mini|Porträt des Revolutionärs Ioannis Papadiamantopoulos; aufbewahrt im Nationalen Historischen Museum Athen. Ioannis G. Papadiamantopoulos (griechisch Ιωάννης Γ. Παπαδιαμαντόπουλος; * 1766 in Korinth; † 10. April 1826 in Mesolongi) war ein griechischer Großkaufmann und Reeder aus Patras, der sich als Mitglied und Schatzmeister der Filiki Eteria sowie als Abgeordneter und Förderer der Griechischen Revolution von 1821 engagierte.

Von seinem Haus in Patras aus begann am 21. März 1821 der Aufstand in der Stadt.

Er gehörte dem Peloponnesischen Senat an, war gewählter Delegierter der Nationalversammlungen von Epidaurus und Astros und fiel während der zweiten Belagerung von Mesolongi.

Frühes Leben und Familie Seine Familie stammte aus Kastanochoria in Epirus und trug ursprünglich den Nachnamen Margaritis. Sein Großvater war Priester und wirkte im Dorf Plesía in der Eparchie Malakasi (Nomos Ioannina). Nach den türkisch-albanischen Verfolgungen und der Enthauptung von Ioannis Papadiamantopoulos’ Onkel Georgios verließ er seine Heimat und ließ sich mit seiner Familie in Aetoliko nieder. Sein Vater Georgios Margaritis heiratete in Korinth, wo er den Nachnamen Papadiamantopoulos annahm (Sohn des Priesters Diamantis). Ein späterer Enkel von Ioannis Papadiamantopoulos war der in Frankreich wirkende Poet Jean Moréas. Außerdem bestand in der Familie Papadiamantopoulos eine Verwandtschaft zur Familie von Iakovos Tombazis, dem aus Hydra stammenden ersten Admiral der unabhängigen griechischen Flotte. Auch heute lebt noch ein Nachfahre von Ioannis Papadiamantopoulos namens Giorgos Papadiamantopoulos.

Zum Geburtsjahr Ioannis Papadiamantopoulos’ gibt es unterschiedliche Angaben. Nachfahren nennen 1764, andere Quellen 1766. Er wurde früh zum Vollwaisen, und seine ältere Schwester Anthi übernahm seine Erziehung.

Im Jahr 1786 zog Ioannis Papadiamantopoulos nach Patras, um mit seinem Onkel zu arbeiten. Dort machte er sich bald schon selbstständig und gründete mehrere Handelsunternehmen. 1794 wurde er zudem Eigentümer mehrerer Schiffe und gründete in Patras eine Privatbank. Er stand in Kontakt mit den wichtigsten Handelshäfen im Osten und Westen Griechenlands. Im Jahr 1800 heiratete er Eleni Kalamogdarti, die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns und Proestos von Patras mit Wurzeln auf Zakynthos. Mit ihr hatte er zahlreiche Kinder, von denen jedoch nur sechs Söhne überlebten. Seine Söhne hießen Spyridon (Spyros), Dimitrios, Konstantinos, Athanasios (oder Anastasios), Panagiotis (Panagiotakis) und Adamantios.

Durch den Handel mit Korinth erlangte er beachtlichen Reichtum und entwickelte sich zu einer der führenden Figuren im Peloponnes. Er galt als eng verbunden mit seiner Heimat und trat 1819 in die Filiki Eteria ein. Im Jahr 1820 übernahm er die Position des Schatzmeisters der „Kasse der Nation“ dieses Geheimbundes im Peloponnes. Aus eigenem Vermögen spendete er zudem beträchtliche Summen an die Filiki Eteria. In dieser Funktion sollte er außerdem die Gelder des Erzbischofs Kyprianos von Zypern auf Vermittlung von Alexandros Ypsilantis entgegennehmen und entsprechende Quittungen ausstellen. Darüber hinaus flossen auch Mittel aus dem gesamten Peloponnes sowie von den Inseln der Ägäis und des Ionischen Meeres in seine Kasse.

Ioannis Papadiamantopoulos galt als äußerst wohlhabender Mann und reichster Einwohner von Patras. Der Historiker Anastasios Goudas beschreibt seine sozioökonomische Stellung wie folgt:

Der Wert seines Immobilienbesitzes wird auf rund 1.000.000 Groschen (γρόσια) geschätzt, sein Handels- und Schifffahrtsunternehmen auf weitere 2.000.000 Groschen. Insgesamt betrieb er 15 Schiffe aus Galaxidi, besaß zahlreiche Immobilien, eine Bank und zahlreiche Handelsbüros. Außerdem war er eng mit einflussreichen osmanischen Beamten verbunden. Weiterhin verlieh er vor der Revolution auch Geld an Türken von Patras, insgesamt um die 90000 Groschen.

Er überließ seiner älteren Schwester Anthi die vollständige Hinterlassenschaft beider Eltern.

Beteiligung an der Griechischen Revolution Zusammen mit Germanos von Patras war er eines der führenden Mitglieder der Filiki Eteria in Patras und in der gesamten Region Achaia. Im Januar 1821 nahm er an der Geheimversammlung von Vostitsa teil.

Am 20. März 1821 brachte Ioannis Papadiamantopoulos seine Familie sowie die Familien von Andreas Londos und Ioannis Kalamogdáris nach Zakynthos, um sie vor den erwarteten Kämpfen in Patras in Sicherheit zu bringen.

Unmittelbar vor dem Aufstand ordnete Papadiamantopoulos an, dass alle Schiffe aus Galaxídi in Patras bleiben und abwesende sofort zurückkehren sollten; der erste Schuss fiel schließlich aus seinem Haus. Am 21. März 1821 rief er in Patras die Griechische Revolution aus und finanzierte eine bewaffnete Gruppe, die sein Anwesen verteidigte. Einer Angabe nach betranken sich an diesem Tag gegenüber seinem Herrenhaus in einer Schenke bewaffnete türkische Soldaten und legten Feuer. Mit Rufen umzingelten sie das Gebäude, das sie im Verdacht hatten, als Waffenlager zu dienen. Die Türen waren verschlossen, und die Türken schossen auf die Fenster, wobei Anastasios Papadiamantopoulos, sein Onkel, getötet wurde. Laut dem Historiker Anastasios Goudas beschloss Ioannis Papadiamantopoulos daraufhin, das Signal zum Aufstand zu geben. Als aus verschiedenen Teilen der Stadt griechische Kämpfer herbeieilten und die Auseinandersetzung sich ausweitete, zogen sich die Türken in die Festung der Stadt zurück. Daraufhin vermerkte der französische Konsul Pouqueville in seinem Tagebuch, dass die Türken das Haus eines reichen Griechen namens Papadiamantopoulos niederbrannten; nach dieser Zerstörung floh er in das Kloster Oblou.

Die militärische Auseinandersetzung an seinem Haus gilt als die erste in Patras im Zuge der Revolution.

Zwei Tage später kehrte er gemeinsam mit Andreas Londos, Panagiotis Karatzas, Germanos von Patras und fünf weiteren Prokritoi nach Patras zurück und übernahm dort die Führung. Beim Einzug in die Stadt trugen sie dabei „die erste revolutionäre rote Fahne mit einem schwarzen Kreuz in der Mitte“. mini|Darstellung der Flagge von Andreas Londos, die beim Einzug von Ioannis Papadiamantopoulos in Patras am 23. März 1821 getragen wurde. Am 26. März unterzeichnete er als Mitglied des Achaia-Direktoriums (Αχαϊκόν Διευθυντήριον) die Proklamation an die Konsuln der ausländischen Staaten. Anschließend reiste er zu den Ionischen Inseln, nach Ancona, Hydra und Spetses sowie in verschiedene Städte des Peloponnes, um Geld für die Revolution zu beschaffen und die griechischen Seestreitkräfte zu mobilisieren. Er gab seine Geschäfte auf und übersiedelte zu Beginn des Aufstands nach Zakynthos, von wo aus er die Revolution finanziell erheblich unterstützte. Im Dezember 1821 wurde er außerdem Mitglied des Peloponnesischen Senats.

Im Sommer 1821 beschaffte er in Ancona Proviant und Kriegsmaterial und ließ sie per gecharterten Schiffen nach Griechenland bringen. Die Frachtzahlungen an Kapitän Dionysios Fokás für die Brigantine „Corriera“ sind hierfür als Quelle maßgeblich. Die Listen vom 10. August 1821 nennen u. a. 20 Fässer Schießpulver (insg. 455 Okka), 40 Bleiplatten, große Mengen Kugeln und 100 Säcke Koulourakia (3.225 Okka), verteilt an die Lager von Patras, Sotirios Charalampis, Zaimis, Sisinis sowie an die Einwohner von Galaxidi in Mesolongi.

Er wurde als Abgeordneter zu den Nationalversammlungen von Epidaurus (1821) und Astros (1823) gewählt und zum Mitglied des Komitees für die Verhandlungen über das Nationaldarlehen ernannt. Nach Abschluss der Arbeiten der Ersten Nationalversammlung in Epidaurus wurde er am 19. April 1822 zum General-Quartiermeister (γενικός φροντιστής) des Heeres der Belagerung von Patras ernannt.

Die Regierung vertraute ihm außerdem die Verwaltung der Finanzen der griechischen Flotte sowie der Spenden aus der Region Elis an.

Ioannis Papadiamantopoulos gehörte im Befreiungskrieg zu jener politischen Strömung, die den zunehmenden Einfluss von Theodoros Kolokotronis einzudämmen versuchte. Obwohl er nie ein militärischer Befehlshaber war, setzte ihn die provisorische Regierung gezielt in Kommissionen ein, um Kolokotronis’ Macht zu begrenzen. So war er im Dezember 1822 Mitglied einer dreiköpfigen Abordnung, die offiziell die Übergabe der Festung Palamidi in Nafplio überwachen sollte, tatsächlich jedoch verhindern sollte, dass Kolokotronis durch den Sieg von Nafplio noch an Einfluss gewann. Auch im Juli 1824 wurde er zusammen mit dem einflussreichen M. Roufos nach Patras geschickt, um die dortigen Spannungen zu befrieden und die Region wieder stärker unter die Kontrolle der Zentralregierung zu bringen, ein weiterer Schritt, der zugleich Kolokotronis’ regionale Macht beschneiden sollte. Zeitgenössische Beobachter beschrieben Papadiamantopoulos ausdrücklich als einen Mann, der bewusst gegen das politische Übergewicht des „Geros tou Moria“ (Spitzname von Kolokotronis) arbeitete.

Für die Belagerung der Festung Patras 1824 führte er als Befehlshaber der bewaffneten Truppen der Eparchie Patras (αρχηγός των αρμάτων της επαρχίας Πάτρας) 500 Mann.

Am 12. März 1825 wurde Ioannis Papadiamantopoulos zusammen mit Georgios Kanavos und Dimitrios Themelis von der Exekutive in eine dreiköpfige Kommission berufen, die mit der Leitung der politischen und militärischen Angelegenheiten Westgriechenlands betraut war. Laut der griechischen Zeitung Ellinika Chronika nahm diese Kommission am 12. April 1825 ihre Arbeit in der belagerten Stadt Mesolongi auf. Im April übernahm er seine Aufgaben in Mesolongi, wo er während der gesamten Belagerung blieb und sich für die Versorgung und Pflege der Zivilbevölkerung einsetzte.

Am 4. Januar 1826 wählten ihn die Proestoi und die Garnison von Mesolongi gemeinsam mit Giorgos Valtinos und Zois Panos in eine dreiköpfige Delegation, die nach Zakynthos reisen sollte, um Lebensmittelhilfe zu erbitten, notfalls unter Verpfändung der Waffen der Kämpfer. Papadiamantopoulos traf dort am 9. Januar ein, sah seine Frau und die sechs Kinder wieder und kehrte am 19. Januar trotz der Bitten seiner Angehörigen in die belagerte Stadt zurück. Nach Spyridon Trikoupis habe er dazu erklärt: „Ich werde mich retten oder mit ihnen sterben.“

Ioannis Papadiamantopoulos litt unter starken Rheuma- und Gichtschmerzen und überließ den Soldaten sein weißes Pferd zum Verzehr, wodurch ihm eine Flucht aus der Stadt effektiv nicht mehr möglich war.

Über seinen Tod existieren unterschiedliche Versionen. Einige Quellen berichten, er sei in der "Ausbruchsnacht" des "Exodus von Mesolongi" am 10./11. April 1826 gefallen, andere sprechen von einem Tod in der Explosion des Pulvermagazins zusammen mit Christos Kapsalis, wieder andere berichten, er sei nach der Einnahme der Stadt gefangen genommen, gefoltert und vor Ibrahim Pascha enthauptet worden.

Briefe aus Mesolongi mini|Papadiamantopoulos schreibt Kolettis und fordert die sofortige Lieferung von Lebensmitteln und Munition nach Messolonghi, da sich die Türken der Mauer nähern und die Soldaten drohen, ihre Stellungen aufzugeben. Aus Papadiamantopoulos’ Zeit im belagerten Mesolongi sind zahlreiche offizielle Schreiben sowie einige private Briefe, vor allem an seine Frau Eleni, erhalten geblieben. Dokumente aus seinem persönlichen Archiv werden heute in der Bibliothek des griechischen Parlaments aufbewahrt. Ein zentrales Thema seiner Briefe ist die ständige Angst vor Nahrungsmangel. Aus seinen Briefen lässt sich nicht nur die schwierige Versorgungslage der Stadt, sondern auch das soziokulturelle Gefüge seiner Familie gut nachvollziehen. Seine Briefe ließ er oft von seinem Schreiber anfertigen, da er selbst keine umfassende Schulbildung genossen hatte.