Permethrin ist ein Insektizid und Akarizid aus der Gruppe der Pyrethroide. Es wirkt als Kontakt- und Fraßgift; sein Wirkungsspektrum ist sehr breit. Permethrin wurde von der Arbeitsgruppe um Michael Elliott vom Rothamsted Research für die britische National Research Development Corporation (NRDC) entwickelt und ist seit etwa 1977 im Handel. Es ist ein Typ-I-Pyrethroid, hat also keine Cyano-3-phenoxybenzyl-Gruppe.
Permethrin zählt zu den unentbehrlichen Arzneimitteln der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Einsatzgebiete
Humanmedizin Beim Menschen wirkt Permethrin gegen ausgewachsene Läuse und ihre Nissen. Es gilt als besser verträglich als natürliche Pyrethrum-Extrakte oder Lindan-haltige Präparate.Richter, Müller-Stöver, Walter, Mehlhorn, Häussinger: Kopfläuse – Umgang mit einer wieder auflebenden Parasitose. In: Deutsches Ärzteblatt, 9. September 2005, 102, S. A-2395. Bei einer Studie in DänemarkM. Kristensen et al.: Survey of permethrin and malathion resistance in human head lice populations from Denmark. In: J Med Entomol., 2006, 43/3, S. 533–538. PMID 16739412. waren jedoch die meisten Läuse resistent gegen Permethrin (und Malathion).
Seit 2004 ist Permethrin in Deutschland als Mittel gegen die Krätze (Scabies) zugelassen. Hier gilt es als wirksamer und verträglicher Wirkstoff.Haustein, Paasch: Krätze weiterhin verbreitet: Endemien in Pflegeheimen erfordern konsequente Synchronbehandlung. In: Deutsches Ärzteblatt, 10. Januar 2005, 102, S. A-45.
Weiterhin findet Permethrin in Form von 5%iger Creme Anwendung bei Rosazea.Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft Rosacea.
Weiters wird Permethrin als Mittel gegen Zecken oberflächig an der Kleidung eingesetzt, vor allem von Personen, welche sich länger in Bereichen mit höherer Zeckenbelastung aufhalten. Beispiele dafür sind Wanderer und Teilnehmer von Trekkingtouren oder die Beschäftigen in der Forstwirtschaft und bei Straßenmeistereien. Für diesen Anwendungsbereich gibt es auch mit Permethrin imprägnierte Arbeitskleidung, welche zu der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) zählt.
Die Bundeswehr nutzt Permethrin bei der sogenannten dauerhaften Vektorenschutzausrüstung, kurz VS-Ausrüstung, welches laut eigenen Angaben über Depots in der Kleidung abgegeben wird und so Soldatinnen und Soldaten vorrangig vor der Übertragung von Krankheitserregern durch Stechmücken oder Zecken schützen soll.
Tiermedizin Die Tiermedizin verwendet Permethrin als Spot-on-Wirkstoff zur Bekämpfung von Läusen, Flöhen, Milben und Zecken in Pudern, Sprays, Shampoos, Emulsionen und Lösungen. Richtig angewandt, werden damit zum Beispiel sämtliche Flöhe eines Tieres innerhalb einer Stunde abgetötet, wobei die Wirkung zwischen zwei Wochen und fünf Monaten anhalten kann. Permethrin kann aber auch in vorbeugend anzuwendenden Produkten wie Ohrmarken, Halsbändern etc. enthalten sein, bei denen die abstoßende, einen Fuß-Rückzieh-Effekt (→ Repellent) auslösende Wirkung des Permethrins auf Insekten überwiegt. Bei der Braunen Hundezecke wurden allerdings bereits Resistenzen gegenüber dem Wirkstoff beobachtet.A. L. Eiden et al.: Determination of metabolic resistance mechanisms in pyrethroid-resistant and fipronil-tolerant brown dog ticks. In: Medical and veterinary entomology, September 2017, Band 31, Nummer 3, S. 243–251; doi:10.1111/mve.12240, PMID 28639697.
Toxizität bei Katzen Anders als bei Hunden dürfen permethrinhaltige Spot-on-Produkte keinesfalls bei Katzen verwendet werden,Richard Malik, Michael P. Ward, Aine Seavers, Anne Fawcett, Erin Bell, Merran Govendir, Stephen Page: Permethrin spot-on intoxication of cats: Literature review and survey of veterinary practitioners in Australia. In: Journal of Feline Medicine and Surgery, Januar 2010, Band 12, Ausg. 1, S. 5–14, doi:10.1016/j.jfms.2009.12.002. da diesen das zum Abbau des Wirkstoffs notwendige Enzym Glucuronidase-Transferase fehlt und es daher für diese Tiere viel toxischer als für andere Warmblüter ist. Typische Vergiftungssymptome durch Permethrin bei Katzen sind zentralnervöse Symptome wie Zittern, starker Speichelfluss, Krämpfe, Atemnot, aber auch Erbrechen, Durchfall sowie Fieber oder Untertemperatur. Versehentlich aufgetragene permethrinhaltige Lösungen sollten deshalb sofort mit milden Detergenzien ausgewaschen und anschließend umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden.
Land- und Forstwirtschaft Die Zulassung des Wirkstoffs Permethrin für den Pflanzenschutz wurde von der EU-Kommission im Jahre 2000 aufgehoben. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Permethrin nicht mehr als Pflanzenschutzmittel zugelassen.
Holzschutz Im Bauwesen wird Permethrin als vorbeugendes oder bekämpfendes Holzschutzmittel gegen holzzerstörende Insekten wie z. B. den Hausbockkäfer oder den Gewöhnlichen Nagekäfer verwendet.
Einsatz in Flugzeugen Einige Airlines wie die South African nutzen Permethrin im Regelabstand von acht Wochen und in Konzentrationen von 2 % und auch bei Anwesenheit von Passagieren in der Kabine zur Bekämpfung von Insekten; Die Anwendung von Permethrin erfolgt dabei nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung lehnt grundsätzlich einen Einsatz von Pyrethroiden bzw. Permethrin in Flugzeugkabinen wegen möglicher gesundheitlicher Komplikationen und der (jahrelangen) Beständigkeit der Wirkstoffe ab und empfiehlt die Ausbringung von Kurzzeit-Giftstoffen, die sich binnen weniger Tage abbauen bzw. durch Reinigungsmittel leicht entfernbar sind.
Vorkommen und Einsatz in Haushalten Textilien und Teppiche
Als Schutz vor Kleidermotten und dem Teppichkäfer wird Permethrin teilweise zum Ausrüsten von Wollteppichen verwendet. Mit dem Teppichabrieb gelangt es dann in den Hausstaub. Das Bundesinstitut für Risikobewertung konnte im Rahmen einer Studie kein gesundheitliches Risiko durch mit Permethrin ausgerüstete Teppiche erkennen.Keine gesundheitliche Gefährdung durch Permethrin in Wollteppichen. (PDF) BfR, Stellungnahme Nr. 011/2008, 18. Dezember 2007; abgerufen am 7. Juli 2017.
Mit Permethrin imprägnierte Textilien sollen ihre Träger vor gefährlichen Insekten und Parasiten schützen. Bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr tragen die Soldaten damit behandelte Uniformen.Klaus E. Appel, Ursula Gundert-Remy, Horst Fischer, Michael Faulde, Klaus G. Mross, Stephan Letzel, Bernd Rossbach: Risk assessment of Bundeswehr (German Federal Armed Forces) permethrin-impregnated battle dress uniforms (BDU). In: International Journal of Hygiene and Environmental Health, Band 211, Ausg. 1–2, 2008, S. 88–104; doi:10.1016/j.ijheh.2007.10.005.
Die Verwendung von mit Permethrin behandelten Moskitonetzen gilt als guter Schutz vor Malaria.R.W. Snow, S.W. Lindsay, R.J. Hayes, B.M. Greenwood: Permethrin-treated bed nets (mosquito nets) prevent malaria in Gambian children, Transactions of the Royal Society of Tropical Medicine and Hygiene, Band 82, Ausg. 6, November–Dezember 1988, S. 838–842, doi:10.1016/0035-9203(88)90011-9.T.G.T. Jaenson, M.J. Gomes, R.C.Barreto dos Santos, V. Petrarca, D. Fortini, J. Évora, J. Crato: Control of endophagic Anopheles mosquitoes and human malaria in Guinea Bissau, West Africa by permethrin-treated bed nets, Transactions of the Royal Society of Tropical Medicine and Hygiene, Band 88, Ausg. 6, November–Dezember 1994, S. 620–624, doi:10.1016/0035-9203(94)90197-X.
Schädlingsbekämpfung in Innenräumen
Das Fraunhofer-Institut für Toxikologie untersuchte Ende der 1990er Jahre die Innenraumpersistenz mehrerer Schädlingsbekämpfungsprodukte, die Pyrethroide vom Typ I und Typ II bzw. den Synergisten Piperonylbutoxid enthielten. Die Konzentrationen der Wirkstoffe wurden in der Gasphase, auf Schwebeteilchen, Hausstaub und auf Möbeloberflächen über einen Zeitraum von 24 Monaten überwacht. Permethrin wurde nur in der Gasphase unmittelbar nach der Anwendung nachgewiesen. Hohe Konzentrationen von Permethrin wurden an Schwebeteilchen direkt nach der Anwendung gefunden. Diese Konzentration nahm innerhalb von zwei Tagen schnell ab, in den folgenden 24 Monaten konnte hingegen eine wesentlich langsamere Abbaurate beobachtet werden. Im Hausstaub nahm das Konzentrationsniveau innerhalb der ersten 12 Monate ab, blieb aber von da an fast konstant, was eine langanhaltende Belastung von Innenraumflächen hindeutet.Edith Berger-Preiess, Alfred Preiess, Kriemhild Sielaff, Mechthild Raabe, Bert Ilgen, Karsten Levsen: The Behaviour of Pyrethroids Indoors: A Model Study. In: Indoor Air. 7, 1997, S. 248, doi:10.1111/j.1600-0668.1997.00004.x.
Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigt, dass Permethrin, das sowohl in einem Versuchshaus als auch unter Laborbedingungen ausgebracht wurde, innerhalb von 112 Tagen nach einer Schädlingsbekämpfung um etwa 10 % abgebaut wird, was auf eine vergleichbare Persistenz des Wirkstoffs unter Innenraumbedingungen hinweist.L. E. Nakagawa, C. M. do Nascimento, A. R. Costa, R. Polatto, S. Papini: Persistence of indoor permethrin and estimation of dermal and non-dietary exposure. In: Journal of exposure science & environmental epidemiology. Band 30, Nummer 3, Mai 2020, S. 547–553, doi:10.1038/s41370-019-0132-7, PMID 30926895. Eine neuere Untersuchung der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA zeigt eine fast unveränderte Beständigkeit von auf unterschiedliche Oberflächen aufgetragenem Permethrin bei Dunkelheit über 140 Tage. Unter simuliertem Innenraumlicht sank die Permethrin-Belastung mit einer Halbwertszeit von 286 Tagen nur langsam.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, dass Schädlingsbekämpfungsmittel nicht oder allenfalls in Ausnahmefällen durch Laien angewendet werden sollten. Der Einsatz sollte professionell geschulten Schädlingsbekämpfern vorbehalten sein.
Dekontamination Der Erfolg einer Dekontamination von Permethrin hängt von der Oberflächenbeschaffenheit, dem Reinigungsmittel sowie der Reinigungstechnik ab. Glatte Oberflächen wie Fliesen lassen sich tendenziell besser dekontaminieren als Kunststoff- oder Holzflächen. Poröse und besonders saugstarke Materialien bzw. Oberflächen wie Teppichböden, Tapeten oder Kleidung sind schlecht zu dekontaminieren.
Gut geeignet sind Hochdruck- bzw. Niederdrucksprüh- und Extraktionsreinigungsgeräte, mit denen die Reinigungsflotte aufgetragen und das kontaminierte Schmutzwasser von der Oberfläche abgesaugt werden kann. In der Regel konnte bei einmaligen Reinigungsvorgängen eine Permethrin-Reduktion von mindestens 85 % (ohne Berücksichtigung des in die Materialien migrierten Wirkstoffs) erreicht werden. Bioindikationstests unter Einsatz von Fliegen zeigten hingegen, dass auch bei starken Wirkstoffreduktionen auf Oberflächen teils noch hohe Mortalitätsraten der Insekten zu beobachten waren.
Regulierung Die Zulässigkeit von Permethrin in Biozid-Produkten wurde ursprünglich durch die Verordnung (EU) 1090/2014 reguliert. Die Genehmigung zum Einsatz als Holzschutzmittel (Produktart 8 nach Anhang V der ) und als Insektizid und Akarizid (Produktart 18 nach Anhang V der Verordnung (EU) 528/2012) wurde bis zum 31. Dezember 2028 verlängert.Durchführungsbeschluss (EU) 2026/336 der Kommission vom 13. Februar 2026 zur Verschiebung des Ablaufdatums der Genehmigung für Permethrin zur Verwendung in Biozidprodukten der Produktarten 8 und 18 gemäß der Verordnung (EU) Nr. 528/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates
Stereochemie Permethrin hat aufgrund der zwei Stereozentren im Cyclopropan-Ring vier Stereoisomere (zwei Enantiomerenpaare). Das trans-Enantiomerenpaar ist als Transpermethrin bekannt.
Wirkungsweise bei Insekten