In der Münzstätte Zürich in Zürich, dem Hauptort des gleichnamigen Schweizer Kantons, setzte die nachantike Münzprägung im 1. Viertel des 7. JahrhundertsPaul Pol: *Coinage in Transition*. S. 41. ein und dauerte bis 1842 an.Anne Geiser: *Münzen*. In: *Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)*, 21. Januar 2010.
Die früheste Prägeaktivität fällt in merowingische Zeit, vermutlich in die Zeit Chlothars II. Die nächste bekannte Münze aus Zürich stammt aus der Herrschaftszeit des letzten karolingischen Königs, Ludwigs des Kinds (900–911).Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 5. In der Folgezeit schlugen sowohl die römisch-deutschen Könige und Kaiser als auch die schwäbischen Herzöge in Zürich Münzen.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986. Ab der Mitte des 11. (1045?) und bis in das beginnende 15. Jahrhundert hinein übte die Äbtissin der Fraumünsterabtei das Münzrecht aus, obschon die Stadt seit der Mitte des 14. Jahrhunderts zunehmend starken Einfluss auf die Münzprägung ausübte und die Münzpolitik mitbestimmte.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 6–8. Eigentliche städtische Münzprägungen lassen sich aber erst ab 1417/18 nachweisen. Mit längeren Unterbrüchen blieb die städtische bzw. im 19. Jh. die kantonale Prägetätigkeit dann allerdings bis 1848 bestehen, wobei die Zürcher Münzstätte ab 1842 geschlossen und die Prägung nach Stuttgart ausgelagert wurde.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 19.
Münzherrschaft Römisch-deutsche Könige und Kaiser Die Prägeaktivität der römisch-deutschen Könige und Kaiser beschränkte sich wohl jeweils auf die kurze Dauer, die sie im Rahmen von Besuchen in der Stadt Zürich bzw. in der dort ab dem 9. Jahrhundert nachweisbaren Pfalz verbrachten.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 5. Verschiedenen ottonischen und salischen Herrschern werden Zürcher Denare zugeschrieben. Nicht zu dieser Gruppe gehört eine kurze Prägephase unter dem hochburgundischen Rudolf II. (911–937), der die Gegend von Zürich zwischen 914 und 919 beherrschte und in Zürich auch einen Denar prägen liess.Hans Hürlimann: *Zürcher Münzgeschichte*. Zürich 1966, S. 23f. Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts machten die römisch-deutschen Könige und Kaiser in Bezug auf Zürich nur noch sporadischen Gebrauch von ihrem Münzregal; hier sind vor allem unter König Rudolf von Habsburg geprägte, einseitige Pfennige zu nennen.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 5f.
Hochburgundischer König Während der kurzen Erweiterung Hochburgunds bis nach Zürich liess Rudolf II. in Zürich Denare prägen, welche in Gewicht und Stil Strassburger und Basler Denaren gleichen. Mit der Niederlage in der Schlacht bei Winterthur musste sich Hochburgund aus dem Thur- und Zürichgau zurückziehen, der siegreiche Schwabenherzog Burchard II. erhielt im selben Jahr vom neu gewählten König Heinrich I. das königliche Fiskalgut in Zürich offiziell zuerkannt.Dietrich Walo Hermann Schwarz: *Aus der mittelalterlichen Münzgeschichte Zürichs*. Zürich 1941, S. 14–15.
Herzöge von Schwaben Nach dem Tode des letzten ostfränkischen Karolingerkönigs im Jahre 911 formierte sich das Herzogtum Schwaben, dessen Grenzen sich über weite Teile der heutigen Schweiz und somit auch über Zürich erstreckten.Thomas Zotz: *Schwaben*. In: *Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)*, 24. Februar 2015, S. 1. Infolgedessen unterhielten die schwäbischen Herzöge Münzstätten in Zürich, Breisach und zeitweilig in Villingen, wobei sich die herzögliche Prägetätigkeit in Zürich bereits im frühen 11. Jahrhundert ihrem Ende näherte.Hans Hürlimann: *Zürcher Münzgeschichte*. Zürich 1966, S. 26. / Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 5. In der rund hundertjährigen Prägephase der Herzöge von Schwaben, die teilweise zusammen mit den römisch-deutschen Königen und Kaisern münzten, werden folgenden Herzögen Münzen bzw. Denare zugewiesen: Hermann I. (926–948), Liudolf (949–954), Burchard III. (954–973), Konrad I. (983–997), sowie Ernst I. (1012–1015) und Ernst II. (1015–1030).Hans Hürlimann: *Zürcher Münzgeschichte*. Zürich 1966, S. 23–25.
Fraumünsterabtei Nach der Auflösung des alten Herzogtums Schwaben wurde die Äbtissin der Fraumünsterabtei, einer Reichsabtei, um 1045 mit dem Münz-, Zoll- und Marktrecht bedacht.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 6. / Judith Steinmann: *Frauenmünster*. In: *Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)*, 9. November 2006, S. 1. In der Folgezeit münzten zunächst Amtsleute der Abtei, ab dem 14. Jahrhundert verpachtete die Äbtissin das Münzrecht an Bürger der Stadt.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 6–8. / Judith Steinmann: *Frauenmünster*. In: *Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)*, 9. November 2006, S. 1. Die Stadt nahm ab der Mitte des 14. Jahrhunderts die Münzprägung vermehrt in die eigene Hand, was dazu führte, dass die Äbtissin von ihrem Münzregal womöglich bereits ab 1420 (Ende der letzten Verpachtung) keinen Gebrauch mehr machte, obschon dasselbe erst 1525 formell von der Stadt übernommen wurde, die sich bereits 1425 ein eigenes Münzprivileg verschafft hatte.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 8, 10f. Im Rahmen der fast vierhundertjährigen Prägetätigkeit der Fraumünsterabtei wurden vor allem Dünnpfennige (Halbbrakteaten) und einseitige Pfennige (Brakteaten) gefertigt; als wiederkehrende Motive bzw. Münzbilder können im 11. und 12. Jahrhundert eine Kirchenfassade mit grossem Kreuz auf der Rückseite und im 13. Jahrhundert das Brustbild einer Äbtissin sowie des heiligen Felix genannt werden.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 6–8. / Hans Hürlimann: *Zürcher Münzgeschichte*. Zürich 1966, S. 30–32.
Stadt Der Beginn der eigentlichen städtischen Prägung in Zürich ist auf das Jahr 1416 bzw. auf die Anstellung des auswärtigen Münzmeisters Conrad Nähmhart zu datieren; zu dieser Zeit besass die Stadt formell noch kein Münzrecht.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 8. Dieses folgte 1425, als der deutsche König Sigismund (1410–1437) der Stadt gegenüber ein angeblich bereits lange bestehendes Münzrecht bestätigte.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 9f. Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurden vor allem Plapparte, Angster, Haller sowie Kreuzer geprägt, wobei der Plappart nicht mehr die Fraumünsteräbtissin, sondern den sitzenden Karl den Grossen, den Patron des Grossmünsterstifts (und der Stadt), abbildete.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986. Ab dem 16. Jahrhundert nahmen die Ausmünzungen stetig zu; nebst den eben erwähnten Nominalen wurden Dicken, Batzen, Sechser, Taler, Gulden und Schillinge geprägt.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 12f. Ab 1535 stand die Münzstätte still.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 13. Als die Prägetätigkeit 1555 wieder einsetzte, nahmen die Emissionen deutlich zu; innert kürzester Zeit wurden über 34 Tonnen Feinsilber geprägt. Von 1563 an beschränkte man sich dann auf die Anfertigung von Schillingen, Sechsern, Angstern und Hallern.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 14. Im 17. Jahrhundert konzentrierte sich die städtische Münzprägung vordergründig auf die Prägung von Kleinmünzen (Angster, Rappen und vor allem grosse Mengen an Schillingen), gleichzeitig wurden Taler und neue Nominale wie das 1656 geschaffene Fünfschillingstück ausgegeben.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986. Mit der zunehmenden Konsolidierung der städtischen Herrschaft über die Landschaft verlief die Münzprägung spätestens ab dem 18. Jahrhundert in geregelten Bahnen; dies lässt sich daran erkennen, dass bestimmte Nominale, wie beispielsweise der Rappen, in beinahe jährlichem Prägerhythmus erschienen.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 15. Die städtische Münzprägung dauerte noch bis zum Einmarsch der französischen Truppen im Jahre 1798 an.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 17. In Bezug auf die Münzbilder sind vor allem die Taler hervorzuheben, die mit dem Zürcher Wappen, dem Löwen und dem Wahlspruch die herrschaftlichen Machtsymbole der Stadt repräsentieren.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986.
Kanton Nach dem Niedergang der Helvetischen Republik im Jahre 1803 wurde aus der Stadt und den sie umgebenden Gebieten der Kanton Zürich, welcher von nun an das Münzrecht innehatte.Hanspeter Koch: *Die Eidgenössische Münzstätte in Bern*. Bern 2006 (Schweizerische Kunstführer GSK 799), S. 34. / Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 18. Die kantonale Münzprägung blieb bis zur Gründung des Schweizerischen Bundesstaates im Jahre 1848 bestehen, wobei die Prägungen von 1842 bis 1848 nach Stuttgart ausgelagert wurden.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 18f.
Standorte der Münzstätte Münzstätte der schwäbischen Herzöge und deutschen Könige resp. Kaiser Die älteste Münzstätte Zürichs befand sich wahrscheinlich im Umkreis der Pfalz, die im späten 9. Jahrhundert am Lindenhof errichtet worden war.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 27f.
Münzstätte in der Fraumünsterabtei Spätestens ab dem 11. und bis in das 12. bzw. 13. Jahrhundert befand sich die Münzstätte wahrscheinlich innerhalb der Mauern der Fraumünsterabtei.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 28.
Münzstätte am „Rüden“ Im beginnenden 14. Jahrhundert ist die Zürcher Münzstätte im heutigen „Rüden“ zu verorten; dies belegen Schriftquellen aus dem Jahre 1344.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 28. Da sich selbiges Gebäude noch bis 1295 in privater Hand befand und bereits 1348 umfunktioniert wurde, um der Constaffel als Gesellschaftshaus zu dienen, kann sich die „Münz“ nicht allzu lang an diesem Ort befunden haben.Hans Hürlimann: *Zürcher Münzgeschichte*. Zürich 1966, S. 55. / Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 28.
Münzstätte an der Stüssihofstatt (1) Die nächste nachweisbare Münzstätte, die 1422 im Rahmen eines Umnutzungsplanes erwähnt wird, befand sich an der unteren Ecke der Stüssihofstatt bzw. am heutigen Limmatquai.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986, S. 28. Während im Untergeschoss des Gebäudes die Prägestätte eingerichtet war, diente das Obergeschoss als Schiessstube.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986.
Münzstätte an der Stüssihofstatt (2) Laut dem bereits erwähnten Umnutzungsplan war 1422 ein Gebäudetausch vorgesehen; die neue Münzstätte wurde im ehemaligen Verkaufslokal der Gerberzunft eingerichtet und die Gerberzunft zog dafür an die untere Ecke der Stüssihofstatt. Im sogenannten Lederhaus, das sich auf der oberen Stüssihofstatt bzw. zwischen dem heutigen Haus zur Linde und einem Brunnen befindet, wurde das Prägehandwerk bis 1596 ausgeübt.Benedikt Zäch: *Zürcher Geld. 950 Jahre zürcherischer Münzprägung*. Zürich 1986.
Münzstätte im Chor der Augustinerkirche