mini|Amandine Gay, HEAD Cinema Festival 2025 mini|Straßenschild der Rue Charlot in Paris mit einem neuen Straßenschildvorschlag mit dem Namen Amandine Gay als Aktion im öffentlichen Raum Amandine Gay (* 16. Oktober 1984 in Frankreich) ist eine französische Filmemacherin, Autorin und afrofeministische Aktivistin. Mit ihren filmischen und publizistischen Arbeiten widmet sie sich insbesondere Fragen der Repräsentation Schwarzer Frauen, der intersektionalen Diskriminierung und transnationalen Adoption.
Leben und Ausbildung Gay wurde in Frankreich geboren und wuchs als Adoptivkind in einer weißen Familie in der Nähe von Lyon auf. Nach ihrem Studium an Sciences Po Lyon und einem Abschluss in Kommunikation befasste sie sich wissenschaftlich mit kolonialen Kontinuitäten in der französischen Gesellschaft.https://headcinema.ch/en/lecturers/amandine-gay Erfahrungen mit Rassismus und welche Rolle Schwarze Frauen im französischen Film einnehmen, führten zu ihrem Entschluss, selbst künstlerisch tätig zu werden – zunächst als Schauspielerin, ab 2014 dann als Regisseurin.
Werk Gay gehört zu den wichtigen Stimmen des Afrofeminismus in Frankreich. Ihr vielbeachteter Dokumentarfilm „Ouvrir la voix“ (2017) („Speak Up / Lauter werden“) porträtiert 24 Schwarze Frauen aus Frankreich und Belgien und stellt deren Alltag, Strategien und Erfahrungen mit Rassismus und Sexismus in den Mittelpunkt.https://www.kino-zeit.de/personen/amandine-gay Sie produzierte, drehte und vertrieb den Film unabhängig und finanzierte ihn durch Crowdfunding. „Ouvrir la voix“ erhielt internationale Aufmerksamkeit in ganz Deutschland mit der Femme Totale Filmtour und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Out d’Or für künstlerisches Schaffen 2018. Mit „Une histoire à soi“ (2021) (Eine eigene Geschichte) setzte Gay ihre dokumentarische Arbeit fort, diesmal mit Fokus auf transnationale Adoption und Identitätsfindung.https://realisatrices-equitables.com/dames-des-vues/realisatrice/amandine-gay-2/
Neben ihrer Tätigkeit als Regisseurin tritt Amandine Gay regelmäßig als Rednerin zu feministischen und afrofranzösischen Themen auf und veröffentlichte 2021 das autobiografische Buch „Une poupée en chocolat“.https://amandinegay.com/en/filmmaker/
Die wichtigsten Themen in den Dokumentarfilmen von Amandine Gay sind die Erfahrungen Schwarzer Frauen im europäischen Kontext, Intersektionalität, Identitätsfragen und die Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen. In „Ouvrir la voix“ stehen insbesondere der Alltag, die Selbstermächtigung und die gesellschaftlichen Herausforderungen Schwarzer Frauen in Frankreich und Belgien im Mittelpunkt. Der Film beleuchtet Themen wie Rassismus, Sexismus, kulturelle Selbstbestimmung, Körper und Schönheit, Arbeitswelt und familiäre Strukturen sowie die Notwendigkeit, die eigene Geschichte und Position innerhalb der Gesellschaft selbst zu erzählen.
In „Une histoire à soi“ thematisiert Gay die Perspektiven von international Adoptierten, insbesondere deren Suche nach Identität und Herkunft. Der Film hinterfragt koloniale und paternalistische Bilder rund um die Adoption, beleuchtet die persönliche und politische Dimension von Herkunft, Zugehörigkeit, das Schweigen um Biografien und die Bedeutung von Selbstnarration.
Allen ihren Arbeiten entspricht es, marginalisierte Stimmen und Perspektiven in den Fokus zu rücken, Diskriminierungsmechanismen sichtbar zu machen und die Öffentlichkeit zur reflektierten Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen einzuladen.Mein Ansatz als unabhängiger Produzent und Regisseur lässt sich wie folgt zusammenfassen: Ich erzähle, dokumentiere und bewahre die Geschichten und die aktuelle Realität derjenigen, die in der Geschichte normalerweise nicht vorkommen – Schwarze Frauen, Adoptivkinder oder Angehörige anderer Minderheiten und unsichtbarer Gruppen. Ich glaube, dass ungeschriebene Formate genauso wirkungsvoll sind wie geschriebene, insbesondere wenn wir sie ästhetisch gewagt und politisch herausfordernd gestalten.
Filmografie 2017: Speak Up / Ouvrir la voix 2021: Une histoire à soi 2025: Ballroom, danser pour exister, Fernsehserie
Darstellerin 2010: Hors de l'abri, Céline Guénot 2022: Yannick & Pauline, Reuben Bocobza 2022: La défense devant les survivants, Clara Chabalier
Publikationen 2015: Lâche le micro! 150 ans de luttes des femmes noires pour le droit à l'auto-détermination. Vorwort für die französische Übersetzung des ersten Buches von Bell Hooks, Ain't I a Woman: Schwarze Frauen und Feminismus, Unrast Verlag, ISBN 9783897713482 2015: Deny and Punish: A French History of Concealed Violence. The Charlie Hebdo Attacks and Their Aftermath, Artikel in der Zeitschrift Occasion 2015: L'expérience des racisées en milieu universitaire: entre résistance, agency et lutte pour la légitimité, Artikel zum 7. Internationaler Kongress für feministische Forschung in der Frankophonie (CIRFF) 2018: Kollektiv, Éloges des mauvaise herbes: ce que nous devons à la ZAD. La crise d'une utopie blanche?, initiiert von Jade Lindgaard, Paris, L'Arche, p. 157–165 2018: Kollektiv, Décolonisons les arts , unter der Direktion von Leïla Cukierman, Gerty Dambury et Françoise Vergès 2019: Kollektiv, Reach everyone on the Planet… What's a word?, koordiniert von Kimberlé Crenshaw 2021: Vorwort des Kollektivs, Lettres du Bangwe, Paris, Editions Bora, 348 S., S. 11–15 2021: Une poupée en chocolat, Verlag La Découverte
Auszeichnungen Gay wurde für ihren Beitrag zur Sichtbarmachung afrofeministischer Perspektiven mehrfach ausgezeichnet, darunter der Out d’Or für künstlerische Arbeiten.
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