In der Münzstätte Altdorf in Altdorf, dem Hauptort des heutigen Kantons Uri, setzte die Münzprägung wohl im Jahre 1548 ein und dauerte mit Unterbrüchen bis spätestens 1641 an. Im Rahmen dieser knapp hundertjährigen Prägephase wurde die Münzstätte von den drei Orten Uri, Schwyz und Nidwalden geführt.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 11, 14.
Münzherrschaften Die drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden Obschon die drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden über kein explizit ausgesprochenes MünzprivilegKaiser Maximilian belehnte sie zwar am 16. März 1508 mit der Grafschaft Bellinzona, das Münzrecht wurde in diesem Kontext allerdings nicht ausdrücklich genannt. Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 9. verfügten, begannen sie bereits im frühen 16. Jahrhundert mit der Prägung von Münzen, wobei sich die Münzstätte, die vor 1503 in Betrieb genommen wurde, in Bellinzona befandVgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 9 f., 13.. Um 1529 wurden in Bellinzona das letzte Mal nachweislich durch die drei Länder Münzen geprägt. Die Münzproduktion wurde einige Jahre später nach Altdorf, in dessen Umgebung zuvor Silbervorkommnisse entdeckt worden waren, verlegt.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983 S. 9–11. Im Jahre 1548 verpachteten die drei Orte die Münzstätte Altdorf auf eine Dauer von 15 Jahren an den Statthalter Hans Kuon und den Ratsherrn Hans Knab, wobei sie von denselben jährlich einen Schlagschatz erhielten.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 11. Unter der fleissigen Mitarbeit weiterer Fachkräfte gestaltete sich die Produktion in den kommenden Jahren äusserst lebhaft, wobei unter anderem goldene Kronen, silberne Taler, Halbtaler, Halbdicken und Halbbatzen geprägt wurden.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983. Bereits 1551 wurden erste Stimmen laut, welche die mangelnde Qualität der Münzen anprangerten; dennoch münzte man in Altdorf fleissig weiter, wobei mit den Doppelvierern, Kreuzern, Angstern und Hallern neue Nominale hinzukamen.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 12 (altes Buch S. 43). Das Münzbild unterschied sich je nach Münztyp, wobei laut Münzordnung alle Geldstücke, die grösser als der Kreuzer waren, auf der einen Seite den heiligen Martin und auf der anderen Seite die Schilde der drei Orte abbilden sollten.Vgl. Püntener: Urner Münz- und Geldgeschichte. 1980, S. 42. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Beschwerden ob der schlechten Qualität der Dreiländermünzen immer vehementer; die Münzen wurden mehrfach verrufen, und man drängte verschiedenen Ortes auf die Schliessung der Münzstätte.Vgl. Püntener: Urner Münz- und Geldgeschichte. 1980, S. 53–56. Trotz mehrfachen expliziten Verboten wurden in Altdorf weiterhin Münzen geprägt, wobei sich der Druck von ausserhalb zusehends verschärfte.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 14 f. Dies scheint mit ein Grund dafür gewesen zu sein, dass sich Schwyz und Nidwalden ab dem beginnenden 17. Jahrhundert von der gemeinsamen Münzproduktion distanzierten bzw. auf den Schlagschatz verzichteten und sich in den 1620er Jahren ganz aus dem Betrieb zurückzogen.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 13 f. Während Schwyz 1621 eine eigene Münzstätte errichtete, verzichtete Nidwalden auf weitere Aktivitäten in diesem Bereich.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 14. Infolgedessen liess Uri in den Dreissigerjahren, nunmehr als alleiniger Akteur, goldene Urner Dublonen bzw. «Pistolen» prägen, deren minderwertiger Gehalt schnell unliebsame Aufmerksamkeit erregte, weswegen sich Uri im Jahre 1641 dazu gezwungen sah, die Tore der Altdorfer Münzstätte zu schliessen.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 15. Es sollte nur knapp dreissig Jahre dauern, bis die Urner erneut den Wunsch verspürten, eine eigene Münze zu prägen; aufgrund mangelnder Unterstützung seitens Schwyz’ und Nidwaldens verlief dieses angedachte Projekt allerdings im Sande.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 16. In den Jahren 1701 und 1720 kam es zwar erneut zu Ausprägungen, diese wurden aber aller Wahrscheinlichkeit nicht in der Münzstätte Altdorf, sondern in Zürich von Hans Jakob Gessner vorgenommen.Vgl. Püntener/Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. 1983, S. 16 f.
Standort der Münzstätte Münzstätte in Altdorf Aufgrund der spärlichen Quellenlage können über den Standort der ehemaligen Münzstätte nur Vermutungen angestellt werden. Funde von Instrumenten zur Münzprägung im Zeughaus Altdorfs suggerieren eine mögliche Nutzung dieser Baute als Münzstätte; allerdings lagerten die zur Münzverarbeitung notwendigen Güter wohl erst lange Zeit nach der produktiven Phase der drei Länder in dem Gebäude.Vgl. Gasser: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri. 1. Altdorf. 2001, S. 86 f. Püntener stellte die Vermutung auf, dass sich die «Münz» im 16. bzw. 17. Jahrhundert in einem Gebäude neben der obrigkeitlichen Metzg, die am Tellbrunnen gelegen war, befunden haben könnte; allerdings mangelt es an stichhaltigen Beweisen, sodass der Standort der «Münz» letzten Endes ungewiss bleibt.Vgl. Püntener: Urner Münz- und Geldgeschichte. 1980, S. 57 f. Der Fund eines unbenutzten Münzstempels in Schattdorf wird in der Forschung nicht als Zeugnis für eine dortige Prägetätigkeit angesehen.Vgl. Püntener: Fund eines Münzstempels in Schattdorf UR. 1978, S. 46.
Personal der Münzstätten Münzmeister Johannes Enders (1548–1560) Georg Jörg Übel (1548–1563) Hans Knab (1548–1563) Hans Kuon (1548–1563) Sebastian Knab (1549–?) David Gutenson (1560–1563) Hans Joachim Gutenson (1560–1563) Peter Kunkler (1564–1570) Sebastian Kunkler (1575–?) Salomon Giger (1586–?) Christian Meussberger (1594(?)–1599) Etienne Phillot (1599–1612) Jonas Wueerst (1612–1614)
Münzknechte Johann Bollduc (?) Caspar Melchior Studer (1607–1608)
Stempelschneider Martin Martini (1599/1601–1602)
Literatur José Diaz Tabernero: Mittelalterliche und neuzeitliche Münzfunde im Kanton Uri. Forschungsstand und Perspektiven. In: Historisches Neujahrsblatt Neue Folge. 61, 2006, S. 44–55. José Diaz Tabernero: Zwei seltene Innerschweizer Prägungen aus der Münzstätte Altdorf. In: Schweizer Münzblätter. 52, 2002, S. 49–50. Helmi Gasser: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri. 1. Altdorf (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. 96). Bern 2001–2004, Bd. 1, ISBN 3-906131-00-9 (Teil 1), ISBN 3-906131-79-3 (Teil 2). Ulrich Klein, Rainer Ulmer: Concordantiae Constantienses (CC). Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten. In: Württembergischer Verein für Münzkunde et al. (Hrsg.): Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Württembergischen Vereins für Münzkunde e. V. (= Beiträge zur süddeutschen Münzgeschichte). Stuttgart 2001, S. 27–160. August Püntener: Urner Münz- und Geldgeschichte. Altdorf 1980. August Püntener: Fund eines Münzstempels in Schattdorf UR. In: Schweizer Münzblätter. 28, 1978, S. 45–46. August Püntener, Dietrich Schwarz: Die Münzprägung der drei Länder Uri, Schwyz und Nidwalden in Bellinzona und Altdorf. Die Münzen von Uri. Die Münzen von Nidwalden (= Schweizerische Münzkataloge. 8). Bern 1983.
Weblinks José Diaz Tabernero: Mittelalterliche und neuzeitliche Münzfunde im Kanton Uri – Forschungsstand und Perspektiven. In: muenzfunde.ch (PDF; 0,5 MB). José Diaz Tabernero: Zwei seltene Innerschweizer Prägungen aus der Münzstätte Altdorf. In: muenzfunde.ch (PDF; 0,9 MB).
Einzelnachweise
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