mini|Karte des Mittleren Pfälzerwalds Der Stadtwald von Deidesheim (Rheinland-Pfalz) liegt am östlichen Rand des Mittleren Pfälzerwalds. Seine über tausendjährige Geschichte ist auch geprägt von gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Nachbargemeinden um Besitzstände und Nutzungsrechte. Zu Zeiten seiner größten Ausdehnung umfasste seine Fläche etwa 3000 Hektar und gehörte damit zu den größten gemeindeeigenen Waldbesitzungen im Raum der heutigen Pfalz.Siben: S. 229 Im 19. und 20. Jahrhundert schmolz die Waldfläche der Stadt durch Abtretungen und Verkäufe auf etwa 849 Hektar zusammen.

Die Stadt profitiert von ihrem Wald durch den Verkauf der Holzernte und seine Bürger konnten in früheren Zeiten hier ihr Brenn- und Bauholz schlagen; damals war auch die Kleinnutzung von Streu und Leseholz bedeutsam. In jüngerer Zeit wird der Stadtwald auch touristisch genutzt. Seit 2015 wird er im Forstrevier Wallberg zusammen mit dem Waldbesitz von sieben Nachbargemeinden verwaltet und bewirtschaftet.

Geographie mini|Flächen des Stadtwalds (rot umrandet) nach dem Waldplan von 1745, der im Ratssaal des Historischen Rathauses aufgehängt ist. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung umfasste der Stadtwald Deidesheims etwa 12.000 Morgen (ca. 3000 Hektar). Er wurde im Norden vom Forster und vom Wachenheimer Gemeindewald begrenzt; im Osten reichte er bei Deidesheim bis an den östlichen Rand der Haardt heran. Weiter südlich wurde er im Osten von den Gemeindewaldstücken von Ruppertsberg, Königsbach, Gimmeldingen und Haardt begrenzt. Die Südgrenze reichte bis zum Gemeindewald Hambach und bis zum Gebiet um die Burg Spangenberg im Elmsteiner Tal; die Westgrenze lag bei der Frankenweide.

Der Deidesheimer Stadtwald umschloss die Gemeinden Lambrecht und Lindenberg von drei Seiten. Er bestand aus drei Teilen, die durch den Speyerbach, also die Sohle des Neustadter Tals, sowie den Waldbesitz von Lambrecht voneinander getrennt waren. Die älteste Einteilung gliedert ihn in Vorder- und Hinterwald; der Mußbach bildete dabei die Grenze. Im 19. Jahrhundert wurde er von der Forstverwaltung in drei Teile gegliedert: Den Vorderwald – vom östlichen Waldrand bis zu den Nordkämmen des Gimmeldinger Tals und zum Weißen Stich – den Mittelwald – im Wesentlichen das Gimmeldinger Tal selber sowie das Silbertal – und den Hinterwald, der sich südlich und westlich des Mittelwalds bis Neidenfels erstreckte.

mini|Das Deidesheimer Waldloogzeichen ist auf zahlreichen Grenzsteinen und -felsen zu finden. Zahlreiche Grenzsteine und -felsen, welche die Grenze des Deidesheimer Stadtwalds markierten, sind heute noch erhalten, darunter die Breite Loog, der Weinbiet-Stein, der Kaffenstein, der Schwehrstein, der Spielstein, der Hinkelstein, der Loogfels A, der Loogfels Nr. 203, der Pfannenstein, der Christophel-Schuh, der Loogfels am Cyriakuspfad, und die Loogfelsen Zeugenstein und Nonnenbrunz.

Die höchsten Berge im Stadtwald sind der Hintere Stoppelkopf (), der Vordere Langenberg () und der Hermannskopf (). Vier seiner Täler, die ganz oder zum Teil im Stadtwald liegen bzw. lagen, münden nach Osten in die Rheinebene: Das Sensental, das Mühltal, das Gimmeldinger Tal und das Neustadter Tal.

Geschichte Mittelalter Das 699 erstmals erwähnte Deidesheim bestand anfangs aus zwei Orten: Aus Oberdeidesheim, dem heutigen Deidesheim, und Niederdeidesheim, dem heutigen Niederkirchen. Zunächst war das heutige Niederkirchen der Hauptort, spätestens seit dem 14. Jahrhundert war dann in Deidesheim der Sitz der Verwaltung, nachdem dort eine Burg errichtet und der Ort befestigt worden war. Deidesheim war ein altes Königsgut aus fränkischer Zeit, später im Besitz der Salier; seit etwa 1100 war es durch Schenkungen an die Bischöfe von Speyer übergegangen. Einer Legende nach soll zu Anfang der Geschichte des Stadtwalds eine Schenkung des fränkischen Königs Dagobert gestanden haben; auch wenn sein „Testament“, das Deidesheim als Haingeraide nannte, sich später als Fälschung herausstellte, fußte dieses möglicherweise auf tradierten Tatsachen: Den Königshöfen entlang der Haardt, wie Deidesheim einer war, wurden wohl größere Waldgebiete überlassen oder geschenkt, die von den Königen nicht genutzt werden konnten, da sie fernab residierten.Siben: S. 199

Einen Teil seines Waldes musste Deidesheim im Jahr 987 abgeben; Herzog Otto gründete in diesem Jahr das Kloster Lambrecht bei dem Ort Grevenhausen. Bei dem etwa 1000 Morgen großen Waldgebiet, mit dem er das Kloster bei seiner Gründung ausstattete, handelte es sich wohl nicht um sein eigenes, salisches Erbgut, sondern um Wald aus Deidesheimer Besitz.Siben: S. 198 Etwa um das Jahr 1200 ging dem Deidesheimer Stadtwald ein weiteres Stück verloren: Als die Wolfsburg gebaut wurde, um die Straße Neustadt–Kaiserslautern zu schützen, verlehnten die Speyerer Bischöfe das Gelände hierfür an die Pfalzgrafen bei Rhein.

Danach vergrößerte sich der Stadtwald Deidesheims wieder etwas: Das Lambrechter Kloster veräußerte einen Teil seines Waldbesitzes an Deidesheim. In welchem Jahr das geschah, ist nicht bekannt; möglicherweise verkauften die Dominikanerinnen einen Teil ihres Waldes um 1350, als sie die Klosterkirche bauen ließen, um finanzielle Mittel dafür aufbringen zu können. Mit diesem Zuwachs hatte der Deidesheimer Stadtwald um die Mitte des 14. Jahrhunderts seine größte Ausdehnung erreicht.Siben: S. 200

Einigen seiner Nachbarn gewährte Deidesheim Holz- und Weiderechte auf seinen Waldgebieten. Das älteste überlieferte von diesen, die Erlaubnis, Großvieh im Deidesheimer Wald weiden zu lassen, nahm das Kloster St. Lambrecht wahr; es galt hauptsächlich für die Waldungen rechts, also südlich des Speyerbachs. Als Gegenleistung musste jedes Jahr an Pfingstdienstag, dem Gerichtstag in Deidesheim, vom jüngsten Lambrechter Bürger ein Geißbock abgeliefert werden. Obwohl die Weiderechte von Lambrecht schon lange nicht mehr wahrgenommen werden, wird bis heute alljährlich ein Geißbock an Deidesheim abgeliefert.Siben: S. 200–204 Als Die Geißbocktradition zwischen den Städten Lambrecht und Deidesheim wurde diese brauchtümliche Handlung 2025 ins Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen. Daneben gewährte Deidesheim den kurpfälzischen Nachbarn noch drei Holzrechte auf seinem Waldgebiet: Dem Pfarrer von Gimmeldingen, der Burg Winzingen sowie der Kellerei Neustadt. Als Gegenleistung wurde dem Speyerer Bischof als dem Stadtherrn Deidesheims von der Kurpfalz ebenfalls drei Rechte zugesprochen: 1. Das Floßrecht auf dem Speyerbach mit Landerecht auf der Allmende in Neustadt; 2. Deidesheim durfte sein Holz aus dem Wald ohne Wegzoll über Gimmeldingen ausfahren; 3. Deidesheim durfte sein Mehl in der Bischofsmühle in Winzingen mahlen lassen.

Frühe Neuzeit mini|Der Loogfels am Cyriakuspfad markiert seit mindestens 1545 die Grenze zu Lindenberg. Bezüglich solcher Rechte Dritter am Deidesheimer Wald gab es aber Unklarheiten über Art und Umfang. Die Kurpfalz beanspruchte ein viertes Holzrecht für die Wolfsburg, das aber von Deidesheim nicht anerkannt wurde. Die dem Hochstift Speyer machtpolitisch überlegene Kurzpfalz unterstützte ihre an den Deidesheimer Wald angrenzenden Gemeinden darin, steigende Ansprüche gegen das waldreiche Deidesheim durchzusetzen; dies traf auf Neustadt, Gimmeldingen und Haardt zu, die Weiderechte im Deidesheimer Stadtwald hatten und dem Rat von Deidesheim alljährlich in einem Gasthaus dafür einen Imbs als Entgelt dafür geben musste. Im Jahr 1553 wurde das Kloster St. Lambrecht aufgehoben und damit fiel ein weiterer an den Stadtwald angrenzender Bezirk an die Kurpfalz. Um umstrittene Punkte zu klären, einigte sich im Jahr 1503 der Speyerer Bischof Ludwig von Helmstatt mit der Kurpfalz, diese von einem Schiedsgericht klären zu lassen. Als Obmann fungierte der Meister des Deutschen Ordens mit Sitz in der Marienburg, Hartmann von Stockheim. Die Differenzen konnte aber auch der Schiedsspruch nicht vollständig ausräumen. 1521 kam ein Vertrag zwischen der Kurzpfalz und dem Hochstift Speyer zustande, geschlossen zwischen dem Speyerer Bischof Georg von der Pfalz und Kurfürst Ludwig V., demzufolge Deidesheim das Holzrecht für die Wolfsburg anzuerkennen hatte. Bereits zuvor, im Jahr 1448, musste Deidesheim auch der wachsenden Gemeinde Lindenberg sowohl ein Holz- als auch ein Weiderecht im Stadtwald einräumen.Siben: S. 204–209

Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste Deidesheim, um Wiederaufbaumaßnahmen stemmen zu können, seinen Stadtwald vorübergehend verpfänden; selbst über einen Verkauf wurde nachgedacht. Wahrscheinlich wurde er Mitte der 1660er Jahre bereits wieder ausgelöst. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg, in dem Deidesheim 1689 niedergebrannt wurde, litt der Stadtwald schwer, denn es mussten 240 Häuser sowie der Dachstuhl der Ulrichskirche wieder aufgebaut werden.Siben: S. 212–213

Das 18. Jahrhundert war geprägt von Gerichtsprozessen, bei welchen Deidesheim die kurpfälzischen Nachbargemeinden ihre eigenmächtig ausgedehnten Holzrechte zu nehmen sowie Waldfrevel zu unterbinden versuchte. Sie begannen 1726 und zogen sich ein Dreivierteljahrhundert bis in die Franzosenzeit. Wiederholt wurde von Deidesheim in dieser Zeit das Reichsgericht angerufen. Zum Nachteil der Deidesheimer erwies sich die Tatsache, dass das Heilige Römische Reich kaum Möglichkeiten hatte, die Urteile des Reichsgerichts durchzusetzen; seine höchsten Instanzen, der Reichshofrat in Wien und das Reichskammergericht in Wetzlar waren weit entfernt und hatten zudem nur begrenzte Zuständigkeiten. 1726 erhob Deidesheim Klage gegen Gimmeldingen und Haardt wegen zu Unrecht wahrgenommener Holzrechte beim Reichshofrat; dieser fällte erst 1749 ein Urteil, das Deidesheim zwar Recht gab, aber keine praktischen Folgen hatte. Da Deidesheim sein Recht auf diesem Weg nicht durchsetzen konnte, gab es 1755 einen Vertrag zwischen dem Hochstift Speyer und der Kurpfalz, mit dem Deidesheim ein etwa 929 Morgen großes Waldstück – im Wesentlichen der Hintere Langenberg und das Schwalbeneck – nutzungsweise an die Kurpfalz abgeben musste. Sämtliche Holzrechte der Kurpfalz wurden im Gegenzug auf diesen Bereich beschränkt. Da infolgedessen Grenzsteine in diesem Bereich umgesetzt wurden, wurde das Gebiet als „ausgesteinter Wald“ bezeichnet. Der Waldfrevel durch Deidesheims kurpfälzische Nachbargemeinden ging aber unvermindert weiter. Im Jahr 1769 fällte der Reichshofrat erneut ein Urteil zugunsten von Deidesheim, doch wiederum konnte das Deidesheim sein Recht praktisch nicht durchsetzen. Im Jahr 1770 versuchte die Gemeinde Lambrecht mit einer gefälschten Urkunde, die der Fälscher Johann Wilhelm Hannitz aus Hinterweidenthal angefertigt hatte, sich den Deidesheimer Stadtwald südlich des Speyerbachs anzueignen. Die Klage Lambrechts bzw. von deren Schutzherrschaft, der Universität Heidelberg bzw. der Kurpfalz, wurde 1798 aber zugunsten von Deidesheim entschieden. Zum Vollzug des Urteils kam es aber nicht mehr, da inzwischen die Franzosen das Gebiet links des Rheins erobert hatten.Siben: S. 213–219

Franzosenzeit