Max Otto Bruker (* 16. November 1909 in Reutlingen; † 6. Januar 2001 in Lahnstein) war ein deutscher Sachbuchautor und Arzt. Er war ein Verfechter der Vollwerternährung, für die er einen eigenen Ansatz erarbeitete (vitalstoffreiche Vollwertkost).Jörg Melzer, Vollwerternährung: Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch, Franz Steiner Verlag, 2003, ISBN 3-515-08278-6, S. 384.
Leben mini|Dr.-Max-Otto-Bruker Heil- und Kräutergarten, Lahnstein auf der Höhe Bruker war das dritte und letzte Kind des Lehrers Max Bruker und dessen Ehefrau Berta geb. Buck. Im Jahr 1913 zog die Familie nach Neuenstadt am Kocher um, wo Max Otto ab 1915 die Lateinschule besuchte, an der sein Vater als Präzeptor unterrichtete. In den 1920er Jahren zog die Familie ein weiteres Mal um, diesmal nach Esslingen am Neckar, wo Bruker 1927 sein Abitur ablegte. Von 1927 bis 1932 studierte er Medizin, zuerst zwei Semester in Tübingen, anschließend in München und Berlin, die beiden letzten Semester wieder in Tübingen. Laut eigenen Angaben hatte August Bier einen starken Einfluss auf ihn. Seit 1927 war er Mitglied der Burschenschaft Normannia. Im Nationalsozialismus war Bruker Mitglied der SAJörg Melzer, Vollwerternährung: Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch, Franz Steiner Verlag, 2003, Seiten 358 und 410. und Anwärter des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes (NSDÄB). Er beendete 1932 sein Studium mit dem Staatsexamen und verbrachte seine Praktikantenzeit zunächst am Pathologischen Institut der Universität Tübingen unter Albert Dietrich und arbeitete anschließend im Städtischen Krankenhaus Esslingen. Im Juni 1934 wurde Bruker in Tübingen bei Wolfgang Stock promoviert. Das Thema der Dissertation lautete: Ein Fall von metastatischem Karzinom der Iris, des Corpus ciliare und der Chorioidea von latentem Primärtumor.
Kurze Stationen im Evangelischen Krankenhaus Schwerte und im Homöopathischen Krankenhaus Dr. Steigele (Stuttgart) schlossen sich an. 1936 wechselte er als Assistenzarzt an die Homöopathisch-Biologische Klinik der Krankenanstalt Bremen. 1938 ließ er sich in Bremen als Facharzt nieder. Am 26. Juni 1939 heiratete er Irmgard Engelage, die er als Krankenschwester in der Krankenanstalt Bremen kennengelernt hatte. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Bereits 1939 wurde Bruker zum Kriegsdienst in die Wehrmacht eingezogen. Er war zuerst in Bremen, 1940 dann in Paris, von 1941 bis 1944 in Lappland und Norwegen eingesetzt. Er beendete seinen Dienst 1945 als Stabsarzt. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft im norwegischen Bergen siedelte Bruker von Bremen nach Lemgo um, wo er von 1946 bis 1974 Arzt, ab 1949 Ärztlicher Leiter der Anstalt Eben-Ezer für Geistesschwache und Epileptiker war. Hier führte er die Vollwertkost nach Werner Kollath ein.
Bruker wurde einer breiteren Öffentlichkeit seit 1958 vor allem durch seine Warnungen vor dem Konsum von „Fabrikzucker“ bekannt. Insbesondere in den 1960er Jahren intensivierte er institutionelle Kontakte zu zahlreichen naturheilkundlichen und alternativmedizinischen Organisationen.
Bruker leitete von 1974 bis 1977 als Chefarzt die psychosomatische Abteilung der Klinik am Burggraben in Bad Salzuflen. Von 1977 bis 1991 war er ärztlicher Leiter der Klinik Lahnhöhe in Lahnstein.
In den 1980er Jahren erforschte Bruker die Verbreitung von Krebskrankheiten durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Anfang der 1990er Jahre wurde Bruker zum Honorarprofessor der medizinischen Fakultät der Universität Kiew berufen mit dem Lehrschwerpunkt „Atomare Strahlenschäden“. Bruker hielt die Vorlesungen im hohen Alter von 80 Jahren in Deutsch und Englisch, den Studenten wurden sie simultan ins Russische gedolmetscht.
Bruker hielt 20 Jahre lang monatlich in seinem Gesundheitszentrum Lahnhöhe eine für die Öffentlichkeit zugängliche Sprechstunde mit dem Namen „Ärztlicher Rat aus ganzheitlicher Sicht“ ab. Bruker starb 91-jährig, erst ein Jahr zuvor hatte er sich in den Ruhestand begeben. Ein Heil- und Kräutergarten am Gesundheitszentrum wurde nach ihm benannt, er ist Teil der Route der Welterbe-Gärten im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.
Seine Bücher erreichten eine Auflage von über vier Millionen.
Politisches Engagement Mitte der 1960er Jahre wurde Bruker Mitglied der Freisozialen Union (FSU), für die er 1969 auf Platz eins der niedersächsischen Landesliste für den Bundestag kandidierte. Dieser Partei gehörte er bis 1988 an.
Bruker war 1960 Gründungsmitglied des Weltbundes zum Schutz des Lebens (WSL) in Deutschland. Am 12. Juli 1968 veröffentlichte Bruker in der linksstehenden Deutschen Volkszeitung (Düsseldorf) einen Artikel Der Notstand der Demokratie – aufgezeigt am Kernkraftwerk Würgassen. Am Fall Würgassen – so Bruker – ließen „sich wie an einem Schulbeispiel die Methoden ablesen, wie durch Nachrichtensperre, bewusste systematische Fehlinformationen, Verbreitung unwahrer Angaben und diktatorische Maßnahmen das Prinzip der Demokratie zur Farce gemacht“ werde.Joachim Radkau: Eine kurze Geschichte der deutschen Antiatomkraftbewegung, (APuZ 46-47/2011) Er war von 1967 bis 1971 Vizepräsident des WSL und von 1972 bis 1974 und dann nochmals ab Frühjahr 1982 Präsident. Aufgrund öffentlicher Proteste und zahlreicher Mitgliedschaftskündigungen wandte er sich in einem Rundschreiben an alle Mitglieder und verbot die öffentliche Aussprache von rechtsradikalem Gedankengut, nicht jedoch die Mitgliedschaft von Rechtsradikalen im WSL. Aufgrund dieses Briefes kam es zum Machtkampf innerhalb des WSL, in dessen Zug Bruker im Dezember 1982 von seinem Amt als Präsident zurücktrat.Jörg Melzer: Vollwerternährung: Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch, Franz Steiner Verlag, 2003, S. 396 und 370.Jörg Melzer, Vollwerternährung: Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch, Franz Steiner Verlag, 2003, S. 365. Bruker war außerdem Ehrenpräsident und Mitglied des Wissenschaftlichen Rates des WSL-International.
Von 1972 bis 1982 wurde er als „Wissenschaftlicher Beirat“ der rechtsextremen Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung im Impressum ihres Organs, der Zeitschrift Neue Anthropologie, geführt.Jörg Melzer, Vollwerternährung: Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch, Franz Steiner Verlag, 2003, S. 369. 1981 gehörte er zu den Erstunterzeichnern der Initiative „Ausländerstopp jetzt“ der NPD-Nebenorganisation Bürgerinitiative Ausländerstopp.Jörg Melzer: Vollwerternährung: Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch. Franz Steiner Verlag, 2003, S. 371.
Von 1976 bis 1979 war Bruker stellvertretender Vorsitzender des extrem rechten 5%-Block-Wahlbündnisses.Jörg Melzer, Vollwerternährung: Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch. Franz Steiner Verlag, 2003, S. 377.
1978 initiierte er die Gründung der Wählerinitiative Grüne Liste Rheinland-Pfalz, aus der später die „NPD-Grüne Liste“ hervorging.Franz Greß, Hans-Gerd Jaschke, Klaus Schönekäs: Neue Rechte und Rechtsextremismus in Europa. Opladen 1990, S. 263 f.
In einem 1994 erschienenen Artikel in der Zeitschrift Max bezeichnet Jutta Ditfurth Bruker als „Nahtstelle zwischen Ökologiebewegung und Neonazis“. Bruker klagte dagegen und verlor in letzter Instanz in 24 von 25 Punkten. Im Urteil des 16. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main heißt es: „Der Verfügungskläger muß es sich (…) gefallen lassen, als Scharnierstelle zwischen Ökologie- und Naturkostbewegung auf der einen und Neonazi-Szene auf der anderen Seite bezeichnet zu werden.“Urteil des 16. Zivilsenates des Oberlandesgerichts Frankfurt vom 11. Mai 1995 (AZ 16 U 135/94 2/3 O 185/94), zitiert nach: Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei. Esoterik, (Öko-)Faschismus und Biozentrismus. 3. Auflage, Hamburg 2003, S. 51.
Ernährungslehre Bruker stand in der Tradition der grundsätzlich zivilisationskritischenUwe Heyll: Wasser, Fasten, Luft und Licht: die Geschichte der Naturheilkunde in DeutschlandCampus Verlag, 2006 – 310 S. Naturheilkunde. Bekannt wurde er hauptsächlich durch seinen Einsatz für die Verbreitung der Vollwertkost. Hierzu schrieb er zahlreiche Bücher, hielt öffentliche Vorträge und gründete den gemeinnützigen Verein „Gesellschaft für Gesundheitsberatung“ (GGB). Seine Aussagen zur Ernährung stehen im Gegensatz zu etablierten Lehrmeinungen innerhalb von Medizin und Ernährungswissenschaften.
Ursprünge Bruker führte seine Ernährungslehre im Wesentlichen auf die Lehren des Schweizer Arztes Maximilian Bircher-Benner und Werner Kollath, wie er Mitglied des „Weltbunds zum Schutz des Lebens“, zurück.Claus Leitzmann, Markus Keller, Andreas Hahn, Alternative Ernährungsformen, Georg Thieme Verlag 2005, S. 136. Wie diese sah auch Bruker einen Zusammenhang zwischen Ernährung und so genannten Zivilisationskrankheiten. Seinen eigenen Beitrag sah Bruker hauptsächlich in der Verbreitung dieser Erkenntnisse und in der Lösung des „Verträglichkeitsproblems“ (siehe unten). Er begründete seine Ernährungslehre weiterhin mit Verweisen auf Beobachtungen und Erfahrungen aus einer über fünfzigjährigen ärztlichen Anwendung der Vollwertkost.
Bruker betrachtete einen Mangel an so genannten „Vitalstoffen“ als Ursache für viele Zivilisationskrankheiten. Zu diesen Vitalstoffen zählte er Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Fermente (Enzyme), ungesättigte Fettsäuren, Aromastoffe und Faserstoffe (sog. Ballaststoffe). Zivilisationskrankheiten entstünden durch diesen Mangel bei gleichzeitigem Verzehr großer Mengen an Nährstoffen, d. h. Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Seinen Beobachtungen zufolge äußere sich ein Mangel an Vitalstoffen zumeist erst nach Jahrzehnten. Die Folgen einer vitalstoffarmen Kost lassen sich aber in kürzeren Zeiten in Tierfütterungsversuchen beobachten, auf die sich Bruker in seinen Werken neben seiner Praxiserfahrung häufig beruft.
In den Experimenten Kollaths kam es bei Ratten, die mit vitalstoffarmen Nahrungsmitteln (auxonfreien nach Kollath) versorgt wurden, zu einer großen Anzahl von Krankheitserscheinungen, von Zahn- und Kieferveränderungen, zu Lungenblutungen bis hin zu Leberschädigungen, die eine große Ähnlichkeit mit den Zivilisationskrankheiten beim Menschen aufweisen. In den Experimenten von Pottenger und Simonson wurde eine Gruppe von Katzen mit rohem Fleisch und roher Milch gefüttert, während die anderen Tiere diese in gekochter Form erhielt. Bei roher Nahrung war die Entwicklung normal und die Tiere pflanzten sich fort. Die Katzen mit der erhitzten Nahrung zeigte hingegen Fortpflanzungs- und Verhaltensstörungen.
Diese durch Denaturierung der Nahrungsmittel verursachten Veränderungen sind beim Menschen nur über lange Zeiträume beobachtbar und führen zu den modernen Zivilisationskrankheiten wie Gelenkerkrankungen, Arteriosklerose, Gallensteine oder Diabetes mellitus.Ökotrophologie, Band 2, Verlag Neuer Merkur 2005, S. 156.
Theoretische Grundannahmen Bruker plädierte stets für eine genaue Unterscheidung zwischen den Ursachen der Krankheit und den Ursachen der Symptome oder Beschwerden, denn ihre Verwechslung sei ein Grund für die unzureichende Auseinandersetzung mit den Ursachen der Krankheiten und für die schnelle Abfindung seitens des Patienten mit symptomatischen Linderungsbehandlungen. Aber „jede Behandlung, die eine echte Heilung einer Krankheit anstrebt, setzt die Kenntnisse ihrer Ursachen voraus“ und diese liegen bei einem Großteil der Krankheiten in der Ernährung.