Die Münzstätte Solothurn war eine Münzprägestätte in der Schweizer Stadt Solothurn.
Allgemeines Die ersten Münzen Solothurns wurden unter der Hoheit des letzten karolingischen Königs des Ostfrankenreiches, Ludwig IV., geprägt.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 11 / Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel. 2015, S. 95. Danach blieb die Münzstätte über einen längeren Zeitraum geschlossen und nahm ihre Arbeit erst wieder unter den zähringischen Rektoren von Burgund in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 11. Ab dem 14. Jahrhundert eignete sich die Stadt nach und nach die Kontrolle über die Münzstätte an.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 13. Unklar bleibt, welche Rolle das im 8. Jahrhundert gegründete Königs- bzw. Reichsstift St. Ursus einnahm; obwohl es nicht unmittelbar über ein Münzprivileg verfügte, ist eine kurze Prägephase zwischen ca. 1250 und 1275 nicht auszuschliessen.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 5 f. Im Rahmen des kurzen Bestehens der Helvetischen Republik wurden in Solothurn weiterhin Münzen geprägt.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 26. Nach dem Niedergang der Republik im Jahre 1803 münzte der Kanton Solothurn noch gelegentlich bis in das Jahr 1840, wobei in der Solothurner Münzstätte gleichermassen Aufträge von ausserhalb, namentlich von Bern, Basel, Thurgau und Obwalden, ausgeführt wurden.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 32, 36.
Münzherrschaft Karolingische Könige Der erste Münztyp, der in Solothurn geprägt wurde, stammt wohl aus dem 10. Jahrhundert und wird dem letzten karolingischen König des Ostfrankenreiches, Ludwig IV. (900–911), zugeschrieben.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 9. Die Zuordnung gelang über die Machart der aus dieser Zeit erhaltenen Denare, die auf einer von Strassburg ausgehenden Werk-Gruppe beruht, resp. über die Rückseitenlegende derselben, die folgendermassen lautet: SALO/MON.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 11. Die sieben Buchstaben stehen in verkürzter Form für Salodurum Moneta und verweisen damit auf Solothurn als Entstehungsort.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 11. – Dies würde überdies bedeuten, dass Solothurn in der Zeit des frühen 10. Jahrhunderts vorübergehend zum ostfränkischen Reich gehörte. Insgesamt beschränkte sich die erste Prägephase auf eine relativ kurze Zeitspanne, in der vergleichsweise intensiv gemünzt wurde.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 12.
Zähringische Rektoren von Burgund Im Jahre 1127 wurde Burgund aus herrschaftspolitischen Interessen des römisch-deutschen Kaisers Lothar III. zum zähringischen Rektorat erklärt.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 3, 11 / Parlow: Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation zu einem südwestdeutschen Herzogsgeschlecht des hohen Mittelalters. 1999, S. 201 f., 312 f. Damit waren die zähringischen Herzöge in ihrer Funktion als königliche Stellvertreter dazu befugt, alle mit dem burgundischen Königtum verbundenen Rechte auszuüben.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 5. Von dem darin enthaltenen Münzregal machten sie anscheinend bereits früh Gebrauch, wie schriftliche Quellen aus den Jahren 1146 und 1180/81, in denen die Solothurner Währung erstmals erwähnt wird, belegen.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 6 / Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 11. Spätestens im Jahre 1218 muss die Münzproduktion vorläufig ein Ende gefunden haben; in diesem Jahr setzte der Tod des letzten zähringischen Herzogs Berthold V. dem Rektorat über Burgund ein Ende.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 6.
Könige des Heiligen Römischen Reiches Nach dem Ende des zähringischen Rektorats fiel Solothurn 1218 wieder ganz an das römisch-deutsche Reich zurück.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 6 / Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 43–49. In der Folge reaktivierte Rudolf von Habsburg (1273–1291) das königliche Münzrecht, wobei die Münze ab 1310 verpfändet wurde.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 43–49. In den darauf folgenden Jahren setzte erstmalig eine kontinuierliche Münzprägung ein, die sich aus der Produktion von Pfennigen (Angstern), deren Halbstücken, den Hälblingen, Plapparten, Kreuzern und Goldgulden zusammensetzte.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 13 / Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 12. Die Münzbilder variieren je nach Nominal, insgesamt dominieren allerdings Abbildungen des heiligen St. Ursus.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 5. De jure erstreckte sich die königliche bzw. kaiserliche Einflussnahme auf die Solothurner Münzprägung noch bis 1381 und darüber hinaus. De facto eignete sich die Stadt ab dem 14. Jahrhundert nach und nach die Kontrolle über die Münzstätte an.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 5.
St.-Ursus-Stift Bis heute kann die Frage, ob das im 8. Jahrhundert gegründete Königs- bzw. Reichsstift St. Ursus selbst münzte oder in irgendeiner Form ein Münzprivileg besass, nicht restlos geklärt werden.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 5. In einem Schiedsspruch aus dem Jahre 1251, der Streitigkeiten um hoheitliche Rechte zwischen Stift und Stadt ein Ende setzen sollte, heisst es zumindest, dass ersterem das Amt des Schultheissen, der Zoll und die Münze zustünden.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011. Somit befanden sich die eben aufgeführten Rechte zwar in klösterlicher Verfügungsgewalt, blieben aber königliche Privilegien.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 5. In diesem Sinne beschränkte sich die Phase, in welcher dem Stift die Handhabe dieser Hoheitsrechte zukam und in der eine allfällige Münzproduktion denkbar wäre, auf die kurze Zeitspanne nach dem Tod des staufischen Königs Friedrich II. (1212–1250), in der die Nachfolge des deutsch-römischen Königtums noch nicht zur Genüge geklärt war und in der deswegen dem Stift die Verwaltung des befestigten Königshofes (castrum) zukam.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 5 / Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 12. Spätestens seit dem Königtum Rudolfs von Habsburg (1273–1291) und seinen dezidierten Bemühungen darum, die vorherigen Zustände wiederherzustellen, lagen die hoheitlichen Rechte wieder fest in königlicher Hand.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung, S. 6.
Stadt Ab wann die Stadt mit der Münzprägung begann, ist ungewiss, Bestrebungen in diese Richtung lassen sich bereits ab dem 13. Jahrhundert beobachten.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 11. – Die Stadt versuchte dem Stift immer wieder seine Rechte streitig zu machen. Ab dem 14. Jahrhundert prägte die Stadt wohl selbst Münzen, allerdings unter Vorbehalt der Rechte des Lehensherren.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 11. Von einer eigentlich städtischen Münzproduktion kann erst ab den Jahren nach 1381, also in der Zeit, nachdem die Stadt das Pfand auf die Münze ausgelöst hatte, gesprochen werden.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 11. Formell war die Stadt nie mit einem eigenen Münzprivileg bedacht worden.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 12. Dieser Umstand hielt sie aber nicht davon ab, in den kommenden Jahrhunderten eine teilweise rege Münzprägung zu etablieren.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 43–73. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden vor allem Pfennige, Kreuzer, Batzen, Vierer, Groschen, Dicken, Taler und Guldiner geprägt.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 18 f., 75–85. Ende des 16. Jh. bzw. spätestens ab 1580 erfolgte ein längerer Unterbruch der städtischen Münzprägung; die Münzstätte nahm ihre Arbeit erst wieder im Jahre 1622 auf, wobei in der kurzen Prägephase von 1622 bis 1642 nebst den bereits bekannten Nominalen Dukaten gefertigt wurden.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 21, 87–101. Danach stand die Münzstätte wiederum für eine lange Phase resp. bis 1760 still.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 81–101. In demselben Jahr wurde die Münzproduktion noch einmal aufgenommen, und bis zur Gründung der Helvetischen Republik im Jahre 1798 wurden noch einmal Vierer, Kreuzer, Batzen, Dukaten und Dublonen geprägt, dann endete die städtische Münzprägetätigkeit.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 103–109. Die Münzbilder blieben über die gesamten knapp 600 Jahre hinweg im Wesentlichen unverändert; in den meisten Fällen setzten sie sich aus Teilen des Stadtwappens und/oder aus variierenden Abbildungen des heiligen St. Ursus zusammen.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 32. Erwähnenswert ist der aus dem späten 15. Jahrhundert stammende Plappart, der den heiligen Ursus erstmalig als Ganzfigur abbildet.Matzke: Die andere Seite der Münze. Münzprägung in Basel. 2015, S. 96. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts übernahm Solothurn auch Aufträge von ausserhalb.
Helvetische Republik Mit der Ausrufung der Helvetischen Republik im Jahre 1798 verloren alle münzprägenden Orte, die sich in dem betreffenden Herrschaftsgebiet befanden, ihre Münzbefähigung; von nun an durfte nur noch im Namen und mit der Erlaubnis des Einheitsstaates geprägt werden.Monika Bilfinger, Hanspeter Koch: Die Eidgenössische Münzstätte in Bern. Bern 2006, S. 34. Solothurn gehörte neben Luzern, Bern und Basel zu den wenigen Akteuren, die während der kurzen Phase des Bestehens der Republik Münzen prägen durften.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 39, 103–109.
Kanton Nachdem die Helvetische Republik im Jahre 1803 ihren Niedergang gefunden hatte, ging das Münzrecht an die bereits bestehenden sowie die neugeschaffenen Kantone über.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 39. Solothurn begann alsbald wieder mit der Ausmünzung und prägte wohl noch bis 1830 Rappen, Kreuzer, Batzen und Franken, die allesamt das Kantonswappen in unterschiedlichen Variationen abbildeten.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 39. Danach blieb die Münzstätte zwar weiterhin in Betrieb, ihre Arbeit beschränkte sich bis zu ihrer Schliessung im Jahre 1840 aber im Wesentlichen auf das Einschmelzen von Münzen und Metallen sowie auf die gelegentliche Prägung von Medaillen.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 36. Auch in der letzten Phase der Solothurner Münzprägung wurden in der kantonalen Münzstätte Ausmünzungen für externe Auftraggeber, namentlich für Thurgau (1808–1809), Obwalden (1812) und Basel, vorgenommen.Matzke: Die Frühzeit der Solothurner Münzprägung. 2011, S. 6.
Standorte der Münzstätte Münzstätte im königlichen Castrum Die frühesten Solothurner Münzprägungen wurden wahrscheinlich in dem in der Spätantike eingerichteten Castrum bzw. befestigten Königshof vorgenommen.Schinzel, Tortoli: Ausgrabungen im Stadttheater Solothurn. 2014, S. 59.
Münzstätte an der Fischergasse Spätestens im 15. Jahrhundert wurde die Prägestätte an der Fischergasse in Betrieb genommen; der neue Standort befand sich in unmittelbarer Nähe zum Castrum.Schinzel, Tortoli: Ausgrabungen im Stadttheater Solothurn. 2014, S. 64–66 / Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 19. Die «Münz», die an der Stelle des heutigen Stadttheaters zu verorten ist, blieb bis 1579 in Betrieb; danach wurde der Standort einige Jahre nicht genutzt, bis die Münzstätte in den Jahren 1600/1601 einer Schule weichen musste.Hugo Simmen, Julius Simmen: Solothurn. 1972, S. 19.
Münzstätte an der Goldgasse