Das Spital zum Heiligen Geist ist ein Kulturdenkmal des Landes Baden-Württemberg (ID: 98812336) in Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg.

Lage Die eigentliche offizielle Adresse des Spitals ist Hauptstraße 16 & Spitalhof 8, die markante neugotische Giebelfassade liegt jedoch an der Hauptstraße 16.

Das Spital zum Heiligen Geist liegt in einer Reihe denkmalgeschützter Gebäude in Bad Waldsee. Beginnend aus Richtung Wurzacher Straße, befinden sich auch das Franziskanerkloster Waldsee (heute Stadtverwaltung und Polizeiposten) und ein Wohnhaus (Hauptstraße 14) (heute Wohnhaus und Zahnarztpraxis). Rund 30 Meter nach dem Spital folgen dann das Amtsdienerhaus und das Alte Rathaus.

Geschichte und Architektur Das Spital wurde erstmals 1298 erwähnt und diente als Zufluchtsort für Kranke, Arme und Alte. Das heutige Gebäude, dessen Kernbau vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt, ist ein langgestreckter, zwei- bis dreigeschossiger und verputzter Massivbau. Es wurde mehrfach umgebaut und erweitert, so auch 1659 nach einem desolaten Zustand. Im Jahr 1856 wurde die baufällige Westfassade durch einen Neubau nach Entwurf von Gottlieb Pfeilsticker ersetzt, einem Vertreter der Neugotik in Oberschwaben. Mit ihrem aufwendig gestalteten Treppengiebel, dem polygonalen Giebelreiter und den Fialen knüpfte sie bewusst an die Tradition mittelalterlicher Kommunalbauten an. Die Fassade wird durch die Bemalung von Hans Kolb aus dem Jahr 1885 bereichert. Ein zentrales rundes Bildmedaillon im Giebel zeigt den thronenden und segnenden Heiland, während in zwei Nischen Darstellungen der Lokalheiligen Gute Beth und der Muttergottes zu sehen sind. Die Geschichte der neugotischen Fassade entwickelte sich zu einem denkmalpflegerischen Lehrstück. Während die Fachbehörden in den 1930er-Jahren einen Rückbau der als künstlerisch wertlos beurteilten Fassade vorschlugen, scheiterte dies am Widerstand der Bürger. Nach der Abtragung des Turms 1965 kam es 1978/79 zu einer Wiederherstellung der Fassade, die den bürgerlichen Erhaltungsgedanken mit einer veränderten denkmalpflegerischen Haltung vereinte.

Spitalkapelle Die Spitalkapelle ist ein in das Gebäude integrierter Sakralraum, der erstmals 1328 urkundlich erwähnt wurde. Sie ist als dreischiffiger Saal mit einer Flachdecke gestaltet und diente als Andachtsraum für die Bewohner. Die Kapelle enthält spätgotische Ausstattungsstücke von Nikolaus Weckmann aus dem 15. Jahrhundert, und im Jahr 1722 erhielt der Raum eine barocke Stuckdecke. Bei einer Restaurierung 1926 wurden Fragmente eines spätgotischen Passionszyklus als Wandmalerei freigelegt, die jedoch wegen ihres schlechten Erhaltungszustands nach fotografischer Dokumentation wieder überstrichen wurden.

Zehntscheuer Die Zehntscheuer war die Zehntscheune des Spitals zum Heiligen Geist, ein großer dreigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach, der 1755 gebaut wurde. Es veranschaulicht die vormodernen Wirtschafts- und Einnahmeverhältnisse des Spital, das durch Stiftungsgut reich ausgestattet war. Das Gebäude ist durch seinen barocken Volutengiebel mit seinem Kranausleger und Aufzugsluken sowie mit aufgemalter Eckquaderung deutlich erkennbar und bringt die Bedeutung des Spitalkomplexes auch baulich zum Ausdruck.

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Einzelnachweise

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