Der Kreis Geldern war ein Landkreis am linken Niederrhein im Regierungsbezirk Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen.

Geographie

Lage Der Kreis umfasste das südliche Gebiet des heutigen Kreises Kleve von Weeze im Norden bis Hinsbeck als Teil des heutigen Kreises Viersen im Süden mit der Stadt Geldern als Verwaltungszentrum.

Nachbarkreise Der Kreis Geldern grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Kleve, Moers und Kempen-Krefeld. Im Westen grenzte er an die Niederlande.

Geschichte Vorgeschichte Mit den Beschlüssen des Wiener Kongresses kam das Gebiet des Kreises Geldern – bestehend aus einem Teil des Herzogtums Geldern aus vorrevolutionärer Zeit, das seit 1713 zu Preußen gehörte – nach der Vereinnahmung durch Frankreich 1794 im Jahre 1815 wieder an Preußen. Die westliche Kreisgrenze, zugleich die Staatsgrenze zum Königreich der Niederlande wurde im Abstand etwa eines Kanonenschusses östlich der Maas (Kanonenschusslinie) mitten durch ein historisch zusammengewachsenes Gebiet und eine einheitliche Bevölkerung gezogen. Diese Grenze ist nach wie vor aktuell.

Der Kreis Geldern von 1816 bis 1858 Im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation wurde der Kreis Geldern am 23. April 1816 als einer von 29 Kreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren Rheinprovinz, neugebildet. Er gehörte bis zu dessen Auflösung 1822 zum Regierungsbezirk Kleve, danach zum Regierungsbezirk Düsseldorf. Der Kreis war in die sechzehn Bürgermeistereien Aldekerk, Geldern, Hinsbeck, Issum, Kapellen, Kervenheim, Kevelaer, Leuth, Nieukerk, Pont, Sevelen, Straelen, Wachtendonk, Walbeck, Wankum und Weeze gegliedert.territorial.de: Kreis Geldern Im Jahre 1823 wurden zusätzlich die 25 Bürgermeistereien des aufgelösten Kreises Rheinberg in den Kreis Geldern eingegliedert.

Der Kreis Geldern von 1858 bis 1969 Der alte Kreis Rheinberg wurde 1857 als Kreis Moers wieder aus dem Kreis Geldern ausgegliedert. Der Kreis Geldern besaß seitdem die folgende Verwaltungsgliederung:Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1885

Bürgermeisterei Gemeinden Aldekerk Aldekerk, Stenden Kapellen Kapellen Geldern Geldern (Stadt) Hinsbeck Hinsbeck Issum Issum Kervenheim Kervendonk, Kervenheim, Winnekendonk Kevelaer Kevelaer, Kleinkevelaer, Twisteden, Wetten Leuth Leuth Nieukerk Eyll, Nieukerk Pont Pont, Veert Sevelen Sevelen, Vernum Straelen Straelen Wachtendonk Wachtendonk Walbeck Walbeck Wankum Herongen, Wankum Weeze Kalbeck, Weeze, Wissen 1863 wurde die Eisenbahnstrecke Köln – Krefeld – Geldern – Kleve (Linksniederrheinische Strecke) eröffnet und 1902 die Geldernsche Kreisbahn, die zum 1. April 1932 wieder eingestellt wurde. Am 11. November 1918 wurde der Kreis Geldern durch alliierte Truppen besetzt. Am 10. Januar 1920 wurde mit dem Versailler Vertrag die Rheinprovinz in Besatzungszonen aufgeteilt, der Kreis Geldern gehörte zur belgischen Besatzungszone. Die letzten Belgier zogen am 31. Januar 1926 ab.

Die aus mehreren Gemeinden bestehenden Bürgermeistereien wurden seit 1927 als Ämter bezeichnet. Die beiden Gemeinden Kalbeck und Wissen wurden 1928 nach Weeze eingemeindet. Hinsbeck und Leuth wurden 1929 in den neuen Kreis Kempen-Krefeld umgegliedert.

Das Amt Wankum wurde am 1. April 1939 mit der Gemeinde Wachtendonk zum Amt Wachtendonk zusammengeschlossen, das am 1. Oktober 1951 wieder aufgehoben wurde.Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1938, S. 189Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1951, S. 268

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab es auf Seiten der Niederlande auch Annexionspläne für das Kreisgebiet, die jedoch nicht die offizielle Position der Niederlande darstellten und nie weitere Bedeutung erlangten.

Vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Geldern am 1. Juli 1969 hatte der Kreis Geldern die folgende GliederungStatistisches Bundesamt, Alle politisch selbständigen Gemeinden am 31.12.1968: Gemeindekennziffer Name Fläche in km²(Gebietsstand 31.12.1968) Einwohnerzahl(Volkszählung vom 6.6.1961) amtsfreie Städte und Gemeinden 05 2 33 111 Geldern, Stadt 5,69 10.209 05 2 33 113 Herongen 11,05 1.426 05 2 33 114 Issum 28,29 4.594 05 2 33 115 Kapellen 23,47 2.157 05 2 33 116 Sevelen 25,54 3.427 05 2 33 112 Straelen, Stadt 62,57 8.638 05 2 33 117 Vernum 22,21 1.911 05 2 33 118 Wachtendonk 21,14 3.597 05 2 33 119 Wankum 26,83 2.096 05 2 33 121 Weeze 79,37 8.080 Amt Aldekerk 18,62 3.866 05 2 33 211 Aldekerk 7,95 2.628 05 2 33 212 Stenden 10,67 1.238 Amt Kervenheim 40,47 3.910 05 2 33 311 Kervendonk 15,25 714 05 2 33 312 Kervenheim 0,25 781 05 2 33 313 Winnekendonk 24,97 2.415 Amt Kevelaer 60,01 15.002 05 2 33 411 Kevelaer, Stadt 19,49 11.878 05 2 33 412 Kleinkevelaer 1,61 112 05 2 33 413 Twisteden 13,35 1.010 05 2 33 414 Wetten 25,56 2.002 Amt Nieukerk 35,31 5.163 05 2 33 511 Eyll 14,68 907 05 2 33 512 Nieukerk 20,63 4.256 Amt Walbeck 48,41 6.379 05 2 33 611 Pont 12,37 1.216 05 2 33 612 Veert 8,25 2.166 05 2 33 613 Walbeck 27,79 2.997

Der Kreis Geldern von 1969 bis 1974

Durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Geldern wurden am 1. Juli 1969 in der ersten Phase der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen alle Ämter aufgelöst sowie die Gemeinden neu gegliedert. Seitdem existieren bis heute unverändert die folgenden Gemeinden: die Stadt Geldern, gebildet aus der alten Stadt Geldern sowie Kapellen, Vernum (ohne Poelyck), Pont, Veert, Walbeck und dem Ortsteil Baersdonk der Gemeinde Nieukerk die Gemeinde Issum, gebildet aus der alten Gemeinde Issum und Sevelen die Gemeinde Kerken, gebildet aus Aldekerk, Stenden, Nieukerk (ohne Baersdonk), Eyll und dem Ortsteil Poelyck der Gemeinde Vernum die Stadt Kevelaer, gebildet aus der alten Stadt Kevelaer sowie Kleinkevelaer, Twisteden, Wetten, Kervendonk, Kervenheim und Winnekendonk die Stadt Straelen, gebildet aus der alten Stadt Straelen und Herongen die Gemeinde Wachtendonk, gebildet aus der alten Gemeinde Wachtendonk und Wankum die Gemeinde Weeze, deren Grenzen unverändert blieben

Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Geldern.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.

In der zweiten Neugliederungsphase, der Kreisreform vom 1. Januar 1975, wurde der Kreis Geldern mit dem Kreis Kleve unter dessen Namen vereinigt.§ 12 des Niederrhein-Gesetzes vom 9. Juli 1974, GV. NRW. S. 344. Damit endete die Geschichte des Kreises Geldern als selbstständiger Gebietskörperschaft. Der südlichen Hälfte des neuen Kreises Kleve wurde außerdem aus dem alten Kreis Moers die Gemeinde Rheurdt angegliedert. Die sieben Gemeinden des Altkreises Geldern nennt man zusammen mit Rheurdt auch Südkreis Kleve.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1816 73.683 1825 80.421 1835 84.625 1871 49.812 Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1885 1880 52.774 1890 53.937 1900 57.424 1910 60.653 1925 62.788 1939 60.371 1950 72.975 1960 80.200 1961 80.455 1970 87.067 1973 89.300 Statistisches Jahrbuch 1975, S. 53

Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.

+ Stimmenanteile der Parteien (in Prozent) Jahr CDU SPD FDP DZP 1946 76,6 17,9 1948 1952 54,8 17,5 9,8 14,7 1956 59,9 20,7 8,9 10,2 1961 68,0 17,7 7,8 1964 67,9 22,6 7,9 1969 67,7 25,6 5,6

Landräte 1816–1848: Friedrich von Eerde 1848–1849: Norbert Engelhard (auftragsweise) 1850–1851: Wilhelm von Arnim (auftragsweise) 1851–1854: Maximilian August von Loë (kommissarisch) 1854: Rudolf von Schaesberg 1854: Friedrich August Schwartz (auftragsweise) 1854–1859: Adolf Ernst von Ernsthausen (auftragsweise) 1859–1876: Georg von Eerde, DZP 1876–1890: Otto von Cossel 1890–1913: Oskar von Nell 1913–1923: Maximilian von Kesseler 1923–1924: Carl von Canstein 1924–1934: Hubert Klüter 1934: Karl Josef Weiler (vertretungsweise) 1935–1939: Egon Bönner, NSDAP 1939–1940: Werner Johannes 1940–1942: Willi Hoberg 1943–1945: Walter Bitter (vertretungsweise) 6. Mai 1945 – 16. Oktober 1948: Alfred Deisinger 17. Oktober 1948 – 14. November 1950: Johannes Ackermanns, CDU 15. November 1950 – 9. November 1969: Karl Bösken, CDU 27. November 1969 – 31. Dezember 1974: Theodor Pellander

Kfz-Kennzeichen

Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen GEL zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1974 ausgegeben. Seit dem 10. Juni 2014 ist es durch die Kennzeichenliberalisierung im Kreis Kleve erhältlich.

Literatur Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 1. Bd., II Abt: Der Landkreis Geldern, Schwann, Düsseldorf 1891 Georg Hövelmann: Geschichte des Kreises Geldern, 1. Teil: 1816-1866, Kreisdirektion Geldern Hrsg., Geldern 1974 Adolf Kaul: Geldrische Burgen, Schlösser und Herrensitze, Hrsg.: Historischer Verein für Geldern und Umgebung zur 100-Jahr-Feier des Vereins 1976

Weblinks

Einzelnachweise

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