mini|Burgwall Bertikow (im Volksmund „Hünenwall“ genannt) Bertikow ist eine Wüstung im Norden der Gemeinde Walsleben. Die alte Dorfstelle ist in die Liste der Bodendenkmale Brandenburgs unter der Nummer 100093, der zugehörige Burgwall unter Nummer 100086 eingetragen. Das Dorf lag im etwa bis zu 5 Meter höher gelegenem heutigem Waldgebiet zwischen Bertikower See im Süden, der Niederung der Temnitz im Osten und einem bis zur Dosse reichendem Luchgebiet im Norden. Der Burgwall befindet sich im Luch und war mit dem südlicher gelegenem Dorf durch einen Weg verbunden. Westlich des ehemaligen Dorfes befindet sich ein heute trockenes und mit Sträuchern bewachsenes Moor, welches früher „Jungfernloch“ genannt wurde.
Der Bertikower See ist ein etwa 2 ha großer eutropher See mit Röhrichtbeständen und war bis etwa 1990 durch einen inzwischen verlandeten Graben mit der Temnitz verbunden. Im Süden schließt sich an die Senke um den Bertikower See, auch Bertikower Luch genannt, das „Postluch“ an, in alten Forstkarten auch „Alter See“ genannt. Dieses erstreckt sich in Ost-West-Richtung. Als die Temnitz durch die Meliorationsmaßnahmen teilweise bis zu 1,5 Meter tiefergelegt wurde, ist dieses Moor ausgetrocknet. Zwischen Bertikower See, Postluch und Temnitz befindet sich der Seeberg (55,8 m NHN). Von 1976 bis 1990 befand sich Bertikow im Truppenübungsplatz II Neuruppin der Volkspolizei-Bereitschaften des Ministeriums des Innern der DDR und war daher unzugänglich. Die Wiesen im Bertikower und Postluch konnten nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Im Postluch haben sich daher aus Naturschutzsicht wertvolle Moorwälder entwickelt. Temnitztal und Bertikower Luch wurden bereits 1991 zum Flächennaturdenkmal erklärt und gehören heute zum FFH-Gebiet Oberes Temnitztal Ergänzung. Das Bertikower Gebiet ist Lebensraum für Fischotter und geschützte Fledermausarten. Der Seeberg und die höher gelegenen Bereiche sind dagegen vor allem mit Kiefern bewachsen und werden forstwirtschaftlich genutzt.
Geschichte Als Bertikow 1525 in der Beschreibung der neu zur Mark Brandenburg gelangten reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin erwähnt wird, ist der Ort bereits wüst und im Besitz der Gutsherren zu Walsleben. Das ehemalige Dorf wird in der Denkmalliste als frühdeutsch geführt, der dazugehörige Burgwall hingegen dem slawischen Zeitalter (8.–10. Jahrhundert) zugerechnet. Keramikfunde belegen allerdings eine weitere Nutzung der Niederungsburg im deutschen Mittelalter.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde eine Meierei angelegt. Der ihr ursprünglich gegebene Name „Charlottenthal“ konnte sich im Laufe der Zeit nicht gegen den traditionellen Namen „Bertikow“ durchsetzen, schon bei Bratring stehen beide Namen („Charlottenthal oder Bertckow“) nebeneinander in der Liste. 1800 bestand daneben eine Försterei, in drei Häusern wohnten 20 Menschen.
Literatur Lieselott Enders: Bertikow. In: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil II Ruppin, Hermann Böhlaus Nachf. Weimar 1970
Einzelnachweise
Kategorie:Walsleben (Brandenburg) Kategorie:Wüstung im Landkreis Ostprignitz-Ruppin