Dieser Artikel hat den FC Wil in der Saison 1996/97 zum Thema.
Ausgangslage
In der vorherigen Saison war der Verein mit einer mittelmässigen Leistung in der Abstiegsrunde gelandet. Dort konnte er sich nochmals steigern und landete dort auf dem vierten Platz, was den Ligaerhalt bedeutete.
Olivier Python, der sich in der Aufstiegsrunde stark präsentiert hatte, kündigte in der Sommerpause an, in Wil bleiben zu wollen. Goalgetter Vaidotas Šlekys verliess den Verein Richtung Lugano. Daniel Salvi heuerte beim FC Basel an. Der Weggang des Litauers bezeichnete die Walliser Zeitung Le Nouvelliste als harten Schlag für Trainer Pierre-André Schürmann. Rico Fuchs wechselte zum FC St. Gallen, dafür wechselten Leandro Fonseca, Goalie Reto Löpfe und Ralph Steingruber nach Wil. Die Wiler verstärkten sich leihweise beim FC St. Gallen mit Stéphane de Siebenthal und fix mit Philipp Granwehr vom FC St. Otmar.
Saisonverlauf Qualifikationsphase In der Vorbereitungsphase spielten die Wiler unter anderem ein Goodwill Spiel gegen den in der 4. Liga spielenden FC Sirnach.
Das Auftaktspiel wurde am 13. Juli zuhause gegen Baden ausgetragen. Die Partie endete 0:2 für die Gäste. Der Wiler Mateta holte sich dabei, wie in der vorherigen Saison, wieder eine gelb-rote Karte. Auswärts gegen den FC Locarno spielten die Wiler 1:1. Die Giornale del Popolo versah das Spiel mit dem Titel «Non basta il cuore, se la rete resta tabù» («Das Herz reicht nicht, wenn das Tor [wörtlich: Netz] tabu bleibt»). Beim Derby in Gossau hatten die Wiler mit einer 2:1-Niederlage das Nachsehen. Gegen den SC Kriens gewannen die Wiler knapp mit einem 1:0, das erst fünf Minuten vor Schluss fiel.
Zu einem erneuten 1:0-Erfolg kam es zuhause gegen SR Delémont. Gegen Meyrin konnten sich die Wiler auswärts mit Mühen mit 1:2 durchsetzen. Le Matin Dimanche bezeichnete die Wiler Leistung als «bescheiden» («modeste»). Gegen den FC Schaffhausen führte der FC Wil bereits ab der 23. Minute mit 2:0. Das Spiel ging schliesslich 2:2 unentschieden aus. Gábor Gerstenmájer erzielte dabei beide Tore für die Munotstädter. Das Gastspiel gegen Carouge endete torlos. Fabiano Citroni kommentierte für die Lausanner Le Matin, dass Carouge nach einer starken Partie in der vorherigen Runde, sehr schwach gespielt habe. Vom Heimpublikum kamen entsprechend Pfiffe nach der Partie. Zuhause gegen den FC Solothurn kassierten die Wiler in der 92. Minute den Gegentreffer zum 0:1. Zuvor war es in der 53. Minute noch zu einem Pfostentreffer von Hafner gekommen. Im September gewannen die Äbtestädter 1:0 gegen Winterthur nach einem Eigentor von Markus Wanner. Beim FC Baden verloren die Wiler 1:0. Das Spiel zuhause gegen Locarno beschrieb Filippo Frizzi für das Giornale del Popolo als sehr emotional. So gab es bereits in der 7. Minute eine rote Karte gegen Minelli (Locarno) wegen Verhinderung eines Tores mit der Hand. Den entsprechenden Penalty verschoss Paradiso. In der 38. Minute wurde der Wiler Torhüter Löpfe wegen einer Notbremse vom Platz gestellt, Vladimir Petković verwandelte den folgenden Penalty zum zwischenzeitlichen 1:2 für Locarno. Die Partie endete schliesslich 2:2. Ende September feierten die Wiler einen 10:1-Sieg gegen den FC Gossau. Dieser Sieg ist (Stand 2025) der höchste Sieg der Wiler in der NLB.
Diesen Schwung konnten die Wiler nicht in den Oktober mitnehmen. Gegen den SC Kriens setzte es für die Wiler eine happige 4:0-Niederlage ab. Die Wiler verschossen dabei nicht nur einen Penalty, sondern erhielten bereits in der 13. Minute eine rote Karte wegen Tätlichkeit. Auch gegen SR Delémont verloren die Wiler mit 2:1. Olivier Python konnte mit seinem Treffer in der 93. Minute nur noch Ergebniskosmetik betreiben. Charly Barth beschrieb den Match in seinem Bericht für Le Matin als «fade» («insipide»). Beim 3:1-Sieg der Wiler gegen Meyrin hob Le Matin die Leistung der beiden Torhüter hervor. Das Spiel wurde mit zwei Toren der Wiler in der letzten Viertelstunde entschieden. Gegen den FC Schaffhausen machte der FC Wil auswärts einen 2:0-Pausenrückstand wett, verlor dann aber kurz vor Schluss doch noch 3:2. Für Leandro Fonseca war der Treffer in der Partie der neunte Treffer der Saison, damit setzte er sich auf Platz vier der Torschützenliste, unter anderem vor Olivier Python mit acht Treffern.
Im November begannen die Wiler mit einem soliden 1:1 zuhause gegen den Tabellenführer aus Carouge. Gegen den FC Solothurn verlor der FC Wil 1:0. Die Solothurner konnten damit Tabellenführer werden. Beim Heimspiel gegen Yverdon fehlte Stammtorhüter Löpfe, für ihn stand Adrian Bernet zwischen den Pfosten. In seinem Spielbericht für das Journal du Nord vaudois hob Jean-Marc Brauch vor allem das Tor von Leandro in der 27. Minute hervor, das per Fallrückzieher erzielt wurde. Es war das zehnte Tor der Saison für den Brasilianer. Vor der Pause konnte Yverdon noch 1:2 in Führung gehen. Die Wiler drehten das Spiel in zwei Minuten zum 3:2-Schlussresultat. Leandro erzielte dabei das elfte Tor der laufenden Spielzeit. Für Yverdon bedeutete die knappe Niederlage, dass die Aufstiegsrunde verpasst wurde. Die Qualifikation schlossen die Wiler mit einer 1:0-Niederlage gegen Winterthur ab. Die 300 Zuschauer, die auf die Schützenwiese gepilgert waren, sahen den Siegtreffer bereits nach 25. Minuten.
Im Wiler Jahrbuch 1997 wurden die Schwierigkeiten in der Qualifikationsrunde beschrieben, dass Schürmann nur gut fünf Wochen Zeit gehabt hätte aus seiner frisch zusammengestellten Mannschaft zusammenzubringen. Als dies der Fall war, war die Möglichkeit der Aufstiegsrunde bereits vom Tisch.
Abstiegsrunde Wil begann die Abstiegsrunde mit der halbierten Punktzahl aus der Qualifikation, also mit 14 Punkten und damit auf dem vierten Platz von acht. In der Winterpause verstärkten sich die Wiler leihweise mit Stürmer Marko Topić, der vom FC Zürich ausgeliehen wurde.
Im März begannen die Wiler erneut mit einem Spiel gegen den FC Winterthur. Das Spiel endete erneut 1:0. Der spätere Wil-Spieler Umberto Romano erzielte das Tor allerdings erst in der 90. Minute. Zuhause gegen die Delsberger gewannen die Wiler 2:1. Der Jurassier Froidevaux erzielte dabei zwei Tore, allerdings war eines davon ein Eigentor. Beim Aufeinandertreffen auswärts gegen Yverdon Sport gab es ein wieder keinen Sieg für die Waadtländer. Die Wiler Mannschaft von Trainer Schürmann habe damit wieder ihre Unbesiegbarkeit unter Beweis gestellt, meinte für das Journal du Nord Vaudois. Das Spiel endete 1:1. Den März schlossen die Wiler mit einem 2:1 gegen Baden ab. Das einzige Gegentor erzielte Puce ins eigene Tor.
Der April startete mit einem «elegantem Unentschieden» (Antonio Bolzani im Giornale del Popolo) zwischen den zwei recht ausgeglichenen Mannschaften Locarno und Wil. Das Spiel endete torlos 0:0. Beim Auswärtsspiel gegen Gossau, wollten sich die Gossauer für die 10:1-Niederlage revanchieren, was ihnen mit einem knappen 2:1-Sieg gelang. Gegen Meyrin gewann Wil relativ klar mit 2:0. Eine Woche später trafen die beiden Mannschaften wieder aufeinander, dieses Mal in Meyrin. Diese Partie konnten die Genfer mit 5:2 für sich entscheiden.
Der Mai 1997 begann mit einem Kantonsderby gegen Gossau, welches die Wiler mit 2:1 gewinnen konnten. Das eigentliche Heimspiel wurde wegen der Platzsperre aus dem Cup (siehe unten) in Schaffhausen ausgetragen. Zum vierten Mal trafen Locarno und Wil aufeinander und zum vierten Mal gab es ein Unentschieden, zum zweiten Mal ein 1:1. Das 1:1 fiel bereits in der 19. Minute. Beim Gastspiel in Baden mussten die Wiler bereits nach einer guten halben Stunde einem 3:0-Rückstand hinterherrennen, konnten in der zweiten Halbzeit nur noch bis zu einem 3:2 herankommen. Gegen Yverdon konnten sich die Wiler mit 5:2 durchsetzen. Damit setzten sie sich knapp vor den punktgleichen Locarnesi auf Platz drei und hatten sich gleichzeitig den Verbleib in der Nationalliga B gesichert. Im zweitletzten Spiel Delémont gegen Wil kritisierte Charly Barth für Le Matin die Mannschaft aus dem Jura dafür, dass sie zu schnell resigniert und generell schlecht gespielt habe, obwohl es im Spiel um nichts mehr ging, da zu diesem Zeitpunkt der Ligaerhalt beider Mannschaften bereits sicher war.
Wie bereits in der Qualifikationsrunde bestritten die Wiler ihr letztes Spiel gegen den FC Winterthur. Das Ergebnis lautete 0:2 für die souveränen Eulachstädter, die die Saison auf dem ersten Platz der Abstiegsrunde beenden konnten.
Cup In der ersten Partie im Cup konnten die Wiler gegen Bülach knapp 2:3 gewinnen. Das entscheidende Siegtor fiel glücklich in der Verlängerung via Freistoss durch Roman Hafner.
Im Sechzehntelfinal trafen der FC Wil wieder auf den FC Zürich (zuletzt im Cup 1994/95) und konnte erneut gewinnen (3:1). Die Neue Zürcher Zeitung sprach in ihrem Kommentar von einer «blamable[n] Cup-Schlappe». Die Niederlage hätte sogar noch höher ausfallen können. Die Zeitung berichtet davon, dass FCZ-Trainer Raimondo Ponte nach Abpfiff eine halbe Stunde die Kabine abschloss und dort offenbar seinem Team, das als Favorit angereist war, eine Standpauke zu halten.
Im Achtelfinal schieden die Wiler knapp mit 2:3 gegen Lausanne-Sport aus. Nach dem Abpfiff wurde der Schiedsrichter der Partie, Serge Muhmenthaler, von einem Wil-Fan mit einem Stuhl bewusstlos geschlagen. Der FC Wil wurde in der Folge mit einer Busse von 2000 Franken und einer Platzsperre bestraft. Die Platzsperre wurde im Mai beim Heimspiel gegen Gossau vollzogen. Die Wiler richteten das entsprechende Spiel in Schaffhausen aus. Mummenthaler beendete seine Karriere gut ein halbes Jahr nach dem Vorfall, obwohl er gemäss Tages-Anzeiger reelle Chancen für einen Einsatz an der Fussball-Weltmeisterschaft 1998 gehabt hätte.
Resultate Qualifikationsphase
Abstiegsrunde
Cup
Tabelle Qualifikationsrunde Die ersten vier Teams bestritten die NLA-/NLB-Auf-/Abstiegsrunde, der Rest die NLB-Abstiegsrunde.
Abstiegsrunde Die zwei Tabellenletzten stiegen in die 1. Liga ab.
Bonus = halbierte Punkte der Qualifikationsrunde Der FC Gossau und der FC Meyrin stiegen in die 1. Liga ab.
Siehe auch Schweizer Fussballmeisterschaft 1996/97 Schweizer Cup (Fussball, Männer) 1996/97
Einzelnachweise
Kategorie:FC Wil Kategorie:Fußballsaison 1996/97