Das Polizei-Bataillon 325 war eine militärische Einheit der Ordnungspolizei im nationalsozialistischen Deutschland und wurde im Zweiten Weltkrieg in Polen, Slowenien, Finnland und auf dem Balkan eingesetzt.

Hintergrund Die deutsche Ordnungspolizei war ein zentrales Instrument des Sicherheitsapparates des nationalsozialistischen Deutschlands. Im Krieg dienten die Polizei-Bataillone dazu, in besetzten Gebieten mittels deutscher Sicherheitskräfte die Kontrolle zu erhalten und die Politik und die Interessen des nationalsozialistischen Systems durchzusetzen.

Aufstellung Mit Erlass vom 12. Juli 1941 wurden die lezten drei Wachtmeisterbataillone (Nr. 323–325) aufgestellt.Joachim Jahns, Erwin Strittmatter und die SS. Günther Grass und die Waffen-SS, Leipzig 2011, Kopie Seite 180ff. Das Polizeibataillon 325 entstand aus dem Polizei-Ausbildungs-Bataillon Hellerau II. Major Auscher wurde der erste Kommandeur.

Einsatz Im Herbst 1941 wurde das Polizeibataillon 325 in den Nordwesten Sloweniens geschickt, um die seit der Besetzung der Oberkrain aktiven Partisanen zu bekämpfen. So war u. a. das Bataillon vom 7. bis 9. bei der Einkreisung von Partisanen im Pokljuka-Hochplateaus eingesetzt. Geführt wurde die Operation vom Polizei-Regiment „Endler“, beteiligt waren auch das Polizei-Bataillon 3, das Polizei-Bataillon 93 und das Polizei-Bataillon 181. Ende Oktober 1941 wurde das Polizeibataillon 325 nach Krakau versetzt, musste aber aufgrund von erfolgreichen Angriffen der Partisanen auf deutsche Besatzer (Rovte, 12. Dezember 1941) nach wenigen WOchen in die Oberkrain zurück und wurde Teil der Einsatzgruppe zur Verfügung des Polizei-Einsatzstabes „Südost“: Dieses stand unter dem Kommando von Generalleutnant Georg Schreyer und vereinte in einer großen Operation am 9. Januar 1942 das Polizei-Bataillone 44 (Abschnitt I), das Polizei-Bataillon 93 (Reserve), das Polizei-Bataillon 171 (Abschnitt II), die Polizei-Skistreifen-Abteilung (Abschnitt IV) und das Polizei-Bataillon 325 (Abschnitt V) als Angriffsgruppe. Die Operation Grosseinsatz galt der Partisanengruppe "Ivan Cankar". Beim oft beschriebenen Kampf um das Dorf von Dražgoše blieben die Partisanen letztlich erfolgreich bzw. konnten sie sich am 12. Januar 1942 in die Berge zurückziehen. Der Einsatz der Übermacht an deutschen Truppen wurde abgebrochen. Die Sicherheitspolizei/SD ließ die verbleibenden Männer im Dorf exekutieren, die Frauen wurden temporär in ein Lager gebracht und die Reste des Dorfes kurz darauf gesprengt. Die Slowenen sehen diesen Kampf um Dražgoše als ersten großen Erfolg des Widerstandes, das Dorf wurde wieder aufgebaut, es gibt ein Denkmal und Gedenkfeiern für die Opfer.

Am 15. März nahmen Abordnungen des Polizei-Bataillon 93 und des Polizei-Bataillon 181 an der Beerdigung von Gefallenen der Einsätze in Kranj teil. Am 18. März war die 1. Kompanie bei Durchsuchungsaktionen im Raum Jesenice (Assling) unter der Führung des Kommandeurs des Polizei-Bataillon 93, Major der Ordnungspolizei Klein, eingesetzt. Weitere Kräfte der Ordnungspolizei, Landesschützen und Angehörige des SD waren an der Operation beteiligt, bei der nur wenige Waffen und militärische Ausrüstung gefunden wurden.Arico: Ordnungspolizei Vol. 1 2004, S. 498<br/ >

Am 24./25. April befahl die Befehlsstelle „Veldes“ des Befehlshabers der Ordnungspolizei „Alpenland“die Säuberung eines gebirgigen Abschnitts zwischen den Dörfern Lukovica (Lukwitz) und Cesnjice (Kerschstetten). Eingesetzt waren zwei Kompanien des Polizei-Bataillon 93 und einige Gruppen des Polizei-Bataillon 325, die eine Auffangstellung bilden sollten. Auch dieser Einsatz war erfolglos.Arico: Ordnungspolizei Vol. 1 2004, S. 498<br/ >

Polizei-Gebirgsjäger-Bataillon 325 Im Mai 1942 wurde das Polizei-Bataillon 325 aus Oberkrain abgezogen und erhielt gemeinsam mit den vorher in Norwegen stationierten Polizeibataillonen 302 und 312 in der Grenzregion Tirol/Bayern eine Ausbildung für Gebirgseinsätze. Die drei Bataillone wurden zu einem – dem einzigen – Polizei-Gebirgsjäger-Regiment der Ordnungspolizei zusammengefasst, der erste Kommandeur (1942/1943) war Hermann Franz, der nach dem Krieg gemeinsam mit anderen Offizieren eine Regimentschronik verfasste.Hermann FRANZ, Gebirgsjäger der Polizei. Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 und Polizei-Gebirgs-Artillerieabteilung, 1942 bis 1945, Bad Nauheim 1963 Bei der kurz darauf erfolgten Zusammenlegung aller Polizei-Bataillone in Polizei Regimenter erhielt dieses Spezialregiment die Nummer 18 (der insgesamt 28) Polizei-Regimenter. Das Polizei-Gebirgsjäger-Bataillon 325 wurde das somit das III. Bataillon / Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18. In der dritten Juliwoche kam das Bataillon erneut in die gebirgige Oberkrain, die beiden anderen Bataillone folgten Ende Juli 1942. Das Regiment wurde als militärische Hilfe gegen die lokalen wie gegen die aus den italienische besetzten Gebieten durchziehenden Partisanengruppen geholtJosef Rausch, Der Partisanenkampf in Kärnten im Zweiten Weltkrieg, Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 39/40, Wien 1994, Seite 8f. und konnte im August und September in 15 nachgewiesenen Einsätzen letztlich zwei Partisanengruppen stellen. Anfang Oktober 1942 kehrten sie zum weiteren Gebirgstraining zurück, das III.Batl. war in Reutte/Tirol stationiert.

Ursprünglich sollte das Spezialregiment in den Kauskasus geschickt werden, der beginnende Rückzug der deutschen Truppen verhinderte dies. Das Polizei-Gebirgsjäger-Regiment wurde von der Wehrmacht trainiert und kam dann für einige Monate in Nordfinnland hinter Rovaniemi an der Frontlinie zum Einsatz. Im Juli 1943 wurde es zur Verstärkung nach Griechenland verlegt, wo sich die Nationalsozialisten auf einen möglichen Abfall des Bündnispartners Italien („Fall Achse“) vorbereiteten. In Griechenland war das Bataillon mehrheitlich in Livadia stationiert und sicherte die gebirgigen Bahn- und Straßendurchzugsroute nach Athen. Am 8. September 1943 wurde das III. Bataillon der 11. Luftwaffen-Felddivision unterstellt, um italienische Soldaten zu entwaffnen. Dabei kam es am 23. September auf der Kykladeninsel Andros zu den einzigen Kämpfen mit italienischen Truppen. Im Juni 1944 wurden das II. und III. Bataillon sowie die im Oktober 1943 hinzugekommene Polizei-Gebirgsjäger-Artillerieabteilung des Regiments zu einem vierwöchigen Einsatz auf dem Peloponnes unter Befehl von General Le Suivre der 117. Jäger Division gestellt. Im „Unternehmen Natter“ sollten diverse Kampftruppen der Wehrmacht und lokaler Kooperateure die Partisanen vernichten. Das II.Batl. und III.Batl. des Regiments durchkämmten gemeinsam mit dem griechischen Gendarmerie-Bataillon von Oberst Papagondonas die Bergzüge im Süden. Die Partisanen vermieden die Konfrontation, die beiden Bataillone des Regiments hatten nur zwei Tote und fünf Verletzte zu verzeichnen, bei der „Bandenbekämpfung“ wurden 72 Griechen erschossen und 63 gefangen genommen (vermutlich ausschließlich Zivilisten). Größere Verluste im Bataillon gab es kurz vor dem Rückzug aus Griechenland und dann beim Rückzug der Wehrmacht über den Balkan 1944/45.

Aufarbeitung Als eines der drei Bataillone des Polizei-Gebirgsjäger-Regiments 18 war der Verband Teil des Besatzungsmacht und in Kriegsverbrechen in Griechenland verwickelt. Die von Ralph Klein angegebe Mitwirkung bei Massakern und Dorfniederbrennungen in Oberkrain sind inzwischen widerlegt. Nach Kriegsende organisierten die Veteranen Kameradschaftstreffen, bei denen u. a. Belange von juristischen Ermittlungen abgesprochen wurden. Es gab staatanwaltliche Ermittlungen gegen den Regimentskommandeur Hösl, Berner und Rasche (Schweren Kompanie des Regiments), es kam zu keiner Anklage.

Der populäre DDR-Schriftsteller Erwin Strittmatter war Angehöriger dieses Bataillons und wurde auch als einer der Schreiber des Bataillons verwendet. Er verarbeitete in seinem ersten "Wundertäter"-Roman seine Kriegserfahrungen im dritten Teil: Der Protagonist mit Namen Ladilaus erlebt die Arroganz wie Inkompetenz der Vorgesetzten, karikiert diese. Strittmatter schreibt von Ausgangssperren für Zivilisten, von erfolgreichen Versuchen der Roten Armee zur Abwerbung von Soldaten in Finnland, mehrfach von Diebstahl und Übergriffen der Besatzer. Es meldeten sich prompt ehemalige Kameraden beim damals bereits bekannten Schriftsteller,Anette LEO, Erwin Strittmatter. Die Biografie, Berlin 2012, Seite 260/261 da sie die Stationen, Passagen, Personen und die Hinweise auf die "Stube 18" (Regimentsnummer) erkannten. Auch sein ehemaliger Zugsführer kontaktierte ihn.Erwin Strittmatter, Der Zustand meiner Welt. Aus den Tagebüchern 1974 – 1994, Berlin, 2014, Eintrag vom 13. März 1958 Strittmatter gab seine Zugehörigkeit zum Polizeibataillon 325 gegenüber den DDR-Behörden in Fragebögen mehrfach an und ergänzte 1959: "Dabei weiss ich heute natürlich, wie viele Handlangerdienste ich den Nazis in meiner politischen Unklarheit geleistet habe. Ich stelle das mit Scham fest. Allerdings weiss ich auch, dass dauernde Scham lähmt."Günther DROMMER, Erwin Strittmatter und der Krieg unserer Väter, Berlin 2010, Seite 154 Sein DDR-Schriftstellerkollege meinte jedoch, er habe seine Zugehörigkeit zur Ordnungspolizei und sein Wissen und möglicherweise seine Beteiligung an Kriegsverbrechen verheimlicht.

Literatur Hermann Franz, Gebirgsjäger der Polizei. Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 und Polizei-Gebirgs-Artillerieabteilung, 1942 bis 1945, Bad Nauheim 1963 Ralph Klein, Das Polizei-Gebirgsjägerregiment 18: Massaker, Deportation, Traditionspflege, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Jg. 55/41, 2007, S. 41–64.

Joachim Jahns, Erwin Strittmatter und die SS. Günther Grass und die Waffen-SS, Leipzig 2011, ISBN 978-3-928498-98-2 Ralph Klein: Das SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 und seine Bataillone, in: Matthias Braun, Carsten Gansel (Hg.), Es geht um Erwin Strittmatter oder vom Streit um die Erinnerung, Göttingen 2012 Anette Leo, Erwin Strittmatter. Die Biografie, Berlin 2012, ISBN 978-3-351-03395-8

Einzelnachweise

Kategorie:Einheit der Ordnungspolizei Kategorie:Deutsche Besetzung Jugoslawiens 1941–1945 Kategorie:Gegründet 1940 Kategorie:Aufgelöst 1942 Kategorie:Deutsche Besetzung Griechenlands 1941–1945 Kategorie:Deutsche Besetzung Polens 1939–1945