird gemeinhin als die erste nachweisbare Prägestätte Basels bezeichnet. Die genauere Lokalisation des Gebäudes ermöglicht die Analyse einer Verkaufsurkunde, die auf das Jahr 1378 datiert wird.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 54. In der erwähnten Urkunde ersteht ein Gärtner mit Namen Konrad Ostertag eine Liegenschaft, die mehrfach als ehemalige Münzstätte bezeichnet wird.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 54. Darüber hinaus konnte bei Ausgrabungen auf dem Marktplatz ein Münzstempel geborgen werden, dessen Entstehungszeit auf den besagten Zeitraum datiert.Jahresbericht der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt, Basel 2020, S. 109–111. Aufgrund der zentralen Lage der Baute im Bereich zwischen Birsig, Schol und Kornmarkt und in unmittelbarer Nähe zum Richt- und Rathaus wird vermutet, dass die Münzstätte bereits ab dem 13. Jahrhundert genutzt wurde und der Betrieb bis zur Verpfändung des Münzrechts an die Stadt im Jahre 1373 anhielt.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 55–58.

Münzstätte an der Rüdengasse Nachdem sich die Tore der bischöflichen Münzstätte in Basel wohl bereits im Jahre 1373 geschlossen hatten, steht die Frage nach der Lokalisation der darauffolgenden städtischen «Münz» im Zentrum. Quellen aus dem Jahre 1424 bezeichnen eine Liegenschaft an der Rüdengasse 3 (neben der heutigen Hauptpost) als der ehemaligen «Münz» gegenüberliegend, womit der Standort derselben nachgewiesen werden kann.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 64f. Von wann bis wann diese Lokalität tatsächlich genutzt wurde, kann nicht eruiert werden. Spätestens zwischen 1406 und 1424/34 wurde der Betrieb wohl eingestellt.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 65.

Münzstätte an der Weissen Gasse Ob an der Weissen Gasse jemals eine Münzstätte stand, oder ob die im Jahre 1427 als «Munthus» bezeichnete Baute lediglich als Trinkstube der Wechsler diente, kann nicht abschliessend geklärt werden.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 65. Wenn an dieser Stelle tatsächlich eine «Münz» gestanden haben sollte, so wäre sie etwas jünger, als jene an der Rüdengasse.Christoph Matt: Basels Münzstätten. Eine Spurensuche, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 115, 2015, S. 65.

Münzstätte am Schlüsselberg