Paola Bacchetta (geboren in New York) ist eine US-amerikanische Soziologin und Genderforscherin. Sie lehrt als Professorin und Vorsitzende des Department of Gender and Women's Studies an der University of California, Berkeley. Bacchetta war die erste Vorsitzende des 2003 etablierten Gender Consortium in Berkeley. Derzeit wirkt sie als Ko-Koordinatorin des Decolonizing Sexualities Network, einer transnationalen Zusammenkunft von Wissenschaftlern, Kunstakvisisten und Aktivisten.
Leben Bacchetta wurde in New York geboren, wo sie seit ihrer Jugend in lesbischen, antikolonialen, antirassistischen und antikapitalistischen Bewegungen aktiv war. In den 1970er Jahren war sie Gründungsmitglied eines Kollektivs namens „Dyketactics!“. Das Kollektiv verklagte 1976 mehrere Polizisten wegen Gewalt, die sich spezifisch gegen Queers richtete. Obwohl Dyketactics! den Prozess nicht gewann, nutzte die Organisation den öffentlichkeitswirksamen Prozess, um die Sichtbarkeit von Schwulen und Lesben und deren Themen in der Öffentlichkeit zu erhöhen, darunter auch die Notwendigkeit, sexuelle Orientierung als geschützte Kategorie anzuerkennen.Interview with Paola Bacchetta. Paragraph 41.3 (2018):380-387Paola Bacchetta, Suhraiya Jivraj & Sandeep Bakshi (2020) Decolonial Sexualities: Paola Bacchetta in conversation with Suhraiya Jivraj and Sandeep Bakshi, Interventions, 22:4, 574-585
Bacchetta studierte ab 1979 an der amerikanischen John Cabot University in Rom und machte nach einem Wechsel an die American University of Paris 1982 einen Bachelor-Abschluss in Internationalen Angelegenheiten. Es folgten weitere Studien an Pariser Universitäten, die sie mit einem Licence- und Maîtrise-Grad in Politikwissenschaft und Recht sowie 1986 mit einem Diplôme d’études approfondies (DEA) in Soziologie abschloss. Im Jahr 1996 promovierte sie bei Maxime Haubert an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne mit der höchsten Auszeichnung („très bien avec les félicitations du jury“). Ihre Dissertation befasste sich mit der Konstruktion von Identitäten in Hindu-nationalistischen Diskursen des Rashtriya Swayamsevak Sangh und seiner Frauenorganisation Rashtra Sevika Samiti (1939–1992).
Decolonizing Sexualities Network Die Initiative entstand aus einem transnationalen Workshop „Decolonise Queer“ (DQ), der im Dezember 2010 in Berlin stattfand. Dieser wurde von queeren/trans Personen of Colour und Verbündeten organisiert. Im Anschluss daran erhielt die Gruppe eine „Networking Grant“ des britischen Arts and Humanities Research Council (AHRC). Diese Förderung diente dazu, den nächsten Projektabschnitt unter dem Namen ''Decolonizing Sexualities Network'' zu formalisieren. Dank dieses dreijährigen Networking Grants konnten DSN-Aktivitäten in den Jahren 2012 bis 2014 stattfinden. Dazu gehörten unter anderem eine Online-Diskussionsreihen (Oktober 2012 bis Juni 2013), ein zweitägiger internationaler Workshop im Juli 2013 in Großbritannien, ergänzt durch ein Round-Table-Event und ein öffentliches Aktivisten-Event in London, ein weiteres Round-Table-Event sowie der Launch des Buchs Queer African Reader im Dezember 2013. Im Nachgang führten DSN-Aktivitäten zu weiteren Publikationen, darunter die Anthologie Decolonizing Sexualities: Transnational Perspectives, Critical Interventions (2016) und eine Special Issue der Zeitschrift Interventions (Volume 22.4, 2020).
Publikationen (Auswahl)
Bücher Gender in the Hindu Nation: RSS Women as Ideologists (New Delhi: Women Unlimited, 2003) mit Margaret Power: Right-Wing Women: From Conservatives to Extremists around the World (New York: Routledge, 2002) mit Sunaina Maira und Howard Winant: Global Raciality: Empire, Postcoloniality, and Decoloniality (New York: Routledge, 2019) mit Minoo Moallem: Fatima Mernissi For Our Times (New York: Syracuse University Press, 2023)
Journal-Artikel (Auswahl)
Misogynarchies. Kohl Journal, Vol. 11 No. 1 | Winter/Spring 2025 The (failed) production of Hindu nationalized space in Ahmedabad, Gujarat. Gender, Place & Culture, 17 (5), 2010: S. 551–572. Transnational Feminist Practices against War. Meridians (2020) 19 (S1): 131–138. Queer et xénophobie dans le nationalisme hindou postcolonial. Cahiers du Genre (2011) 50(1):65
„Co-Formations: des spatialités de résistance décoloniales chez les lesbiennes ‘of color’ en France“. Genre, sexualité et société. 1. 10.4000/gss.810. Militant Hindu Nationalist Women Reimagine Themselves: Notes on Mechanisms of Expansion/Adjustment. Journal of Women's History. 10. 125-147. 10.1353/jowh.2010.0528.
All our goddesses are armed: Religion, resistance, and revenge in the life of a militant Hindu nationalist woman, Bulletin of Concerned Asian Scholars, 25:4, 38-52
Auszeichnungen Bacchetta erhielt unter anderem Auszeichnungen und Stipendien der Harvard Divinity School, Fulbright, Mellon Foundation, Erudite Scholar Award, Stipendien der Europäischen Union, Beiträge des France-Berkeley Fund, und weitere.
Weblinks Gender and Women's Studies: Paola Bacchetta
Einzelnachweise
Kategorie:Soziologe Kategorie:Geschlechterforscher Kategorie:Hochschullehrer (University of California, Berkeley) Kategorie:Antikolonialismus Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau