Stanley David Porteus (* 24. April 1883 in Box Hill (Victoria); † 21. Oktober 1972 in Honolulu) war ein australisch-amerikanischer Psychologe, Pädagoge, Schriftsteller und emeritierter Professor der University of Hawaiʻi at Mānoa.R. H. Day: Stanley David Porteus (1883–1972), abgerufen am 23. September 2025.

Leben Er wurde als viertes Kind und einziger Sohn des in Australien tätigen Methodistenpfarrers David Porteus und seiner Frau Katharine, geborene Hebden, geboren. Da die Familie aufgrund der Versetzungen seines Vaters in zahlreiche Kleinstädte Victorias reiste, erhielt Porteus seine frühe Schulbildung hauptsächlich in einklassigen Dorfschulen. Ein Lehrer in Toolleen schlug ihm ein dreijähriges Stipendium für das Melbourne Education Institute vor, um dort eine Lehrerausbildung zu absolvieren. Er erhielt das Stipendium und schloss seine Ausbildung 1899 ab. Danach unterrichtete er bis 1912 an Dorfschulen, hauptsächlich in Gippsland. Als Lehrer entwickelte er neuartige, aber einfache Methoden, um Kindern den Erwerb grundlegender sprachlicher und mathematischer Fähigkeiten zu erleichtern. 1912 bewarb er sich erfolgreich um die Stelle des Superintendenten einer Sonderschule, die er etwa fünf Jahre lang innehatte. 1916 erhielt er ein Forschungsstipendium für eine Arbeit an der Anatomieabteilung der Universität Melbourne zum Thema Gehirngröße und Intelligenz. Im darauffolgenden Jahr wurde er zum Gastdozenten für experimentelle Pädagogik ernannt. Die Forschungen mit seinem Labyrinthtest führten 1919 zu einer Einladung an die Vineland Training School, einem Zentrum für die Erforschung geistiger Behinderung in New Jersey in den USA. 1932 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Nach seinem Rücktritt von der Vineland Training School im Jahr 1925 lebte er in Honolulu und wurde an der Universität von Hawaii Professor für Klinische Psychologie, Dekan der Psychologieabteilung und Leiter der Psychologischen und Psychopathologischen Klinik; bis 1948 blieb er Professor für Klinische Psychologie.

Werk Als Lehrer entwickelte er neuartige Methoden, um Kindern den Erwerb grundlegender sprachlicher und mathematischer Fähigkeiten zu erleichtern. Er kam zu dem Schluss, dass der Goddard-Binet-Intelligenztest kein guter Indikator für adaptives Verhalten war, und entwickelte einen Test, der später als Porteus-Labyrinthtest bekannt wurde. Er setzte seinen Test umfassend in der pädagogischen, interkulturellen und klinischen Forschung ein, auch um Kinder mit sonderpädagogischem Förderungsbedarf zu identifizieren. Zudem kam der Test in Studien über Aborigines in der Kimberley-Region und im Northern Territory (1929) sowie über die Stammesangehörigen der Kalahari im südlichen Afrika (1934) zum Einsatz. Er wurde auch verwendet, um die Auswirkungen präfrontaler Gehirnoperationen auf die geistige Leistungsfähigkeit zu beurteilen. In seinem Werk „Temperament and Race“ vertrat er die Ansicht, Temperamentsunterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen Hawaiis hätten „eine organische Grundlage und seien Teil der ursprünglichen Anlage des Menschen“.

Er besaß auch ein ausgeprägtes Interesse an Geschichte; dies führte zu zwei Büchern über Hawaii. Er veröffentlichte ebenso einen Roman, der auf dem Bericht des Seefahrers Archibald Campbell über seine Weltreise von 1806 bis 1812 basiert. Er verfasste zudem ein Buch zur frühen Geschichte Victorias, das, basierend auf den Erfahrungen der Vorfahren seiner Frau, die von New South Wales aus nach Gippsland kamen, „die psychologischen Auswirkungen menschlicher Isolation“ beschrieb.

Er war einer der ersten Mitarbeiter des Mankind Quarterly, einer pseudowissenschaftlichen Zeitschrift, die sich mit physischer und kultureller Anthropologie befasst, er half William Bradford Shockley bei der Gründung der Foundation for Education on Eugenics und Dysgenics und war Mitglied des Exekutivkomitees der International Association for the Advancement of Ethnology and Eugenics. In Honolulu wurde das Universitätsgebäude für Sozialwissenschaften 1974 in Porteus Hall benannt. Seine Theorien über die überlegene Intelligenz weißer Rassen führten zu Kontroversen. Aufgrund dieser Proteste von Studierenden der Universität von Hawaii gegen seine als „eklatant rassistisch“ empfundenen Theorien wurde der Name 1998 von dem Gebäude entfernt und 2001 in Saunders Hall umbenannt.STANLEY PORTEUS auf libweb Hawai, abgerufen am 23. September 2025.David E. Stannard: Honoring Racism: The Professional Life and Reputation of Stanley D. Porteus, abgerufen am 23. September 2025.

Ehrungen/Positionen 1966: Gründungsmitglied der Australian Psychological Society Distinguished Contribution Award der American Psychological Association 1932: Ehrendoktorwürde der Naturwissenschaften der Universität von Hawaii

Privates Er heiratete am 13. Juli 1909 in Bairnsdale Frances Mainwaring Evans (1884–1976); das Ehepaar hatte zwei Söhne: David Hebden Poreus (1910–1993) und John Ruxton Porteus (1916–1979).

Publikationen (Auswahl) Monografien Calabashes and Kings: An Introduction to Hawaii. Porirua Publishing, 2024, ISBN 978-1-991312-05-1. The maze test and mental differences, by Stanley D. Porteus. 1933. Generic 2022. A Century of Social Thinking in Hawaii. Hassell Street Press, 2021, ISBN 978-1-01-481582-8. Porteus Tests the Vineland Revision. Forgotten Books, 2018, ISBN 978-0-656-16825-5. Psychological Service in Hawaii, the Work of the University Clinic: University of Hawaii Occasional Papers, No. 37. Literary Licensing, LLC, 2013, ISBN 978-1-258-57406-2. Primitive Intelligence and Environment. Literary Licensing, LLC, 2013, ISBN 978-1-258-64860-2. A Psychologist of Sorts: The Autobiography and Publications of the Inventor of the Porteus Maze Tests. Pacific Books. Palo Alto, 1969. The Practice of Clinical Psychology. Literary Licensing, LLC, 2012, ISBN 978-1-258-41127-5. Mit Frederic Wood Jones: The Matrix of The Mind. Literary Licensing, LLC, 2011, ISBN 978-1-258-16387-7. The Restless Voyage. George G. Harrap and co. ltd, London 1949. Providence Ponds: A Novel of Early Australia. Australasian Publishing Co., 1951. And Blow Not the Trumpet: A Prelude to Peril. Pacific Books, 1947. The Psychology of a Primitive People: A Study of the Australian Aborigine. Longmans, Green & C, Harlow 1931. Mit M. E. Babcock: Temperament and Race. Richard Badger, Boston 1926.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit R. D. Kepner: Mental changes after bilateral prefrontal lobotomy. In: Genetic Psychology Monographs, 1944, 29, S. 3–115.

Weblinks

Dr Stanley David Porteus, auf Find a Grave, abgerufen am 21. September 2025. Porteus, Stanley David (1883–1972) auf Encyclopedia of Australian Science and Innovation, abgerufen am 21. September 2025.

Einzelnachweise

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