mini|Das Rössli mit Blumenschmuck 2025 Das Gasthaus Rössli zählt zu den ältesten Gasthäusern in Oberägeri im Kanton Zug (Schweiz). Ein gesicherter Hinweis nennt das Jahr 1611 als Ursprungsdatum des Gebäudes. Der heutige Bau entstand 1766. Das denkmalgeschützte GebäudeKanton Zug: Oberägeri, Verzeichnis der geschützten Denkmäler / Stand: 21.10.2025, zg.ch, PDF wird immer noch als Gasthaus genutzt (Stand 2025).

Baugeschichte 1611 wurde ein generelles Gesuch für die Errichtung eines Gasthauses «bim Rösslin» in Oberägeri an die Tagsatzung gestellt. Die Gesuchsteller waren die Stadt und das Amt Zug. 1615 folgte ein zweites Gesuch, nämlich Schilder und Fenster zu je drei Kronen erstellen zu dürfen. Der Gesuchsteller hiess nun Melchior Heinrich, wahrscheinlich der Besitzer des Hauses. Bekannt ist auch, dass im Gasthaus dann zahlreiche Essen anlässlich einer Primiz stattfanden. Das waren Festivitäten anlässlich der Einführung eines Geistlichen in sein Amt mit seiner ersten heiligen Messe, die er feierte.

Das jetzige Haus ist datiert auf das Jahr 1766, wie ein Jahreseintrag am Kellerportal aus Sandstein belegt. Es ist ein Blockbau aus Holz. An den Balken sind Verzierungen zu entdecken. Die Hauptfront gegen Osten hin wurde 1978 verschindelt und ums Jahr 1900 oxydbraun gestrichen. mini|Das Schild, das auf den Namen des Gasthauses verweist Bemerkenswert sind auch das Wirtshausschild und eine originale Nussbaumtüre in der Wirtsstube. 1995 wurde das Gebäude einer Aussenrestaurierung unterzogen. Das Haus steht seit 1995 unter Denkmalschutz.

«Rösslischlacht» 1904 1904 trug sich eine «Rösslischlacht» genannte Auseinandersetzung zu. Deren erste Ursache lag in der Bereinigung der Stückwahl des Kirchenorchesters. Der neue Dirigent und Dorfschullehrer Alois Elsener entsorgte offenbar traditionelle, musikalisch sehr geschätzte Stücke des Repertoires, was zu Streikaktionen der älteren Generation des Orchesters führte. Darauf gründete Elsener eine neue Formation, die heute noch bestehende Harmoniemusik Oberägeri. mini|Ein Foto aus früheren Tagen des Gasthauses und des Dorfes Die zweite Ursache dieses speziellen Konflikts im Rössli lag in einer Familienfehde zwischen den Besitzern des Gasthofes Rössli, den Gebrüdern Meier, und einem Bauern namens Jakob Henggeler. Die Gebrüder Meier gehörten der neuen Harmoniemusik an. An der Fasnacht tauchte nun aber eine verkleidete Musikformation auf und erregte das Missfallen der Gründer der neuen Harmoniemusik. Diese fühlten sich verhöhnt. Die maskierte Gruppe wurde in Folge mit Kastanien beworfen. Deren Dirigent Anton Henggeler war allerdings mit dem oben erwähnten Bauern Jakob Henggeler verwandt. Der Streit eskalierte. Bauer Henggeler und seine Helfer überfielen später die Gesellschaft im Rössli, die sich am Fasnachtsball vergnügte. Der Angriff mündete in eine regelrechte Schlägerei. Es floss Blut, Rippen brachen und das Innere des Gasthauses wurde verwüstet. Das Gericht konnte später keine eindeutigen Schuldigen ermitteln und verhängte offenbar milde Strafen für die Beteiligten.

Unfall im Jahr 1963 Am 18. Mai 1963 erlitt die Südseite des Hauses einen erheblichen Schaden. Die Laube auf dieser Seite stürzte ein. Ein Lastwagen, der von Sattel herkam und einen Tieflader mit einem Bagger darauf zog, kreuzte mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Er gelangte mit dem Anhänger zu nahe an den Strassenrand und touchierte die Tragebalken der Laube. Daraufhin brach diese Laube ein und fiel auf die Strasse. Auf der Laube befand sich auch ein Soldat. Er stürzte ebenfalls rund drei Meter hinunter und brach sich einen Arm. Er befand sich im Wiederholungskurs der Schweizer Armee. Die Kompanie hatte sich im Haus einquartiert und dort das Kompaniebüro eingerichtet. Die Laube wurde dann ersetzt durch einen Neubau, welcher bis auf das Strassenniveau geht. Er besteht bis heute (2025) und bildet nun einen der beiden Eingänge in das Gasthaus.

Geschichte des Gastgewerbes in Oberägeri mini|Das Rössli in alten Zeiten mit Kindern und Bewohnern 1799 bestanden in Oberägeri vier Tavernen: der «Ochsen», das «Rössli», der «Löwen», und die «Jlge» (Lilie), letztere ist seit 1739 nachgewiesen. Eine weitere Taverne stand jenseits des Ratens, im Schönenboden.

Die Zahl der Wirtshäuser in Oberägeri wuchs bis 1860 auf zwölf an. Besonders zwei Gründe spielten dabei eine wichtige Rolle: die Industrialisierung durch den Bau und Betrieb der 1830 bis 1850 errichteten Spinnereien in Unterägeri. Mit dem Betrieb der Spinnereien wuchs auch die Bevölkerungszahl und damit die Kundschaft für das Gastgewerbe. Das hatte nicht nur in Unter- sondern auch in Oberägeri Folgen. Der Hauptgrund für das Wachstum war aber ein anderer: In Oberägeri blühte damals die Seidenweberei. Sie wurde auf privater Basis in Haushalten geführt und brachte diesen ein zusätzliches Einkommen.

1850 leisteten ein Drittel der berufstätigen Bevölkerung und fast drei Viertel der weiblichen Berufstätigen Heimarbeit, vor allem eben in der Seidenweberei. 1905 waren es immer noch ein Fünftel der Beschäftigten und fast die Hälfte der weiblichen Arbeitskräfte.

Mit dem Neubau von Kantonsstrassen 1858 und 1865 gelangten auch mehr auswärtige Kundschaft und Touristen ins Tal. In Oberägeri wurden neue Gaststätten und Unterkünfte errichtet: der «Hirschen», der «Falken» und der «Adler». Sobald das Dampfschiff Morgarten ab 1890 seine Fahrten aufgenommen hatte, entstanden zusätzliche Angebote im Gastgewerbe: das Hotel «Morgarten» und das Hotel «Eierhals».

Bilder

Hintergrund der Häusergeschichten: Projekt der Bürgergemeinde Die Bürgergemeinde Oberägeri stellt besondere Häuser und ihre Geschichte vor. Start des Projektes war der Frühling 2023. Jedes porträtierte Haus erhält eine Tafel, welche an der Fassade befestigt wird. Als erstes Gebäude in Oberägeri wurde das «Zurlaubenhaus» am 30. Oktober 2023 mit einer Tafel versehen.

Siehe auch Liste der Kulturgüter in Oberägeri

Weblinks

Website des Gasthauses zum Rössli

Einzelnachweise

Kategorie:Oberägeri Kategorie:Gasthaus in der Schweiz