mini|André Heller, 2006

André Heller, auch Andre Heller, Franz Heller oder Franz André Heller;Andre Heller als Gesellschafter (GS) und/oder Geschäftsführer (GF) seiner Unternehmen im Firmenbuch, alle eingetragen am Handelsgericht Wien mit Sitz in 1010 Wien, Franziskanerplatz:

WISE DECISIONS GmbH, FN 293299y, Heller als geschäftsführender 100-Prozent-Gesellschafter (Firmendetails auf wirtschaft.at der Wiener Zeitung, abgerufen am 3. Oktober 2023). Büro Andre HELLER GmbH, FB 294596f, GS: WISE DECISIONS GmbH, GF: Heller (Firmendetails auf wirtschaft.at der Wiener Zeitung, abgerufen am 3. Oktober 2023). ANIMA GmbH, FB 302775h, GS: WISE DECISIONS GmbH, GF: Heller (Firmendetails auf wirtschaft.at der Wiener Zeitung, abgerufen am 3. Oktober 2023). Artevent GmbH, FB 074238z, GS: WISE DECISIONS GmbH, GF: Heller (Firmendetails auf wirtschaft.at der Wiener Zeitung, abgerufen am 3. Oktober 2023).Vgl. zum Beispiel in: (Hier: .)Vgl. zum Beispiel in: . (Hier: .) Geburtsname Francis Charles Georges Jean André Heller-HueartAndre Heller: Kurzbiografie. In: LiteraturhausWien. Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur (Hrsg.), ohne Datum, abgerufen am 9. Mai 2019.. ()Vgl. zum Beispiel auch in: Gregor Auenhammer: André Heller: Gut ist’s, ein Narr zu sein. In der Reihe: Kopf des Tages. In: DerStandard.at, 21. September 2018, abgerufen am 9. Mai 2019. (* 22. März 1947 in Wien als französischer Staatsbürger), ist ein österreichischer Multimediakünstler, Aktionskünstler, Kulturmanager, Autor, Lyriker (Selbstbezeichnung Poet„Ich erschaffe mich jeden Tag neu“. André Heller bekommt die Platin-ROMY für sein bisheriges Lebenswerk. In: Kurier, 19. April 2015, abgerufen am 9. Mai 2019. (Hier: Gefragt, ob in seinem Pass wirklich Poet steht: )), Chansonnier und Schauspieler.

Leben Frühe Jahre Heller entstammt väterlicherseits einer wohlhabenden jüdischen Familie von Süßwarenfabrikanten: Sein Vater Stephan (1895–1958)Geburtenbuch der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, R 1895, Geburtsbuch 44, Nr. 1250, 1. Eintrag von unten (Faksimile bei FamilySearch, kostenlose Registrierung erforderlich). war der Sohn von Wilhelm Heller (1859–1931), einem der beiden Gründer der Wiener Süßwarenfabrik Gustav & Wilhelm Heller. Seine Mutter war Elisabeth Heller (geb. Wenig) (1914–2018„Jahrhundertfrau“ Elisabeth Heller ist tot. In: wien.ORF.at, 7. August 2018, abgerufen am 7. August 2018.Pfarre Maria Hietzing, Taufbuch 01-12 1910–1923, S. 70., abgerufen am 25. Februar 2025.), sein älterer Bruder Fritz (* 1934)Fritz Heller. In: Genealogische Datenbank Adler abgerufen am 1. Oktober 2025. leitete nach dem Tod des Vaters das Unternehmen. Seine Urgroßmutter Carolina Scholdan (1870–1946)Pfarre St. Othmar unter den Weißgerbern, Trauungsbuch 02-06, 1890–1892, S. 152., abgerufen am 15. Juni 2026. stammte aus Kaltern in Südtirol und war eine uneheliche Tochter des adeligen Politikers und Gutsbesitzers Josef Di Pauli. Weil sein Vater wegen des Nationalsozialismus emigrieren musste und nach dem Krieg zwar zurückkehrte, doch hauptsächlich in Paris lebte, führte André Heller anfangs die französische Staatsbürgerschaft.Lisa Fischer: Die Wellen im Spiegel. In: Die Presse, 2. Mai 2008. (Artikelanfang frei lesbar, abgerufen am 9. Mai 2019.)Größenwahnsinniger mit zureichendem Grund. In: Die Welt, 17. März 2012, abgerufen am 9. Mai 2019. Die 1933 geschlossene Ehe seiner Eltern wurde anlässlich der Emigration seines Vaters geschieden und nach dessen Rückkehr ein zweites Mal geschlossen.Pfarre Maria Treu, Trauungsbuch 02-31 1930–1937, S. 324., abgerufen am 22. März 2025.

2017 erschien sein Buch Uhren gibt es nicht mehr. Gespräche mit meiner Mutter in ihrem 102. Lebensjahr. Das Film-Porträt Elisabeth Heller – Die Jahrhundertfrau von Beate Thalberg und Isolde von Mersi erschien 2012 im ORF.„Elisabeth Heller – Die Jahrhundertfrau“ im Porträt: ORF-„dok.film“-Premiere am 2. Dezember 2012. Eine außergewöhnliche Frau, ein spannendes Leben. In: OTS/APA-Presseaussendung des ORF, 29. November 2012, abgerufen am 9. Mai 2019.

Nach seinen eigenen Aussagen war für seine literarische Orientierung schon während seiner Schulzeit der fast tägliche Besuch im Café Hawelka ausschlaggebend. In diesem Wiener Kaffeehaus traf er auf Literaten wie Friedrich Torberg, H. C. Artmann und fallweise Elias Canetti sowie Hans Weigel und Helmut Qualtinger, mit dem er später zusammenarbeitete und auftrat. Bei Hans Weigel und dessen Lebensgefährtin Elfriede Ott nahm er Schauspielunterricht.

Nach seiner Kindheit und frühen Jugend in Wien besuchte Heller die Privatmittelschule Bad Aussee.

Theater, Rundfunk, Fernsehen, Gesang André Heller spielte zunächst mit wenig Erfolg an Wiener Avantgardebühnen, wie auch als DJ im Wiener Tanzlokal Scotch und arbeitete später als Programmgestalter beim Österreichischen Rundfunk (ORF).

1967 gehörte er zu den Gründern des ersten deutschsprachigen Popsenders Ö3, bei dem er zunächst die Sendung Musicbox moderierte. In dieser Funktion führte er Interviews mit John Lennon, mit dem er das Grab von Franz Schubert auf dem Wiener Zentralfriedhof besuchte, und Anita Pallenberg.Zur Person: André Heller, Multimediakünstler. Portrait über Universalkünstler André Keller in der Sendung „Zur Person“ auf SWR2, 3. April 2022, 55 Min. Moderation: Andreas Maurer. Eine Produktion von SWR2 1968 wurde er Co-Autor der erfolgreichen Fernsehsendung Wünsch Dir was. Im selben Jahr erschien auch seine erste Langspielplatte mit dem Titel Nr. 1. Einem breiteren Publikum in Österreich und in der Folge auch in Deutschland wurde Heller 1972 bekannt, als der ORF die surreale Fernsehshow Wer war André Heller? ausstrahlte. Außerdem erschien in diesem Jahr seine zweite LP namens Platte, und bei den Wiener Festwochen wurde sein erstes Theaterstück mit dem Titel King-Kong-King-Mayer-Mayer-Ling uraufgeführt.

Chansonnier Heller erspielte sich über 15 Jahre hinweg einen Ruf als Schlagersänger, Chansonnier und Liedermacher. Dabei arbeitete er mit internationalen Künstlern wie Astor Piazzolla, Dino Saluzzi, Freddie Hubbard, aber auch österreichischen Künstlern wie Toni Stricker, Wolfgang Ambros oder Helmut Qualtinger zusammen. Heller vertonte vielfach eigene Lyrik, sang aber auch Texte anderer Autoren. So wurde der Titel Catherine aus dem Jahr 1970 zu einem der ersten Hits von Heller. Den Text schrieb der noch weitgehend unbekannte Reinhard Mey, die Musik der Austro-Kanadier Jack Grunsky.Jack Grunsky Edition Vol. 1 – Toronto. Jack Grunsky: Buffalo Brian, Kuckuck Schallplatten 12002-2. catalogue Kuckuck release 12002-2. celestial harmonies, div. of mayflower music corporation (Hrsg.), abgerufen am 9. Mai 2019.

Im November 1975 unternahm Heller eine gefeierte Konzert-Tournee nach Israel, von der Aufnahmen 1978 auf dem Live-Album Bitter und Süß erschienen.

Heller arbeitete häufig mit dem 1973 aus Österreich in die Vereinigten Staaten ausgewanderten Musiker Peter Wolf zusammen, der in der Gruppe des Rockmusikers Frank Zappa spielte. So erschien die Austropop-LP Andre Heller Poetic Sound – Music For Lovers And Loosers des Peter Wolf Objective Truth Orchestra, die allerdings eine reine Instrumentalplatte ist, und Wolf wirkte bei Hellers Album Basta mit. Heller verfasste den Text des von Wolf vertonten Liedes Heute in Jerusalem, mit dem die Sängerin Ina Wolf unter ihrem damaligen Künstlernamen am Eurovision Song Contest 1979 teilnahm, wo es allerdings nur einen geteilten letzten Platz erreichte.

Heller spielte von Werner Schneyder ins Wienerische übersetzte Chansons von Jacques Brel wie „Franz“ (nach dem Brél-Titel Jef) ein und gab in Titeln wie Angstlied (Verwunschen, 1980)André Heller – Verwunschen (Album 1980), in austriancharts.at, abgerufen am 9. Mai 2019. anhand von traumatischen Kindheitserlebnissen intime Einblicke in seine Biographie und seine katholisch-jüdische Herkunft. Titel wie Miruna, die Riesin von Göteborg (Verwunschen, 1980) sind wiederum von der Wiener Schule des „Phantastischen Realismus“ beeinflusst. Das Lied vom idealen Park (Narrenlieder, 1985) oder die im Duett mit Wolfgang Ambros eingespielte Bob-Dylan-Coverversion Für immer jung (Stimmenhören, 1983)André Heller – Stimmenhören (Album 1983), in austriancharts.at, abgerufen am 9. Mai 2019. gelten heute als klassische Titel des Austropop.

Dennoch wandte er sich seit Beginn der 1980er Jahre zunehmend Inszenierungen, Aktionen und Installationen zu und beendete dafür 1982 seine Konzerttätigkeit. 1985 folgte das Album Narrenlieder, das aber kein Erfolg mehr wurde. Es war bis in die 2000er Jahre seine letzte Plattenaufnahme. Zwischen 1967 und 1985 veröffentlichte er insgesamt 14 LPs. 1991 schrieb er rückblickend über diese Zeit:

2004 wurde er mit dem Amadeus Austrian Music Award für Ruf und Echo ausgezeichnet. Diese 3-CD-Retrospektive wurde von Chris Gelbmann initiiert, einem österreichischen Liedermacher und damaligen A&R-Manager von Universal Music.

Aus Anlass seines 60. Geburtstags gab André Heller im April 2007 im Wiener Radiokulturhaus nach 25-jähriger Bühnenabstinenz einen Liederabend unter dem Titel Konzert für mich. Alfred Gusenbauer hielt auf ihn die Laudatio.Alfred Gusenbauer: In: Konzert für mich, ausgestrahlt am 7. Juni 2007 in Ö1.

Politisches Engagement Während der Kreisky-Peter-Wiesenthal-Affäre im Jahr 1975 warf Heller dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky vor, den FPÖ-Politiker Friedrich Peter gegen den von Simon Wiesenthal erhobenen Verdacht einer Beteiligung an Kriegsverbrechen in Schutz genommen und überdies die Existenz eines jüdischen Volkes geleugnet zu haben. Aus Protest lehnte Heller für seine Israel-Tournee im gleichen Jahr ein österreichisches Patronat mit Empfang in der Botschaft ab.

Heller unterstützte Kreisky vor der Nationalratswahl 1979 trotz seiner Haltung zu Peter und seiner Befürwortung der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf, die 1978 in einer Volksabstimmung gestoppt wurde, weil Kreisky als einziger seriöser Kanzlerkandidat eine Regierungsbeteiligung der FPÖ ausgeschlossen habe.André Heller: Ungeheuer schamlos. In: Wochenpresse, Nr. 48/1982.

Anfang der 1980er Jahre wurde Heller zu einem Proponenten der Friedensbewegung. Im Dortmunder Konzert „Künstler für den Frieden“ am 21. November 1981 trug Heller ein Gedicht vor. Er sprach als Schlussredner auf der Friedensdemonstration am 15. Mai 1982 in Wien.Herbert Lackner: 70 000 bei der größten Demonstration der Nachkriegszeit: „Wir wollen niemals töten“. In: Künstler für den Frieden (Hrsg.): Friedensmarsch der 70.000. 15. Mai 1982 Wien. Löcker, Wien 1982, S. 138.

1982 unterstützte Heller als einen Aufruf an Israel von 50 österreichischen Juden, unter ihnen Karl Kahane und Bruno Kreiskys Sohn Peter, der in mehreren österreichischen Zeitungen und als Annonce in der Jerusalem Post erschien und worin die Invasion des Libanon kritisiert und Verhandlungen mit den Palästinensern verlangt wurden. Der israelische Botschafter Issachar Ben-Yaacov wollte sich daraufhin mit Vertretern der Gruppe treffen.I & P. Israel & Palestine Political Report, Nr. 92, Juli-August 1982, S. 11.

Im August 1982 veröffentlichte Heller in der Zeitschrift profil einen „Offenen Brief“ an den israelischen Botschafter, worin er auf sein bisheriges Engagement gegen Antisemitismus hinwies, zugleich den israelischen Präsidenten Menachem Begin für das Massaker von Deir Yasin kritisierte und ihn als Verursacher antisemitischer Ausschreitungen bezeichnete. Heller resümierte:

Daraufhin wurde Heller von Peter Stephan Jungk und Henryk M. Broder Beihilfe zum Antisemitismus vorgeworfen.Hubertus Czernin: Zwei links, zwei rechts, Hubertus Czernin entschuldigt sich bei Liedermacher Andre Heller nicht. In: Wochenpresse, Nr. 49/1982, 7. Dezember 1982.