mini|Henri Deloncle Die Union patriotique de France (Patriotische Union von Frankreich) war eine französische politische Vereinigung mit republikanischer, nationalistischer und (auf den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bezogener) revanchistischer Ausrichtung. Sie entstand durch eine Spaltung der Ligue des patriotes; ihre Spur verliert sich nach 1891.

Geschichte Gründung und Organisation Das zentrale Anliegen der Ligue des patriotes war zunächst die Rückgewinnung von Elsass-Lothringen, das nach dem Krieg von 1870/71 an das Deutsche Reich gefallen war. Paul Déroulède, der wichtigste Anführer der Bewegung, schloss sich Ende der 1880er Jahre General Boulanger an. Unzufrieden mit einer Politisierung, die den Statuten widersprach und die revanchistischen Ziele in den Hintergrund drängte, wünschten sich einige Mitglieder der Liga eine Rückkehr zu den Wurzeln, so wie Joseph Sansboeuf, der im Dezember als Vorsitzender der Ligue zurücktrat. Eine Gruppe um Henri Deloncle, Albert Péan und Bernard Wellhoff forcierte nun die Bildung einer neuen Vereinigung.

Sehr schnell schlossen sich etwa dreißig lokale Komitees aus Paris und der Provinz an, und am 2. Mai 1888 wurde die Union patriotique de France gegründet. Ihre erste Generalversammlung fand am 13. Mai in Anwesenheit von etwa fünfzig Delegierten statt. An der Spitze der von einem zehnköpfigen Exekutivausschuss ausgearbeiteten Satzung stand der Vermerk „République française“ (Französische Republik), der jegliche Unklarheit hinsichtlich des republikanischen und loyalistischen Charakters der Union beseitigte.

Der Verein wurde von einem zunächst siebenköpfigen und später 15 Personen umfassenden Zentralrat oder -ausschuss geleitet (darunter Albert Le Roy und die späteren Dreyfusards Fernand Labori und Lucien Victor-Meunier). Trotz dieser kollegialen Leitung scheint der Vorsitz zunächst von Péan und dann von David Gerschel übernommen worden zu sein, während Henri Marmottan zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Das Sekretariat wurde Albert Pagès übertragen.

Das Emblem der „Unionisten“ zeigte ein Bündel Palmen, überragt vom Wappen von Metz und Straßburg sowie einer Krone mit der Aufschrift „France“. Das Motto der Union lautete „Tout pour l’Alsace-Lorraine“ (Alles für Elsass-Lothringen), da der Verein erst nach der Rückeroberung dieser verlorenen Gebiete aufgelöst werden sollte.

Aktionen mini|Denkmal der Schlacht bei Castillon, 1888 errichtet in Castillon-la-Bataille von der Union Neben der Forderung nach Elsass-Lothringen und der Bekräftigung eines Antigermanismus, der sich auch auf die Verbündeten Deutschlands erstreckte, wollte der Verein junge Menschen in der Landesverteidigung ausbilden und den französischen Handel und das Handwerk vor ausländischer Konkurrenz schützen. So setzte er sich für den Gesetzentwurf des Abgeordneten Christophe Pradon ein, der die Erhebung einer Wehrsteuer für Ausländer vorsah. Außerdem organisierte die Union Konferenzen. Vertreter der Organisation nahmen regelmäßig an patriotischen Veranstaltungen zum Nationalfeiertag oder Denkmalseinweihungen teil.Beispiele: ;

Trotz ihrer Loyalität gegenüber der Republik wurde die Union patriotique de France indirekt von der Unterdrückung der Boulangistenbewegung im März 1889 getroffen, als die Regierung die Präfekten aufforderte, sowohl die Komitees der Ligue des patriotes als auch die lokalen patriotischen Vereinigungen aufzulösen, wobei letztere jedoch mit Genehmigung wieder gegründet werden konnten.

Die Union patriotique de France, die im Januar 1891 noch aktiv war, scheint sich kurz darauf aufgelöst zu haben, auch wenn mehrere ihrer lokalen Komitees ihre Aktivitäten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortsetzten.

Publikationen Die Französische Nationalbibliothek verknüpft in ihrer Datenbank (siehe Weblink) zwei Publikationen mit der Organisation; die L’Union patriotique de France als Vereinsbulletin und La Crise Commercial, wobei es sich bei Letzterer um eine Falschzuschreibung handeln dürfte.

Weblinks

Einzelnachweise

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