Die 15-cm-Torpedobootskanone C/36 (15-cm-TbtsK C/36) war ein Schiffsgeschütz der deutschen Kriegsmarine, welches im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam.
Entstehungsgeschichte Der Londoner Vertrag von 1930 legte fest, dass für deutsche Zerstörer nur Geschütze mit einem Kaliber von bis zu 13 cm verwendet werden dürften. Mit dem Beginn der deutschen Wiederaufrüstung beschäftigte sich die Kriegsmarine mit der Bewaffnung der eigenen Torpedoboot-Klasse Typ 35. Gleichzeitig lief die Fertigung der ersten vier Zerstörer vom Typ 1934 und der Folgeklasse Typ 1934A. Weil das Oberkommando der Marine zu der Ansicht kam, dass die 12,7-cm-Geschütze dieser Schiffe möglicherweise den gegnerischen Einheiten unterlegen sein würden, forderte man die Entwicklung leistungsfähigerer Kanonen.
Technische Daten Die 15-cm-Torpedobootskanone wog 7,20 Tonnen und hatte eine Gesamtlänge von 7,165 m. Die eigentliche Länge des Rohres mit Zügen betrug 6,81. Der Verschluss war ein vertikaler Fallkeilverschluss. Das Geschütz war ursprünglich für die Einzellafette C/36 entwickelt worden, welche einschließlich der Waffe ein Gewicht von 18,8 t hatte. Sie später entwickelte die Zwillingslafette C/38 hatte ein Gewicht von 60,4 t.
Lafetten mini|Seitenansicht der Dopp.Dreh.L. C/38 Bezeichnung Richtwinkel Gewicht Panzerung Seite Höhe MPL C/36 360° −10° bis +30° 16.100 kg Stirn: 10 mmSeite: 6 mmDecke: 6 mm Dopp.Dreh.L. C/38 290° −10° bis +65° 60.400 kg Stirn: 30 mmSeite: 20 mmDecke: 20 mmRückwand: 15 mm
Munition Bezeichnung Bild Gewicht Sprengstoff Zünder Geschoss Sprengstoff Sprenggranate (Spr.Gr.) 45,3 kg 6 kg Fp. 02 (Amatol) Zt. Z. S/30(Zeitzünder) Sprenggranate mit Haube (Spr.Gr. m. Hb.) 45,3 kg 3,89 kg Fp. 02 (Amatol) Kz C/27(Aufschlagzünder) Mit der Munition war eine Maximalschussweite von 21.950 Metern möglich. Es konnte eine Kadenz von bis zu 6 bis 8 Schuss pro Minute erreicht werden.
Einsatz Schiffsgeschütze Gemäß der Planung des OKM wurden für die Erprobung die ersten fertiggestellten Geschütztürme auf dem deutschen Zerstörer Bruno Heinemann montiert. Diese ersetzten wie geplant die leichteren 12,7-cm-Schnelladekanonen C/34. Schnell zeigte sich, dass es sowohl bei den neuen 15-cm-Geschützen selbst noch Probleme gab, als auch durch die Tatsache, dass die schweren Türme den Schwerpunkt des Schiffs nach oben verlagerten und damit die Stabilität des gesamten Schiffs negativ beeinflussten. So konnten bei Seegang maximal zwei der montierten 5 Türme abgefeuert werden. Als erste Maßnahme wurde einer der Türme entfernt, doch letztlich ließen sich die Probleme nicht lösen und auf Bruno Heinemann wurden wieder die ursprünglichen 12,7-cm-Türme montiert.
Großkampfschiff O-Klasse (sechs Geschütze auf Dopp.Dreh.L. C/38 – Projekt storniert) Kreuzer Emden (acht Geschütze auf MPL C/36-Lafette – Umrüstung während des Krieges) Spähkreuzer (sechs Geschütze auf Dopp.Dreh.L. C/38 – Projekt storniert) Zerstörer Zerstörer 1936A und 1936A (Mob) (vier bis fünf Geschütze auf MPL C/36 und Dopp.Dreh.L. C/38) Hilfskreuzer Stier (sechs Geschütze auf MPL C/36-Lafette) Togo (sechs Geschütze auf MPL C/36-Lafette)
Küstenartillerie mini|Verbunkerte 15-cm TbtsK C/35 der Batterie Adour-Nord Im Zuge des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs wurde der Bau von für das Geschütz vorgesehenen Einheiten teilweise storniert. Nun überzählige Waffen wurden daraufhin zur Küstenverteidigung (Küstenartillerie) als Teil des Atlantikwalls eingesetzt. Beispielsweise wurden 15-cm-TbtsK C/36 in Einzellafetten im Sommer 1943 bei der zum Kommandanten der Seeverteidigung Gascogne am Fluss Adour stationierten Marine-Artillerie-Abteilung 286 (Batterie Adour-Nord) installiert, wo sie vier französische Beutegeschütze ersetzten.Michael Schmeelke: Alarm Küste: Deutsche Marine-, Heeres- und Luftwaffenbatterien in der Küstenverteidigung 1939–1945. Dörfler Verlag, ISBN 978-3895551789, 2004, S. 146ff.
Literatur
Weblinks
15-cm-Torpedobootskanone C/36 auf Navweaps.com (englisch)
Einzelnachweise Michael J. Whitley: Deutsche Kreuzer im Zweiten Weltkrieg., S. 201ff.
Kategorie:Geschütz Kaliber 100 mm bis 200 mm Kategorie:Schiffsgeschütz (Wehrmacht) Kategorie:Küstengeschütz (Wehrmacht) Kategorie:Rheinmetall