mini|hochkant|Gedenkstein am Leipziger Gründungsort der Gesellschaft (2019)
Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft e. V. (DGG) ist eine wissenschaftliche Vereinigung mit dem Ziel der Förderung der Geophysik in Forschung, Lehre und Anwendung. Sie wurde 1922 in Leipzig auf Initiative des Seismologie-Professors Emil Wiechert zunächst unter dem Namen Deutsche Seismologische Gesellschaft gegründet. Bei der Jahrestagung 1924 wurde sie auf die heutige Bezeichnung umbenannt.
Neben Förderung des geophysikalischen Wissens in Forschung, Lehre und Anwendung zählt zu den Hauptaufgaben die geophysikalische Öffentlichkeitsarbeit, die Kooperation mit benachbarten Fachgebieten und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Gesellschaft vertritt die deutsche Geophysik in nationalen und internationalen Gremien und verleiht diverse Auszeichnungen.
Ihre frühere Aufgabe als offizielle Vertretung Deutschlands in der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik ging auf das um 1970 gegründete Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik über.
Geschichte
Die Gründung erfolgte am 19. September 1922 im Hörsaal des Geophysikalischen Instituts der Universität Leipzig, Talstraße 38, als Teilveranstaltung der Hundertjahrfeier der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Das 1912 gegründete Geophysikalische Institut befand sich seit 1917 in diesem Gebäude, nachdem die Königliche Taubstummenanstalt in ihr neues Domizil, die Samuel-Heinicke-Schule, umgezogen war. Das Institutsgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im März 2013 wurde an der Stelle des ehemaligen Institutsgebäudes zur Erinnerung an die Gründung ein granitener Gedenkstein mit einer Bronzeschrifttafel errichtet.
Die insgesamt 24 Gründungsmitglieder waren: (PDF; 2,8 MB). S. 31–34. Karl Almstedt (1891–1964), Braunschweig Karl Erich Andrée, Königsberg i. Pr Gustav Angenheister, Göttingen Ernst-August Ansel (1874–1952), Freiburg i. Br. Rudolf Berger (1869–?), Potsdam Friedrich Burmeister, München Friedrich Errulat (1889–1969), Königsberg i. Pr. Immanuel Friedländer, Neapel Beno Gutenberg, Darmstadt Wilhelm Haubold (1893–1986), Hannover Oskar Hecker, Jena Franz Kossmat, Leipzig Gerhard Krumbach, Jena Wilhelm Löhr (?–?), Bochum Karl Mack, Hohenheim Ludger Mintrop, Hannover Peter Polis, Aachen Richard G. Schütt (1864–1943), Hamburg Wilhelm Schweydar, Potsdam August Heinrich Sieberg, Jena Ernst Tams, Hamburg Julius Wagner, Frankfurt a. M. Emil Wiechert, Göttingen Conrad Zeissig (1865–1943), Darmstadt-Jugenheim Die Umbenennung der Gesellschaft in Deutsche Geophysikalische Gesellschaft erfolgte 1924 auf der Jahrestagung in Innsbruck. Als erster Vorsitzender wurde abermals Emil Wiechert gewählt.
2015 gründete sie zusammen mit drei anderen Fachgesellschaften den Dachverband der Geowissenschaften.
Aufgaben der Gesellschaft
Zu den Zielen der DGG zählt die Erweiterung und Verbreitung geophysikalischen Wissens in Forschung, Lehre und Anwendung. Sie fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit benachbarten Fachgebieten. Außerdem tritt die DGG für eine sachgerechte Information der Öffentlichkeit bei geophysikalischen Themen ein. Die DGG vertritt und unterstützt die Interessen der Geophysik in nationalen und internationalen Gremien und würdigt besondere wissenschaftliche Leistungen durch Auszeichnungen. Die höchste Auszeichnung der DGG ist die Emil-Wiechert-Medaille, die unregelmäßig alle drei bis fünf Jahre für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Geophysik verliehen wird. Weitere Ehrungen sind der Karl-Zoeppritz-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs, die Walter-Kertz-Medaille für die außerfachliche Förderung der Geophysik sowie die Ernst-von-Rebeur-Paschwitz-Medaille für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Für herausragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlern vergeben sie den Günter-Bock-Preis.
Die jährlich stattfindende Tagung der DGG findet üblicherweise im Frühjahr an wechselnden Orten statt. Diese sind in der Regel Standorte geophysikalischer Institute. Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft hat zurzeit etwa 1.150 Mitglieder.
Günter-Bock-Preis Er wird seit 2006 für Nachwuchswissenschaftler vergeben, die eine herausragende Arbeit veröffentlichten. Der Preis ist nach Günter Bock benannt, dem Herausgeber des Geophysical Journal International der DGG. Er starb 2002 bei einem Flugzeugabsturz in Luxemburg. Er ist nicht mit dem gleichnamigen Stipendium der Städelschule Frankfurt zu verwechseln.
Preisträger sind:Offizielle Webseite bei der DGG 2006 Thomas Forbriger, Schiltach/Karlsruhe 2007 Christoph Sens-Schönfelder, Leipzig 2009 Michael Becken, Potsdam 2010 Nina Köhler, Karlsruhe 2011 Marcus J. Beuchert, Frankfurt am Main 2012 Gareth Crutchley, Kiel 2013 Urs Böniger, Potsdam 2014 Dennis Höning, Berlin 2015 Matthias Bücker, Braunschweig/Bonn 2016 Felix Hlousek, Freiberg 2017 Amir Haroon, Köln 2018 Eva Bredow, Potsdam 2019 Raphael Rochlitz, Hannover
Vorsitzende/Präsidenten 1922–1925 Emil Wiechert, Göttingen 1925–1926 Oskar Hecker, Jena 1926–1927 Adolf Schmidt, Potsdam 1927–1929 Ernst Kohlschütter, Potsdam 1929–1930 Franz Linke, Frankfurt am Main 1930–1936 Ernst Kohlschütter, Potsdam 1936–1945 Julius Bartels, Eberswalde und Potsdam 1947–1949 Ernst Kleinschmidt (1877–1959), Hamburg 1949–1951 Günther Böhnecke, Hamburg 1951–1953 Wilhelm Hiller, Stuttgart 1953–1955 Friedrich Errulat, Hamburg und Essen 1955–1958 Karl Jung, Clausthal–Zellerfeld 1958–1961 Walter Dieminger, Lindau/Harz 1961–1963 Hans Closs, Hannover 1963–1964 Walter Kertz, Braunschweig 1964–1966 Alfred Schleusener, Hannover 1966–1968 Karl Brocks, Hamburg 1968–1971 Gustav Angenheister, München 1971–1973 Heinz Menzel, Hamburg 1973–1975 Albrecht Hahn, Hannover 1975–1977 Manfred Siebert, Göttingen 1977–1979 Karl Fuchs, Karlsruhe 1979–1981 Hans Berckhemer, Frankfurt am Main 1981–1983 Hans–Jürgen Dürbaum, Hannover 1983–1985 Ulrich Schmucker, Göttingen 1985–1987 Heinrich Soffel, München 1987–1989 Hans A. K. Edelmann, Hannover 1989–1991 Helmut Wilhelm, Karlsruhe 1991–1993 Jürgen Fertig, Hannover und Clausthal–Zellerfeld 1993–1995 Ralph Hanel, Hannover 1995–1997 Fritz M. Neubauer, Köln 1997–1999 Franz Jacobs, Leipzig 1999–2001 Horst Rüter, Dortmund 2001–2003 Burkhard Buttkus, Hannover 2003–2005 Gerhard Jentzsch, Jena 2005–2007 Harro Schmeling, Frankfurt am Main 2007–2009 Hans-Joachim Kümpel, Hannover 2009–2011 Ugur Yaramanci, Berlin 2011–2013 Eiko Räkers, Essen 2013–2015 Michael Korn, Leipzig 2015–2017 Michael Weber, Potsdam 2017–2019 Christian Bücker, Hamburg 2019–2021 Heidrun Kopp, Kiel 2021–2023 Thomas Bohlen, Karlsruhe 2023–2025 Bodo Lehmann, Essen seit 2025 Ulrike Werban, Leipzig
Veröffentlichungen Deutsche Geophysikalische Gesellschaft: Mit Geophysik in die Zukunft – eine Denkschrift 1997, Verlag DGG, Münster. Seite über die Online-Fassung
Literatur H. Neunhöfer, M. Börngen, A. Junge, J. Schweitzer (Hrsg.): Zur Geschichte der Geophysik in Deutschland (PDF; 20,1 MB). Deutsche Geophysikalische Gesellschaft, Hamburg 1997. Franz Jacobs, Michael Börngen: Wiechert, Mintrop & Co.: die 24 Gründungsväter der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft. Edition am Gutenbergplatz, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95922-107-8.
Weblinks Internetseiten der DGG DGG: Mitteilungen 1/2007, 2/2007
Einzelnachweise
Kategorie:Geowissenschaftliche Gesellschaft Kategorie:Physikalische Gesellschaft Kategorie:Geophysikalische Organisation Kategorie:Verein (Hamburg) Kategorie:Verein (Bundesverband) Kategorie:Vereinsgründung 1922