Die Wyomingkröte (Anaxyrus baxteri, Synonym: Bufo baxteri), auch Baxters Kröte genannt, ist eine nordamerikanische Krötenart aus der Familie der Echten Kröten (Bufonidae).
Merkmale Die Wyomingkröte ist eine kleine Kröte, ausgewachsen erreicht sie eine Körperlänge von etwa 4,5 bis 7,0 cm. Bei adulten Tieren ist die Grundfarbe des Rückens dunkelbraun, grau oder grünlich mit kleinen dunklen Flecken mit einer deutlich erkennbaren, hellen Mittellinie. Der Bauch ist fleckig. Der Rücken weist rundliche Warzen auf. Das runde Tympanum (Trommelfell) ist kleiner als die Augen. Die Tuberkel an den Hinterfüßen, die der Kröte beim Graben helfen, sind bei adulten Tieren gut entwickelt. Mehr als sechs Monate alte Tiere unterscheiden sich von anderen Kröten in der Region durch die geringe Größe und die verbundenen Knochenkämme auf dem Kopf.
Bei den Männchen befindet sich auf der Kehle ein dunkler Fleck und an den Daumen eine dunkle, erhöhte Stelle (Brunstschwielen), die beim Amplexus das Greifen der Weibchen erleichtert. Die Männchen sind kleiner als die Weibchen und nur die Männchen geben Laute von sich.
Die Kaulquappen sind typischerweise tiefschwarz und werden 5 bis 7 mm lang. Im Gegensatz zu den mit ihnen vorkommenden, helleren braunen Kaulquappen der Art Pseudacris maculata stehen die Augen der Kaulquappen der Wyomingkröte zum Rücken hin hervor (bei Pseudacris maculata seitlich hervorstehende Augen).
Lebensraum und Lebensweise Ursprünglich bewohnten Wyomingkröten Überschwemmungsgebiete, Teiche und kleine, von Sickerwasser gespeiste Seen. Die Kaulquappen der Wyomingkröten bevorzugen warmes Wasser und suchen abends aufgrund der nächtlichen Abkühlung tieferes Wasser auf. Die kleinsten Kröten benötigen ausreichend Sonnenlicht für ein gesundes Wachstum und halten sich in Lebensräumen mit geringer Vegetationsbedeckung auf, adulte Tiere bevorzugen zum Schutz nachts dichtere Vegetation als tagsüber. Nagetierhöhlen werden als Rückzugsort bei heißem Wetter und für den Winterschlaf aufgesucht.
Über die Nahrung in freier Wildbahn ist nur wenig bekannt. Junge Tiere wurden beim Versuch, Kriebelmücken zu erbeuten, beobachtet und in Kotproben fanden sich Ameisen und Käfer, die begrenzten Daten lassen jedoch keine Rückschlüsse auf die gesamte Nahrung zu. Im Mortenson Lake National Wildlife Refuge (MLNWR), dort weiden zeitweise Rinder, wurden junge Wyomingkröten beobachtet, wie sie auf Kuhdung sitzend aktiv nach kleinen Gliederfüßern jagten. Auch das Fressen von Kuhdung wurde beobachtet. Die Kaulquappen verfügen über Mundwerkzeuge, die sich zum Abschaben von Oberflächen eignen, und wurden beim Fressen von unbekannten Algen im Mortenson Lake beobachtet.
Die Fortpflanzung findet, je nach Wetterbedingungen, von Mitte Mai bis Mitte Juni statt. Wie bei anderen Anaxyrus-Arten werden die Eier als gallertartige, schwarze Schnüre abgelegt. Die Schnüre ähneln Ketten von schwarzen Perlen und sind oft mit der Vegetation verflochten. Die Kaulquappen schlüpfen innerhalb weniger Tage, die Verwandlung (Metamorphose) vollzieht sich innerhalb von vier bis sechs Wochen.
Verbreitung und Gefährdung Die Wyomingkröte war von den 1950er bis in die frühen 1970er Jahre weit verbreitet, ihre Verbreitung beschränkte sich jedoch auf das Laramie-Becken im Albany County. Die Population brach um 1975 ein und war 1980 extrem niedrig. Im Januar 1984 wurde die Wyomingkröte auf die Bundesliste der gefährdeten Arten gesetzt. Heute ist die Art ein extrem seltenes Amphibium, das nur in Gefangenschaft und im Mortenson Lake National Wildlife Refuge in Wyoming in den Vereinigten Staaten vorkommt.
Um das Aussterben zu verhindern, wurde 1987 die „Wyoming Toad Recovery Group“ gebildet. Ein Schutzplan, abgestimmt mit der lokalen Moskito-Bekämpfung, sollte den bekannten Lebensraum vor möglichen negativen Auswirkungen von Pestiziden schützen. Für das Nutzungsrecht an einem erworbenen Großteil des bestehenden Krötenlebensraums am Mortenson Lake wurde ein Grundbesitzer angrenzender Flächen beteiligt. 1991 startete mit 16 Kröten ein Aufzuchtprogramm in der Sybille Wildlife Research Unit des Wyoming Game and Fish Department. Seit 2005 wurden jährlich über 10.000 Kaulquappen von teilnehmenden Einrichtungen in die freie Wildbahn entlassen. 2003 kamen, aus Platzgründen in der Sybille-Zuchteinrichtung, zehn erwachsene und 61 halbwüchsige Tiere dazu. Im selben Jahr kam es durch den Pilz Basidiobolus ranarum zu einem Massensterben der Wyoming-Kröten im Mortenson Lake, und die Auswilderung wurde an andere Orte verlagert. Erst 2012 kam es erneut zu Auswilderungen im Mortenson Lake. Den Großteil der Anstrengungen zur Freilassung übernahm 2006 die Buford Foundation, Landowner Cooperative Management Agreement (LCMA). Bis 2013 wurden auf deren Grundstück über 98.500 Kaulquappen und Kröten freigelassen.
Die Wyomingkröte gilt seit 1991 als in freier Wildbahn ausgestorben. Trotz über 20-jähriger Bemühungen konnten Brutpopulationen der Wyoming-Kröte nicht wiederhergestellt werden, im Jahr 2017 betrug die Population 1500 Individuen an fünf Standorten, wobei diese Zahl von Jahr zu Jahr stark schwankte. Als Grund für den Status „Extinct in the Wild (EW, in der Natur ausgestorben)“ gibt die IUCN an, dass – auch wenn inzwischen eine Wildpopulation in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet wieder angesiedelt wurde – sich kein selbsterhaltender Bestand mehr etablieren konnte. Die Art ist zur Erhaltung vollständig auf intensives Management und die Freilassung von Nachzuchten angewiesen.
Systematik und Taxonomie mini|Verbreitungsgebiete der Kanadischen Kröte (Anaxyrus hemiophrys) und der Wyomingkröte (Anaxyrus baxteri), beide hier noch in der Gattung Bufo. Die Wyomingkröte wurde 1968 von Kenneth Raymond Porter erstmals beschrieben, ursprünglich als Bufo hemiophrys baxteri, eine Unterart der Kanadischen Kröte, die damals noch in der Gattung Bufo geführt wurde.K. R. Porter: Evolutionary status of a relict population of Bufo hemiophrys Cope. Evolution, 22, 1968, S. 583–594. Schon 1971 schlug Gary C. Packard vor, die Unterart als eigenständige Art anzuerkennen.Gary C. Packard: Inconsistency in application of the biological species concept to disjunct populations of anurans in southeastern Wyoming and north-central Colorado. Journal of Herpetology, 5, 1971, S. 191–193. Nach ausführlichen morphologischen und anatomischen Untersuchungen, speziell der Schädelstruktur, kamen Joseph Thomas Collins et al. zu dem Schluss, dass es sich um eine Art und nicht um eine Unterart handelte. Der Artname baxteri ehrt George T. Baxter (1919–2006), Professor für Zoologie an der University of Wyoming in Laramie, der sich um die Wildtierbiologie in Wyoming verdient gemacht hat. Er wies als erster Zoologe auf die Wyomingkröte als eigenes Taxon hin und setzte sich zeitlebens für die Beobachtung und den Schutz dieser Art ein.
2006 wurde die Wyomingkröte zusammen mit allen anderen nordamerikanischen Krötenarten aus der Gattung Bufo in die wiedererrichtete Gattung Anaxyrus gestellt und trägt nun den Namen Anaxyrus baxteri.
Galerie
Einzelnachweise George T. Baxter, Mark R. Stromberg, C. Kenneth Dodd Jr.: The Status of the Wyoming Toad (Bufo hemiophrys baxteri). Environmental Conservation, Vol. 9, No. 4, 1982, S. 348 und 338. Hobart M. Smith, David Chiszar, Joseph T. Collins und Frank van Breukelen: The taxonomic status of the Wyoming Toad, Bufo baxteri Porter. Contemporary Herpetology, 1998, S. 1–5.
Darrel R. Frost, Taran Grant, Julián Faivovich, Raoul H. Bain, Alexander Haas, Celio F. B. Haddad, Rafael O. de Sá, A. Channing, Mark Wilkinson, Stephen C. Donnellan, Christopher J. Raxworthy, Jonathan A. Campbell, Boris L. Blotto, Paul E. Moler, Robert C. Drewes, Ronald A. Nussbaum, John D. Lynch, David M. Green und Ward C. Wheeler: The amphibian tree of life. In: Bulletin of the American Museum of Natural History. Band 297, 2006, S. 1–370. (The amphibian tree of life. Zusammenfassung und Volltext, engl., abgerufen am 17. September 2025). Kim Vincent, Tyler Abbott (2015): Wyoming Toad Bufo hemiophrys baxteri now known as Anaxyrus baxteri. Revised Recovery Plan 2015. U.S. Fish & Wildlife Service. (Online) Luke Linhoff, Maureen Donnelly (2016) Anaxyrus baxteri (Wyoming Toad). Interactions with cattle. In: Herpetological Review. 47(1), Natural History Notes. S. 103–104. (Online)
Stephen R. Goldberg (2025): Notes on Reproduction of the Wyoming Toad, Anaxyrus baxteri (Anura: Bufonidae), from Wyoming. In: Sonoran Herpetologist. 38 (2). (Online) U.S. Fish and Wildlife Service, Michael D. Stone (1991): Wyoming Toad Recovery Plan. U.S. Fish and Wildlife Service, Denver, Colorado. (Online)
Weblinks
Kategorie:Kröten